Frauen in der Fantasy 7: Die dicke Tilla!

Photo by Clarke Sanders on Unsplash

Ich habe das Buch „Fa(t)shionista“ von Magda Albrecht gelesen, in dem es um Dickenfeindlichkeit in der Gesellschaft geht. Dicke werden häufig mit üblen Vorurteilen belegt, die sich auch in Filmen und Büchern widerspiegeln. Dicke sind faul, hässlich, werden nicht geliebt und essen permanent. Ich habe geschaut, wie das in der Fantasy verarbeitet wird. Gibt es dicke Amazonen? Nein. Auf keinen Fall. Dicke Kriegerinnen? Nein. Obwohl es dicke männliche Krieger durchaus gibt. Ich möchte in diesem Beitrag für mehr dicke Frauen in der Fantasy plädieren.

Zu Anfang muss ich noch erwähnen, dass ich wirklich Mühe hatte, ein passendes Bildchen für meinen Text zu finden. Unter der Suche „dicke Frau“ spuckte mir der Fotostock tatsächlich Schwangere aus oder eben Fotos von Dicken beim Essen. hmmm…
Was ist an Dicken eigentlich so schlimm, dass sie es kaum in die Rolle der Protagonisten schaffen? Mal die Komödien ausgenommen, denn Dicke sind laut Vorurteil ja super lustig. Stattdessen begnügen sie sich mit unscheinbaren Nebenrollen, wie etwa die dicke Freundin, die nie einen Mann findet, oder die herrische Nachbarin mit den Lockenwicklern im Haar. Immer sind es die Rollen, die zeigen, Dicksein ist doof. Du kriegst keinen Mann, wenn du dick bist, du siehst hässlich aus, wenn du dick bist, du kannst dich nicht schick anziehen, wenn du dick bist, du kannst … nichts, wenn du dick bist. 
Mir geht das auf die Nerven. Ich stelle mir die Frauen in den Büchern, die ich gern lese, immer kurvig vor und bin dann maßlos enttäuscht, wenn die AutorIn schreibt, wie dünn die Protagonistin ist, wie makellos ihre Haut ist und wie filigran ihre Hände sind. Dabei stellt sich mir immer die Frage, ob das überhaupt glaubwürdig ist. 
Wie muss eine Person sein, die eine mehrere Kilo schwere Rüstung tragen kann? Haben Vampire wirklich vor einem zarten Püppchen in Lackhose Angst? Hat eine Frau, die täglich ein Schwert schwingt filigrane Finger? War Dünnsein im Mittelalter wirklich Schönheitsideal? Wie sieht eine Frau aus, die es gewohnt ist, sich mit Bösewichten zu prügeln? Und waren die Modelle der Künstler immer dünn und makellos. Wohl eher nicht.
Ich bin aber nicht nur dafür, den Körper der Frau an den Kontext anzupassen, sondern plädiere auch für mehr dicke Frauen in der Fantasy. Dicken werden viele Eigenschaften zugeschrieben und abgeschrieben. Sie können nicht lange laufen, sind schwach, unsportlich, tollpatschig, dumm und träge. Das stimmt aber nicht. Natürlich können auch dicke Personen all das, was eine dünne Person kann. Sie können auch Vampire töten, ein Schwert schwingen und einem Kerl die Fresse polieren – wahrscheinlich sogar besser als ein zartes Püppchen.
Wenn man sich dagegen nämlich mal den männlichen Part anschaut. Wie viele dicke Männer, schwingen ein Schwert, rennen sogar mit freier Brust und Bauch herum und prügeln sich auf offener Straße oder in irgendwelchen Arenen? Sie zeigen ihren Speck und jeder findet das normal. Dicke Frauen dagegen werden versteckt. Oder neben eine magersüchtige Protagonistin gestellt, um diese noch dünner erscheinen zu lassen. 
Fazit
Ich finde, AutorInnen sollten sich bewusst werden, dass dünne und untergewichtige Frauen nicht der Realität entsprechen – es sei denn, du schreibst einen Roman auf dem Laufsteg. Ich selbst kenne keine einzige AutorIn, die nicht selbst ein paar Kilo über ihrem „Idealgewicht“ ist und mindestens als kurvig gilt, wenn nicht sogar als dick. Warum schreibt ihr also Geschichten über und für dürre Leute? Schreibt doch mal Geschichten mit Frauen, mit denen sich die LeserInnen und ihr auch ihr identifizieren könnt. So schwer ist es doch nicht. Eine Protagonistin wird nicht wegen ihrer Figur oder ihres Gewichts gemocht, sondern wegen ihrer Rolle, die sie verkörpert. 

Ein Gedanke zu “Frauen in der Fantasy 7: Die dicke Tilla!

  1. Diandra schreibt:

    \“Meine\“ Helena ist tatsächlich explizit nicht-schlank … sie läuft zwar gerne, lebt aber überwiegend von Fertigpizza und Keksen und beschreibt sich an einer Stelle als \“wie aus Mozzarella geformt\“. Weiter habe ich das allerdings nie thematisiert, denn normale Menschen denken ja auch nicht den ganzen Tag lang über ihr Gewicht nach. Sie macht halt Dinge – fährt Motorrad, hext in der Gegend herum, reißt blöde Witze und rettet die Welt (oder wenigstens kleine Teile davon). Bis jetzt hat sich noch niemand darüber beschwert. ^^

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