Marketing für AutorInnen: Markenbildung

Ich plane gerade eine neue Serie, die sich mit Marketing für AutorInnen befasst. Für den Auftakt habe ich meine liebe Blogger-Kollegin Franziska Kurz von Franzi liest gebeten, einen Artikel über Markenbildung zu formulieren. Franzi ist Spezialistin im Marketing und hat auch auf der Leipziger Buchmesse 2018 einen Vortrag über Markenbildung und dem „goldenen Ei“ gehalten. Diesen Vortrag habe ich mir angesehen und fand ihn sehr nützlich für AutorInnen. 

Jeden Tag kommen hunderte neuer Bücher auf den Markt und streiten sich in der Wahrnehmung der Leser mit den schon Millionen vorhandenen. Wie also können AutorIn und Buch sich präsentieren, um dem Leser überhaupt aufzufallen und eine Chance auf Buchkauf, Fangemeinde und Co zu haben? In diesem Artikel wird es nicht um Testleser, Google Adwords, Facebook Werbeanzeigen und co gehen – nein, wir beginnen bei dem entscheidenden Davor, der Markenbildung bzw. dem Corporate Branding. 
Wieso sollte jemand euer Buch lesen, geschweige denn dafür zahlen, wenn ihr ihm nicht sagt, wieso? Und da spreche ich nicht vom aussagekräftigen Klappentext oder der richtigen Kategorisierung innerhalb von amazon, Bod und co, sondern von der richtig ausgesendeten Botschaft. 
Natürlich ist es interessant, zu schauen, was erfolgreiche KollegInnen machen – wo sie Lesungen anbieten, wie ihre Facebook- oder Instagramseiten aussehen, wie sie informieren oder wie die Banner für ihre Bücher in großen Buchhandlungen aussehen. Inspiration ist wichtig, genauso wie Austausch. Aber wenn ihr einfach neben sie ins Regal stellt und exakt das Gleiche macht, werdet ihr nicht auffallen, denn ihr kopiert schlicht nur erfolgreiches. Für echten, eigenen Erfolg müsst ihr euch einzigartig und wiedererkennbar präsentieren. 
Zur Schaffung einer solchen Marke mit Wiedererkennungswert, ist es zunächst nötig, folgende Fragen zu beantworten für die Definition der Markenwerte:

Eine Marke schaffen
Habt ihr das getan, fängt die eigentliche Arbeit an: das Senden der immer wieder gleichen Botschaften, Werte und Einstellungen über all eure Kanäle. Das heißt nicht, das ihr jeden Tag das gleiche Bild posten sollt, sondern, dass ihr die gleiche Tonart überall trefft, um für eure Leser erwartbar zu sein. Was bekommen sie von euch? Das muss gleich sein – egal, wo sie euch antreffen. Schreibt ihr zuckersüße Liebesromane, ist euer Auftritt potenziell warm, bunt, vielleicht am Rand des Kitsch, liebevoll und herzlich.
Von ThrillerautorInnen erwartet der Leser natürlich eher das Gegenteil und von SachbuchautorInnen eher harte Fakten. Ziel ist es, eure Leser emotional an eure Marke zu binden und sie zu Multiplikatoren zu machen. Dazu ist auch ein Corporate Design nötig, um einen einheitlichen Markenauftritt zu schaffen. 
Den Originalvortrag, auf dem dieser Artikel beruht, habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2018 gehalten. Nun wünsche ich viel Spaß beim Nachdenken über eure Markenwelt!

Franzi liest: 
Franziska ist 35, wohnt in München, studierte was mit Kommunikation und Wörtern, lebt von Strategien, Organisation und Projekten und tritt auf ihrem Blog und überall im Leben für starke Frauen, Selbstliebe und das Recht auf Glück ein. Was sie gar nicht mag: Sätze die mit “Aber das machen alle so, was sollen die Nachbarn denken, das war schon immer so und wo kämen wir da hin“ anfangen. Genauso reagiert sie auf Unmöglichkeiten, sich wegducken und Menschen, die andere klein halten wollen. Sie liebt Duftkerzen, antiallergene Katzen, Bücher mit starken Frauen und Magie, Nougat, Kuscheldecken, Kleider und ihren Mann – nicht unbedingt in der Reihenfolge.

Franzi trefft ihr online auf: 

Schreiben: do your research!

Beim Lesen von Büchern stelle ich immer wieder fest, dass die Hintergründe nicht gut recherchiert sind. Für mich stellt die Recherche aber ein grundlegendes Element dar, wenn ich meine Bücher schreibe. Es gab schon Bücher, die habe ich nach wenigen Seiten in eine Ecke geworfen, weil ich bei jedem zweiten Satz dachte: das ist so nicht richtig! Ich hatte es bei einem Buch tatsächlich einmal dazu gebracht, eine Liste mit Fehlern zu erstellen. Diese umfasste nach 40 Buchseiten tatsächlich 2 vollgeschriebene A4 Seiten. Sowas regt mich auf. Ich fühle mich als Leserin echt beleidigt, wenn die AutorIn denkt, ich wäre zu blöd, um diese Unstimmigkeiten zu bemerken.

Ich habe durch mein Studium und die Arbeit als Ghostwriter sowie aufgrund von persönlichen Interessen ein ziemlich umfangreiches Wissen in allen möglichen Bereichen aufgebaut – natürlich hängt das vom Thema ab. Es gibt durchaus Bereiche, wo ich nicht den blassesten Schimmer habe, zum Beispiel kann ich nicht nachvollziehen, ob der Hyperraumantrieb der Raumfähre wirklich funktionieren könnte oder nicht. Oder wenn ich Dr. Siri lese, dann verlasse ich mich 100prozentig darauf, dass der Autor mich nicht anlügt, wenn er die sozialen und staatlichen Gegebenheiten in Laos der 1970er Jahre beschreibt. Und natürlich gewähre ich auch jeder AutorIn einen gewissen Grad an künstlerischer Freiheit.

In dem oben erwähnten Buch war zum Beispiel eine Szene, wo eine junge Frau am Nachmittag beobachtet, wie eine Gruppe Männer ihre Hütte anzündet (eine ziemlich große Hütte). Bald sieht sie ihr Heim lichterloh brennen. Am Abend wandert sie aber schon durch die verkohlten Überreste … also, auch wenn ich keinen Cousin in der Freiwilligen Feuerwehr hätte, wüsste ich, dass das schier unmöglich ist. Nicht nur, das so eine Hütte zum Teil mehrere Tage brennen kann, nein, das Mädel scheint auch noch völlig immun gehen die Resthitze zu sein, die zuweilen verdammt hoch sein kann, und scheint auch gegen die Aschepartikel die überall herumschweben völlig resistent. 

In einer weiteren Szene wickelte sie ihr Baby in eine Windel… da ich einmal in einem Geschichtsverein meiner Heimatstadt war, weiß ich, dass „die“ Windeln erst irgendwann im 18. Jh. aufkamen, vorher wurde das Kind wie eine Raupe eingepuppt (heute nennt man das „pucken“), so dass nur noch das Gesicht rausschaute. Das kann man auch schön an den alten Schinken in Museen sehen, wenn dort Normalsterbliche mit ihrem Baby auf dem Arm abgebildet werden. Die Geschichte spielte aber im Mittelalter. Das Buch flog an die mir gegenüberliegende Wand und ich hab es seit dem nicht mehr angefasst.
a little less conversation … 
Ich habe über den Wahrheitsgehalt von Informationen in Büchern einmal eine recht frustrierende Diskussion geführt. Meine Diskussionspartnerin war ausschließlich Leserin (nicht Autorin) und bestand darauf, dass Bücher nicht zum Informationen sammeln oder Lernen da wären, sondern nur zum Entspannen, Wegträumen, Probleme vergessen etc. – also der übliche Kram eben, den auch Leute angeben, die sich jeden Abend eine Flasche Wein hinter die Binde gießen. Deshalb konnte sie auch nicht verstehen, warum ich mich mit der Recherche um meine Elfengeschichte so aufgehalten habe.

Ich hatte ihr erzählt, dass meine Protagonistin in einer Szene ein Jagdgewehr benutzt. Also bin ich in die Bibliothek gegangen und habe Bücher über die Jagd gelesen und so nicht nur herausgefunden, wie man so ein Gewehr hält, sondern ich weiß jetzt auch alles mögliche über nachhaltiges Jagen. Diese  Information wird nur in zwei Sätzen des Buches erwähnt, aber ich wollte den Vorgang so korrekt wie möglich beschreiben. Auch meine geschichtlichen Aspekte, die ich in einflechte, habe ich vorher ziemlich genau recherchiert. Ich denke mir immer, vielleicht liest ja mal ein Geschichtslehrer mit Jagdschein mein Buch und regt sich dann genauso über falsche Informationen auf wie ich. Das möchte ich doch vermeiden. 

In einer Facebook-Gruppe, in der AutorInnen Recherche-Fragen zu allen möglichen Themen stellen können, wird zuweilen heftig diskutiert. Besonders dann, wenn eine AutorIn etwas durchsetzen will, das mit den physikalischen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Welt nicht vereinbar ist. Da geht es bei Krimis um juristische Fragen, wie die Polizeiarbeit ausschaut etc. Dann geht es sehr häufig auch um Verletzungen, wie lange kann ich bluten bis ich sterbe, oder was sind Folgeschäden einer Schussverletzung. In dieser Gruppe weiß man auch nicht alles, dennoch aber sehr viel. Trotzdem gibt es einige AutorInnen, die wollen unbedingt etwas zwingend in ihrem Roman haben, wo der gesamte Plot drauf basiert, und dann diskutieren sie bis aufs Messer. Selbst wenn dabei ganze Gesetze aus den Angeln gehoben werden, wird das als Freiheit des Autors, Fantasie oder sonst was verbucht. Die LeserInnen, heißt es, verzeihen solche Schnitzer, kriegen das meist gar nicht mit, weil sie eh nur zur Entspannung, zum Wegträumen oder aus Flucht vor Problemen lesen würden. Dem ist aber nicht so und ich finde, dass man die LeserInnen ganz schön damit beleidigt.

