LitCamp Herbst 2021

Ich war das erste mal auf dem Literaturcamp Heidelberg, das dieses Mal online statt fand, und bin gleich mit einer Session ins kalte Wasser gesprungen. Bei mir ging es um Charakterdesign mit Persönlichkeitspsychologie, wobei der Fokus auf den psychischen Störungen lag.

Mein Ziel war es, andere Schreibende bei der Charaktererstellung zu unterstützen, sodass glaubwürdige Charaktere mit Ecken und Kanten erstellt werden können. Weiterhin lag es mir am Herzen Tipps und Hinweise dazu zu geben, wie man psychische Störungen in Büchern korrekt und anschaulich darstellen kann, ohne eine Liste von Symptomen aufzuzählen.

Es war eine sehr gute Session und es wurden einige interessante Fragen gestellt. Ich möchte euch hier die Folien zur Session bereitstellen. Außerdem habe ich die Aufzeichnung von YouTube verlinkt.

Ich möchte hier eine CN für binäre Formulierungen setzen. Ich habe den Vortrag weitestgehend genderneutral gehalten, jedoch reproduziere ich an ein paar Stellen binäre Forschungserkenntnisse. Mir war das vor dem Vortrag bewusst, ich habe jedoch vor Aufregung vergessen, darauf hinzuweisen und diesen Umstand zu kritisieren. Das betrifft vor allem Erkenntnisse über Narzissmus und Psychopathie. Ich weiß, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und mir ist bewusst, dass ich mit der Widergabe von binären Erkenntnissen einige Leute ausgeschlossen habe. Ich bitte dafür um Entschuldigung.

Leider war es mir nicht möglich, Studien und Ergebnisse vorzuweisen, die alle Geschlechter mit einbeziehen. Ich habe vor der Session extra noch mal nachgeschaut, aber es gibt derzeit keine Forschung zu trans oder nicht-binären Personen bezogen auf Persönlichkeit und psychische Störungen. Es besteht ein enormer Forschungsbedarf.

Ich erkläre euch kurz, woran das liegt:

Forschung finanziert sich meist aus Geldern der Regierung und durch private Investitionen (z.B. Wirtschaftsunternehmen). Diese forschen vornehmlich in den Gebieten, die ihnen finanzielle Vorteile schaffen können. Genderstudies, Psychologie, Soziologie etc. bringen kein Geld ein. Es ist natürlich nicht gut, dass Forschung von finanziellen oder wirtschaftlichen Aspekten abhängig gemacht wird, weil dadurch viele Felder einfach gar nicht oder ungenügend erforscht sind. Deshalb bringen sich viele Forschende schon in ihrer Freizeit und unentgeltlich dafür ein. Das ist jedoch nicht immer möglich. Deshalb geht vieles schleppend und in Baby-Steps voran.

Weiterhin müsst ihr berücksichtigen, dass Forschung auch mal sehr lange dauern kann. Besonders, wenn es sehr aufwändig ist, z.B. in der Neuropsychologie. Das ist nicht innerhalb von 3 Monaten wie bei einer Bachelorarbeit gemacht. Manche Projekte dauern mehrere Jahre. Auch muss die Stichprobe groß genug sein. Bei vielen Themen ist es schwer, Freiwillige zusammenzukriegen. Dann fällt die Stichprobe sehr klein aus und ist im Prinzip nicht wirklich aussagekräftig. Dann müssen mehr und mehr Untersuchungen mit kleiner Stichprobe gemacht und miteinander verglichen werden. Bis das aber so weit ist, dauert es immer eine ganze Zeit.

Daher beziehe ich mich in der Session auf Studienergebnisse, die sehr binär aufgestellt ist. Vorenthalten wollte ich diese Erkenntnisse aber nicht, da sie doch für andere Menschen nützliche Ergebnisse darstellen. Ich bin mir sicher, dass sich das in Zukunft ändern wird. Weiterhin kann ich mir vorstellen, dass durch die Einbeziehung mehrerer Geschlechter auch viele Studienergebnisse hinfällig werden oder dass einige Forschungsfelder komplett neu aufgerollt werden müssen. Es bleibt also noch viel zu tun. Ich bin ein optimistischer Mensch und sehe der künftigen Forschung positiv entgegen. Hoffentlich kann ich euch bald Forschungsergebnisse zeigen, die alle Geschlechter mit einbeziehen.

Datei:

Aufzeichnung der Session:

Weiterhin habe ich folgende Links und Informationen für euch:

IPIP NEO Persönlichkeitstest: Den Test könnt ihr für euch selbst, aber auch für eure Charaktere nutzen. Wahrscheinlich werden keine total überraschenden Ergebnisse dabei rauskommen. Ihr kennt euch ja schließlich selbst am besten. Aber ihr könnt damit zum Beispiel schauen, wie sich eure Persönlichkeit in guten und in schlechten Phasen verändert. In der Psychologie werden solche Tests meist in Verbindung mit weiteren Inventaren oder Skalen durchgeführt, zum Beispiel ein Persönlichkeitstest + Test, der Depressionen misst, um beim Thema zu bleiben.

ICD-10: Das ICD-10 ist quasi eine Auflistung von allen möglichen Krankheiten der Welt und deren Symptome. Wenn ihr einen Suchbegriff eingebt, werdet ihr zur entsprechenden Kategorie weitergeleitet. Die Psychischen Störungen befinden sich in der Kategorie F0-9. Bitte achtet darauf, nicht wahllos irgendwelche Symptome zu nehmen, sondern sucht gezielt nach einzelnen Symptomen, die zu eurem Charakter und der derzeitigen Situation passen.

Bücher von Lydia Benecke: Kann ich euch wirklich sehr empfehlen. Sie schreibt sehr anschaulich und verständlich über verschiedene Arten von Psychopathien und weiteren Störungen. Wenn ihr allgemein etwas über Psychopathen wissen möchtet, dann empfehle ich euch das Buch „Auf dünnem Eis“. Wenn ihr gezielt nach Informationen über Psychopathinnen (cis-weiblich) sucht, dann lege ich euch das Buch „Psychopathinnen“ ans Herz. Ihr lernt unheimlich viel. Auch lohnen sich die Videos und Materialien auf der Website von Lydia.

Fachbücher: Wenn ihr geballte Informationen über verschiedene psychische Störungen sucht, kann ich euch als Einsteiger*innen das Buch „Klinische Psychologie: Psychische Störungen KOMPAKT“ empfehlen. Hier sind verschiedene Störungen sehr übersichtlich und anschaulich aufgeführt. Auch die verschiedenen Therapiearten und wie eine Behandlung angegangen wird, werden hier erklärt. Das Buch ist gut für Personen geeignet, die nicht Psychologie studiert haben, aber genauere Informationen suchen.

Veröffentlicht von anjafrieda

Autorin von Steampunk und Urban Fantasy

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