Selfpublishing: Hyper! Hyper! och nö …

Photo by Sanmeet Chahil on Unsplash
Kennt ihr das? Ihr veröffentlicht euer Buch und sofort geht es durch die ganzen Büchergruppen, Blogs berichten darüber, es landet auf sämtlichen SuBs dieses Landes und jeder schwärmt vom schönen Cover, eure Verkaufszahlen steigen in die Höhe und die monatliche Ausschüttung kommt unermesslichem Reichtum gleich. Kennt ihr nicht? Ich auch nicht. Früher habe ich von einem Hype geträumt. Heute weiß ich, dass das gar nicht so dolle ist, wie ich das anhört … 

Ich habe mit diesem Blog begonnen, weil ich gern lese. Jedoch konnte ich mich nie so richtig mit den Bestseller-Listen und den gehypten Büchern anfreunden, weshalb ich eher außerhalb des Mainstreams geblieben bin. Ich habe mich trotzdem in zig Büchergruppen bei Facebook rumgetrieben, habe etliche Blogs und Rezensionen gelesen. In den letzten drei Jahren habe ich einige Hypes für Bücher mitgemacht und überlebt. Ich kenne jetzt ungefähr die Lebensspanne solcher Bücher und muss sagen: das ist doof.
Drum prüfe, was sich ewig bindet …
Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, wie das anfängt. Irgendeiner postet ein Buch mit einem schönen Cover, dann schreiben ganz viele andere Bücherratten, wie schön die Aufmachung ist und dass sie das Buch entweder auf die Wunschliste oder bereits auf ihr Kindle gesetzt haben. Dann kommen immer mehr Bilder von stolzen Buchbesitzern, schön aufgemachte Bilder mit Glitzerkrams drumherum. Und noch mehr Kommentare von Leuten, die das Buch unbedingt noch lesen wollen oder Leuten, die es uneingeschränkt empfehlen können. Wenn man genau nachfragt oder sich die Rezis anschaut, weiß man gar nicht so recht, wieso das Buch so geliebt wird, denn in den Texten steht kaum etwas Verwertbares: das Buch ist sooooo schön, das Cover ist soooo toll, der Hauptcharakter ist soooo hübsch, ich hab mich in ihn verliebt und vor allem ist es leicht zu lesen
Der Hype um das Buch geht über mehrere Wochen, ich schätze zwischen sechs und acht Wochen. Dann flacht es ab, man sieht nur noch hier und da ein Bild, aber das Buch ist irgendwie immer noch präsent. Und dann,  nach ungefähr vier bis sechs Monaten kommen die ersten negativen Meinungen. Und die häufen sich. Und häufen sich immer mehr. Zunächst könnte eine vermuten, dass sich nun, nachdem der Hype so abgeflacht ist, endlich die LeserInnen trauen, auch mal nicht begeistert von dem Machwerk zu sein. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch zusätzlich auf, dass die meisten, das Buch ungefähr sechs Monate auf ihrem SuB liegen hatten, bevor sie es gelesen haben und kacke fanden. 
Das muss man sich mal vorstellen: die Leute kaufen ein Buch, weil sie das Cover schön finden oder weil sich andere in den Protagonisten verliebt haben, legen es dann auf einen Stapel ungelesener Bücher und stellen nach einem halben Jahr fest, dass das Buch scheiße ist und sie sich die 20 Euro für das Ding hätten sparen können. Blöd nur, dass sie sich inzwischen die Nachfolgebände 2 bis 6 schon für teuer Geld gekauft haben – diese liegen auch bereits auf dem SuB. 
… ob sich nicht noch was bess´res findet.
Hypes sind kacke! Ja, sind sie. Ist ja schick, dass die Verkaufszahlen kurzzeitig in die Höhe springen, aber dann flachen sie derart schnell ab, dass eine fast Depressionen kriegen könnte. Vor allem, wenn man dann auch noch die ganzen miesen Rezensionen darüber zu lesen kriegt. Da lese ich in Büchergruppen schon das ein oder andere Mal, wie sich die LeserInnen darüber aufregen und sich wünschen, sie wären niemals auf den Hype aufgesprungen. Oder sie prangern gnadenlos den sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalt an. 
Ich persönlich habe tatsächlich ein paar der hypten Bücher gelesen, einige über die Leseprobe schon vorher aussortiert. Keines dieser Bücher hat mich auch nur im Geringsten angesprochen. Weder die Story, noch die Charaktere waren auch nur ansatzweise durchdacht und ausgearbeitet. Man sieht hier, dass es völlig wurscht ist, ob man gute Geschichten schreibt oder den letzten Murks – Hauptsache das Marketing stimmt. Und weil hinter diesen Hypes eine Maschinerie eines Großverlags steht, den ohnehin nur die kurzfristigen Umsatzzahlen interessieren, steht die Bewerbung der Bücher an oberster Stelle und wird umfangreich ausgenutzt. 
Meine lieben SchreibkollegInnen und VerlegerInnen, macht euch nix mehr draus, wenn ihr ein schlechtes Buch gehyped seht. In einem halben Jahr wird es niedergemacht. Ich für meinen Teil kann inzwischen auf einen Hype verzichten.

3 Gedanken zu “Selfpublishing: Hyper! Hyper! och nö …

  1. Prinz Rupi schreibt:

    Diese selbst gemachten Hypes entstehen doch zu 99 Prozent aus wechselseitigen Gefälligkeits»rezensionen« und »Likes«. Angst vor Fehlkäufen muss dabei niemand haben. Diejenigen, die derartiges in die Welt setzen, geben keinen Cent aus. In dem meisten Fällen haben sie das Opus vom Autor/Verlag bekommen, kaufen mit Gutschein oder sondern ihren Textmüll einfach nur so ab …

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  2. Michou schreibt:

    Ich wundere mich oftmals sehr leise, wo denn eigentlich all die anderen Leserinnen sind, die nicht nur 'leicht Lesbares' wollen. Oder unter einem Bad Boy einen Scheißkerl verstehen. Oder unter einer starken Frau nicht eine, die geil aussieht, ständig geil ist und ansonsten Männersachen macht. Aber ich verirre mich gerade leicht angetriggert in die falsche Richtung … sorry 🙂

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