BloggerIn vs. AutorIn 1: Massenmails

Photo by Jason Leung on Unsplash

Als AutorIn hat eine es nicht einfach, das geschriebene Meisterwerk an die LeserInnen zu bringen. Erst recht nicht im Selbstverlag, wo sich eine um das Marketing komplett selbst kümmern muss – heisst ja nicht umsonst „Selbst“verlag. Am Besten, so weiß die fleißige AutorIn, arbeite eine mit BloggerInnen zusammen. Blogs über Bücher und Lesen gibt es wie Sand am Meer, da sollte es nicht so schwierig sein, etwas passendes zu finden. Jedoch stellt sich die Arbeit mit BloggerInnen dann doch als umfangreicher heraus, als sie zu Beginn scheint. Bei der Fülle an Blogs lässt sich so manch eine AutorIn tatsächlich zu Massenmails hinreißen. Warum das bei den BloggerInnen gar nicht gut ankommt, lest ihr im Artikel.

Es ist nur natürlich, dass AutorInnen mit BloggerInnen zusammenarbeiten möchten. Durch Rezensionen (hauptsächlich positive) wird Werbung für das eigene Buch gemacht. Blogs erreichen viele Leute, Leseratten auf der Suche nach neuer Lektüre. Und BloggerInnen sind grundsätzlich nicht abgeneigt, neue Bücher bei sich aufzunehmen, besonders wenn sie kostenlos angeboten werden. Jedoch sollte das Buch auch zum Blog passen. Es macht jedoch viel Arbeit, dies herauszufinden und so umgehen häufig AutorInnen den mühsamen Weg und schreiben einfach Massenmails.
Die Adressen können einfach gefunden werden. Auf dem Blog Lesestunden gibt es eine Liste mit allen Bücherblogs, die sich dort eingetragen haben. Manche gibt es nicht mehr, manche sind bereits seit Jahren hoch aktiv und haben damit eine ziemlich große Reichweite. Diese Liste umfasst ca. 1.300 Blogs, die sich mit Büchern beschäftigen. Nur spezialisiert sich jeder Blog auf bestimmte Genres oder Themengebiete, z.B. Fantasy, Krimi, Schnulz, Sachliteratur oder Klassik – wie der Lesestunden-Blog selbst – und mehr. Eine AutorIn sollte die Zielgruppe kennen, die ihr Buch anspricht und sich dann durch alle Blogs wühlen, um herauszufinden, zu welcher BloggerIn ihr Buch passt. Momentmal! ALLE Blogs? JA, alle. Das ist natürlich super aufwändig und zeitraubend. Warum nicht eine Massenmail schreiben? Einfach alle mails sammeln und dann ab dafür…

Und ich dachte, ich hätte alles schon gesehen… 
„Sehr geehrte Literaturbloggerinnen, 


ich will keine Besprechung erbetteln, frech per Massenmail. Einfach ruhig weiteratmen. Ich musste mich erst mal orientieren. So viel Sadomaso? Ach so, in Rezis Welt ist die Sub ein Stapel. Und dann die mehr oder weniger versteckten Emailadressen aufspüren und entsichern. Auf eintausenddreihundertzehn Literaturblogseiten. Das war echt (at)zend. Dot! Wie gern hätte ich mich dennoch mit all euren interessanten, informativen Seiten näher beschäftigt und nur persönliche, individuelle Mails verschickt. Allein, es sind einfach zu viele. Und die Zeit drängt.


Es geht um Sex. Deshalb müssen versehentlich hineingerutschte Minderjährige jetzt aussteigen. Bitte seid folgsam. Und Männer. Ja, auch Männer sollten sich diskret zurückziehen. Denn Männern, jedenfalls den meisten, den durchschnittlichen, den unterdurchschnittlichen Männern, wird die Sache nicht so recht munden.
Wie gesagt, es geht um Sex. Um verrückten Sex. Vordergründig. In Wahrheit geht es um etwas Tieferes. Es geht um, oh nee, ich rezensiere mich schon selbst, Klappe.
Junge, selbstbewusste Frau wird die Muse eines erfolgreichen Künstlers. Er formt sie zu seinem Lustobjekt und Kunstobjekt. Die Muse gerät in einen Sog. Lustobjekt und Kunstobjekt verschmelzen miteinander. Die Muse betritt einen Pfad der Erkenntnis, der sie an ihre Grenzen führt.
Extra für euch habe ich es eingerichtet, dass mein neuer Roman am kommenden Samstag, den 25. November, nur einen Mausklick kostet, vierundzwanzig Stunden lang. 

Ich lese keine eBooks. Ich habe kein Lesegerät, die Dinger sind teuer, unsinnlich, seelenlos und hässlich! Ich hasse eBooks!


Echt traurig. Da möchte man mal was verschenken und es wird nur rumgezetert.