Rosarot ohne Mehrwert

Es gibt sicher LeserInnen, die Bücher ausschließlich aus dem Grund der Zerstreuung lesen. Aber eben auch nicht alle. Ich habe immer Bücher gelesen und habe mir „etwas daraus mitgenommen.“ So hatte ich einmal ein sehr schlechte Zeit durchgemacht und habe in dieser Phase vermehrt Bücher gelesen, wo es den Protagonisten ähnlich ging wie mir. So habe ich gehofft, neue Wege zur Lösungsfindung zu entdecken. Ich habe neulich erst einer Freundin gesagt, dass ich keine Rosarot-Romane lese, wenn ich Probleme habe, weil ich daraus nichts lernen und mitnehmen kann. Die ProtagonistInnen in solchen Geschichten haben aus meiner Sicht keine „echten“ Probleme und bieten dadurch auch keinen Mehrwert.

Wenn ich also ein Buch lese, dann will ich auch etwas davon haben. Ich suche Lösungen für Probleme, neue Ansichten und Lebensweisen, will Städte und Länder kennen lernen. So etwas findet man durchaus in ganz normalen Romanen, sogar in Fantasy-Geschichten. Deshalb kann ich es nicht leiden, wenn die AutorInnen einfach mal irgendwelche grundlegenden Gesetze aus den Angeln heben oder die Historie umschreiben, weil das besser zu ihrem Plot passt. Da werden ganze Landstriche umgestaltet, Städte versetzt oder Bildungssysteme vernichtet. Es gibt sicher Leute, die interessiert es nicht, ob man vier Stunden nach einem Brand noch in Flammen aufgeht, wenn man durch den Brandherd flaniert. Aber ich gehöre nicht dazu. Wenn eine AutorIn in der Realität schreibt, dann muss diese so genau wie möglich abgebildet werden, sonst wird das unglaubwürdig.

Ganz ehrlich, wenn man als AutorIn Zeit hat, irgendeinen Schmarrn in seine Story zu schreiben und darüber mit anderen zu diskutieren, dann hat man auch Zeit, einmal Google zu fragen, ob das stimmt und die drei Sätze eben umzuschreiben. Es soll ja LeserInnen geben, die Bücher an die Wand schmeißen, wenn sie sich für blöd verkauft fühlen…

Frauen in der Fantasy 5: Lonesome CowGirl

Jeder kennt ihn: den einsamen Wolf, der allein durch die Welt zieht, Frauen und Kinder rettet, Königreiche befreit, und am Ende seines glorreichen Werks weiter zieht bis er auf das nächste Abenteuer trifft. Grundsätzlich ist dieser Charakter männlich. Ich kenne keine Geschichte, in der eine Frau dauerhaft ohne Wohnsitz herumstreift und am Ende immer noch glücklich mit dieser Lebensweise ist. Der Archetyp des einsamen Helden scheint eine typische Männerrolle zu sein. Was sind das für Persönlichkeiten, die da so allein durch die Welt streifen?

Während es also völlig in Ordnung zu sein scheint, einen Mann allein durch das Land streifen zu lassen, ohne Freunde, ohne Geld, meist mit nichts weiter als den Sachen, die am Leibe getragen werden, scheint es für eine Frau undenkbar, so einen Lebensstil zu führen. Meist ist der Held ein emotionales Wrack, rennt vor irgendeiner schlechten Erfahrung oder (Pseudo)-Trauma davon, oder befindet sich auf Most-Wanted-Listen verschiedener Länder. Er hat sich also mehr oder weniger freiwillig in die Einsamkeit begeben, immer auf der Flucht vor irgendetwas. Dies hält den Helden aber nicht davon ab, in jedem Dorf und jeder Stadt eine Reihe von Frauen zu verführen, um sie dann mit gebrochenem Herzen zurückzulassen. 
Die großen Fünf

Ich hab mir mal angeschaut, was für eine Persönlichkeit so ein Mensch haben müsste. Dabei habe ich mich an den Big Five der Psychologie orientiert.  Das Fünf-Faktoren-Modell entstammt der Persönlichkeitspsychologie und beinhalten eben fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit:  Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.
Offenheit (für Erfahrungen) misst das Interesse und das Ausmaß der Beschäftigung mit neuen Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken. Eine Person mit einer schwachen Ausprägung in diesem Faktor neigt zu konventionellem Verhalten und konservativen Ansichten. Sie sind eher vorsichtig und ziehen Bekanntes und Bewährtes dem Neuen vor. Personen die dagegen eine hohe Ausprägung aufweisen haben häufig ein reges Fantasieleben. Sie sind an vielen persönlichen und öffentlichen Vorgängen interessiert und beschreiben sich selbst als wissbegierig, intellektuell, fantasievoll, experimentierfreudig und künstlerisch interessiert. Solche Personen hinterfragen bestehende Normen kritisch und sind eher bereit sich auf neue ethische, soziale und politische Weltvorstellungen einzulassen. (Myers, 2008)
Gewissenhaftigkeit beschreibt den Grad an Selbstkontrolle, Genauigkeit und Zielstrebigkeit einer Person. Menschen mit einer niedrigen Ausprägung handeln oft unbekümmert und nachlässig. Sie sind nicht genügend sorgfältig und unordentlich. Dagegen sind Personen mit einer hohen Ausprägung in diesem Faktor sehr gut organisiert, handeln planend, effektiv und zeigen sich verantwortlich und zuverlässig. (Myers, 2008)
Im Faktor Extraversion wird die Aktivität und das zwischenmenschliche Verhalten gemessen. Personen mit einer niedrigen Ausprägung handeln eher zurückhaltend bei sozialen Interaktionen und sind gern für sich allein. Sie können zwar auch sehr aktiv sein, dafür aber eher unabhängig in weniger Gesellschaft. Dagegen sind Personen mit hohen Messwerten sehr aktiv und gesprächig. Sie sind personenorientiert und werden oft als herzlich, optimistisch und heiter beschrieben. Sie sind sehr empfänglich für Anregungen und Aufregungen, weshalb dieser Faktor auch teilweise Begeisterungsfähigkeit genannt wird. (Myers, 2008)
Verträglichkeit beschreibt das interpersonelle Verhalten. Personen mit niedrigen Werten neigen dazu, streitbar zu sein und werden häufig als egozentrisch beschrieben. Sie sind oft misstrauisch und antagonistisch gegenüber den Absichten anderen Menschen. In der Berufswelt verhalten sie sich oft unkooperativ und neigen zur hoher Wettbewerbsorientierung. Personen mit einer hohen Ausprägung begegnen anderen Menschen mit viel Verständnis und Wohlwollen. Sie sind bemüht, anderen zu helfen und sind davon überzeugt, dass andere Menschen ebenso hilfsbereit sind wie sie selbst. Sie vertrauen schnell und geben schnell nach. In der Berufswelt verhalten sie sich hoch kooperativ. Dieser Faktor wird sehr kritisch gesehen, da es in manchen Situationen erforderlich ist, für die eigenen Interessen zu kämpfen, anstatt auf andere Rücksicht zu nehmen. So zum Beispiel kann eine hohe Verträglichkeit im Gerichtssaal und unerwünschten Nebenwirkungen führen. (Myers, 2008)

Der Faktor Neurotizismus spiegelt die individuellen Unterschiede im Erleben negativer Emotionen wider. Von einigen Wissenschaftlern wird dieser Faktor auch als emotionale Labilität bezeichnet. Personen mit einer niedrigen Ausprägung sind ruhig und ausgeglichen, zeigen sich zufrieden und entspannt. Sie erleben selten negative Gefühle. Personen mit einer hohen Ausprägung haben schnell und häufig Angst, zeigen sich nervös und angespannt. Sie sind schnell traurig, unsicher und verlegen. Diese negativen Emotionen bleiben bei ihnen eher länger bestehen, als bei Personen mit niedriger Ausprägung. Sie haben auch häufig unrealistische Ideen, machen sich ständig Sorgen um ihre Gesundheit und neigen dazu auf Stresssituationen unangemessen zu reagieren. Der Gegenpol ist die emotionale Stabilität, die Ich-Stärke. (Myers, 2008)

der unsympathische Held

Wenn ich mir die einsamen Helden so anschaue, dann kann ich folgendes vermuten: 
Der Held hat eine geringe Ausprägung an Offenheit für neue Erfahrungen. Die Abenteuer, in die er reinrutscht, nimmt er zwar hin, ist aber nicht sehr begeistert davon. Er hilft den Menschen gegen Geld oder weil er seine Ruhe haben will. Ständig ist er von Vorurteilen begleitet und auch, wenn er eines besseren belehrt wird, lernt er daraus nichts. Ebenso kann ich eine sehr niedrige Ausprägung an Gewissenhaftigkeit erkennen. Er zieht umher, kümmert sich um nichts außer sich selbst. Er lebt in den Tag hinein, nimmt was kommt und ist eigentlich ziemlich faul. Auch die Werte bei der Extraversion sind niedrig ausgeprägt. Er will am liebsten für sich sein. Wenn er mit anderen Menschen in Kontakt tritt, dann eher unfreiwillig, weil ihm die Kohle ausgegangen ist und er einen neuen Auftrag braucht oder sonst was. Außerdem ist der Held ein ziemlich unverträglicher Mensch. Die Belange anderer interessieren ihn wenig, Hauptsache, er bekommt, was er will. Er ist unkooperativ, zieht sein eigenes Ding durch und hilft anderen Menschen nur dann, wenn er etwas dafür bekommt (meistens Geld). Beim Neurotizismus bin ich mir allerdings nicht so recht sicher, aber ich glaube, dass hier eine hohe Ausprägung vorherrscht. Der Held lässt sich schnell reizen, neigt zu Jähzorn oder einer Scheiß-Egal-Stimmung. Ständig macht er sich Sorgen, allerdings nur um sich und um seinen Geldbeutel. Er ist übel nachtragend und rennt vor Problemen weg anstatt sie zu lösen. 
Alles in allem ist der Held extrem unsympathisch. Eine umfassende und eindeutigere Analyse würde natürlich ein Test mit dem Neo-FFI ergeben, aber der ist schon schlecht mit fiktiven Personen durchzuführen.
So kann doch nur ein Mann sein
Ganz ehrlich, diese Selbstdarstellung des einsamen Helden kann schon fast als männertypisch bezeichnet werden. Keine Frau würde mit diesem Verhalten durchkommen, geschweige denn, dass sich freiwillig Männer zu ihr ins Bett begeben würden. Dies ist auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite ziemlich sexistisch. Denn während männliche Helden grundsätzlich als faszinierend beschrieben werden, die jede Frau ins Bett kriegen, jede Schlacht gewinnen und dabei trotzdem einfach Arschlöcher sind, geht das bei Frauen gar nicht. Wenn tatsächlich einmal eine Frau als einsame Heldin dargestellt wird, wird sofort eine psychische Störung vermutet, sie wird als unansehnlich oder gar hässlich beschrieben, als abstoßend bezeichnet und einfach als das dargestellt, was eine Person mit diesen Charakterausprägungen ist: unsympathisch. Also ich würde jedenfalls nicht gern mit so einer Person abends ein Bierchen kippen – egal ob männlich oder weiblich. Dennoch wird der Mann als Held gefeiert, auch wenn er ein Arsch ist.

