Selfpublishing: Coverdesign

Bild von Pixabay

Im Selfpublishing muss man sich ja um alles selbst kümmern – wie eben in einem richtigen Verlag. So auch um das Cover des Buches. Hier tue ich mich persönlich sehr schwer. Auf der einen Seite habe ich viele Idee, einen guten Geschmack und häufig schon genaue Vorstellungen, wie es aussehen soll. Es hapert an der Umsetzung. Viele AutorInnen empfehlen, gerade das Cover auszulagern und einen Profi dafür zu engagieren. Nun, es gibt Cover-DesignerInnen wie Sand am Meer. Wie finde ich nun die richtige für mich?

„Selfpublishing: Coverdesign“ weiterlesen

Frauen in der Fantasy: die graue Frau

Ich bastel gerade an dem Plot für mein neues Projekt und beschäftige mich sehr mit meiner Protagonistin. Bei meinem Debüt wurde mir vorgeworfen, meine Gwen wäre eine Bitch (Zitat) und so war ich gezwungen, sie weicher zu zeichnen, als ich es eigentlich vorgehabt hatte. Es fällt mir nun nicht leicht, eine Frau in die Hauptrolle zu stecken, wenn ich versuche, sie an die Wünsche der LeserInnen anzupassen. Und um ehrlich zu sein, habe ich darauf auch keine Lust.

„Frauen in der Fantasy: die graue Frau“ weiterlesen

Frauen in der Fantasy 7: Die dicke Tilla!

Photo by Clarke Sanders on Unsplash

Ich habe das Buch „Fa(t)shionista“ von Magda Albrecht gelesen, in dem es um Dickenfeindlichkeit in der Gesellschaft geht. Dicke werden häufig mit üblen Vorurteilen belegt, die sich auch in Filmen und Büchern widerspiegeln. Dicke sind faul, hässlich, werden nicht geliebt und essen permanent. Ich habe geschaut, wie das in der Fantasy verarbeitet wird. Gibt es dicke Amazonen? Nein. Auf keinen Fall. Dicke Kriegerinnen? Nein. Obwohl es dicke männliche Krieger durchaus gibt. Ich möchte in diesem Beitrag für mehr dicke Frauen in der Fantasy plädieren.

Zu Anfang muss ich noch erwähnen, dass ich wirklich Mühe hatte, ein passendes Bildchen für meinen Text zu finden. Unter der Suche „dicke Frau“ spuckte mir der Fotostock tatsächlich Schwangere aus oder eben Fotos von Dicken beim Essen. hmmm…
Was ist an Dicken eigentlich so schlimm, dass sie es kaum in die Rolle der Protagonisten schaffen? Mal die Komödien ausgenommen, denn Dicke sind laut Vorurteil ja super lustig. Stattdessen begnügen sie sich mit unscheinbaren Nebenrollen, wie etwa die dicke Freundin, die nie einen Mann findet, oder die herrische Nachbarin mit den Lockenwicklern im Haar. Immer sind es die Rollen, die zeigen, Dicksein ist doof. Du kriegst keinen Mann, wenn du dick bist, du siehst hässlich aus, wenn du dick bist, du kannst dich nicht schick anziehen, wenn du dick bist, du kannst … nichts, wenn du dick bist. 
Mir geht das auf die Nerven. Ich stelle mir die Frauen in den Büchern, die ich gern lese, immer kurvig vor und bin dann maßlos enttäuscht, wenn die AutorIn schreibt, wie dünn die Protagonistin ist, wie makellos ihre Haut ist und wie filigran ihre Hände sind. Dabei stellt sich mir immer die Frage, ob das überhaupt glaubwürdig ist. 
Wie muss eine Person sein, die eine mehrere Kilo schwere Rüstung tragen kann? Haben Vampire wirklich vor einem zarten Püppchen in Lackhose Angst? Hat eine Frau, die täglich ein Schwert schwingt filigrane Finger? War Dünnsein im Mittelalter wirklich Schönheitsideal? Wie sieht eine Frau aus, die es gewohnt ist, sich mit Bösewichten zu prügeln? Und waren die Modelle der Künstler immer dünn und makellos. Wohl eher nicht.
Ich bin aber nicht nur dafür, den Körper der Frau an den Kontext anzupassen, sondern plädiere auch für mehr dicke Frauen in der Fantasy. Dicken werden viele Eigenschaften zugeschrieben und abgeschrieben. Sie können nicht lange laufen, sind schwach, unsportlich, tollpatschig, dumm und träge. Das stimmt aber nicht. Natürlich können auch dicke Personen all das, was eine dünne Person kann. Sie können auch Vampire töten, ein Schwert schwingen und einem Kerl die Fresse polieren – wahrscheinlich sogar besser als ein zartes Püppchen.
Wenn man sich dagegen nämlich mal den männlichen Part anschaut. Wie viele dicke Männer, schwingen ein Schwert, rennen sogar mit freier Brust und Bauch herum und prügeln sich auf offener Straße oder in irgendwelchen Arenen? Sie zeigen ihren Speck und jeder findet das normal. Dicke Frauen dagegen werden versteckt. Oder neben eine magersüchtige Protagonistin gestellt, um diese noch dünner erscheinen zu lassen. 
Fazit
Ich finde, AutorInnen sollten sich bewusst werden, dass dünne und untergewichtige Frauen nicht der Realität entsprechen – es sei denn, du schreibst einen Roman auf dem Laufsteg. Ich selbst kenne keine einzige AutorIn, die nicht selbst ein paar Kilo über ihrem „Idealgewicht“ ist und mindestens als kurvig gilt, wenn nicht sogar als dick. Warum schreibt ihr also Geschichten über und für dürre Leute? Schreibt doch mal Geschichten mit Frauen, mit denen sich die LeserInnen und ihr auch ihr identifizieren könnt. So schwer ist es doch nicht. Eine Protagonistin wird nicht wegen ihrer Figur oder ihres Gewichts gemocht, sondern wegen ihrer Rolle, die sie verkörpert. 

Marketing für AutorInnen 3: Social Media – Der Da Vinci Code

Neulich stellte sich in einer Facebook-Gruppe die Frage nach Social Media Management. Es hieß, man müsse mehrmals täglich posten, um eine angemessene Reichweite erhalten zu können. Und ja, viele sehr erfolgreiche Influencer machen dies auch. Nur, kann man diese Praxis nicht unbedingt auf AutorInnen und den Buchmarkt übertragen. Außerdem sollte man dies auch genauer betrachten. Im Frühling habe ich selbst eine Studie bei YouTube durchgeführt und möchte euch hier zum einen die Ergebnisse mitteilen und zum anderen auch die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen. Es wird spannend.