Kassa, geht´s noch krasser? Ihr Lieben! Denkt an Oscar Wilde. Der hielt Bücher nicht hysterisch für moralisch oder unmoralisch, sondern nüchtern für gut oder schlecht geschrieben. So wollen wir es auch halten. Ihr seid ein wenig geschockt? Na also, läuft doch. Möge in besinnlicher Adventszeit dieser schmutzige Musenroman als entrüstet hinter vorgehaltener Hand geflüsterter Geheimtipp sich durchfressen wie ein hartnäckiger Schwelbrand.
Ciao,“

ERNSTHAFT? Ja, sowas gibts…. Die o.g. Mail wurde übrigens sehr heftig in so ziemlich allen Büchergruppen auf Facebook auseinander genommen. Es geht natürlich aus gesetzter und dezenter:

„Liebe Frau Stephan,

zuerst gleich eine Entschuldigung, falls ich mit meiner Buchvorstellung Ihren Leseschwerpunkt verfehlt habe. Als freier Autor bemühe ich mich zwar immer, die richtigen Gesprächspartner zu finden, aber bei der Vielzahl an Literaturblogs und den ständigen Veränderungen ist es nicht immer einfach, auf dem Laufenden zu bleiben. Das ist für eine einzelne Person kaum zu bewältigen. Ich bitte um Ihre Nachsicht.“

Die Blogwelt ist (k)eine Pizza
Nee, Herzchen, irgendwie … nicht. Warum auch? Ja, du hast nett geschrieben, aber NEIN, selbst wenn du mit deinem Buch, den Kern meines Blogs treffen würdest … NEIN. Es ist unverschämt. Ihr schreit doch auch nicht gleich „Hurra“, wenn euch eine Postwurfsendung von irgendeiner Versicherung trifft oder irgendeinem Pizzalieferdienst – selbst wenn ihr Bock auf Pizza habt oder dringend eine Versicherung bräuchtet. Stellt euch mal vor, da kommt ein Pizzalieferant an eure Haustür und will euch eine 4-Käse-Pizza anbieten mit ordentlich Blauschimmelkäse drauf andrehen. Aber euch schmeckt das gar nicht. Doch der Pizzadienst lässt nicht locker: ist doch kostenlos, warum willst du nicht? Na, weils nicht schmeckt. Und damit nicht genug. Fast jede Woche steht ein anderer Pizzabringdienst vor der Haustür und will dich überreden, die Pizza anzunehmen. Blöderweise ist selten eine Pizza dabei, die dich anspricht. Nicht jede Pizza schmeckt jeder. Nicht jedes Buch ist etwas für jede LeserIn (Ich verweise hier dezent auf den Artikel über Zielgruppen)
Ein Blog macht verdammt viel Arbeit. Gerade in Blogs, die sich mit Rezensionen beschäftigen sollen, müssen die Inhaber sehr viel Zeit investieren. Bücher müssen gelesen werden, es müssen Texte dazu verfasst werden – allein das Schreiben einer ordentlichen Rezension dauert mehrere Stunden – und das möchte bitte mehrmals die Woche passieren, weil sonst der Blog in der Masse untergeht. Momentan sind auch noch viele mit der Datenschutzverordnung am Kämpfen. Und dann kommst du mir daher und willst mir erzählen, die Arbeit wäre dir zu viel, einen passenden Blog für dein „Werk“ zu finden? Also bitte!
Ganz ehrlich, Leute. Ja, es macht Arbeit, sich durch eine scheinbar unendlich lange Liste von Blogs zu wühlen. Aber ist es denn zu viel verlangt, wenn ich erwarte, dass sich die AutorIn EINMAL genauer anschaut, was ich hier mache? Ich schreibe schon ewig keine Rezensionen mehr! Schon gesehen? Und erotisches Zeug habe ich auch noch nie gelesen! Genauso sinnlos ist es, einer BetreiberIn eines Fantasy-Blogs einen blutigen Thriller anzubieten, oder einem Klassiker-Blog eine Erotik-Geschichte. Selbst wenn das Buch gelesen wird, könnt ihr nicht unbedingt mit einer guten Rezension rechnen. 
Fazit
Wenn ihr eine individuelle Rezension wollt, dann solltet ihr auch individuell anschreiben. Das ist auch viel effektiver. Ja, es gibt hunderte Fantasy-Blogs und wenn du einen philosophischen Roman geschrieben hast, ist es frustrierend, sich durch tausend Blogs zu wühlen, ohne Ergebnis. Aber wenn du die Seiten dann gefunden hast, dann kannst du auch ordentlich mit den BloggerInnen arbeiten. Die Arbeit mit einer BloggerIn kann dann auch über die eine Rezension hinaus gehen und zu einer engen Kooperation werden. Aber mit Massenmails erreicht ihr gar nichts. Selbst dann nicht, wenn ihr nett schreibt und euch vorab schon mal entschuldigt.

Ein Gedanke zu “BloggerIn vs. AutorIn 1: Massenmails

  1. Jacquy schreibt:

    Guter Beitrag, das Thema kann man nicht oft genug ansprechen. Ich selbst habe schon lange keine solche Mail mehr bekommen und auch davor nur selten, aber ich bekomme das immer wieder von anderen mit und kann manchmal nicht fassen, dass sowas immer noch versucht wird. Von den meisten höre ich, dass sowas direkt ohne Antwort gelöscht wird, darum verstehe ich nicht, dass niemand daraus lernt. Es ist einfach viel effektiver, wenn man sich eine handvoll Blogs sucht, wo zumindest das Genre passt, als hundert Mailadressen blind zu kopieren.Den Pizza-Vergleich finde ich super!

    Liken

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