Ghostwriting: über moralische Flexibilität

Quelle: Pixabay
Um nicht nur mein Autorendasein zu finanzieren, sondern auch den Kühlschrank zu füllen, bin ich als Ghostwriter tätig. Ich schreibe keine Biografien für reiche und berühmte Leute, sonder akademische Texte für Studenten, die das entweder nicht können oder keine Lust haben – oder beides. Das ist kein alltäglicher Beruf und ich hadere selbst ab und an mit mir, wo das wohl noch hinführen soll. Ghostwriting war eigentlich nicht mein primäres Karriereziel, denn eigentlich wollte ich ja was ganz anderes machen.



Die Jungfrau und das Kind
Ich habe eine Ausbildung, Berufserfahrung und habe studiert. Auch noch in einem Bereich, der allgemein als zukunftssicher gilt und ich eigentlich super Jobaussichten haben sollte. Ich hatte auch recht viele Vorstellungsgespräche, die so ziemlich alle recht gut verliefen. Nur leider kann ich nicht Vollzeit arbeiten. Ich habe zwei Kinder, die noch Fürsorge bedürfen und keinen Partner, der mir dabei helfen könnte. So könnte ich lediglich von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr arbeiten, weil ich dann eben die Kinder um die Ohren habe. Ist so. In diesem Land ist es allerdings absolut nicht wünschenswert, wenn man halbtags arbeiten möchte, weshalb ich unbrauchbar und nach meinem Studium und etlichen Vorstellungsrunden frustriert überlegte, wie ich mich aus meinem hartzigen Dasein befreien könnte. Ich beschloss, mich als Lektorin auf den Markt zu werfen. Ich hatte schon häufig mit Selfpublishern und jungen Autoren gearbeitet und war deshalb zuversichtlich, dass ich, wenn ich diesmal Geld für meine Leistung bekommen würde, dass es wenigstens für ein bisschen mehr Grün statt Rot auf meinem Konto sorgen würde.

Ich hatte mich also gerade als Lektorin selbstständig gemacht und es lief so lala, da bekam ich eine Anfrage von einer Agentur, die eine AutorIn für eine wissenschaftliche Arbeit suchte. Ich dachte erst, das wäre ein Scherz, doch dann entschied ich mich, dort anzurufen und nachzufragen. Bei der Anfrage stand nämlich auch das Honorar dabei und das machte schon Eindruck auf mich. Beim Telefonat stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um Ghostwriting handelte. Ich war völlig überrascht, dass es dafür auch noch Agenturen gibt, und ließ mich auf einen Probeauftrag ein. Und bin deshalb seit 1.5 Jahren Ghostwriter. 
Agentin Barbara
Ich schreibe grundsätzlich über Agenturen. Ich mache das so, weil ich sowohl mich, als auch die KundInnen schützen will. Über die Ghostwriting-Agenturen läuft alles anonym per mail ab. So kennen die KundInnen weder meinen richtigen Namen, noch kenne ich den Namen der KundInnen – mir hat einmal ein Kunde eine Vorlage für seine Abschlussarbeit geschickt, wo Name, Anschrift, Hochschule und Matrikelnummer draufstanden, das war nicht sehr schlau. Auf diese Weise sind wir beide geschützt, ich vor irgendwelchen Hassmails, falls eine Arbeite mal doch nicht so gut gelaufen ist, und die KundInnen vor meinen Rachegelüsten, wenn sie mich geärgert haben – und das kommt ziemlich häufig vor. Es gibt unzählige Ghostwriter-Agenturen, davon sind allerdings nur wenige seriös. Ich bin mittlerweile bei mehreren gelistet, wirklich arbeiten tue ich für zwei.
Es ist so, dass ich von der Agentur eine mail bekomme, die alle anderen AutorInnen ebenso erhalten. Darin stehen alle Eckdaten über die Arbeit, also Thema, manchmal Gliederung, Seitenanzahl, Sprache, Fachgebiet, Abgabedatum, Teillieferungen und natürlich das Honorar. Wenn es was interessantes ist, dann melde ich mich bei der Agentur und mit etwas Glück, bekomme ich dann auch den Auftrag. Wer glaubt, die Aufträge werden an die am besten passende AutorInnen gegeben, irrt sich leider. Es kriegt diejenige den Aufrag, der sich zuerst meldet. Ich könnte jetzt auch theoretisch eine Arbeit in der Physik schreiben, obwohl ich davon keine Ahnung habe.
Wenn ich den Auftrag angenommen habe, dann erhalte ich das Material, wenn es welches gibt, und kann loslegen. Manchmal habe ich noch Kontakt mit den KundInnen via Telefonkonferenz. Ich rufe dann zu einem ausgemachten Termin eine Nummer der Agentur an und bespreche mit dem Kunden, wo die Arbeit hingehen soll. Bei einer Agentur hieß ich Barbara, weil ich meinen echten Namen nicht sagen wollte. Dann schreibe ich, schicke Teillieferungen und übersetze die Änderungswünsche der KundInnen. 
Legalize it! – liebernicht
Es ist legal – zumindest für mich! Es ist tatsächlich so, dass mein Vertrag über eine „Schreibvorlage“ geht, nicht über eine Abschlussarbeit oder Seminararbeit. Den KundInnen ist völlig klar, dass sie den mitgelieferten Text eigentlich nur als Vorlage nutzen dürfen, um ihren eigenen Text zu verfassen. Das dem nicht so ist und die StudentInnen ihr Signum unter die Eigenständigkeitserklärung setzen, ist auch irgendwie jedem klar. 
Ich bekomme verschiedene Anfragen. Am Anfang dachte ich noch, dass sich vielleicht StudentInnen melden, die aufgrund von widrigen Umständen (Unfall, Kind gekriegt, Eltern gestorben etc.) ihre Arbeit nicht schreiben oder fortsetzen können. Leider ist das selten der Fall. Der Großteil ist einfach zu dumm oder zu faul, seine Arbeit selbst zu schreiben – beide Faktoren können auch signifikant korrelieren. Ich habe mal eine Anfrage bekommen, in der stand wortwörtlich: „Ich habe keine Lust auf meine Arbeit und verbringe die Semesterferien lieber am Strand auf den Malediven.“  ähm… ja… Häufig bekomme ich auch Anfragen, die ungefähr so lauten: „Es geht um Marketing. Der Autor möge bitte ein Thema finden und eine Forschungsfrage ausarbeiten. In drei Tagen brauche ich die Gliederung und ein Expose.“ What?! Es ist dann auch ganz besonder erquickend mit solchen KundInnen am Telefon zu sprechen … nicht. Ich arbeite mittlerweile nur noch mit Agenturen zusammen, wo ich KEINEN direkten Kontakt mehr zu den KundInnen habe. Das kostet echt Nerven… 
Fazit und Ausblick

Die staatlichen Organe gehen immer noch davon aus, dass die ProfessorInnen ihre StudentInnen kennen und ein Plagiat sofort auffällt. Dem ist schon lange nicht mehr so. Die Hörsäle sind überfüllt und die StudentInnen nur Matrikelnummern auf der Anwesenheitsliste. Nach meiner Erfahrung, lesen sich heute die ProfessorInnen nicht mal mehr die Arbeit durch, geschweige denn, dass sie sich wirklich damit auseinandersetzen. Die geben dann einfach Pauschal- oder Nasennoten. Da braucht man sich echt nicht zu wundern, wenn es Leute gibt, die diese Lücke ausnutzen.
Es ist nun mal so, dass Ghostwriting zu einem Markt geworden ist. Die KundInnen können eine Dienstleistung ordern und die wird bestmöglich erfüllt. Daran halte ich mich auch fest: ich erbringe eine Dienstleistung. Die Vorteile überwiegen für mich momentan. Ich kann von daheim arbeiten, habe ein gutes Einkommen und kann trotzdem auf die Kinder aufpassen. Zudem finanziere ich damit meine eigenen Veröffentlichungen – das ist teuer! Ich hätte gern etwas anderes gemacht, aber leider ist in der Wirtschaft kein Platz für Alleinerziehende. Mir ist aber klar, dass ich Ghostwriting nicht ewig machen kann. Es ist super anstrengend und es frustriert mich schon manchmal, dass jemand anderes die Lorbeeren dafür einheimst, die ich ihm verdient habe. Auf der anderen Seite gibt es moralisch verwerflichere Berufe, die ich stattdessen ausüben könnte. 

Frauen in der Fantasy 4: Ich hab nichts anzuziehen!

Auf der Suche nach ordentlicher Fantasy lese ich mir sehr viele Leseproben durch und entscheide dann, ob die Story Wert ist, gelesen zu werden – oder eben nicht. Ich stoße dabei immer häufiger auf Geschichten, in  den die AutorIn offenbar sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild der weiblichen Charaktere legen. Da werden die Vampirjägerinnen in enge Lackhosen gezwängt und die Anführerin der Dämonenliga hat natürlich kaum was an, außer eine Art BH mit Stacheln (oder so). Da mag man sich gar nicht vorstellen, wie die Alltagskleidung der Frauschaften so ausschaut, wenn sie schon bauchfrei und auf Highheels auf das Schlachtfeld trippeln.