In der Studie, die ich im Rahmen meiner Ghostwriter-Tätigkeit durchgeführt habe, ging es um die Analyse von erfolgreichen YouTuberInnen. Da soll mir noch einer sagen, ich würde aus der Arbeit nicht schlau werden. Ich habe dabei 50 YouTube-Kanäle in einem bestimmten Bereich geprüft, dabei ging es um die Anzahl der hochgeladenen Videos, der Kommentare und Follower. Außerdem habe ich die Lebensdauer einbezogen , also wie lange es den Kanal schon gibt, und die Zielgruppe. Ich hatte erwartet, dass Leute, die mehrmals täglich Videos hochladen, dann auch viele Follower haben und Kommentare erhalten. Diese Vermutungen konnten nicht ganz bestätigt werden.
Ja, die erfolgreichen YouTuberInnen laden mehrmals täglich Videos hoch, das unterscheidet sie allerdings nicht von den nicht-erfolgreichen Leuten. Die Videos, die hochgeladen werden, sind meist von kurzer Dauer, meist 5 min, manchmal auch 10 min, selten  länger. YouTuberInnen, die längere Videos machen, laden dementsprechend auch weniger hoch. Dafür allerdings regelmäßig. Ein Video zu produzieren macht eben verdammt viel Arbeit – einen Blogartikel zu schreiben auch, da ist Instagram schon einfacher. Auch erhalten Influencer nicht immer super viele Kommentare auf ihre Videos, es sei denn, es ist besonders schlecht oder absolut irre. Die besonders erfolgreichen YouTuberInnen waren schon seit 2007 oder früher dabei.
Die Stütze der Gesellschaft
Was ist jedoch festgestellt habe und bemerkenswert fand, war die Tatsache, dass auch neue YouTuberInnen, die völlig unbekannt sind, sehr schnell Follower generieren könne, wenn sie Kooperationen mit anderen YouTuberInnen eingehen oder gar der Kanal von einer sehr bekannten YouTuberIn unterstützt wird, z.B. mit Interviews, Kommentaren, gemeinsamen Sachen etc. Das war etwas, was in der Studie  überhaupt nicht beachtet wurde: der Support und das Netzwerk der YouTuberInnen. Die Studie hat sich ausschließlich auf quantitative Faktoren gestützt, wobei dieser Faktor gänzlich außer Acht gelassen wurde. 
Ein weiterer Erfolgsfaktor, der (wider Erwarten) eine Rolle spielt, war tatsächlich der Content – also der Inhalt. Das hätte ich gar nicht erwartet, aber guter Content, der auf die Zielgruppe zurechtgeschnitten ist, ist wirklich wirksamer als alles andere. Naja, und natürlich Geduld. Die Studienergebnisse lassen sich relativ gut auf die anderen Social Media Kanäle übertragen. 
Handlungsempfehlungen
AutorInnen können daraus einige Tipps für die Praxis ziehen. Zum einen ist es super wichtig, dass ihr euch mit anderen AutorInnen zusammenschließt. Das müssen nicht immer AutorInnengruppen sein, mit denen man sich für Messen einen Stand mietet und gemeinsame Unternehmungen macht, sondern das kann auch ganz einfach Support in den Sozialen Medien sein. Ihr könnt zum Beispiel die Veröffentlichungen von befreundeten AutorInnen aus dem gleichen Genre teilen. Netzwerken stellt ohnehin für AutorInnen einen wichtigen Bestandteil der Arbeit dar. So kann man sich nicht nur austauschen und über die Werke reden, sondern sich auch gegenseitig unterstützen. Und weil man Dank Social Media nicht mehr zwingend direkte Nachbarn sein muss, um sich zu über die Aktivitäten des anderen zu informieren, fällt das sehr leicht. Ihr solltet allerdings auch zu 100 Prozent hinter den Inhalten stehen, die ihr von anderen AutorInnen teilt.
Betreffend der Postings ist zu sagen, dass es auf die Regelmäßigkeit ankommt, nicht auf die Häufigkeit. Regelmäßig kann auch einmal die Woche sein, so wie ich es mache, oder einmal am Tag. Das Problem dabei ist, dass man nicht für jeden Tag interessanten Stoff hat, den man präsentieren kann. Dafür sucht ihr euch zum Beispiel einen Tag in der Woche aus, an denen ihr etwas hochladet. Die LeserInnen können sich dann darauf verlassen, an diesem bestimmten Tag in der Woche ein neuer Artikel oder etwas über das neue Buch auf eurer Seite erscheint. Es wird nicht mehr zufällig und damit  unberechenbar, sondern verlässlich. So verpassen die LeserInnen keine Informationen mehr und können eure Sachen häufiger teilen. 
Die Inhalte sollten allerdings wirklich etwas für euch und eure LeserInnen bringen. Das ist natürlich nicht so einfach, aber ihr müsst halt schauen, was eure Zielgruppe von euch sehen will. Es muss interessant sein und euch oder eure Bücher betreffen. Und irgendwelche „sinnigen“ Sprüche sind auf Dauer auch Langweilig und verschrecken die LeserInnen – es sei denn, ihr habt ein Buch mit sinnigen Sprüchen veröffentlicht. Daher würde ich eher empfehlen, seltener zu Posten, dafür aber qualitativ hochwertiger. Dies können Informationen zu euren Büchern sein, zu eurer Person (überlegt euch, wie viel Einblick ihr den LeserInnen in euer Privatleben geben wollt), Hintergrundwissen zu den Büchern, Entstehungsgeschichten, Preisaktionen, Zitate aus den Büchern, Termine für Lesungen und Messen die ihr besucht, und natürlich auch der Content von anderen AutorInnen aus eurem Genre.

Ghostwriting: Lästerschwester

Ich wurde von mehreren meiner FreundInnen gebeten, einmal über meine KundInnen zu schreiben, die meine Dienste als Ghostwriter in Anspruch nehmen. Dies rührt daher, dass sich wohl manche von der Arbeit eine recht verklärte Vorstellung machen. Selbst ich habe zu Beginn meiner Tätigkeit geglaubt, die KundInnen und ich würden zusammenarbeiten und die KundInnen wären für meine Dienstleistungen dankbar. … … Nein. Dem ist nicht so. Mir wurde ziemlich schnell und sehr deutlich klar, dass ich hier als Dienstleisterin in einem Markt gesehen werde. Und so verhalten sich die auch die AuftraggeberInnen. In diesem Artikel erzähle ich ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Nun, seinen Text fremdschreiben zu lassen, erfordert ein gewisses finanzielles Polster oder den Willen für ein paar Monate auf verdammt viele Dinge zu verzichten – oder reiche Eltern. Es ist mitnichten so, dass mich nur „reiche“ KundInnen beauftragen. Die meisten sind schlichtweg … dumm – sorry, muss ich so sagen. Und wenn ihr meinen Text zu ende gelesen habt, denkt ihr bestimmt genauso.
Ich hatte mal einen Auftrag, es ging um Digitalisierung in der Industrie und die Auswirkungen auf verschiedene Bereiche. 60 Seiten sollten geschrieben werden. Die ersten 15 Seiten hatte der Kunde bereits verfasst, jedoch war damit sein Professor nicht einverstanden (am Thema vorbei), weshalb er sich nun an mich wandte. Mir blieben 4 Wochen Zeit. 
Bereits das erste Telefonat stieß mir sauer auf. Ich verbrachte an einem Freitagabend tatsächlich 1 geschlagene Stunde damit, dem Kunden zu erklären, wie ich die Arbeit aufziehen wollte. Hauptsächlich jedoch beruhigte ich ihn, weil er Angst hatte, durchzufallen. Er wollte zu diesem Zeitpunkt bereits ganz genau wissen, welche Unterpunkte ich unter die einzelnen Hauptpunkte setzen wollte und gab mir genaue Anweisungen, welche Themen in unbedingt behandeln sollte, dabei sollte dies nur ein Vorab-Gespräch sein, um den Rahmen abzustecken. Gut und schön. Normalerweise dauert so ein Gespräch ca. 15 min. Ich durfte meine Verabredung absagen, mit der ich ins Kino wollte.
Ich korrigierte also den bestehenden Teil, schrieb einiges neu, übersetze neu, fügte neue Quellen hinzu und schloss mit einigen Seiten mehr an. Ich schickte dem Kunden eine Teillieferung, dann hörte ich zwei Wochen lang nichts, stattdessen fragte er mich nach einer weiteren Teillieferung. Ich sagte ihm, ich würde noch auf sein Feedback warten. Die Agentur nötigte mich jedoch, weiterzuschreiben. Ich schrieb also, schickte erneut eine Teillieferung und bat um Feedback. Ich möchte nicht eine ganze Arbeit schreiben und dann hinterher erfahren, dass alles Mist ist und noch mal von vorn beginnen. Dies erklärte ich dem Kunden, der jedoch berief sich darauf, dass sein Prof krank oder im Urlaub sei und er ihn deswegen nicht fragen könne. Ich sagte ihm, dass er doch selbst wissen müsse, was in seiner Arbeit stehen soll und ob er sich das einmal durchgelesen hat, was ich da geschrieben habe.

