Marketing für AutorInnen 3: Social Media – Der Da Vinci Code

Neulich stellte sich in einer Facebook-Gruppe die Frage nach Social Media Management. Es hieß, man müsse mehrmals täglich posten, um eine angemessene Reichweite erhalten zu können. Und ja, viele sehr erfolgreiche Influencer machen dies auch. Nur, kann man diese Praxis nicht unbedingt auf AutorInnen und den Buchmarkt übertragen. Außerdem sollte man dies auch genauer betrachten. Im Frühling habe ich selbst eine Studie bei YouTube durchgeführt und möchte euch hier zum einen die Ergebnisse mitteilen und zum anderen auch die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen. Es wird spannend.

In der Studie, die ich im Rahmen meiner Ghostwriter-Tätigkeit durchgeführt habe, ging es um die Analyse von erfolgreichen YouTuberInnen. Da soll mir noch einer sagen, ich würde aus der Arbeit nicht schlau werden. Ich habe dabei 50 YouTube-Kanäle in einem bestimmten Bereich geprüft, dabei ging es um die Anzahl der hochgeladenen Videos, der Kommentare und Follower. Außerdem habe ich die Lebensdauer einbezogen , also wie lange es den Kanal schon gibt, und die Zielgruppe. Ich hatte erwartet, dass Leute, die mehrmals täglich Videos hochladen, dann auch viele Follower haben und Kommentare erhalten. Diese Vermutungen konnten nicht ganz bestätigt werden.
Ja, die erfolgreichen YouTuberInnen laden mehrmals täglich Videos hoch, das unterscheidet sie allerdings nicht von den nicht-erfolgreichen Leuten. Die Videos, die hochgeladen werden, sind meist von kurzer Dauer, meist 5 min, manchmal auch 10 min, selten  länger. YouTuberInnen, die längere Videos machen, laden dementsprechend auch weniger hoch. Dafür allerdings regelmäßig. Ein Video zu produzieren macht eben verdammt viel Arbeit – einen Blogartikel zu schreiben auch, da ist Instagram schon einfacher. Auch erhalten Influencer nicht immer super viele Kommentare auf ihre Videos, es sei denn, es ist besonders schlecht oder absolut irre. Die besonders erfolgreichen YouTuberInnen waren schon seit 2007 oder früher dabei.
Die Stütze der Gesellschaft
Was ist jedoch festgestellt habe und bemerkenswert fand, war die Tatsache, dass auch neue YouTuberInnen, die völlig unbekannt sind, sehr schnell Follower generieren könne, wenn sie Kooperationen mit anderen YouTuberInnen eingehen oder gar der Kanal von einer sehr bekannten YouTuberIn unterstützt wird, z.B. mit Interviews, Kommentaren, gemeinsamen Sachen etc. Das war etwas, was in der Studie  überhaupt nicht beachtet wurde: der Support und das Netzwerk der YouTuberInnen. Die Studie hat sich ausschließlich auf quantitative Faktoren gestützt, wobei dieser Faktor gänzlich außer Acht gelassen wurde. 
Ein weiterer Erfolgsfaktor, der (wider Erwarten) eine Rolle spielt, war tatsächlich der Content – also der Inhalt. Das hätte ich gar nicht erwartet, aber guter Content, der auf die Zielgruppe zurechtgeschnitten ist, ist wirklich wirksamer als alles andere. Naja, und natürlich Geduld. Die Studienergebnisse lassen sich relativ gut auf die anderen Social Media Kanäle übertragen. 
Handlungsempfehlungen
AutorInnen können daraus einige Tipps für die Praxis ziehen. Zum einen ist es super wichtig, dass ihr euch mit anderen AutorInnen zusammenschließt. Das müssen nicht immer AutorInnengruppen sein, mit denen man sich für Messen einen Stand mietet und gemeinsame Unternehmungen macht, sondern das kann auch ganz einfach Support in den Sozialen Medien sein. Ihr könnt zum Beispiel die Veröffentlichungen von befreundeten AutorInnen aus dem gleichen Genre teilen. Netzwerken stellt ohnehin für AutorInnen einen wichtigen Bestandteil der Arbeit dar. So kann man sich nicht nur austauschen und über die Werke reden, sondern sich auch gegenseitig unterstützen. Und weil man Dank Social Media nicht mehr zwingend direkte Nachbarn sein muss, um sich zu über die Aktivitäten des anderen zu informieren, fällt das sehr leicht. Ihr solltet allerdings auch zu 100 Prozent hinter den Inhalten stehen, die ihr von anderen AutorInnen teilt.
Betreffend der Postings ist zu sagen, dass es auf die Regelmäßigkeit ankommt, nicht auf die Häufigkeit. Regelmäßig kann auch einmal die Woche sein, so wie ich es mache, oder einmal am Tag. Das Problem dabei ist, dass man nicht für jeden Tag interessanten Stoff hat, den man präsentieren kann. Dafür sucht ihr euch zum Beispiel einen Tag in der Woche aus, an denen ihr etwas hochladet. Die LeserInnen können sich dann darauf verlassen, an diesem bestimmten Tag in der Woche ein neuer Artikel oder etwas über das neue Buch auf eurer Seite erscheint. Es wird nicht mehr zufällig und damit  unberechenbar, sondern verlässlich. So verpassen die LeserInnen keine Informationen mehr und können eure Sachen häufiger teilen. 
Die Inhalte sollten allerdings wirklich etwas für euch und eure LeserInnen bringen. Das ist natürlich nicht so einfach, aber ihr müsst halt schauen, was eure Zielgruppe von euch sehen will. Es muss interessant sein und euch oder eure Bücher betreffen. Und irgendwelche „sinnigen“ Sprüche sind auf Dauer auch Langweilig und verschrecken die LeserInnen – es sei denn, ihr habt ein Buch mit sinnigen Sprüchen veröffentlicht. Daher würde ich eher empfehlen, seltener zu Posten, dafür aber qualitativ hochwertiger. Dies können Informationen zu euren Büchern sein, zu eurer Person (überlegt euch, wie viel Einblick ihr den LeserInnen in euer Privatleben geben wollt), Hintergrundwissen zu den Büchern, Entstehungsgeschichten, Preisaktionen, Zitate aus den Büchern, Termine für Lesungen und Messen die ihr besucht, und natürlich auch der Content von anderen AutorInnen aus eurem Genre.

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