Frauen auf dem Schlachtfeld haben offenbar nur die eine Funktion: sie sehen hübsch aus, sexy, bieten was fürs Auge. Sie werden nicht durch ihre Taten und den Charakter definiert, sondern durch den Blick von außen. Den Anblick, den ein Kerl am Rande des Schlachtfelds gerne sehen würde: eine halbnackte, gut frisierte Frau steht herum und lässt sich anstarren.
Ich hab nichts anzuziehen
Das mag man bei vielen Protagonistinnen wirklich glauben. Gerade in Filmen und Serien laufen viele in engen Lacklederhosen mit einer Art Oberteil herum, das lediglich die wichtigsten Körperstellen versteckt. In Büchern sieht es oftmals nicht viel besser aus. Die Protagonistin läuft in den engsten Klamotten, in den kürzesten Hosen, den unpraktischsten Schuhen herum – Hauptsache sie sieht super aus, wenn sie einem Dämon den Kopf abschlägt. Ist den AutorInnen eigentlich klar, dass eine Lacklederhose unpraktischer zum Kämpfen ist als Jeans und T-Shirt?  Gerade in der Fantasy ist es weit verbreitet, die Kerle bis an die Zähne zu bewaffnen, ihnen eine schier unzerstörbare Rüstung anzulegen, während Frauen in einer Rüstung herumlaufen, die den Namen nicht verdient. Einen Mann lässt man doch auch nicht halb nackt aufs Schlachtfeld ziehen! Aber eine Frau soll bauchfrei gegen Dämonen kämpfen? Warum müssen Frauen besonders sexy sein, wenn sie sich auf dem Schlachtfeld prügeln? Männer sind das doch auch nicht! Männer sind dreckig, blutverschmiert und adrenalingeladen. Frauen sehen super aus. Das ist im Kampf besonders wichtig, hübsch sein: drei Dämonen vor dem Frühstück geköpft – die Frisur sitzt.
Vor allen Dingen kann das kaum logisch erklärt werden. Man stelle sich ein Volk in einem Krieg vor. Kurz vor der Schlacht bewaffnen sich die Kerle mit allem, was die Waffenkammer zu bieten hat, während die Frau eine Axt in ihre Hand mit den frisch lackierten Fingernägeln nimmt, sie zieht sich ihren BH zurecht und föhnt ihre Haare. Ich habe kürzlich in einem Roman gelesen, dass ich die Protagonistin permanent die Haare flechtet, damit sie schön aussehen. Sie hat offenbar nichts besseren zu tun, bevor es los geht. Kann mir bitte eine AutorIn, die solche Handlungen aufschreibt, die Logik dahinter erklären? Welcher Herrscher lässt die Hälfte seiner Armee halb nackt in den Krieg ziehen? Das entbehrt doch sämtlicher Logik. Es ist natürlich so, dass Frauen grundsätzlich schöner sind als Männer :), und deshalb sehen sie auch in einer ordentlichen Kampfausrüstung toll aus und müssen nicht halbnackt herumrennen. Auch in der Fantasy können Frauen realistisch gekleidet sein. Es kann ja nicht sein, dass ein Volk, eine Armee aufstellt und die Hälfte der Besetzung nicht ausstattet. Welches Volk ist denn bitte so blöde und schickt seine KriegerInnen in Seidentüchern und Stachel-BH los? Das macht doch keiner!

Ein Bild von einer Frau

Ich kenne einige Romane, in denen diese Fehler nicht gemacht werden. Die Frauen haben ordentlich was an und die Kriegerinnen tragen im Prinzip das gleiche wie Männer – eine stattliche Rüstung. Wenn ich mir dann allerdings das Cover dazu anschaue, dreht sich mir häufig der Magen um. Auf dem Bild prangt wieder eine Frau, die nichts anzuziehen hat. Das findet sich tatsächlich relativ selten bei Selfpublishern, dagegen aber sehr häufig bei Verlags-Fantasy, insbesondere bei Serien zu Computerspielen. Das versaut mir als Leser direkt das Bild von der Frau um die es dort geht. Ich stelle mir die Kriegerin sofort in derartigem Outfit vor und mir fällt es verdammt schwer von diesem Bild wegzukommen – selbst dann, wenn die AutorIn explizit eine völlig andere Ausstattung beschreibt als auf dem Cover vorgegeben ist.

Ich freue mich daher fast über den Trend, von Gesichtern und Personen auf Covern abzusehen. Zumindest in der Fantasy sehe ich hauptsächlich Bilder mit Gegenständen, Schnörkeln und Landschaften. Doch selbst wenn auf dem Cover lediglich Silhouetten zu sehen sind, wird deutlich, wer hier die Hosen an hat und wer in einem Kleidchen herumläuft. Wenn es denn zur Story passen würde, wäre das gar kein Problem. Ist aber häufig nicht so.

Fazit
Ich finde schon, dass man als AutorIn versuchen kann, der Protagonistin eine vernünftige und sinnbringende Kleidung zu verpassen. Vor allen Dingen dann, wenn es wirklich starke Frauen sein sollen. Keine starke Frau zieht sich so für den Kampf an. Eine starke Frau weiß, dass sie einen Ghul oder Dämon nicht mit einem tiefen Ausschnitt und möglichst viel Bein verjagen und töten kann. In der realen Armee laufen Soldatinnen auch nicht in Miniröckchen über das Minenfeld.

Schreiben: Sind Männer Schweine oder nur Bad Boys?

Ich lese in letzter Zeit immer wieder dieselbe Story: Eine Tussi, die ihr Leben nicht auf die Kette kriegt begegnet einem reichen Kerl, der noch mehr Chaos in ihr Leben bringt. Der Kerl behandelt sie schlecht, aber sie liebt ihn natürlich über alles. Sie weiß, er ist der Eine, der einzig Wahre. Deshalb lässt sie alles über sich ergehen und weil er sie mit Geschenken überschüttet, verzeiht sie ihm natürlich. Am Ende sind sie ein glückliches Paar. Diese Geschichten kommen in allen möglichen Formen daher, bleiben aber immer die gleichen. Ich kann sie nicht mehr sehen, die Fußballer, Cowboys, Firmenchefs,  Rockstars, Multimillionäre oder Bad Boys. Gehandelt werden solche Geschichten als „Romance“, doch sind das wirklich Liebesgeschichten, die da beschrieben werden? Ich habe einmal versucht, das genauer zu betrachten und wissenschaftlich zu belegen. 

What is Love?
Als Leserin mit einem Auge für Ästhetik dreht sich mir schon der Magen um, wenn ich mir allein die Cover anschaue: halbnackte Kerle, in Pose gesetzt, in Kombination mit einer grenzdebil dreinblickenden Tante, am besten in Schwarz-Weiß mit greller Schrift. Das ist das Markenzeichen der modernen Cinderella-Story. Ich lese grundsätzlich ungern reine Liebesgeschichten, weil beinahe alle nach demselben Muster gestrickt sind. Selbst in der Fantasy macht es sich breit, mit dem Unterschied, dass es hier reiche Vampire, reiche Gestaltwandler oder reiche Magier sind. Ich möchte das ja kaum als Fantasy bezeichnen. 
Ich habe letztes Jahr das Buch „Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt – Das verborgene Drehbuch unserer Beziehungen“ gelesen. Geschrieben hat es Robert J. Sternberg ein anerkannter Wissenschaftler in der Psychologie, der auf dem Gebiet der Liebe forscht. Laut Sternberg leben wir unsere eigenen Liebesgeschichten. Diese sind geprägt von der Umwelt und unseren eigenen Erfahrungen. Das heißt, dass was wir selbst erlebt haben hat einen genauso großen Einfluss auf unser Liebesleben wie der Film im Kino oder das Buch im Regal, nicht zu vergessen die Gesellschaft. Sternberg hat in seinem Buch mehrere verschiedene Arten von Liebesgeschichten gefiltert:
  • Asymmetrische Geschichten (z.B. Lehrer Schüler)
  • Objektgeschichten (z.B. Der Partner als Objekt)
  • Koordinationsgeschichten (z.B. Der Garten)
  • Literarische Geschichten (z.B. Prinz und Prinzessin)
  • Genregeschichten (z.B. Im Kriegszustand)
Ich versuche einmal herauszufiltern, welche Art von Liebesgeschichte wohl diese Romance dargestellt. 
Asymmetrie
Ich vermute zuerst eine asymmetrische Geschichte. Hier basiert die Beziehung auf ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern. Es dominieren Machtfragen, Überwachung und Unterwerfung. Eine Art asymmetrische Liebesgeschichte ist das Regierungssystem. In einer autokratischen Beziehung übt quasi ein Partner allein die gesamte Macht aus, er trifft alle Entscheidungen und entscheidet auch, wer dies tut und wann es geschieht. Solche Beziehungen haben nicht nur religöse Gründe, sonder können schlichtweg am übersteigerten Machtbedürfnis des einen Partners liegen. Ich dachte deshalb auch an diese passende Art Liebesgeschichte, da hierunter auch Überwachung und Tyrannei fällt. Dabei ist das Horrorkabinett die schlimmste Form der asymmetrischen Geschichten, wo ein Partner dem anderen regelrecht Angst einflößen kann. Hier gibt der Partner an, er liebe derben Sex, verliebe sich eben nur in Menschen die „dies genauso wollen“. Es geht um Überwachung, Dominanz und sogar körperliche Verletzungen.
Nicht selten üben die Männer in den Cinderella-Storys ihre Macht darüber aus, dass sie ihre Partnerin kontrollieren. Es wird verboten, dass die Frau Kontakt zu anderen Männern hat. Es wird ihr neue Kleidung gekauft, damit er kontrollieren kann, was sie anzieht. Häufig werden die  Frauen in den Geschichten überwacht oder sie muss sich rechtfertigen, warum dieses oder jenes getan oder nicht getan hat. Er behandelt die Partnerin schlecht und entschuldigt sich hinterher mit materiellen Geschenken. Damit lässt er sich bestätigen, dass die Partnerin dies ja genauso wolle. Die Partnerinnen werden irgendwo angekettet oder gegen ihren Willen am Strand mit Sonnenuntergangskulisse angefallen. Aber es ist natürlich so, dass ER genau weiß, was SIE will und sie will es natürlich genauso wie ER es ihr vorschreibt. Ein schlechtes Gewissen hat er nicht, denn ER ist ja schließlich normal und weiß, dass SIE es genauso haben will. Sonst wäre sie ja schließlich nicht mit ihm zusammen.
von der wundersamen Heilung
Als nächstes vermute ich die Liebesgeschichte der Heilung, die in die Kategorie der Objektgeschichten gehört. Hier dreht sich alles um Überleben. Einer der Partner hat ein Trauma erfahren (Sucht, Misshandlung, Haft, Krieg, scheiß Kindheit, etc.) und sucht in einer Beziehung nach Heilung. Das Ziel solcher Beziehungen ist es, etwas in dem anderen Partner finden zu können, was man bei sich selbst nicht finden kann. Daraus entsteht für den Partner eine Co-Abhängigkeit. Auf der einen Seite versucht die Person, ihre Vergangenheit zu überwinden, auf der anderen Seite ist sie doch ein wichtiger Bestandteil der Beziehung. Ein Problem dabei besteht darin, dass sich der Partner ändern will, es aber nicht schafft. Der Co-Abhängige läuft daher Gefahr, in eine unendliche Geschichte verwickelt zu werden. Eine echte Heilung wird nie erreicht. Problematisch ist es auch, wenn der Co-Abhängige das Gefühl braucht, einem einem anderen Menschen zu helfen, weil er sich sonst minderwertig fühlt. Eine Beziehung auf so eine Basis zu stellen ist mehr als ungünstig.
Ich bin der Meinung, dass diese Romance-Storys zum Teil auch Heilungs-Geschichten sind, weil viele der beschriebenen Männer mehr oder minder traumatische Erlebnisse haben, aus der sie die eine Partnerin befreien soll. Meist besteht das schlimme Erlebnis, dass diesen Mann zum Arschloch gemacht hat, natürlich in der furchtbaren Kindheit, als Abkömmling reicher Menschen. Denn alle reichen Menschen sind schließlich schlechte Eltern und vernachlässigen ihre Kinder (alle armen Menschen übrigens auch). Aber hey, der Kerl hat ja jetzt eine „normale“ Freundin, die ihn von den Drogen oder einem frivolen Lebensstil wegholt und ihn auf den Boden der Tatsachen bringt. Ohne sie schafft er es nicht. Und weil sie das weiß, wird sie sich niemals von ihm trennen. Selbst dann nicht, wenn die Beziehung asymmetrisch wird.