„Ja, das habe ich natürlich durchgelesen.“
„Na, dann können Sie mir doch auch sagen, ob ich so weitermachen kann oder wo ich in eine andere Richtung gehen muss.“
„Ja, also“ blätter blätter „Die Arbeit ist auf jeden Fall schön geschrieben. Ich sehe auch schöne Übergänge und so.“
WHAT?

Ich wendete mich an die Agentur, dass ich keine Anhaltspunkte habe, der Kunde mit dem Feedback nicht rausrückt und wenn ich jetzt weiterschreibe, ich dann auf keinen Fall dafür gerade stehe. Das Abgabedatum hatten wir dann auch irgendwann überschritten, weil sich der Kunde einfach nicht meldete. Immer schob er seinen Prof. vor, der angeblich nie da war. 
An einem weiteren Telefontermin, der 2 Stunden andauerte, wollte er haarklein wissen, in welchen Worten ich welche Prozesse beschreiben wollte. Nachdem ich ihn wieder ewig beruhigt hatte, meine Herangehensweise bis ins Kleinste dargelegt hatte, fragt er mich zum Schluss tatsächlich: „So, wie machen wir denn jetzt weiter, hm? Was schreiben Sie als nächstes?“ Die Telefonate fanden übrigens immer abends statt, weil der Kunde zu keiner anderen Zeit konnte. Wer´s glaubt. Mich hat er jedenfalls immer um meinen wohl verdienten Feierabend gebracht.
Ich schreibe der Agentur, dass das so nicht geht und ich keine Telefonate mehr mit dem Kunden führen will. Ein Feedback hatte ich ja auch immer noch nicht und ich war bereits dabei, den letzten Teil zu schreiben. Der Kunde hatte mir versichert, dass er das Fazit unbedingt selbst schreiben wollte, also schickte ich ihm den letzten Teil ohne Fazit. Man errät es schon: kein Feedback. Ich habe einfach nichts bekommen. Wir hatten mittlerweile 3 Monate an dem Ding gesessen, ohne Ergebnis. 

„Ich verstehe aber gar nicht, warum Sie von MIR ein Feedback haben wollen. Das macht doch immer der Professor.“
„Naja, eigentlich läuft das so, dass Sie mit Ihrem Prof das Thema und den Rahmen absprechen und dann die Arbeit schreiben. Allein. Ab und an, wenn Sie Fragen haben, rufen Sie dann Ihren Prof an und holen sich Rat. Aber ansonsten schreiben Sie die Arbeit allein.“
„Ach ehrlich?“
„Ja, so ist der normale Ablauf.“
„Aber nein, Barbara, das verstehen Sie falsch. Wissen Sie, ich bin ja an einer Privatschule, da läuft das alles gaaaaanz anders. Da bestimmt alles der Professor.“

Das glaube ich kaum, denn ich schreibe sehr viel für Privatschulen und da  läuft das ganz genauso ab, wie an staatlichen Universitäten.
Aber dann: der Kunde hatte tatsächlich den Prof. erreicht, das Feedback sandte er mir sofort zu. Es bestand aus einem einzigen Satz: „Die Arbeit sieht gut aus, aber machen Sie mal einen Absatz hier, damit die Fragestellung besser rauskommt.“ Das war alles! Ich warte 3 Monate auf das da?
Ich schreibe also auch noch das Fazit. Es folgt ein weiteres Telefonat mit dem Kunden. Er entschuldigt sich, dass er mich so lange hinhält.

„Sie wissen ja gar nicht, wie ich mich fühle.“
„Doch, eigentlich schon.“
„Haben Sie denn eigentlich schon mal eine solche Arbeit geschrieben?“
Ich muss laut lachen.
„Doch schon?“
„Mal abgesehen von meiner eigenen Abschlussarbeit? So ungefähr 25.“

Nun denn, ich hatte den Auftrag im August angenommen, im September sollte der fertig sein. War er aber nicht. Ich habe dann Anfang Dezember auf mein Honorar bestanden, weil der Kunde schließlich die komplette Arbeit hatte. Abgegeben hat er  sie allerdings erst … keine Ahnung. Ich habe noch zwischen Weihnachten und Neujahr Anfragen diesbezüglich bekommen. Der Kunde wollte unbedingt seinen Teil zum Fazit beitragen. Nachdem er mir mehrere Versuche schickte, schrieb ich ihm, er sollte die Finger von der Arbeit lassen, er würde sie nur  noch versauen. Danach hat er sich jedenfalls nicht mehr gemeldet.
Es kam dann auch übrigens noch raus, dass der Kunde bereits 2 Mal durch die Abschlussarbeit gefallen war, weil er Mist geschrieben hatte. Ich war nun sein letzter Versuch.

Selfpublishing: Hyper! Hyper! och nö …

Photo by Sanmeet Chahil on Unsplash
Kennt ihr das? Ihr veröffentlicht euer Buch und sofort geht es durch die ganzen Büchergruppen, Blogs berichten darüber, es landet auf sämtlichen SuBs dieses Landes und jeder schwärmt vom schönen Cover, eure Verkaufszahlen steigen in die Höhe und die monatliche Ausschüttung kommt unermesslichem Reichtum gleich. Kennt ihr nicht? Ich auch nicht. Früher habe ich von einem Hype geträumt. Heute weiß ich, dass das gar nicht so dolle ist, wie ich das anhört … 

Ich habe mit diesem Blog begonnen, weil ich gern lese. Jedoch konnte ich mich nie so richtig mit den Bestseller-Listen und den gehypten Büchern anfreunden, weshalb ich eher außerhalb des Mainstreams geblieben bin. Ich habe mich trotzdem in zig Büchergruppen bei Facebook rumgetrieben, habe etliche Blogs und Rezensionen gelesen. In den letzten drei Jahren habe ich einige Hypes für Bücher mitgemacht und überlebt. Ich kenne jetzt ungefähr die Lebensspanne solcher Bücher und muss sagen: das ist doof.
Drum prüfe, was sich ewig bindet …
Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, wie das anfängt. Irgendeiner postet ein Buch mit einem schönen Cover, dann schreiben ganz viele andere Bücherratten, wie schön die Aufmachung ist und dass sie das Buch entweder auf die Wunschliste oder bereits auf ihr Kindle gesetzt haben. Dann kommen immer mehr Bilder von stolzen Buchbesitzern, schön aufgemachte Bilder mit Glitzerkrams drumherum. Und noch mehr Kommentare von Leuten, die das Buch unbedingt noch lesen wollen oder Leuten, die es uneingeschränkt empfehlen können. Wenn man genau nachfragt oder sich die Rezis anschaut, weiß man gar nicht so recht, wieso das Buch so geliebt wird, denn in den Texten steht kaum etwas Verwertbares: das Buch ist sooooo schön, das Cover ist soooo toll, der Hauptcharakter ist soooo hübsch, ich hab mich in ihn verliebt und vor allem ist es leicht zu lesen
Der Hype um das Buch geht über mehrere Wochen, ich schätze zwischen sechs und acht Wochen. Dann flacht es ab, man sieht nur noch hier und da ein Bild, aber das Buch ist irgendwie immer noch präsent. Und dann,  nach ungefähr vier bis sechs Monaten kommen die ersten negativen Meinungen. Und die häufen sich. Und häufen sich immer mehr. Zunächst könnte eine vermuten, dass sich nun, nachdem der Hype so abgeflacht ist, endlich die LeserInnen trauen, auch mal nicht begeistert von dem Machwerk zu sein. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch zusätzlich auf, dass die meisten, das Buch ungefähr sechs Monate auf ihrem SuB liegen hatten, bevor sie es gelesen haben und kacke fanden. 
Das muss man sich mal vorstellen: die Leute kaufen ein Buch, weil sie das Cover schön finden oder weil sich andere in den Protagonisten verliebt haben, legen es dann auf einen Stapel ungelesener Bücher und stellen nach einem halben Jahr fest, dass das Buch scheiße ist und sie sich die 20 Euro für das Ding hätten sparen können. Blöd nur, dass sie sich inzwischen die Nachfolgebände 2 bis 6 schon für teuer Geld gekauft haben – diese liegen auch bereits auf dem SuB. 
… ob sich nicht noch was bess´res findet.
Hypes sind kacke! Ja, sind sie. Ist ja schick, dass die Verkaufszahlen kurzzeitig in die Höhe springen, aber dann flachen sie derart schnell ab, dass eine fast Depressionen kriegen könnte. Vor allem, wenn man dann auch noch die ganzen miesen Rezensionen darüber zu lesen kriegt. Da lese ich in Büchergruppen schon das ein oder andere Mal, wie sich die LeserInnen darüber aufregen und sich wünschen, sie wären niemals auf den Hype aufgesprungen. Oder sie prangern gnadenlos den sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalt an. 
Ich persönlich habe tatsächlich ein paar der hypten Bücher gelesen, einige über die Leseprobe schon vorher aussortiert. Keines dieser Bücher hat mich auch nur im Geringsten angesprochen. Weder die Story, noch die Charaktere waren auch nur ansatzweise durchdacht und ausgearbeitet. Man sieht hier, dass es völlig wurscht ist, ob man gute Geschichten schreibt oder den letzten Murks – Hauptsache das Marketing stimmt. Und weil hinter diesen Hypes eine Maschinerie eines Großverlags steht, den ohnehin nur die kurzfristigen Umsatzzahlen interessieren, steht die Bewerbung der Bücher an oberster Stelle und wird umfangreich ausgenutzt. 
Meine lieben SchreibkollegInnen und VerlegerInnen, macht euch nix mehr draus, wenn ihr ein schlechtes Buch gehyped seht. In einem halben Jahr wird es niedergemacht. Ich für meinen Teil kann inzwischen auf einen Hype verzichten.