Objekt vs. Subjekt

Sternberg führte mehrere Studien durch. Dabei stellte sich heraus, dass die männlichen Probanden überwiegend auf Objektgeschichten fixiert sind. Sie hängen Liebesgeschichten an, in denen die Partnerin ein „Kunstwerk“ darstellt, „die Sammlung“ vervollständigt. Die weiblichen Probanden dagegen erreichten überwiegend hohe  Werte bei der Liebesgeschichte der „Reise“. In einem Test mit Paaren (n=43) stellte sich heraus, dass Männer ihre Partnerin als Objekt sehen und sich gern als Nutznießer eines Opfers, das von der Frau erbracht wird.

In Objektgeschichten werden die Partner nicht um ihrer selbst willen geliebt, sondern in ihrer Funktion als Objekt. Solange die Parterin also ihre Funktion erfüllt, ist alles gut. Wird die PartnerIn also zum Beispiel wegen seines äußeren Erscheinungsbildes geschätzt, funktioniert die Partnerschaft so lange die PartnerIn schön genug ist. Dann wirds kritisch. Es wird sich für eine PartnerIn entschieden, weil sie eben in die Sammlung passt, ähnlich eines gesammelten Gegenstands. So entscheidet sich eine Person häufig für eine PartnerIn einfach aus dem Grund, dass es nun mal an der Zeit ist, sich zu binden. Eine PartnerIn würde gerade die perfekte Ergänzung zum Lebensstil sein.

Baby, don´t hurt me, don´t hurt me,  no more…
Ich habe die anderen Geschichten auch abgeprüft, aber meines Erachtens passen diese beiden Varianten am Besten. Wenn man sich einmal diese Art von Paar in einer längeren Beziehung vorstellt, wird schnell klar, dass das gar nicht funktionieren kann. Die Frau würde in einem Horror-Szenario feststecken, das sie vollkommen abhängig von ihrem Partner werden lässt, bis sie sich nicht mehr traut die schlechte Beziehung zu beenden. Ich frage mich ernsthaft, wie AutorInnen ihre eigenen Protagonisten in eine solche Beziehung laufen lassen können. 
Aber soweit denkt man bei einer Liebesgeschichte gar nicht. Es geht einzig und allein um das „Sich-Finden“. Der Soziologe Francesco Alberoni nennt das den „Entstehungszustand“ und bezeichnet die Zeit, in der das Paar sich  neu gefunden hat und sehr verliebt ist. Es wird daher immer schwieriger, seine Rolle als Prinz oder Prinzessin aufrecht zu erhalten, je näher der Partner einen kennt. (Sternberg, 2002) Dennoch gibt es diesen Zuneigungshunger aus der Verliebtheit heraus, der eine sehr starke Wirkung ausübt. Wenn er die Phase des Verliebt-Seins überdauert, kann er das Urteilsvermögen beeinträchtigen, die Entschlossenheit und Willenskraft zerstören und damit eine Person zwingen, in einer Beziehung zu bleiben, die eigentlich schlecht für sie ist.  Durch den Zuneigungshunger wird die Abhängigkeit in einer Beziehung am Leben gehalten. (Halpern, 2015) Das ist nicht gesund, Mädels!

Wenn ich mir den Beziehungsverlauf der beiden Protagonisten so vorstelle, dann muss ich erschreckende Parallelen der Charaktereigenschaften der dargestellten Kerle, zu denen eines gewissen amerikanischen Präsidenten mit schlechter Frisur feststellen. Die Kerle sind aufbrausend, bockig, teilweise ziemlich dumm, kontrollsüchtig, bestechen alle möglichen Leute mit Geld, keiner mag sie richtig und sie haben ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Mal abgesehen davon, dass sie ihre Freundinnen / Frauen schlecht behandeln. Liebe AutorInnen und LeserInnen, möchtet ihr wirklich mit so einem zusammen sein?

Fazit
Ein Kerl, der Frauen schlecht behandelt ist ein Arschloch und bleibt dies, auch wenn er sich danach Liebe mit teuren Geschenken erkaufen will. Eine Rose zum Valentinstag entschuldigt kein blaues Auge! In den Büchern werden üble Geschichten beschrieben und als normal und „wünschenswert“ für die Frau dargestellt. Sollte man nicht lieber Bücher darüber schreiben, wie man sich aus solchen Beziehungen befreien kann, nicht wie man in sie hineinrennt? Aus solchem Stoff sind Thriller gemacht, keine Liebesgeschichten!

  … Immer, ja wirklich immer, haben Typen wie du was auf die Fresse verdient… 
(Die Ärzte, Lied: Manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern)
Quellen
Robert J. Sterberg (2002). Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt – Das verborgene Drehbuch unserer Beziehungen. Knaur.
Howard M. Halpern (2015). Liebe und Abhängigkeit. inkopress. Auch Online

Schreiben: Wer hat dazu schon Zeit?

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Viele AutorInnen haben neben ihrem AutorInnenleben auch noch zusätzlich einen Brotjob, mit dem sie ihr Dasein und die Schreiberei finanzieren. Das ist harte Arbeit, besonders wenn das Schreiben nicht nur eine Art Hobby sein, sondern auf lange Sicht gesehen zum Erfolg führen soll. Ein Buch zu schreiben, dauert eben lange, gerade wenn man eigentlich keine Zeit dazu hat. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass so viele so wenige Bücher im Jahr schreiben. Zeit ist Gold.

Ich war neulich auf einer Lesung. Es waren sechs Selfpublisher geladen, die zehn Minuten lang aus ihrem aktuellen Buch vorgelesen haben. Es war sehr schön und mir hat besonders eine Fantasy-Geschichte gut gefallen, bis der Autor erzählt hat, wie diese entstanden ist:
Er selbst ist selbstständig mit einer eigenen Praxis (Ich glaube, er war Heilpraktiker), seine Frau arbeitete und sie hatten  zusammen drei Kinder. Der Mann erzählte dann wie die Geschichte so lange in ihm geschlummert hätte, jahrelang – klar, kennen wir fast alle mit unseren Herzensprojekten. Und dann hatte er eine Krise und wollte zwingend diese Geschichte zu Papier bringen – ja, kennen wir auch alle, irgendwie. Unser einer setzt sich dann neben dem Job und dem ganzen zusätzlichen Kladderadatsch hin und fängt endlich mit der Schreiberei an. Dieser Mensch machte es anders. Er erzählte wie selbstverständlich, dass ja jeder wüsste, dass man nicht schreiben könne, wenn Kinder im Haus leben würden. Deshalb hätte er sich für zwei Monate zu Freunden nach Südafrika in die Wildnis eingeladen und dort innerhalb von zwei Monaten das Buch zustande gebracht. Ehrlich jetzt? Kerl, du lässt deine Frau und deine Kinder allein in Deutschland zurück, um ein Buch zu schreiben, weil du sonst nicht in der Lage dazu bist? Ist das wirklich dein Ernst? Ja, war es. Ab diesem Moment fand ich die Geschichte kacke.
Die Zeitmaschine
Die meisten Selfpublisher haben einen Brotjob neben ihrem AutorInnenleben. Insbesondere Anfänger, die noch nicht vom Schreiben leben können. Das haben sogar viele VerlagsautorInnen. Es ist eben so, dass man schon sehr viel schreiben muss, um wirklich davon leben zu können und das dauert eben ein bisschen länger. Wir kämpfen nun so ziemlich alle damit, dass wir einen Job haben, der Zeit raubt, und – ohmeinGott – die meisten haben auch noch Familie, die ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt, dazu der ganze Kram mit Haushalt, Termine, Verwaltungskram und und und. Und trotzdem kriegen wir es auf die Kette, Bücher zu schreiben. 
Klar bringe ich dann nicht jedes Jahr fünf dicke Romane zustande, aber ein bis zwei Bücher werden das schon. Ich überlege gerade, was wohl passieren würde, wenn ich plötzlich auf die Idee käme, mich zwei Monate auf eine einsame Insel zu verziehen, nur um eine Geschichte aufzuschreiben? Ich glaube, meine Umwelt wäre nicht sonderlich begeistert davon – besonders nicht meine Kinder und meine Mutter, die dann auf die Pokémonster aufpassen müsste.
Ich empfinde es als grobe Beleidigung, wenn mir einer erzählen will, er könne nicht schreiben, weil er Kinder hätte. Auf sowas kann doch nur ein Kerl kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ganz besonders geistreich finde ich auch Kommentare, die mich darauf hinweisen, doch etwas schneller zu schreiben oder mehr zu veröffentlichen – klar, wenn du meine Kinder nimmst, meine Arbeit für mich erledigst und ich zwei Monate nach Südafrika verschwinden kann, mach ich das glatt. 
Erst neulich berichtete mir eine befreundete Autorin, dass sie ständig von anderen AutorInnen angesprochen und gedrängt wird, doch endlich ihren Roman zu veröffentlichen. Sie war ganz verzweifelt, weil sie noch so viel zu tun war, und fragte mich, wann sie denn jetzt bitte auch noch DAS erledigen soll. Eine andere Autorin und Lektorin berichtete mir, sie werde ständig gemaßregelt, sie hätte keine Struktur und müsse sich besser organisieren. Dabei hätte sie doch noch einen Vollzeitjob und wäre abends häufig einfach so platt, dass sie gar nichts mehr schaffe. Auch eine andere Kollegin, berichtet mir von solchen geistlosen Verbalattacken. Sie hat einen Job, einen Kleinverlag, ein Cover-Design und schreibt unter Pseudonym.
Besonders kommen solche Ratschläge von Leuten, die entweder keinen Job haben, einen reichen Partner, noch bei den Eltern wohnen oder bereits im Rentenstatus sind. Also Leuten, die sich kaum noch um zeit- und nervenaufreibende Jobs und anderen Kram kümmern müssen, sondern lediglich für sich selbst Verantwortung tragen brauchen. 
Qualität vs. Quantität
Die erfolgreichen AutorInnen, die wirklich viele Bücher im Jahr schreiben, haben sich das auch nicht von heut auf morgen aufgebaut, sondern Jahrelang daran gearbeitet. Ich kenne AutorInnen, die haben erst mit der Rente mit dem Schreiben begonnen, weil vorher einfach keine Zeit dazu war. Wenn man einen Job hat und auch noch etwas Privatleben leben möchte, dann geht das nicht innerhalb von ein paar Tagen. Dann braucht man Zeit und die kann man sich ruhig nehmen. Man möchte ja schließlich, dass es ein gutes Buch wird – zumindest ist das die Regel. 
Ich war neulich nämlich ziemlich enttäuscht. Es gibt eine Autorin, die ich sehr für ihren Ehrgeiz und Fleiß bewundert habe. Sie veröffentlicht mehrmals im Jahr und ist sehr erfolgreich als Autorin. Dann habe ich mir aber tatsächlich angesehen, was sie da schreibt und war ziemlich niedergeschlagen. Die Sprache war niveaulos und bei der Story hab ich schon auf der ersten Seite das Kopfschütteln gekriegt. Die Fakten waren nicht gut recherchiert und die Dialoge wirkten aufgesetzt und realitätsfern. Ich gehe mal davon aus, dass die Autorin ihre eigenen Bücher gut findet und sie hat ja auch eine breite Leserschaft und große Fangemeinde. Aber bevor ich etwas veröffentliche, das ich völlig kacke finde, nur um zu beweisen, wie fleißig ich wäre, bleibe ich lieber arm und werde erst in ein paar Jahren reich und berühmt.

Frauen in der Fantasy 3: Auf in den Kampf!

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Eigentlich gibt es nicht zu wenig Frauen in der Fantasy. Die, die aber da sind, sind meist nach ein und dem selben Muster gestrickt. Viele AutorInnen wollen starke Frauen schaffen, gut ausgebildet für den Kampf gegen Vampire, Dämonen, Aliens oder den Alltag. Doch irgendwie scheint das Konzept nicht so ganz aufzugehen. Die Charaktere scheinen nicht bis zum Ende durchdacht.

Ich habe mal ein Manuskript lektoriert. Es ging um eine Vampirfrau, die als Kämpferin ausgebildet wurde, die beste ihres Jahrganges und hart wie Kruppstahl. Sie kleidete sich stehts in engen Bustiers und Blüschen, damit ihre große Oberweite gut zur Geltung kommt. Ja, das wurde von der Autorin so betont – genauso wie ihre wunderschönen langen Haare, mit denen sie ständig beschäftigt war. Nun, diese junge Frau war also dazu ausgebildet fiese Vampire zu jagen, so eine Art nachtaktive SEK-Polizistin mit spitzen Zähnen. Komischerweise hat sie das ganze Buch über NICHTS gemacht. Im Gegenteil, ständig musste sie von den Kerlen ihrer Truppe gerettet werden, hatte Angst, heulte und bekam vom Obervampir sogar Hausarrest. Die Krönung war das Ende, wo sie sich dem Endboss gegenüberstellen musste und dann zusammenklappte, nichts mehr mitbekam und Wochen später im Krankenhaus aufwachte, wo ihr dann erzählt wurde, wie hart sie doch gekämpft hatte … aber am Ende hat dann doch ihr Kerl den Typie besiegt.
Ich habe der Autorin mehrere Male vorgeschlagen, doch aus der Protagonistin eine Sekretärin oder Buchhalterin zu machen, denn schließlich schien sie totale Panik im Kampf zu haben. Ich erklärte der Autorin, dass man von einer derart ausgebildeten Kämpferin doch erwartet, dass sie im Kampf weiß, was sie da zu tun hat. Dies wusste ihre Protagonistin allerdings nicht. Jedoch weigerte sich die Autorin und bestand auf ihre Super-Vampirin. Also schlug ich ihr vor, der Frau ein traumatisches Erlebnis anzudichten, damit die Handlungsunfähigkeit im Kampf erklärt werden kann. Aber auch das wollte die Autorin nicht. Also, wir hatten hier eine top ausgebildete Kriegerin, die nicht kämpfen konnte. Dafür war sie der Schwarm aller Männer, die sie ständig retten mussten.
Finde den Fehler
Trauriger Weise finden sich viele dieser weiblichen Gestalten in Büchern wieder. Ihnen werden Fähigkeiten gegeben, die sie dann doch nicht nutzen dürfen. Lauter Kriegerinnen, Intelligenzbestien, Superfrauen, die sich dann doch vom Kerl zeigen lassen müssen, wie es geht. Die Frauen in der Fantasy sollen starke Charaktere sein. Sie können Bösewichte mit einem Schlag töten, kennen jede Strategie des Gegners und sind ihnen immer einen Schritt voraus, sie sind weise, wissen alles und können alles. Dennoch zeigen sie diese Fähigkeiten in der Geschichte nicht. Woran liegt das wohl?
Es liegt meist daran, dass sich die AutorIn zwar Gedanken darum gemacht hat, was die Protagonistin alles kann, aber keine Sekunde überlegt hat, wie sie das umsetzen kann und ob das für die Geschichte überhaupt relevant ist. Das Charakterdesign ist nicht bis zum Ende durchdacht. Wenn man sich schon eine solche Person zurechtbastelt, dann muss sie auch dementsprechend handeln. Man schafft ja auch keine Bäckerin, die noch nie einen Kuchen gebacken hat und sich das erst zeigen lassen muss. Die ProtagonistInnen in einer Geschichte sollten von den Fähigkeiten und vom Charakter her auch in die Story passen. Aber das ist ja sowieso eine wichtige Voraussetzung beim Schreiben. Man kann keine super Kartenleserin erschaffen und dann taucht nirgends in der Geschichte eine Karte auf.
Fazit
Es ist immer noch so, dass selbst starke Frauen nicht stark sein dürfen. Ihnen werden Fähigkeiten angedichtet, die sie nicht einsetzen dürfen. Den achso starken Frauen in der Fantasy wird mit solchen Protagonistinnen alles abgesprochen, was sie eigentlich darstellen sollen. Sie sollen super Kriegerinnen sein, ihre Taten auf dem Schlachtfeld werden aber kaum gewertet. Sie müssen sich trotzdem noch retten lassen, haben trotzdem immer noch Angst im Dunkeln und machen im Prinzip nichts in den Büchern.

Nominierung für den Deutschen Phantastik Preis

Ich bin stolz und glücklich mit meiner Elfengeschichte auf der Shortlist für den Deutschen Phantastik Preis 2018 #dpp2018 in der Kategorie „Bestes Debüt“ gelandet zu sein. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet. Ich war schon glücklich, dass meine Geschichte auf der Longlist erschienen ist. Ganz besonders freue ich mich natürlich, dass ich zusammen mit so vielen tollen Büchern in einer Reihe genannt werde.

Hier könnt ihr nominieren: DPP-Nominierung

Außerdem habe ich diesen Monat meine kleine Schneeflockennovelle veröffentlicht. Sie ist bei BoD in gedruckt Form und damit auch im Buchhandel erhältlich. Für das ebook habe ich mich dieses mal entschieden, die Geschichte bei Kindle Unlimited zur Verfügung zu stellen, weshalb sie nun die ersten drei Monate ausschließlich über Amazon erhältlich ist. Dafür könnt ihr sie euch ausleihen. Amazon

Shneeflockennovelle

Selfpublishing: Die Sache mit dem Lektorat

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Das Lektorat ist ein Thema bei dem sich die Geister scheiden. Die einen sagen, das Lektorat wäre unverzichtbar, die anderen, das könne man sich sparen. Gerade wenn man als AutorIn frisch auf dem Parkett tanzt, ist man sich unsicher, hat wenig finanziellen Spielraum und noch keinerlei Erfahrungen bezüglich der Verkaufszahlen. Deshalb verzichten viele AutorInnen beim ersten Buch auf das Lektorat. In meinem heutigen Post beleuchte ich das Thema näher und gebe Ratschläge für Lektorate und „Ersatz“.