BloggerIn vs. AutorIn 1: Massenmails

Photo by Jason Leung on Unsplash

Als AutorIn hat eine es nicht einfach, das geschriebene Meisterwerk an die LeserInnen zu bringen. Erst recht nicht im Selbstverlag, wo sich eine um das Marketing komplett selbst kümmern muss – heisst ja nicht umsonst „Selbst“verlag. Am Besten, so weiß die fleißige AutorIn, arbeite eine mit BloggerInnen zusammen. Blogs über Bücher und Lesen gibt es wie Sand am Meer, da sollte es nicht so schwierig sein, etwas passendes zu finden. Jedoch stellt sich die Arbeit mit BloggerInnen dann doch als umfangreicher heraus, als sie zu Beginn scheint. Bei der Fülle an Blogs lässt sich so manch eine AutorIn tatsächlich zu Massenmails hinreißen. Warum das bei den BloggerInnen gar nicht gut ankommt, lest ihr im Artikel.

Es ist nur natürlich, dass AutorInnen mit BloggerInnen zusammenarbeiten möchten. Durch Rezensionen (hauptsächlich positive) wird Werbung für das eigene Buch gemacht. Blogs erreichen viele Leute, Leseratten auf der Suche nach neuer Lektüre. Und BloggerInnen sind grundsätzlich nicht abgeneigt, neue Bücher bei sich aufzunehmen, besonders wenn sie kostenlos angeboten werden. Jedoch sollte das Buch auch zum Blog passen. Es macht jedoch viel Arbeit, dies herauszufinden und so umgehen häufig AutorInnen den mühsamen Weg und schreiben einfach Massenmails.
Die Adressen können einfach gefunden werden. Auf dem Blog Lesestunden gibt es eine Liste mit allen Bücherblogs, die sich dort eingetragen haben. Manche gibt es nicht mehr, manche sind bereits seit Jahren hoch aktiv und haben damit eine ziemlich große Reichweite. Diese Liste umfasst ca. 1.300 Blogs, die sich mit Büchern beschäftigen. Nur spezialisiert sich jeder Blog auf bestimmte Genres oder Themengebiete, z.B. Fantasy, Krimi, Schnulz, Sachliteratur oder Klassik – wie der Lesestunden-Blog selbst – und mehr. Eine AutorIn sollte die Zielgruppe kennen, die ihr Buch anspricht und sich dann durch alle Blogs wühlen, um herauszufinden, zu welcher BloggerIn ihr Buch passt. Momentmal! ALLE Blogs? JA, alle. Das ist natürlich super aufwändig und zeitraubend. Warum nicht eine Massenmail schreiben? Einfach alle mails sammeln und dann ab dafür…

Und ich dachte, ich hätte alles schon gesehen… 
„Sehr geehrte Literaturbloggerinnen, 


ich will keine Besprechung erbetteln, frech per Massenmail. Einfach ruhig weiteratmen. Ich musste mich erst mal orientieren. So viel Sadomaso? Ach so, in Rezis Welt ist die Sub ein Stapel. Und dann die mehr oder weniger versteckten Emailadressen aufspüren und entsichern. Auf eintausenddreihundertzehn Literaturblogseiten. Das war echt (at)zend. Dot! Wie gern hätte ich mich dennoch mit all euren interessanten, informativen Seiten näher beschäftigt und nur persönliche, individuelle Mails verschickt. Allein, es sind einfach zu viele. Und die Zeit drängt.


Es geht um Sex. Deshalb müssen versehentlich hineingerutschte Minderjährige jetzt aussteigen. Bitte seid folgsam. Und Männer. Ja, auch Männer sollten sich diskret zurückziehen. Denn Männern, jedenfalls den meisten, den durchschnittlichen, den unterdurchschnittlichen Männern, wird die Sache nicht so recht munden.
Wie gesagt, es geht um Sex. Um verrückten Sex. Vordergründig. In Wahrheit geht es um etwas Tieferes. Es geht um, oh nee, ich rezensiere mich schon selbst, Klappe.
Junge, selbstbewusste Frau wird die Muse eines erfolgreichen Künstlers. Er formt sie zu seinem Lustobjekt und Kunstobjekt. Die Muse gerät in einen Sog. Lustobjekt und Kunstobjekt verschmelzen miteinander. Die Muse betritt einen Pfad der Erkenntnis, der sie an ihre Grenzen führt.
Extra für euch habe ich es eingerichtet, dass mein neuer Roman am kommenden Samstag, den 25. November, nur einen Mausklick kostet, vierundzwanzig Stunden lang. 

Ich lese keine eBooks. Ich habe kein Lesegerät, die Dinger sind teuer, unsinnlich, seelenlos und hässlich! Ich hasse eBooks!


Echt traurig. Da möchte man mal was verschenken und es wird nur rumgezetert.