Man stellt sich ja immer vor, dass eine AutorIn einen Text runterschreibt und dann ist das Buch fertig. Ich kenne keine AutorIn, die das je so gemacht hat. Schreiben besteht hauptsächlich aus Überarbeiten. Es gibt Texte, die viel Bearbeitung brauchen, andere wiederum wenig. Es ist jedoch so, dass kaum ein Text völlig unbearbeitet an die Öffentlichkeit gerät – auch, wenn das Selfpublishern gern unterstellt wird.

Laut dem Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) bedeutet ein Lektorat, das die Texte sorgfältig geprüft werden:
Stimmen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? Sind sämtliche Schreibweisen einheitlich und alle Eigennamen korrekt? Überzeugt die Gliederung? Hält der Text, was er in der Einleitung verspricht? Stimmt die Länge? Passt der Stil zur Zielgruppe? Überstehen die Inhalte einen Faktencheck? Wenn all diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, handelt es sich um das achte Weltwunder: den perfekten Text. Wenn nicht, dann war es die richtige Entscheidung, eine Lektorin zu engagieren, die die Dinge in Ordnung bringt. (Quelle: VFLL)

I don´t want the fame, just give me the money


LektorInnen sind also dafür da, die Texte der AutorInnen zu kontrollieren und auf Herz und Nieren zu prüfen.  Das ist viel Arbeit und möchte dementsprechend bezahlt werden – auch LektorInnen müssen ab und an etwas Nahrung zu sich nehmen. Die Kosten variieren stark und sind von LektorIn zu LektorIn unterschiedlich, von 1,00 Euro bis 10,00 Euro pro Normseite ist alles dabei. Da kann ein Buch von ca. 200 Normseiten natürlich sehr teuer werden und dies stellt gerade für frisch gebackene AutorInnen ein Problem dar. Wer nicht für die Veröffentlichung gespart hat oder anderweitig Rücklagen zur Verfügung hat, will an diesem Punkt sofort aussteigen. Denn gerade als DebütautorIn kann man auf keine Erfahrungen bezüglich der Verkaufserlöse zurückgreifen und weiß daher auch nicht, ob das Buch diese Investition wieder einspielen wird. Man weiß meist auch noch nichts von Zielgruppe und Marketing, weshalb die Verkaufserlöse vermutlich im niedrigen Bereich bleiben werden. Wenn man das Geld also nicht „übrig“ hat, stellt das Lektorat neben dem Coverdesign die höchste Investition und finanzielle Belastung dar.

Dabei ist es auch recht schwierig, eine passende LektorIn zu finden, denn sie muss ja nicht nur gut sein, sondern auch zum Genre passen. Es heißt ja immer, ein Lektorat für 1,00 Euro pro Normseite taugt nichts, aber es ist auch nicht gesagt, dass ein Lektorat für 10,00 Euro pro Normseite das beste ist. Deshalb sollte man sich zum einen die LektorIn nach dem Genre aussuchen und dann auch noch nach einem Probelektorat fragen. Dabei sendet man der LektorIn ca. 5 Seiten, um zu sehen, wie sie arbeitet und ob man mit der Arbeitsweise zurechtkommt. Viele LektorInnen bieten das Probelektorat kostenlos an, das ist aber nicht selbstverständlich. Daher sollte auch damit gerechnet werden, dass man eben die 5 Seiten bezahlt. Ich lese häufig, dass sich LektorInnen über unfreundliche AutorInnen beschweren, die beleidigend werden, wenn sie eine Rechnung über 5 Seiten Lektorat bekommen. Das geht natürlich gar nicht. Die Berechnung der Probeseiten ist nicht nur dafür da, der LektorIn Geld einzubringen, sondern auch zum Schutz. Die LektorIn hat auch mit wenig Seiten Arbeit und wenn sich der Kunde danach nie wieder meldet, dann hat sie damit Zeit- und Geldverlust gemacht. Auch gehen immer wieder Geschichten um, dass sich unehrliche AutorInnen mit Probelektorate kostenlos ein ganzes Buch lektorieren lassen. Sie schicken einfach jedem Lektoratsbüro die nächsten 5 bis 10 Seiten ihres Manuskripts und bekommen so eine kostenlose Dienstleistung. Das ist Betrug und der Betrag für ein Probelektorat kann LektorInnen davor schützen.




Dieses Buch, dieses Buch ist kein Hit. Der Text ist voll bescheuert und die Syntax ist shit … 

Wer kein Geld hat für ein professionelles Lektorat muss nicht zu unmoralischen und betrügerischen Mitteln greifen, sondern kann sich anders helfen. Dann ist es eben nur nicht professionell. Da gibt es zum Beispiel die Beta-LeserInnen, die das Manuskript durcharbeiten. Die findet man häufig in den Sozialen Medien- in Facebook gibt es dafür Gruppen. Man sollte sich dabei ein bis zwei Menschen suchen, die sich mit dem Genre auskennen und die ein bisschen was vom Lektorat verstehen. Einige meiner befreundeten AutorInnen greifen auch auf Germanistik- oder LiteraturstudentInnen zurück oder auf Freunde und Familie. Es geht beim Beta-Lesen nicht darum, das Buch „schön“ zu finden, sondern wirklich darum, einen neutralen Blick auf den Text und eine möglichst umfangreiche Prüfung zu erhalten – auch auf Rechtschreibung und Grammatik. Die Beta-LeserInnen können auf jeden Fall einen Überblick über Plot-Holes, Charakterdesign, Sinnhaftigkeit, fehlende Informationen und Sprache geben. Häufig fallen ihnen Wiederholungen auf oder unschöne Ausdrucksweisen auf.

Darüber hinaus kann man nach der Überarbeitung noch TestleserInnen beauftragen. Diese sind eine zusätzliche Prüfung. Die Testleser kann man übrigens auch immer fragen, auch wenn man ein professionelles Lektorat beauftragt hat. LektorInnen bearbeiten das Manuskript ein mal, weitere Überprüfungen nach der Bearbeitung der AutorIn, werden wieder neu berechnet. Daher sind TestleserInnen eine gute Option, um noch einmal einen abschließenden Blick auf den Text werfen zu lassen.

Fazit

 Beim ersten Buch greifen die meisten auf eine Alternative zurück, jedoch professionalisieren sich viele AutorInnen nach und nach und arbeiten mit Lektoratbüros zusammen. Lasst den Text nicht ohne Überprüfung ziehen. Eine Überprüfung ist zwingend notwendig, entweder professionell oder eben nicht. Sucht nach Beta-LeserInnen. Häufig helfen auch schon 10 Seiten Probelektorat, um herauszufinden, an welchen Dingen es beim Text hapert. Außerdem bieten viele LektorInnen eine Ratenzahlung an. Das heißt, man sendet ihnen den Text nach und nach zu und bezahlt dann immer nur so viel, wie man Seiten eingereicht hat. So kann man die finanziellen Belastungen kontrollieren. Nachfragen kostet bei LektorInnen übrigens nichts – außer man ist unhöflich, das kostet den Ruf.

Selfpublishing: Ist das einen Preis wert?

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Mit dem StoryTeller Award von Amazon, dem Indie-Award und dem Selfpublishing Preis haben nun auch Bücher ohne Verlag eine Chance auf Preise und damit auch mehr Aufmerksamkeit. Die Selfies freuen sich, während andere Personen diese Entwicklung durchaus kritisch betrachten. Ist es denn wirklich notwendig Selfpublishern einen Preis zu geben? Selfpublisher würden Bücher von minderer Qualität abliefern und die Inhalte seien trivial. Immerhin gebe es ja auch keinen Rosamunde-Pilcher-Schnulzen-Preis. Ich habe die Preisverleihungs- und Award-Szene in Deutschland einmal genauer betrachtet.

Der Selfpublishing-Preis

Hinter dem Deutschen Selfpublishing Preis #dspp18 stehen die MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) und der Selfpublisher  Verband e.V. Dazu gibt es noch zahlreiche SponsorInnen und UnterstützerInnen aus namhafter Riege. Laut Homepage soll der Preis herausragende Bücher von Selfpublishing-AutorInnen auszeichnen. Dazu haben die VeranstalterInnen eine Liste aufgestellt, die von den Büchern der AutorInnen erfüllt werden müssen. Gesucht werden Bücher, die professionell, innovativ, erfolgreich, zielgruppengerecht und sprachlich ausgezeichnet sind. Die PreisträgerIn soll ein hervorragendes Beispiel für andere SelbstverlegerInnen darstellen. Dazu wird die Erfüllung einer Reihe von Kriterien erwartet: professionelles Cover, Lektorat / Korrektorat, Gestaltung des Innenteils (Buchsatz), Einhaltung aller rechtlichen Nebenbedingungen (wie z.B. Impressum), inhaltlich ohne Einschränkungen lesbar (keine pornografischen oder strafbaren Inhalte), außerdem muss das Werk abgeschlossen sein. (Quelle: Selfpublishing-Preis.de) Es sind also eine Menge Kriterien vorhanden, die AutorInnen erfüllen müssen.

Ähnliche oder dieselben Kriterien müssen AutorInnen für andere Preise ebenso erfüllen.  Es ist daher nicht davon auszugehen, dass der neueste Tagebucheintrag mit selbst gemaltem Cover und Comic Sans Druckschrift von Fritzi Müllerin in die engere Auswahl kommt. Die SelfpublisherInnen werden professioneller und die Szene bringt großartige Werke hervor, die mit dem Preis belohnt werden sollen. Über die Inhalte lässt sich streiten, jedoch ist dies bei einem SelfpublisherPreis, der nicht nach Kategorien unterteilt ist auch kaum möglich. Es kommt bei diesem Preis hauptsächlich auf die Professionalität an. Außerdem es ist keinesfalls so, dass lediglich hochgestochene, philosophische, weltverändernde Werke in Deutschland mit Preisen belohnt werden.

Preisbindung

Vorab: es gibt wirklich keinen Rosamunde-Pilcher-Schnulzen-Preis für ebensolche Literatur (warum eigentlich nicht?). Dafür gibt es eine Reihe anderer Awards zu gewinnen, und zwar so viele, dass es bei Wikipedia eine Liste gibt, die nach Alphabet geordnet werden musste. Allein der Buchstabe A enthält 20 Preise für Literatur jeglicher Art. Darunter sind auch ehemalige Preise aufgeführt. Viele Preise sind regionale Auszeichnungen oder Genre-Awards: Es gibt den Deutschen Science Fiction Preis, den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Deutschen Krimipreis, den Deutschen Kurzkrimipreis, den Deutschen Fantasy Preis und es gibt sogar einen Deutschen Gartenbuchpreis.