Kassa, geht´s noch krasser? Ihr Lieben! Denkt an Oscar Wilde. Der hielt Bücher nicht hysterisch für moralisch oder unmoralisch, sondern nüchtern für gut oder schlecht geschrieben. So wollen wir es auch halten. Ihr seid ein wenig geschockt? Na also, läuft doch. Möge in besinnlicher Adventszeit dieser schmutzige Musenroman als entrüstet hinter vorgehaltener Hand geflüsterter Geheimtipp sich durchfressen wie ein hartnäckiger Schwelbrand.
Ciao,“

ERNSTHAFT? Ja, sowas gibts…. Die o.g. Mail wurde übrigens sehr heftig in so ziemlich allen Büchergruppen auf Facebook auseinander genommen. Es geht natürlich aus gesetzter und dezenter:

„Liebe Frau Stephan,

zuerst gleich eine Entschuldigung, falls ich mit meiner Buchvorstellung Ihren Leseschwerpunkt verfehlt habe. Als freier Autor bemühe ich mich zwar immer, die richtigen Gesprächspartner zu finden, aber bei der Vielzahl an Literaturblogs und den ständigen Veränderungen ist es nicht immer einfach, auf dem Laufenden zu bleiben. Das ist für eine einzelne Person kaum zu bewältigen. Ich bitte um Ihre Nachsicht.“

Die Blogwelt ist (k)eine Pizza
Nee, Herzchen, irgendwie … nicht. Warum auch? Ja, du hast nett geschrieben, aber NEIN, selbst wenn du mit deinem Buch, den Kern meines Blogs treffen würdest … NEIN. Es ist unverschämt. Ihr schreit doch auch nicht gleich „Hurra“, wenn euch eine Postwurfsendung von irgendeiner Versicherung trifft oder irgendeinem Pizzalieferdienst – selbst wenn ihr Bock auf Pizza habt oder dringend eine Versicherung bräuchtet. Stellt euch mal vor, da kommt ein Pizzalieferant an eure Haustür und will euch eine 4-Käse-Pizza anbieten mit ordentlich Blauschimmelkäse drauf andrehen. Aber euch schmeckt das gar nicht. Doch der Pizzadienst lässt nicht locker: ist doch kostenlos, warum willst du nicht? Na, weils nicht schmeckt. Und damit nicht genug. Fast jede Woche steht ein anderer Pizzabringdienst vor der Haustür und will dich überreden, die Pizza anzunehmen. Blöderweise ist selten eine Pizza dabei, die dich anspricht. Nicht jede Pizza schmeckt jeder. Nicht jedes Buch ist etwas für jede LeserIn (Ich verweise hier dezent auf den Artikel über Zielgruppen)
Ein Blog macht verdammt viel Arbeit. Gerade in Blogs, die sich mit Rezensionen beschäftigen sollen, müssen die Inhaber sehr viel Zeit investieren. Bücher müssen gelesen werden, es müssen Texte dazu verfasst werden – allein das Schreiben einer ordentlichen Rezension dauert mehrere Stunden – und das möchte bitte mehrmals die Woche passieren, weil sonst der Blog in der Masse untergeht. Momentan sind auch noch viele mit der Datenschutzverordnung am Kämpfen. Und dann kommst du mir daher und willst mir erzählen, die Arbeit wäre dir zu viel, einen passenden Blog für dein „Werk“ zu finden? Also bitte!
Ganz ehrlich, Leute. Ja, es macht Arbeit, sich durch eine scheinbar unendlich lange Liste von Blogs zu wühlen. Aber ist es denn zu viel verlangt, wenn ich erwarte, dass sich die AutorIn EINMAL genauer anschaut, was ich hier mache? Ich schreibe schon ewig keine Rezensionen mehr! Schon gesehen? Und erotisches Zeug habe ich auch noch nie gelesen! Genauso sinnlos ist es, einer BetreiberIn eines Fantasy-Blogs einen blutigen Thriller anzubieten, oder einem Klassiker-Blog eine Erotik-Geschichte. Selbst wenn das Buch gelesen wird, könnt ihr nicht unbedingt mit einer guten Rezension rechnen. 
Fazit
Wenn ihr eine individuelle Rezension wollt, dann solltet ihr auch individuell anschreiben. Das ist auch viel effektiver. Ja, es gibt hunderte Fantasy-Blogs und wenn du einen philosophischen Roman geschrieben hast, ist es frustrierend, sich durch tausend Blogs zu wühlen, ohne Ergebnis. Aber wenn du die Seiten dann gefunden hast, dann kannst du auch ordentlich mit den BloggerInnen arbeiten. Die Arbeit mit einer BloggerIn kann dann auch über die eine Rezension hinaus gehen und zu einer engen Kooperation werden. Aber mit Massenmails erreicht ihr gar nichts. Selbst dann nicht, wenn ihr nett schreibt und euch vorab schon mal entschuldigt.

Schreiben: let´s write about Sex, Baby

Wenn ich mir die aktuellen Bestseller anschaue, möchte ich fast denken, dass der Beischlaf zu einer der wichtigsten Komponente der Story geworden ist. Wo früher solche Bücher, in denen die ProtagonistInnen zwei bis drei mal miteinander schlafen, noch als Pornografie abgestempelt wurden (Siehe „Salz auf unserer Haut“, 1988), wird sowas heute in die Regale für Jugendliteratur gestellt. Aufklärungsbücher sind das mitnichten. Und aus irgendeinem Grund ähneln sich nicht nur die Charaktere auf verblüffende Art und Weise, auch der Beischlaf scheint genauso kreativ und abwechslungsreich, wie der in einer 30-jährigen Ehe.

Let´s write about you and me

Nun, es fällt schon auf, dass die Charaktere in den Büchern genauso austauschbar und nichtssagend sind wie irgendeine Integralrechnung im Mathebuch der Schule. Die Kerle sind alle gleich. Die Mädels auch. Sie haben weder Hobbies, noch Freunde, noch irgendwelche Interessen und ihre einzige Aufgabe in den Büchern scheint darin zu bestehen, dem Kerl hinter zu sabbern. Die Kerle sind immer beliebt, immer schön und immer irgendwie arschig, arrogant und rücksichtslos. Da wundert es doch eigentlich gar nicht, dass der Sex ebenso geschmacklos wie langweilig geschieht.
Selbst in Fantasy-Geschichten müssen die Charaktere zwingend miteinander ins Bett, weil „es sonst nicht romantisch ist“. Aber eigentlich ist an den Szenen einer Beziehung in den aktuell beliebtesten Büchern überhaupt nix romantisch, sondern eher gruselig. Denn eine richtige Beziehung scheinen die Charaktere nicht aufbauen zu können, sobald sie erkennen, dass sie sich halbwegs mögen … schwupps… begeben sie sich hin die Horizontale. Da dies relativ früh in den Geschichten passiert, bleibt der AutorIn meist gar nichts anderen übrig als „zur Würze“ eine dritte Partei mitspielen zu lassen. Da man sich ja vorher keine Gedanken über die Art der Beziehung gemacht hat und wie die beiden ProtagonistInnen dann miteinander umgehen, stellt sich die „Liebe“ zwischen den beiden auch ziemlich öde dar. Da muss man sich halt was ausdenken und weil man solche Geschichten am Fließband produziert, will man keine Zeit für Kreativität verplempern und greift einfach auf bewährte Mittel zurück.

Let´s write about all the good things …

Gehen wir erstmal zu den guten Sachen über, gemäß dem Motto: erst loben, dann kritisieren.
Es gibt bestimmt Geschichten, wo Sex reinpasst und /oder auch schön beschrieben wird, so dass man sich tatsächlich noch was darunter vorstellen kann. Und eigentlich ist es ja auch nicht schlecht, die ProtagonistInnen miteinander schlafen zu lassen, immerhin leben wir nicht mehr in den 80ern, wo sowas absolut verpönt war. Und auch eindeutig beschriebene Szenen werden heute nicht mehr als Pornografie bezeichnet, sondern gehören einfach dazu. Vielleicht können sich die LeserInnen sogar noch etwas abschauen oder sich Tipps holen. Lesen soll ja die Kreativität steigern.
… and the bad things that may be…

Es spricht ja nichts im Allgemeinen gegen Sex. Es ist nur so, dass es überhand nimmt und einen Stellenwert in Büchern einnimmt, der der Sache einfach nicht wert ist. Das schlimme dabei ist: es trägt nichts, absolut nichts, zur Story bei. Wo früher noch Dialoge zwischen den ProtagonistInnen entstanden, dürfen wir heute direkt an ihrem Sexualleben teilhaben. Warum sollte man in einer Liebesgeschichte auch miteinander reden?
Ich habe mir die Sex-Szenen in einigen Büchern einmal angesehen und habe wirklich seufzend vor dem Bildschirm gehockt – nicht weil ich besonders viel Spaß daran hatte, sondern vor Enttäuschung. Ich hatte ja tatsächlich gehofft, einmal ein paar einschlägige Szenen zu lesen, wo ich mir eventuell sogar ein paar Tipps holen könnte als Autorin. Leider wurde ich schwerlich enttäuscht.
Die Mädels werden in den Büchern beinahe grundsätzlich von den Herren der Schöpfung dominiert, die geben sich hilflos, willenlos und lassen alles mit sich machen – teilweise, weil sie keine Ahnung haben oder schlicht ziemlich dumm sind. Sie haben keine eigenen Vorstellungen oder Vorlieben, und stehen sowieso immer zur Verfügung wie ein Jungpionier in der DDR (Allzeit bereit? Immer bereit!). Dass sie mal keinen Bock auf den Kerl haben, kommt äußerst selten vor, und wenn, dann lassen sie sich doch noch „überreden“.
Die Szenen an sich ähneln sich so dermaßen, dass man meinen könnte, die AutorInnen hätten von einander abgeschrieben. Es geht hauptsächlich darum, dass der Kerl das Mädel auf den Boden/gegen die Wand/aufs Bett drückt, sie küsst und dann folgt auch schon die Penetration. Ein Vorspiel besteht aus … nichts … Gibt es einfach nicht – ist vielleicht überflüssig oder gar nicht gewollt. So lese ich Szenen, in denen ein Kerl ankommt, zwei Worte mit der Protagonistin wechselt und sie dann auch schon besteigt. In einer Szene, in der das Mädel wohl gerade mal doch keine Lust auf eine körperliche Vereinigung hat, steckt ihr der Kerl mal eben die Hand in die Hose – und schon ist sie umgestimmt. Also nicht nur, dass ich einem Kerl die Hand abhacken würde, sollte sie ungefragt in die Nähe meines Schritts wandern, habe ich selbst noch nicht erlebt, dass ein simples Hand-in-die-Hose-Stecken schon dazu führt, dass man bereit ist, sich dem/derjenigen (die/den man vorher auch noch kacke fand) plötzlich hinzugeben. In einem anderen Buch wird das Mädel in einer Art Jungs-WG herumgereicht und jeder darf mal drüber rutschen. Das alles schick verpackt in einer fadenscheinigen Liebesgeschichte. Es ist immer der gleiche Murks. Sogar die Wortlaute, mit denen diese Szenen beschrieben werden, ähneln sich.
Von der Szene selbst kriegt man meist wenig mit. Es wird beschrieben, wie er über sie herfällt, dass sie sich „hingibt“, sich „fallen lässt“ etc. und schon ist die Sache auch wieder vorbei. In einem Buch, das ich einmal lektoriert habe, wird die ganze Geschichte über darauf hingesteuert, dass die beiden ProtagonistInnen miteinander im Bett landen. Dann, als endlich der Moment gekommen ist, besteht die ganze Szene aus drei Sätzen: Sie zieht ihn aus, er zieht sie aus, dann küssen sie sich, Ende. Am nächsten Morgen wacht sie auf und denkt sich: WOOOOW, das war das BESTE! Ich habe mittlerweile wirklich die Befürchtung, dass Sex für die AutorInnen wirklich nur drei Sätzen besteht. Mein Mitleid hält sich allerdings in Grenzen.
Fazit
Sex nimmt einen viel zu hohen Stellenwert in den Geschichten ein. Es scheint fast so, als hätten die AutorInnen zuerst die Sexszene geschrieben, und erst danach begonnen, eine Geschichte drumherum zu spinnen. Damit könnten auch die zusammengehackten Storylines erklärt werden. Liebe Sexszenen-Schreiberlinge, meint ihr nicht, dass die LeserInnen eurer Geschichten nicht doch etwas mehr Kreativität verdient hätten? Wofür schreibt ihr denn sonst so einen Kram, wenn nicht für eure LeserInnen? Oder soll das ganze als therapeutisches Schreiben dienen, weil ihr genauso so schlechten Sex habt und euch den Kummer von der Seele schreiben müsst? Ich hoffe nicht! Ehrlich! Ich wünsche jeder Frau (ja, auch jedem Mann… Moment… nein, doch nicht jedem) ein erfülltes Sexualleben, sodass mir nicht nur die ProtagonistInnen in den Büchern leid tun, sondern auch die Mädels und Frauen, die das lesen und glauben, dass Sex immer so ausschaut.

Enthüllungsakte: Kleinverlage versuchen die Buchweltherrschaft an sich zu reißen

Sie agieren meist im Hintergrund, belächelt von Großverlagen und dem Mainstream, Bestseller- und Debütautoren. Doch sie operieren von geheimen Schlupfwinkeln aus, in unscheinbaren Gebäuden fern ab der schönen Glitzerwelt der Großunternehmen und Konzerne, und arbeiten daran, die (Buch)Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Rede ist von Kleinverlagen. In dieser Enthüllungsakte schreibe ich über meine unvorstellbaren Entdeckungen.

Der Pinky, der Pinky und der Brain Brain Brain Brain
Auf den bekanntesten Buchmessen in Leipzig und Frankfurt feiern sich die großen Verlage selbst. Die präsentieren sich, stellen sich zur Schau. Für ein kleines Vermögen haben sie sich die großen Flächen gebucht, über den Messeständen prangen schillernd und glitzernd beleuchtete Logos. Gecastete Hostessen wurden vorher extra einer Schulung unterzogen, damit sie den Besuchern das Verlagsprogramm erklären können. Angestellte StudentInnen laufen mit Verlags-T-Shirt durch die Gegend, verteilen Flyer und Traubenzuckerbonbons und Kugelschreiber mit Verlagslogo. Von dieser Show werden tausende von MessebesucherInnen angelockt. 
Doch fernab des Spektakels, am Rand des Geschehens, sitzen sie und beobachten das Glitzer-Theater der Großverlage. Darüber können sie nur müde lächeln. Denn hinter den Kulissen läuft schon die Planung zur Erreichung der Buch-Weltherrschaft. Die Kleinverlage werden von den Veranstaltern der Messe meist in den Hintergrund geschoben, machen sie doch einen so unscheinbaren und harmlosen Eindruck, dass man damit das Image der Großverlage nicht schädigen möchte. 
Doch der Schein trügt. Die BesucherInnen der Messe kommen auf der Suche nach der Toilette oder der Catering-Area schon beinahe zwangsläufig an den unscheinbaren Ständen der Kleinverlage vorbei und damit direkt in Berührung mit den ChefInnen und direkten Angestellten der Unternehmen. Anstatt von einer schicken Hostess mit Halstuch in Verlagsfarben, werden sie von Frauen in Pikachu-Jacken und Männern im Sonntagsstaat begrüßt und über das Programm aufgeklärt. Das persönliche Gespräch lässt die BesucherInnen häufig den Flyer der Großverlage in die Tasche stecken, um sich dann mit den neuesten Veröffentlichungen der kleinen Verlage einzudecken.
Brain Brain Brain Brain Brain….
Unbemerkt der großen Elefanten haben sich die Mäuse professionalisiert. Leise und heimlich produzieren sie Literatur, die sie unter sich als „geilen Scheiß“ bezeichnen. Die Geschichten, weg vom Mainstream, handeln von Themen, die Großverlage nicht annähernd ins Auge fassen. Und genau dies ist der Plan der Kleinverlage. Die Strategie beinhaltet nicht nur, andere Bücher zu produzieren, sondern auch die Events zu besuchen, von denen Großverlage nicht einmal etwas wissen. „Der persönliche Kontakt zu unseren LeserInnen liegt uns besonders am Herzen“, erfahre ich im Gespräch, als ich mich für eine Bloggerin ausgebe.
So findet sich die überschaubare Community der Kleinverlage fast gesammelt zu kleineren Buchmessen und Conventions zusammen. Diese Events sehen zwar für Außenstehende recht mickrig aus, bei einem genaueren Blick stellt man jedoch fest, dass es sich hierbei um Großveranstaltungen handelt. Sie finden in Schulen, in Stadthallen oder gar auf privatem Gelände statt. Den BesucherInnen wird dort günstige Verköstigung in Form von Bratwurst und Kartoffelsalat geboten, sie dürfen sogar zu einem reduzierten Preis das Event besuchen, sofern sie in Gewandung auftreten. So werden sie angelockt und finden in die Dunstkreise der Kleinverlage.
Dies ist der geheime Plan der Kleinverlage, die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Nicht nur der persönliche Kontakt zu den KundInnen, sondern auch die Qualität der Bücher. In geheimen Geschäftsräumen, die nicht im Branchenbuch verzeichnet sind, hecken sie die neuen Pläne und Strategien aus, wie sie den großen Glitzerverlagen die besten AutorInnen abnehmen, die besten CoverdesignerInnen und LektorInnen für sich gewinnen können. Sie produzieren und agieren unter den Augen der Großen, ohne, dass man sie ernst nimmt. Doch es lauert die Gefahr, dass sie mit ihrem „geilen Scheiß“ den Buchmarkt nach und nach einnehmen. Die Großen werden dies erst merken, wenn es zu spät ist.
Sie versuchen die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Am Rande des Geschehens ist es passiert. Sie sind brillant und manchmal geisteskrank. An jedem neuen Morgen entwickeln sie ihren Plan und ergreifen damit die Macht auf dem Buchmarkt. Jeder kann es sehen, doch keiner will es verstehen. Sie wollen die ganze Welt, weil es ihnen gefällt. Da bleibt nur eins zu sagen:
NARF!