Da gab es zum Beispiel bis 2014 einmal einen Agatha-Christie-Krimipreis für Kurzgeschichten. Seit 1967 gibt es den Astrid-Lindgren-Preis für Kinderbücher, der weit bekannt sein dürfte, ebenso wie der Comichbuchpreis, der seit 2014 verliehen wird. Da ich in der Fantasy unterwegs bin, kenne ich hauptsächlich die Auszeichnungen in diesem Genre (Seraph, Deutscher Phantastik Preis etc.) Aber es gibt auch alle möglichen anderen Preise, von den ich persönlich noch nie etwas gehört habe: Usedomer Literaturpreis, Wildweibchenpreis oder der Buxtehuder Bulle.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass quasi jede Region oder Stadt ihre eigenen Preise hat, um irgendwelche SchriftstellerInnen zu erinnern, die dort einmal gewohnt haben oder daran vorbeigezogen sind. Dazu gibt es dann auch die Auszeichnungen, die nach SchriftstellerInnen benannt sind, von denen man noch nie gehört hat – natürlich neben all den (international) bekannten AutorInnen wie die Brüder Grimm, Brecht und Droste-Hülshoff.  Immerhin gibt es auch einen Ephraim-Kishon-Preis, dessen Namensgeber für seine satirischen Werke bekannt war. Wenn also schon jede Stadt und jedes Genre einen Preis hat, warum nicht auch die SelfpublisherInnen?

Das Geschäft mit Selfpublishing

In einem Artikel wurde dem SelfiePreis vorgeworfen, dass er nur zu Marketingzwecken bestehe. … … Natürlich! Was denn sonst? Welcher Preis besteht denn aus dem Grund des Spaßes? All die Preise, die Auszeichnungen, Medaillen, Erinnerungsdinger bestehen nur aus einem Grund: Marketing! Aufmerksamkeit für das Genre, die Region, die Stadt, die Person X oder das Unternehmen Y. Aus welchen anderen Gründen wurden denn diese Preise sonst gegründet? Bestimmt nicht, weil irgendwelche Leute zu viel Geld übrig haben und das unbedingt in völlig unbekannte AutorInnen investieren wollen.

Und wenn man mal einen Blick auf die Sponsoren der verschiedenen Literaturpreise wirft, muss man feststellen, dass hier kaum wirklich renommierte Literaturgesellschaften dahinter stehen, sondern Kommunen, Unternehmen und private Geldgeber, die auf sich aufmerksam machen möchten. Es ist also nicht so, als würden andere Literaturpreise nur von bekannten literarischen Einrichtungen vergeben werden. Und der Vorstand des Unternehmen X, der in der Jury sitzt, hat auch nicht zwingend Literatur studiert. Wenn man sich dagegen die Jury des Selpublishing-Preises ansieht, wird deutlich, dass hier Profis aus der Buchbranche vertreten sind, wie z.B. Ronald Schild, der Geschäftsführer der MVB, die Autorin Nina George, Jochen Wegner, der Chefredakteur der Zeit Online und weitere.

Es wird auch häufig über die inhaltliche Bedeutungslosigkeit der Bücher aus dem Selfpublishing gemeckert, als würden die Werke von VerlagsautorInnen grundsätzlich literarisch wertvoll sein. Bei vielen Preisen kann man davon ausgehen, dass dort solche AutorInnen gefördert und ausgezeichnet werden, die die besten Kontakte zur Jury oder Wirtschaftsunternehmen haben, nicht die, die wirklich herausragende Werke geschaffen haben. Mal abgesehen davon, dass die GewinnerInnen des Deutschen Gartenbuchpreises auch nicht wegen ihrer hochgestochenen Prosa gerühmt wurden. Auch nehme ich an, dass die inhaltlichen Ergüsse in den Werken der AutorInnen den Sponsoren von Stihl und Dehner völlig wurscht sind – Hauptsache das Firmenlogo prangt auf der Homepage und den Veranstaltungen. Das ist eben Marketing.

Fazit

Natürlich ist es völlig legitim, dass SelfpublisherInnen einen Preis haben, warum auch nicht. Wer behauptet, dass der Preis nur aus Marketingzwecken besteht, hat Recht. Genauso wie andere Preis auch, hat dieser Preis das Ziel, die Szene und die dazugehörigen AkteurInnen bekannter zu machen und das Image zu verbessern. Das machen andere Auszeichnungen ebenso und daran ist nichts Verwerfliches oder bringt gar einen schlechten Ruf. Einen schlechten Ruf haben vor allem solche, die sich darüber aufregen, ohne ordentlich recherchiert zu haben. Oder wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen? Was bei anderen Literaturpreisen also völlig normal ist, macht den Selfpublishing-Preis schlecht? Nein, soweit wollen wir doch nicht gehen, oder?

Frauen in der Fantasy 2: DER Held

Deine Story braucht einen Helden!
Also stelle ich mir Indiana Jones vor, einen intelligenten Kerl mit Peitsche, der verlorene Artefakte sucht und dabei Abenteuer erlebt. In sämtlichen Schreibratgebern, die ich regelmäßig konsumiere, ist die Rede von Männern, die Helden sind. Und das ist für mich ein Dilemma, denn ich will gar nicht über Kerle schreiben, die Helden sind, sondern über Frauen, die HeldINNEN sind. Doch die Sprache und die damit verbundene Assoziation lässt mich nicht an Wonder Woman denken, sondern an Indiana Jones.

Wir verknüpfen Bilder mit Worten. Hören wir „Held“, denken wir zunächst an einen Mann, an Indiana Jones, an Conan der Barbar, an irgendeinen Superhelden oder sonst jemanden, aber nicht an eine Frau. Dieses so genannte generische Maskulinum wird automatisch mit einem Mann verknüpft. Dies gilt auch in anderen Bereichen unseres Lebens, so bei ÄrztInnen oder ErzieherInnen. Die männliche Form markiert damit Männer als Norm, Frauen dagegen als Abweichung (S. Günthner, im Interview im Spektrum, 2017). Wenn wir schon derart darauf geeicht sind, bei einem Arzt sofort an einen Kerl zu denken, ob wohl es mittlerweile genügend weibliche Ärzte gibt, dann ist es doch auch kein Wunder, warum wir immer als männliche Helden denken und diese auch in der Phantastik häufiger auftreten als Heldinnen – weil eine Heldin einfach eine merkwürdige Abweichung ist. Wer in der Sprache nicht vorkommt, der ist auch nicht im Bewusstsein.
Deine Story braucht eine Heldin!
Sicher gibt es mittlerweile viele weibliche Charaktere in der Phantastik, jedoch kaum eine davon kann wirklich zur Heldin werden. Während des Branchentreffens des Netzwerk für Phantastikautoren (PAN) 2018 kam die viel diskutierte Forderung, die Phantastik brauche mehr weibliche Charaktere. Ich stimme dem nur teilweise zu. Ja, die Phantastik braucht weibliche Charaktere, allerdings brauchen wir nicht noch mehr solche, die sich im Schatten des männlichen Helden aufhalten mit dem einzigen Ziel, dessen Herz zu erobern. Wir brauchen Frauen mit Charakter, mit Mut und einem (wirklichen) Ziel. Wir brauchen mehr Heldinnen. Richtige Heldinnen!
Ich kann nicht mehr zählen, in wie vielen Romanen eine junge Frau plötzlich mit einer übergroßen Aufgabe betraut wird und erst durch die Hilfe eines männlichen Protagonisten damit fertig wird. Natürlich haben wir dann zwar einen weiblichen Hauptcharakter, jedoch schafft es der Mann dennoch sie zu übertrumpfen und sich in den Vordergrund zu spielen. Meist gipfelt der Höhepunkt darin, dass sich die dumme Frau unwissend in Gefahr begibt und dann vom Kerl gerettet werden muss – hätte sie mal auf den Mann gehört. Im Endeffekt haben wir also wieder ein unmündiges Geschöpf, desses Weg von einem Mann vorgegeben werden muss. So sieht keine Heldin aus!
Was ist eine Heldin?
Ich schreibe viele wissenschaftliche Texte, wo ich bei der Recherche zu einem Thema grundsätzlich mit Definitionen beginne. Laut Duden (Stichwort: Held) ist ein Held (männlich) also
  1. (Mythologie) durch große und kühne Taten besonders in Kampf und Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft (um den Mythen und Sagen entstanden sind)
  2. jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt
  3. jemand, der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild [gemacht] wird
Eine Heldin ist laut Duden allerdings etwas anderes (Stichwort: Heldin):
besonders tapfere, opfermütige Frau, die sich für andere einsetzt, eingesetzt hat
öhm… ja…  irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt… 
Laut Duden ist eine Heldin also was anderes als ein Held, obwohl der Unterschied dazwischen lediglich in der Endung IN besteht. Sogar mein Sohn lernt schon in der Schule, dass es keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt, dass auch Mädchen gut Fußball spielen können und Jungs prima malen. Das scheint allerdings noch nicht im Hinterstübchen angekommen zu sein – jedenfalls nicht beim Duden. Ich möchte jetzt nicht auf klischeebehaftete Rollenbilder eingehen, ich denke, die kennen wir gut genug: Frauen lieben Fashion, Männer Autos, blablabla. Daraus resultiert: ein männlicher Held ist ein Mythos, eine weibliche Heldin ist eine Sozialarbeiterin. 

Fazit

Gerade als AutorInnen beschäftigen wir uns intensiv mit der Sprache. Warum fällt es dann doch so schwer über die Assoziation zum männlichen Helden hinwegzuhören und statt dessen eine Frau kühne Taten in Kampf und Krieg vollbringen zu lassen? Es ist so schwer, weil die Sprache, mit der wir uns täglich auseinandersetzen, diese Hürden vorgibt. Wir können diesen Hürden entkommen, indem wir uns die Assoziationen bewusst machen und dann auch bewusst gegensteuern.