Selfpublishing: Die Schere tut sich auf!

Photo by rawpixel on Unsplash

Noch vor einigen Jahren musste man sich als SelfpublisherIn hinter vorgehaltener Hand outen. Da gab es Leute, die ihre Tagebucheinträge oder Teenie-Fantasien mit irgendwelchen Stars und Sternchen veröffentlichten. Als ernsthafte AutorIn musste man sich da mit den absurdesten Vorwürfen konfrontieren lassen. Mit der Zeit hat sich das Bild gewandelt. Es gibt immer mehr Selfies, die sich professionalisieren und sich quasi wie „richtige“ VerlegerInnen benehmen. Und es gibt Leute, die das ganze nicht so ernst nehmen.

alles auf einen Streich
Wie ihm Mittelstand tut sich auch im Selfpublishing langsam die Schere auf. Auf der einen Seite gibt es Selfies, die hochprofessionell arbeiten, die ihre Bücher durch sämtliche zur Verfügung stehenden Instanzen schicken und einen finanziellen Aufwand betreiben, der jedem Buchhalter die Tränen in die Augen treiben würde (Siehe Umfrage Selfpublisher-Bibel). Man organisiert sich im Selfpublishing-Verband, der sich für die Anerkennung und die Belange der SelfpublisherInnen einsetzt. Auf der anderen Seite sehen wir die Selfies, die ihre Texte unüberprüft, versehen mit einem selbst gebastelten Cover und überhaupt fragwürdigen Inhalten veröffentlichen.  Who cares? Ich muss zugeben, dass ich zuweilen selbst äußerst schockiert bin, was sich so alles auf dem Markt befindet – und wofür die LeserInnen auch noch bezahlen.
In Gesprächen kommt mir immer wieder zu Ohren, wie unmöglich die Hobby-Selfies die professionellen AutorInnen im Selbstverlag dastehen lassen und deren Ruf ruinieren. Ich kann tatsächlich eine leichte Feindseligkeit gegenüber Selfies beobachten, die nicht hochprofessionell agieren. Dies betrifft auch noch insbesondere Anfänger, die noch nicht recht wissen wie der Markt und die Szene ausschaut. In Facebook-Gruppen wird sofort scharf geschossen, sollte jemand es wagen, zu fragen, ob ein Lektorat denn wirklich nötig sei. Und auf jedem Cover, das nach Heimarbeit ausschaut, wird gnadenlos herumgetrampelt. Lässt eine(r) verlauten, das Lektorat wurde von einem befreundeten Germanistikstudenten gemacht, wird verächtlich die Nase gerümpft – na, das ist aber wenig professionell, wirst schon sehen, was du davon hast.
das tapfere Verlegerlein
Diese Feindseligkeit kann durchaus nachvollzogen werden. Immer noch haben SelfpublisherInnen hart gegen die Meinung zu kämpfen, sie seien keine richtigen AutorInnen. Außerdem hätten sie sich nur für das Selfpublishing entschieden, weil ihr Buch zu schlecht sei für einen Verlag. Ich stoße selbst sehr häufig auf die Aussage, dass man Bücher von SelfpublisherInnen grundsätzlich nicht lese. Versuche ich dann herauszufinden, woran das liegt, erhalte ich schwammige Ausreden. So recht weiß man es also auch nicht, aber es gäbe halt einfach zu viel Schrott. Das kann man schon fast als „richtig“ bezeichnen, jedoch gibt es den Schrott überall. Ich glaube allerdings, das gerade in diesem Punkt der Kern des Pudels liegt. Schrott kann man schließlich an schlechten Covern und fehlenden Lektoraten erkennen. Um sich also von diesem Schrott abzuheben, muss man zwingend so professionell wie möglich sein, um nicht in irgendeine hässliche Schublade geschoben zu werden.  Und weil Schrott die Angewohnheit hat, zu rosten und damit andere (intakte) Stellen zu befallen, hat man tierisch Angst, man könnte dann damit in Verbindung gebracht werden. Dies gilt es, auf jeden Fall zu vermeiden.

Selbst wenn eine keine Kohle hat und auch erst das Debüt oder das zweite Buch veröffentlicht, es wird höchste Professionalität erwartet. In der Umfrage der Selfpublisher-Bibel 2018 gaben 18 Prozent von 843 Teilnehmern an, ca. 1.500 Euro in die Veröffentlichung ihrer Bücher zu investieren. Dagegen sieht man an den Einnahmen, dass die Mehrheit der AutorInnen (36,51 Prozent) monatlich unter 50 Euro mit ihren Büchern einnehmen. Einnahmen bis 100 Euro können 13,95 Prozent verbuchen, bis 200 Euro sind es 8,84 Prozent. Insgesamt sind es 80,23 Prozent der Befragten, die unter 1.000 Euro  monatlich verdienen. Die restlichen Prozente teilen sich auf Einnahmen zwischen 1.000 Euro und 7.500 Euro auf. Und dies stellt schon eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Jahren davor dar. Ein Grund dafür ist auch auf jeden Fall in der Professionalisierung der Selfies zu sehen.
(Anekdote am Rande: Mir hat mal eine Kollegin gesagt, dass man daran erkennt, dass es einem Unternehmen schlecht geht, wenn die Buchhalterin geht – oder anfängt zu weinen)

Da wundert sich eine, warum in den ganzen Gruppen schon mal vorab Cover gezeigt werden, weil sich die AutorIn nicht entscheiden kann und deshalb die LeserInnen und andere Selfies um Rat fragt. Bloß keinen Fehler machen, steht da im Hintergrund. Man will ja nicht, dass jemanden das Cover nicht gefällt. Aber Schwund ist überall. Es gibt immer jemanden, der am Cover zu meckern hat, den Buchsatz kacke und den Klappentext inhaltslos findet. Es kann immer irgendwas gefunden werden, was nicht perfekt ist.

Natürlich gibt es echt schlechte Bücher und auch schlechte AutorInnen. Das aus meiner Sicht schlechteste Buch aller Zeiten war ein Bestseller, der zu meinem größten Schreck auch noch verfilmt wurde. Es hat also nichts damit zu tun, ob das Buch nun im Selbstverlag herausgegeben wurde oder bei einem großen Verlag erschienen ist. Wie oft lese ich in Facebookgruppen, dass Fehler in Büchern großer Verlage gefunden wurden, oder der Druck schief gelaufen ist, Seiten fehlen oder eingerissen sind. Das passiert auch den Großen. Aber sobald es einem Selfie unterläuft, muss sie/er sich teeren und federn lassen. 
Selfies möchten so professionell wie große Verlage sein. Dabei gibt es aber zu beachten, dass die Prozedur, ein Buch zu veröffentlichen, bei solchen Verlagen reine Routine und Tagesgeschäft ist. Da ist kein Buch etwas besonderes oder ein „Herzprojekt“, wie es so schön heißt. Und wenn man sich die Marketingmaschinerie dahinter anschaut wird auch schnell deutlich, dass es sich hier um Standardmaßnahmen handelt. Wollen Selfies wirklich Standard-Bücher rausbringen? Es ist schon gut, wenn ein gewisser Standard gehalten wird, jedoch darüber hinaus sollte jede AutorIn ihr eigenes Level finden dürfen. Das heißt nicht, dass sie Fehler macht, sondern dass sie lediglich einen anderen Weg geht, einen anderen Standard hat. Denn das unterscheidet uns Selfies doch von den großen Verlagen. Wir machen unser eigenes Ding und dass sollte ein Markenzeichen werden und kein Brandmal sein. 

Marketing für AutorInnen: Die Zielgruppe

Photo by JOSHUA COLEMAN on Unsplash

Im zweiten Teil der Blogserie um Marketing für AutorInnen geht es um die Definition der Zielgruppe. Dafür habe ich Helen von Buchvermarktung gebeten, einen Artikel zu verfassen. Helen hat sich auf Marketing für Bücher spezialisiert, denn ein Buch ist anders zu bewerben als eine Kaffeemaschine. Da sind manche Maßnahmen wirkungslos. Hier unterstützt Helen AutorInnen mit ihren Programme, Ideen und Seminaren, die eigens auf die Bewerbung von Büchern zurecht geschnitten sind. Gerade mit der Zielgruppe tun sich viele AutorInnen schwer, denn nicht jeder Mensch, der Bücher liest, liest auch das eigene Buch. Hierzu hat Helen eine Hilfestellung verfasst.

Wie Autoren ihre Zielgruppe einfach definieren können
Vor allen Marketingmaßnahmen steht immer die Frage nach der Zielgruppe. Wer gehört dazu? Wo finde ich sie im großen World Wide Web? Wie spreche ich meine Leser am besten an? Ohne die genaue Kenntnis über die Ziel- oder Lesergruppe lässt sich ein effektives Marketing nicht umsetzten.
Wie legt man die Zielgruppe fest? Schließlich gehen die meisten Autoren davon aus, das ihr Buch für jeder Mann/Frau geeignet ist. Das kann stimmen, diese Zielgruppendefinition ist dennoch etwas zu groß um sie effektiv zu bewerben.
Es muss eine einfache Hilfestellung her um von: „Mein Buch ist etwas für alle Leser dieser Welt.“ zu „Meine Bücher werden meist von Geschlecht x,  zwischen y Jahren mit Interessen an z gelesen.“ kommen. Dafür habe ich eine einfache Methode entwickelt. Diese Leserdefinitions-Methode baut auf drei Schritten auf. Schritt eins ist die klassische Zielgruppendefinition. Welches Geschlecht, Alter usw. haben deine Leser. Schritt zwei betrachtet die Leser als eine Interessengruppe. Im dritten Schritt geht es darum wo sich die Zielgruppe im Netz aufhält. Bei Facebook, bei Instagram oder vielleicht doch bei Snapchat. Die daraus resultierende Schnittmenge ist die auf welche die Marketingmaßnahmen ausgerichtet werden.
Das Problem und die Lösung lassen sich am besten an einem praktischen Beispiel erklären:
Nehmen wir einmal an, du hast einen Psychothriller geschrieben. Dein Leser kann ein 16-jähriger Junge, ein 51-jährige Universitätsprofessorin oder ein 28-jähriger Hausmann sein.
Eines wird schnell klar, DIE EINE Zielgruppe gibt es bei Autoren nicht. Es gilt herauszufinden wer, was und wo die größte Schnittmenge hat. Und auf dieses Ergebnis hin, werden die Marketingmaßnahmen ausgerichtet oder mehrere gestartet. 
Schritt 1: Die klassischen Zielgruppen definieren
Zielgruppe 1
Zielgruppe 2
Zielgruppe 3
Alter
16-20
25-35
35-50
Geschlecht
m
w
w/m
Lieblingsautor
Cody McFadyen
Sebastian Fitzek
Stephen King
Lieblings Film Genre
Horror
Thriller
Bildungsstand
Trage alle Punkte die dir einfallen zusammen und erstelle so viele Zielgruppen wie dir in den Sinn kommen. Je mehr du dich mit deinen Lesern beschäftigst, desto klarer werden sie. Erhältst du vielleicht vermehr Feedback von Frauen, wie der Autor Sebastian Fitzek, dann ist es sinnvoll, die Marketingmaßnahmen auf Frauen hin auszurichten.
Schritt 2: Die moderne Interessengruppe
Da sich der jugendliche Leser schwer mit der Universitätsprofessorin und dem Hausmann an einem Ort einfinden wird, müssen wir sie in Interessengruppen einsortieren. Diese Gruppen könnten sein, liest, fährt Auto, ist viel im Urlaub, schreibt selbst, hört Klassik usw. Überlege welche Gemeinsamkeiten deine Leser haben. 
Spielen deine Romane in einer bestimmten Stadt könnte das die Interessengruppe – Regionalkrimi sein. Diese definierte Interessengruppe ist der  Grund für den Erfolg von Regionalkrimis. Man kann die Marketingmaßnahmen einfach auf einen Ort begrenzen und optimieren.
In unserem Beispiel lassen wir den Psychothriller in Berlin spielen und die Leser sind für leichte, spannende Unterhaltung zu haben und nicht für beispielsweise historische Epen.
Schritt 3: Die Wahl der Plattform
Wo halten sich die Leser auf? Hier helfen statistische Angaben die einfach zu googeln sind, damit man aktuelle Zahlen erhält.
Bei Facebook sind meist Menschen ab einem Alter von 30. Bei Snapchat findet man die jungen Menschen ab 15 und bei Instagram halten sich die sogenannten Millennials (zwischen 1980-2000 geborene) auf. 
Frage dich, gibt es neue Plattformen? Welche Zielgruppen halten sich dort auf? Es wird immer eine neue Plattform geben. Denke auch daran, dass sich Zielgruppen auch gern einmal auf andere Plattformen verschieben. Frühere Facebook User sind nun auf Instagram zu finden und dann gibt es ja auch noch Pinterest.
Nun aber zurück zum Beispiel. Die Lesergemeinschaft für den Psychothriller hält sich also vermehrt bei Instagram auf.
Fassen wir nun die drei Schritte zusammen:
Die Schnittmenge aus dem Praxisbeispiel sind Frauen zwischen 25-30 Jahren, die gerne lesen um sich zu unterhalten und sich vermehrt auf Instagram aufhalten. Dadurch ist die Zielsetzung klar, welche Leser angesprochen werden sollen und man kann mit der Marketingstrategieplanung beginnen.
Durch die Leserdefinitions-Methode lernst du deine Leser näher kennen. Du kannst eine oder mehrere Interessengruppe identifiziert und deine Marketingmaßnahmen daraufhin ausrichten.
Neue Marketingideen, fernab von Blogtouren, findest du auf meinem Blog.
Über Helen Schmidt:
Ich bin Online-Marketingberaterin für AutorInnen und Verlage, gelernte IT-Systemkauffrau und Qualitätsmanagerin. Ich hatte einige Jahre eine Buchhandlung in Berlin un bin seit 2016 online unterwegs, um AutorInnen beim Buchmarketing im Internet zu unterstützen.
Im Netz unterwegs: