Schreiben: let´s write about Sex, Baby

Wenn ich mir die aktuellen Bestseller anschaue, möchte ich fast denken, dass der Beischlaf zu einer der wichtigsten Komponente der Story geworden ist. Wo früher solche Bücher, in denen die ProtagonistInnen zwei bis drei mal miteinander schlafen, noch als Pornografie abgestempelt wurden (Siehe „Salz auf unserer Haut“, 1988), wird sowas heute in die Regale für Jugendliteratur gestellt. Aufklärungsbücher sind das mitnichten. Und aus irgendeinem Grund ähneln sich nicht nur die Charaktere auf verblüffende Art und Weise, auch der Beischlaf scheint genauso kreativ und abwechslungsreich, wie der in einer 30-jährigen Ehe.

Let´s write about you and me

Nun, es fällt schon auf, dass die Charaktere in den Büchern genauso austauschbar und nichtssagend sind wie irgendeine Integralrechnung im Mathebuch der Schule. Die Kerle sind alle gleich. Die Mädels auch. Sie haben weder Hobbies, noch Freunde, noch irgendwelche Interessen und ihre einzige Aufgabe in den Büchern scheint darin zu bestehen, dem Kerl hinter zu sabbern. Die Kerle sind immer beliebt, immer schön und immer irgendwie arschig, arrogant und rücksichtslos. Da wundert es doch eigentlich gar nicht, dass der Sex ebenso geschmacklos wie langweilig geschieht.
Selbst in Fantasy-Geschichten müssen die Charaktere zwingend miteinander ins Bett, weil „es sonst nicht romantisch ist“. Aber eigentlich ist an den Szenen einer Beziehung in den aktuell beliebtesten Büchern überhaupt nix romantisch, sondern eher gruselig. Denn eine richtige Beziehung scheinen die Charaktere nicht aufbauen zu können, sobald sie erkennen, dass sie sich halbwegs mögen … schwupps… begeben sie sich hin die Horizontale. Da dies relativ früh in den Geschichten passiert, bleibt der AutorIn meist gar nichts anderen übrig als „zur Würze“ eine dritte Partei mitspielen zu lassen. Da man sich ja vorher keine Gedanken über die Art der Beziehung gemacht hat und wie die beiden ProtagonistInnen dann miteinander umgehen, stellt sich die „Liebe“ zwischen den beiden auch ziemlich öde dar. Da muss man sich halt was ausdenken und weil man solche Geschichten am Fließband produziert, will man keine Zeit für Kreativität verplempern und greift einfach auf bewährte Mittel zurück.

Let´s write about all the good things …

Gehen wir erstmal zu den guten Sachen über, gemäß dem Motto: erst loben, dann kritisieren.
Es gibt bestimmt Geschichten, wo Sex reinpasst und /oder auch schön beschrieben wird, so dass man sich tatsächlich noch was darunter vorstellen kann. Und eigentlich ist es ja auch nicht schlecht, die ProtagonistInnen miteinander schlafen zu lassen, immerhin leben wir nicht mehr in den 80ern, wo sowas absolut verpönt war. Und auch eindeutig beschriebene Szenen werden heute nicht mehr als Pornografie bezeichnet, sondern gehören einfach dazu. Vielleicht können sich die LeserInnen sogar noch etwas abschauen oder sich Tipps holen. Lesen soll ja die Kreativität steigern.
… and the bad things that may be…

Es spricht ja nichts im Allgemeinen gegen Sex. Es ist nur so, dass es überhand nimmt und einen Stellenwert in Büchern einnimmt, der der Sache einfach nicht wert ist. Das schlimme dabei ist: es trägt nichts, absolut nichts, zur Story bei. Wo früher noch Dialoge zwischen den ProtagonistInnen entstanden, dürfen wir heute direkt an ihrem Sexualleben teilhaben. Warum sollte man in einer Liebesgeschichte auch miteinander reden?
Ich habe mir die Sex-Szenen in einigen Büchern einmal angesehen und habe wirklich seufzend vor dem Bildschirm gehockt – nicht weil ich besonders viel Spaß daran hatte, sondern vor Enttäuschung. Ich hatte ja tatsächlich gehofft, einmal ein paar einschlägige Szenen zu lesen, wo ich mir eventuell sogar ein paar Tipps holen könnte als Autorin. Leider wurde ich schwerlich enttäuscht.
Die Mädels werden in den Büchern beinahe grundsätzlich von den Herren der Schöpfung dominiert, die geben sich hilflos, willenlos und lassen alles mit sich machen – teilweise, weil sie keine Ahnung haben oder schlicht ziemlich dumm sind. Sie haben keine eigenen Vorstellungen oder Vorlieben, und stehen sowieso immer zur Verfügung wie ein Jungpionier in der DDR (Allzeit bereit? Immer bereit!). Dass sie mal keinen Bock auf den Kerl haben, kommt äußerst selten vor, und wenn, dann lassen sie sich doch noch „überreden“.
Die Szenen an sich ähneln sich so dermaßen, dass man meinen könnte, die AutorInnen hätten von einander abgeschrieben. Es geht hauptsächlich darum, dass der Kerl das Mädel auf den Boden/gegen die Wand/aufs Bett drückt, sie küsst und dann folgt auch schon die Penetration. Ein Vorspiel besteht aus … nichts … Gibt es einfach nicht – ist vielleicht überflüssig oder gar nicht gewollt. So lese ich Szenen, in denen ein Kerl ankommt, zwei Worte mit der Protagonistin wechselt und sie dann auch schon besteigt. In einer Szene, in der das Mädel wohl gerade mal doch keine Lust auf eine körperliche Vereinigung hat, steckt ihr der Kerl mal eben die Hand in die Hose – und schon ist sie umgestimmt. Also nicht nur, dass ich einem Kerl die Hand abhacken würde, sollte sie ungefragt in die Nähe meines Schritts wandern, habe ich selbst noch nicht erlebt, dass ein simples Hand-in-die-Hose-Stecken schon dazu führt, dass man bereit ist, sich dem/derjenigen (die/den man vorher auch noch kacke fand) plötzlich hinzugeben. In einem anderen Buch wird das Mädel in einer Art Jungs-WG herumgereicht und jeder darf mal drüber rutschen. Das alles schick verpackt in einer fadenscheinigen Liebesgeschichte. Es ist immer der gleiche Murks. Sogar die Wortlaute, mit denen diese Szenen beschrieben werden, ähneln sich.
Von der Szene selbst kriegt man meist wenig mit. Es wird beschrieben, wie er über sie herfällt, dass sie sich „hingibt“, sich „fallen lässt“ etc. und schon ist die Sache auch wieder vorbei. In einem Buch, das ich einmal lektoriert habe, wird die ganze Geschichte über darauf hingesteuert, dass die beiden ProtagonistInnen miteinander im Bett landen. Dann, als endlich der Moment gekommen ist, besteht die ganze Szene aus drei Sätzen: Sie zieht ihn aus, er zieht sie aus, dann küssen sie sich, Ende. Am nächsten Morgen wacht sie auf und denkt sich: WOOOOW, das war das BESTE! Ich habe mittlerweile wirklich die Befürchtung, dass Sex für die AutorInnen wirklich nur drei Sätzen besteht. Mein Mitleid hält sich allerdings in Grenzen.
Fazit
Sex nimmt einen viel zu hohen Stellenwert in den Geschichten ein. Es scheint fast so, als hätten die AutorInnen zuerst die Sexszene geschrieben, und erst danach begonnen, eine Geschichte drumherum zu spinnen. Damit könnten auch die zusammengehackten Storylines erklärt werden. Liebe Sexszenen-Schreiberlinge, meint ihr nicht, dass die LeserInnen eurer Geschichten nicht doch etwas mehr Kreativität verdient hätten? Wofür schreibt ihr denn sonst so einen Kram, wenn nicht für eure LeserInnen? Oder soll das ganze als therapeutisches Schreiben dienen, weil ihr genauso so schlechten Sex habt und euch den Kummer von der Seele schreiben müsst? Ich hoffe nicht! Ehrlich! Ich wünsche jeder Frau (ja, auch jedem Mann… Moment… nein, doch nicht jedem) ein erfülltes Sexualleben, sodass mir nicht nur die ProtagonistInnen in den Büchern leid tun, sondern auch die Mädels und Frauen, die das lesen und glauben, dass Sex immer so ausschaut.

Enthüllungsakte: Kleinverlage versuchen die Buchweltherrschaft an sich zu reißen

Sie agieren meist im Hintergrund, belächelt von Großverlagen und dem Mainstream, Bestseller- und Debütautoren. Doch sie operieren von geheimen Schlupfwinkeln aus, in unscheinbaren Gebäuden fern ab der schönen Glitzerwelt der Großunternehmen und Konzerne, und arbeiten daran, die (Buch)Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Rede ist von Kleinverlagen. In dieser Enthüllungsakte schreibe ich über meine unvorstellbaren Entdeckungen.

Der Pinky, der Pinky und der Brain Brain Brain Brain
Auf den bekanntesten Buchmessen in Leipzig und Frankfurt feiern sich die großen Verlage selbst. Die präsentieren sich, stellen sich zur Schau. Für ein kleines Vermögen haben sie sich die großen Flächen gebucht, über den Messeständen prangen schillernd und glitzernd beleuchtete Logos. Gecastete Hostessen wurden vorher extra einer Schulung unterzogen, damit sie den Besuchern das Verlagsprogramm erklären können. Angestellte StudentInnen laufen mit Verlags-T-Shirt durch die Gegend, verteilen Flyer und Traubenzuckerbonbons und Kugelschreiber mit Verlagslogo. Von dieser Show werden tausende von MessebesucherInnen angelockt. 
Doch fernab des Spektakels, am Rand des Geschehens, sitzen sie und beobachten das Glitzer-Theater der Großverlage. Darüber können sie nur müde lächeln. Denn hinter den Kulissen läuft schon die Planung zur Erreichung der Buch-Weltherrschaft. Die Kleinverlage werden von den Veranstaltern der Messe meist in den Hintergrund geschoben, machen sie doch einen so unscheinbaren und harmlosen Eindruck, dass man damit das Image der Großverlage nicht schädigen möchte. 
Doch der Schein trügt. Die BesucherInnen der Messe kommen auf der Suche nach der Toilette oder der Catering-Area schon beinahe zwangsläufig an den unscheinbaren Ständen der Kleinverlage vorbei und damit direkt in Berührung mit den ChefInnen und direkten Angestellten der Unternehmen. Anstatt von einer schicken Hostess mit Halstuch in Verlagsfarben, werden sie von Frauen in Pikachu-Jacken und Männern im Sonntagsstaat begrüßt und über das Programm aufgeklärt. Das persönliche Gespräch lässt die BesucherInnen häufig den Flyer der Großverlage in die Tasche stecken, um sich dann mit den neuesten Veröffentlichungen der kleinen Verlage einzudecken.
Brain Brain Brain Brain Brain….
Unbemerkt der großen Elefanten haben sich die Mäuse professionalisiert. Leise und heimlich produzieren sie Literatur, die sie unter sich als „geilen Scheiß“ bezeichnen. Die Geschichten, weg vom Mainstream, handeln von Themen, die Großverlage nicht annähernd ins Auge fassen. Und genau dies ist der Plan der Kleinverlage. Die Strategie beinhaltet nicht nur, andere Bücher zu produzieren, sondern auch die Events zu besuchen, von denen Großverlage nicht einmal etwas wissen. „Der persönliche Kontakt zu unseren LeserInnen liegt uns besonders am Herzen“, erfahre ich im Gespräch, als ich mich für eine Bloggerin ausgebe.
So findet sich die überschaubare Community der Kleinverlage fast gesammelt zu kleineren Buchmessen und Conventions zusammen. Diese Events sehen zwar für Außenstehende recht mickrig aus, bei einem genaueren Blick stellt man jedoch fest, dass es sich hierbei um Großveranstaltungen handelt. Sie finden in Schulen, in Stadthallen oder gar auf privatem Gelände statt. Den BesucherInnen wird dort günstige Verköstigung in Form von Bratwurst und Kartoffelsalat geboten, sie dürfen sogar zu einem reduzierten Preis das Event besuchen, sofern sie in Gewandung auftreten. So werden sie angelockt und finden in die Dunstkreise der Kleinverlage.
Dies ist der geheime Plan der Kleinverlage, die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Nicht nur der persönliche Kontakt zu den KundInnen, sondern auch die Qualität der Bücher. In geheimen Geschäftsräumen, die nicht im Branchenbuch verzeichnet sind, hecken sie die neuen Pläne und Strategien aus, wie sie den großen Glitzerverlagen die besten AutorInnen abnehmen, die besten CoverdesignerInnen und LektorInnen für sich gewinnen können. Sie produzieren und agieren unter den Augen der Großen, ohne, dass man sie ernst nimmt. Doch es lauert die Gefahr, dass sie mit ihrem „geilen Scheiß“ den Buchmarkt nach und nach einnehmen. Die Großen werden dies erst merken, wenn es zu spät ist.
Sie versuchen die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Am Rande des Geschehens ist es passiert. Sie sind brillant und manchmal geisteskrank. An jedem neuen Morgen entwickeln sie ihren Plan und ergreifen damit die Macht auf dem Buchmarkt. Jeder kann es sehen, doch keiner will es verstehen. Sie wollen die ganze Welt, weil es ihnen gefällt. Da bleibt nur eins zu sagen:
NARF!

Selfpublishing: Die Schere tut sich auf!

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Noch vor einigen Jahren musste man sich als SelfpublisherIn hinter vorgehaltener Hand outen. Da gab es Leute, die ihre Tagebucheinträge oder Teenie-Fantasien mit irgendwelchen Stars und Sternchen veröffentlichten. Als ernsthafte AutorIn musste man sich da mit den absurdesten Vorwürfen konfrontieren lassen. Mit der Zeit hat sich das Bild gewandelt. Es gibt immer mehr Selfies, die sich professionalisieren und sich quasi wie „richtige“ VerlegerInnen benehmen. Und es gibt Leute, die das ganze nicht so ernst nehmen.

alles auf einen Streich
Wie ihm Mittelstand tut sich auch im Selfpublishing langsam die Schere auf. Auf der einen Seite gibt es Selfies, die hochprofessionell arbeiten, die ihre Bücher durch sämtliche zur Verfügung stehenden Instanzen schicken und einen finanziellen Aufwand betreiben, der jedem Buchhalter die Tränen in die Augen treiben würde (Siehe Umfrage Selfpublisher-Bibel). Man organisiert sich im Selfpublishing-Verband, der sich für die Anerkennung und die Belange der SelfpublisherInnen einsetzt. Auf der anderen Seite sehen wir die Selfies, die ihre Texte unüberprüft, versehen mit einem selbst gebastelten Cover und überhaupt fragwürdigen Inhalten veröffentlichen.  Who cares? Ich muss zugeben, dass ich zuweilen selbst äußerst schockiert bin, was sich so alles auf dem Markt befindet – und wofür die LeserInnen auch noch bezahlen.
In Gesprächen kommt mir immer wieder zu Ohren, wie unmöglich die Hobby-Selfies die professionellen AutorInnen im Selbstverlag dastehen lassen und deren Ruf ruinieren. Ich kann tatsächlich eine leichte Feindseligkeit gegenüber Selfies beobachten, die nicht hochprofessionell agieren. Dies betrifft auch noch insbesondere Anfänger, die noch nicht recht wissen wie der Markt und die Szene ausschaut. In Facebook-Gruppen wird sofort scharf geschossen, sollte jemand es wagen, zu fragen, ob ein Lektorat denn wirklich nötig sei. Und auf jedem Cover, das nach Heimarbeit ausschaut, wird gnadenlos herumgetrampelt. Lässt eine(r) verlauten, das Lektorat wurde von einem befreundeten Germanistikstudenten gemacht, wird verächtlich die Nase gerümpft – na, das ist aber wenig professionell, wirst schon sehen, was du davon hast.
das tapfere Verlegerlein
Diese Feindseligkeit kann durchaus nachvollzogen werden. Immer noch haben SelfpublisherInnen hart gegen die Meinung zu kämpfen, sie seien keine richtigen AutorInnen. Außerdem hätten sie sich nur für das Selfpublishing entschieden, weil ihr Buch zu schlecht sei für einen Verlag. Ich stoße selbst sehr häufig auf die Aussage, dass man Bücher von SelfpublisherInnen grundsätzlich nicht lese. Versuche ich dann herauszufinden, woran das liegt, erhalte ich schwammige Ausreden. So recht weiß man es also auch nicht, aber es gäbe halt einfach zu viel Schrott. Das kann man schon fast als „richtig“ bezeichnen, jedoch gibt es den Schrott überall. Ich glaube allerdings, das gerade in diesem Punkt der Kern des Pudels liegt. Schrott kann man schließlich an schlechten Covern und fehlenden Lektoraten erkennen. Um sich also von diesem Schrott abzuheben, muss man zwingend so professionell wie möglich sein, um nicht in irgendeine hässliche Schublade geschoben zu werden.  Und weil Schrott die Angewohnheit hat, zu rosten und damit andere (intakte) Stellen zu befallen, hat man tierisch Angst, man könnte dann damit in Verbindung gebracht werden. Dies gilt es, auf jeden Fall zu vermeiden.

Selbst wenn eine keine Kohle hat und auch erst das Debüt oder das zweite Buch veröffentlicht, es wird höchste Professionalität erwartet. In der Umfrage der Selfpublisher-Bibel 2018 gaben 18 Prozent von 843 Teilnehmern an, ca. 1.500 Euro in die Veröffentlichung ihrer Bücher zu investieren. Dagegen sieht man an den Einnahmen, dass die Mehrheit der AutorInnen (36,51 Prozent) monatlich unter 50 Euro mit ihren Büchern einnehmen. Einnahmen bis 100 Euro können 13,95 Prozent verbuchen, bis 200 Euro sind es 8,84 Prozent. Insgesamt sind es 80,23 Prozent der Befragten, die unter 1.000 Euro  monatlich verdienen. Die restlichen Prozente teilen sich auf Einnahmen zwischen 1.000 Euro und 7.500 Euro auf. Und dies stellt schon eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Jahren davor dar. Ein Grund dafür ist auch auf jeden Fall in der Professionalisierung der Selfies zu sehen.
(Anekdote am Rande: Mir hat mal eine Kollegin gesagt, dass man daran erkennt, dass es einem Unternehmen schlecht geht, wenn die Buchhalterin geht – oder anfängt zu weinen)

Da wundert sich eine, warum in den ganzen Gruppen schon mal vorab Cover gezeigt werden, weil sich die AutorIn nicht entscheiden kann und deshalb die LeserInnen und andere Selfies um Rat fragt. Bloß keinen Fehler machen, steht da im Hintergrund. Man will ja nicht, dass jemanden das Cover nicht gefällt. Aber Schwund ist überall. Es gibt immer jemanden, der am Cover zu meckern hat, den Buchsatz kacke und den Klappentext inhaltslos findet. Es kann immer irgendwas gefunden werden, was nicht perfekt ist.

Natürlich gibt es echt schlechte Bücher und auch schlechte AutorInnen. Das aus meiner Sicht schlechteste Buch aller Zeiten war ein Bestseller, der zu meinem größten Schreck auch noch verfilmt wurde. Es hat also nichts damit zu tun, ob das Buch nun im Selbstverlag herausgegeben wurde oder bei einem großen Verlag erschienen ist. Wie oft lese ich in Facebookgruppen, dass Fehler in Büchern großer Verlage gefunden wurden, oder der Druck schief gelaufen ist, Seiten fehlen oder eingerissen sind. Das passiert auch den Großen. Aber sobald es einem Selfie unterläuft, muss sie/er sich teeren und federn lassen. 
Selfies möchten so professionell wie große Verlage sein. Dabei gibt es aber zu beachten, dass die Prozedur, ein Buch zu veröffentlichen, bei solchen Verlagen reine Routine und Tagesgeschäft ist. Da ist kein Buch etwas besonderes oder ein „Herzprojekt“, wie es so schön heißt. Und wenn man sich die Marketingmaschinerie dahinter anschaut wird auch schnell deutlich, dass es sich hier um Standardmaßnahmen handelt. Wollen Selfies wirklich Standard-Bücher rausbringen? Es ist schon gut, wenn ein gewisser Standard gehalten wird, jedoch darüber hinaus sollte jede AutorIn ihr eigenes Level finden dürfen. Das heißt nicht, dass sie Fehler macht, sondern dass sie lediglich einen anderen Weg geht, einen anderen Standard hat. Denn das unterscheidet uns Selfies doch von den großen Verlagen. Wir machen unser eigenes Ding und dass sollte ein Markenzeichen werden und kein Brandmal sein. 

Marketing für AutorInnen: Die Zielgruppe

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Im zweiten Teil der Blogserie um Marketing für AutorInnen geht es um die Definition der Zielgruppe. Dafür habe ich Helen von Buchvermarktung gebeten, einen Artikel zu verfassen. Helen hat sich auf Marketing für Bücher spezialisiert, denn ein Buch ist anders zu bewerben als eine Kaffeemaschine. Da sind manche Maßnahmen wirkungslos. Hier unterstützt Helen AutorInnen mit ihren Programme, Ideen und Seminaren, die eigens auf die Bewerbung von Büchern zurecht geschnitten sind. Gerade mit der Zielgruppe tun sich viele AutorInnen schwer, denn nicht jeder Mensch, der Bücher liest, liest auch das eigene Buch. Hierzu hat Helen eine Hilfestellung verfasst.

Wie Autoren ihre Zielgruppe einfach definieren können
Vor allen Marketingmaßnahmen steht immer die Frage nach der Zielgruppe. Wer gehört dazu? Wo finde ich sie im großen World Wide Web? Wie spreche ich meine Leser am besten an? Ohne die genaue Kenntnis über die Ziel- oder Lesergruppe lässt sich ein effektives Marketing nicht umsetzten.
Wie legt man die Zielgruppe fest? Schließlich gehen die meisten Autoren davon aus, das ihr Buch für jeder Mann/Frau geeignet ist. Das kann stimmen, diese Zielgruppendefinition ist dennoch etwas zu groß um sie effektiv zu bewerben.
Es muss eine einfache Hilfestellung her um von: „Mein Buch ist etwas für alle Leser dieser Welt.“ zu „Meine Bücher werden meist von Geschlecht x,  zwischen y Jahren mit Interessen an z gelesen.“ kommen. Dafür habe ich eine einfache Methode entwickelt. Diese Leserdefinitions-Methode baut auf drei Schritten auf. Schritt eins ist die klassische Zielgruppendefinition. Welches Geschlecht, Alter usw. haben deine Leser. Schritt zwei betrachtet die Leser als eine Interessengruppe. Im dritten Schritt geht es darum wo sich die Zielgruppe im Netz aufhält. Bei Facebook, bei Instagram oder vielleicht doch bei Snapchat. Die daraus resultierende Schnittmenge ist die auf welche die Marketingmaßnahmen ausgerichtet werden.
Das Problem und die Lösung lassen sich am besten an einem praktischen Beispiel erklären:
Nehmen wir einmal an, du hast einen Psychothriller geschrieben. Dein Leser kann ein 16-jähriger Junge, ein 51-jährige Universitätsprofessorin oder ein 28-jähriger Hausmann sein.
Eines wird schnell klar, DIE EINE Zielgruppe gibt es bei Autoren nicht. Es gilt herauszufinden wer, was und wo die größte Schnittmenge hat. Und auf dieses Ergebnis hin, werden die Marketingmaßnahmen ausgerichtet oder mehrere gestartet. 
Schritt 1: Die klassischen Zielgruppen definieren
Zielgruppe 1
Zielgruppe 2
Zielgruppe 3
Alter
16-20
25-35
35-50
Geschlecht
m
w
w/m
Lieblingsautor
Cody McFadyen
Sebastian Fitzek
Stephen King
Lieblings Film Genre
Horror
Thriller
Bildungsstand
Trage alle Punkte die dir einfallen zusammen und erstelle so viele Zielgruppen wie dir in den Sinn kommen. Je mehr du dich mit deinen Lesern beschäftigst, desto klarer werden sie. Erhältst du vielleicht vermehr Feedback von Frauen, wie der Autor Sebastian Fitzek, dann ist es sinnvoll, die Marketingmaßnahmen auf Frauen hin auszurichten.
Schritt 2: Die moderne Interessengruppe
Da sich der jugendliche Leser schwer mit der Universitätsprofessorin und dem Hausmann an einem Ort einfinden wird, müssen wir sie in Interessengruppen einsortieren. Diese Gruppen könnten sein, liest, fährt Auto, ist viel im Urlaub, schreibt selbst, hört Klassik usw. Überlege welche Gemeinsamkeiten deine Leser haben. 
Spielen deine Romane in einer bestimmten Stadt könnte das die Interessengruppe – Regionalkrimi sein. Diese definierte Interessengruppe ist der  Grund für den Erfolg von Regionalkrimis. Man kann die Marketingmaßnahmen einfach auf einen Ort begrenzen und optimieren.
In unserem Beispiel lassen wir den Psychothriller in Berlin spielen und die Leser sind für leichte, spannende Unterhaltung zu haben und nicht für beispielsweise historische Epen.
Schritt 3: Die Wahl der Plattform
Wo halten sich die Leser auf? Hier helfen statistische Angaben die einfach zu googeln sind, damit man aktuelle Zahlen erhält.
Bei Facebook sind meist Menschen ab einem Alter von 30. Bei Snapchat findet man die jungen Menschen ab 15 und bei Instagram halten sich die sogenannten Millennials (zwischen 1980-2000 geborene) auf. 
Frage dich, gibt es neue Plattformen? Welche Zielgruppen halten sich dort auf? Es wird immer eine neue Plattform geben. Denke auch daran, dass sich Zielgruppen auch gern einmal auf andere Plattformen verschieben. Frühere Facebook User sind nun auf Instagram zu finden und dann gibt es ja auch noch Pinterest.
Nun aber zurück zum Beispiel. Die Lesergemeinschaft für den Psychothriller hält sich also vermehrt bei Instagram auf.
Fassen wir nun die drei Schritte zusammen:
Die Schnittmenge aus dem Praxisbeispiel sind Frauen zwischen 25-30 Jahren, die gerne lesen um sich zu unterhalten und sich vermehrt auf Instagram aufhalten. Dadurch ist die Zielsetzung klar, welche Leser angesprochen werden sollen und man kann mit der Marketingstrategieplanung beginnen.
Durch die Leserdefinitions-Methode lernst du deine Leser näher kennen. Du kannst eine oder mehrere Interessengruppe identifiziert und deine Marketingmaßnahmen daraufhin ausrichten.
Neue Marketingideen, fernab von Blogtouren, findest du auf meinem Blog.
Über Helen Schmidt:
Ich bin Online-Marketingberaterin für AutorInnen und Verlage, gelernte IT-Systemkauffrau und Qualitätsmanagerin. Ich hatte einige Jahre eine Buchhandlung in Berlin un bin seit 2016 online unterwegs, um AutorInnen beim Buchmarketing im Internet zu unterstützen.
Im Netz unterwegs:

Frauen in der Fantasy 6: Gut zu Vögeln …

Der Spagat zwischen Heilige und Hure fällt Frauen nicht leicht – erst recht nicht in der Fantasy. Die AutorInnen müssen stark darauf achten, dass der weibliche Charakter auch auf jeden Fall noch gut zu vögeln ist, auf der anderen Seite darf sie das nur unter bestimmten Bedingungen tun. Sobald ein weiblicher Charakter aus diesen Rahmenbedingungen ausbricht, muss sich die AutorIn damit auseinandersetzen, dass ihre Protagonistin ggf. als Schlampe bezeichnet wird und sie den Empörungen der LeserInnenschaft ausgesetzt ist.

du darfst … nicht!

Eine Autorin erzählte mir neulich, dass sie von einer Leserin angesprochen wurde, die ihre Protagonistin schlampig fand und gar nicht frauenhaft, weil diese sich in einer Szene aus Lust und Spaß einen Mann aufriss und mit demselbigen die Nacht verbrachte. Dies kam mir sehr bekannt vor. Denn über meine Gwendolyn in der Elfengeschichte musste ich mir bereits ähnliche Kommentare anhören oder lesen. Meine Gwen würde sich nicht verhalten wie eine Frau, nein, sowas würde niemals eine Frau machen, unmöglich. Auf der anderen Seite sehe ich mich mit Vorwürfen konfrontiert, warum meine Protagonisten nicht miteinander ins Bett gegangen sind … also … irgendwie …
Wenn ich mir dann die Romantasy-Standard-Werke ansehe, frage ich mich ehrlich, was ich als Autorin jetzt machen soll. In diesen Geschichten wird das Mädel entweder von Arschlöchern verführt, auf jeder (gefühlt) zwanzigsten Seite folgen dann sexuelle Inhalte, oder die Story hat ihren Höhepunkt eben im Höhepunkt. Wenn ich aber eine starke Frau einsetze, die sich eben auch mal einen Mann nimmt, wenn sie ihn braucht, dann ist es nicht angemessen? Frauen dürfen also nur Sex haben, wenn sie in einer Art Beziehung sind (oder sich darin glauben). Sie dürfen nur mit einem einzigen Mann schlafen (auch wenn er ein Arsch ist). Irgendwelche sexuellen Kontakte außerhalb einer festgelegten Grenze sind schlampig und die Frau mutiert zur Hure. 
Wenn wir uns dagegen einmal einen Mann betrachten wollen. Der Kerl in der Fantasy ist ein Held, aber sowas von. Dabei darf er sich nicht nur moralisch fragwürdig verhalten, er darf auch noch rumvögeln wie es ihm beliebt. Ja, das macht einen Helden aus. Niemand würde auf die Idee kommen, den Kerl als schlampig zu bezeichnen, aufgrund seiner zahlreichen sexuellen Ausbrüche. Niemand würde auf die Idee kommen, den männlichen Protagonisten derartige gesellschaftliche Rahmen aufzudrücken, wie man es mit einer Frau tut. Selbst wenn ein Held in einer Geschichte Ehebruch begeht, wird das gerade noch so mit einem Kopfschütteln und einem „typisch Mann“quittiert, während eine Frau gesteinigt werden würde. 
sonnenuntergangskulissenwürdig
Nicht unbeachtet muss auch der „Fuckability-Faktor“ sein. Es ist unbedingt erforderlich, dass die Frau in der Geschichte gut zu vögeln ist. Während die Kerle so muskelbepackt wie möglich sein sollen, von Krieg und Kämpfen gezeichnet, dreckig und mit Narben übersät, stellt sich die Frau quasi schon fast als ein engelsgleiches Wesen dar: Sie muss zwingend schön sein, ohne irgendwelche Makel, die Haut glatt wie bei einem Kleinkind, keine Narben, keine Dehnungsstreifen, kein Gramm Fett und auf keinen Fall muskulös. Selbst Kriegerinnen, Söldnerinnen oder andere Kämpferinnen machen in der Fantasy eher eine schmalbrüstige Figur. Sie sind so hageldürre, dass man glauben könnte, sie würden unter der Last der Rüstung zusammenbrechen – wenn sie denn überhaupt eine Rüstung tragen würden (Über die Beschaffenheit der weiblichen Rüstung habe ich mich bereits in einem anderen Artikel ausgelassen). Dass sie unter diesen Umständen überhaupt ein Schwert halten können, ist wahrlich bewundernswert. Aber welcher Mann würde denn schon gern eine Frau vögeln, die mehr Muskeln hat als er selbst und sich eventuell auch noch wehren könnte, wenn sie mal keinen Bock auf ihn hätte?
Bock hat die Frau ja sowieso immer. Jedenfalls immer dann, wenn der Kerl das will. Wenn sie mal nicht sofort will, wird sie „überredet“. Der Kerl macht dann einfach weiter, weil er weiß, dass sie das ja doch irgendwie will. Ich habe neulich eine Szene aus einem Buch gelesen, die in einer Büchergruppe auf Facebook geteilt wurde. Darin ging eine Frau, die eigentlich einen anderen Mann hat, mit dessen Bruder am Strand spazieren, Sonneruntergangskulisse in der Karibik – oder so. Dann wird sie plötzlich von dem Kerl angefallen und in den Sand geworfen, sie wehrt sich, er macht weiter, sie wehrt sich nicht mehr, erst fühlt sie sich schlecht und vergewaltigt, dann plötzlich fühlt sie sich gut und leidenschaftlich. Nachdem er sein Geschäft verrichtet hat, rollt er sich von ihr runter und beide gehen weiter am Strand entlang, als wäre nichts geschehen. 
Mädels… ist das tatsächlich euer ernst? Sieht so traumhafter sonnenuntergangskulissenwürdiger Sex aus? Nein! Aber in den schicken Romantasy-Heftchen wird das den LeserInnen als völlig normal verkauft, sich zum Sex „überreden“ zu lassen. Solche Szenen, die im Realleben keine Frau wirklich erleben möchte, weil das eben eine Vergewaltigung darstellt, wird in Büchern als wünschenswert und normal dargestellt. Nicht nur, dass die Mädels, die das dann lesen, denken, sie müssten sich in so einer Situation dann eben auch so verhalten, wie die Protagonistin in diesem Buch, nein, auch männliche Leser können aus solchen Szenen – geschrieben von einer Frau – schließen, dass es total toll ist, eine Frau auf diese Weise zu behandeln, weil sie das so will! 
Fazit
Ich muss mich immer noch stark wundern, warum es in der heutigen Zeit immer noch problematisch ist, sich als Frau frei zu verhalten. Es wird immer noch mit verschiedenen Maßstäben gemessen und unterschiedliche Rahmen vorgegeben – das heißt, die Frau hat genau definierte Grenzen, während ein Mann diese gar nicht hat. Auch, wenn wir das im Alltag vielleicht nur unterschwellig sehen, es ist immer noch da und gerade in Büchern kommen diese Grenzen zum Vorschein. In den Geschichten wird vorgegeben, wie sich die Frau zu verhalten hat, um nicht aus Versehen außerhalb der Norm zu landen. Schnell ist mutiert sie von der Heiligen zur Hure, nur weil sie einem Mann auf den Hintern schaut oder sich gar mit ihm im Bett vergnügt. Eine Hure ist sie allerdings nicht, wenn sie sich dem Mann fügt und macht, was er will, auch wenn sie keine Lust drauf hat.

Ein Spagat auf einem seidenen Faden, der zu schnell reißen kann. Als AutorInnen haben wir die Möglichkeit, zu zeigen, dass auch ein Leben außerhalb der Norm, noch lange kein Leben als Hure bedeutet. Und was ist schon Norm? Für wen Norm? In der Fantasy können alle Rahmen neu gesetzt werden, dies können wir ausnutzen.

Marketing für AutorInnen: Markenbildung

Ich plane gerade eine neue Serie, die sich mit Marketing für AutorInnen befasst. Für den Auftakt habe ich meine liebe Blogger-Kollegin Franziska Kurz von Franzi liest gebeten, einen Artikel über Markenbildung zu formulieren. Franzi ist Spezialistin im Marketing und hat auch auf der Leipziger Buchmesse 2018 einen Vortrag über Markenbildung und dem „goldenen Ei“ gehalten. Diesen Vortrag habe ich mir angesehen und fand ihn sehr nützlich für AutorInnen. 

Jeden Tag kommen hunderte neuer Bücher auf den Markt und streiten sich in der Wahrnehmung der Leser mit den schon Millionen vorhandenen. Wie also können AutorIn und Buch sich präsentieren, um dem Leser überhaupt aufzufallen und eine Chance auf Buchkauf, Fangemeinde und Co zu haben? In diesem Artikel wird es nicht um Testleser, Google Adwords, Facebook Werbeanzeigen und co gehen – nein, wir beginnen bei dem entscheidenden Davor, der Markenbildung bzw. dem Corporate Branding. 
Wieso sollte jemand euer Buch lesen, geschweige denn dafür zahlen, wenn ihr ihm nicht sagt, wieso? Und da spreche ich nicht vom aussagekräftigen Klappentext oder der richtigen Kategorisierung innerhalb von amazon, Bod und co, sondern von der richtig ausgesendeten Botschaft. 
Natürlich ist es interessant, zu schauen, was erfolgreiche KollegInnen machen – wo sie Lesungen anbieten, wie ihre Facebook- oder Instagramseiten aussehen, wie sie informieren oder wie die Banner für ihre Bücher in großen Buchhandlungen aussehen. Inspiration ist wichtig, genauso wie Austausch. Aber wenn ihr einfach neben sie ins Regal stellt und exakt das Gleiche macht, werdet ihr nicht auffallen, denn ihr kopiert schlicht nur erfolgreiches. Für echten, eigenen Erfolg müsst ihr euch einzigartig und wiedererkennbar präsentieren. 
Zur Schaffung einer solchen Marke mit Wiedererkennungswert, ist es zunächst nötig, folgende Fragen zu beantworten für die Definition der Markenwerte:

Eine Marke schaffen
Habt ihr das getan, fängt die eigentliche Arbeit an: das Senden der immer wieder gleichen Botschaften, Werte und Einstellungen über all eure Kanäle. Das heißt nicht, das ihr jeden Tag das gleiche Bild posten sollt, sondern, dass ihr die gleiche Tonart überall trefft, um für eure Leser erwartbar zu sein. Was bekommen sie von euch? Das muss gleich sein – egal, wo sie euch antreffen. Schreibt ihr zuckersüße Liebesromane, ist euer Auftritt potenziell warm, bunt, vielleicht am Rand des Kitsch, liebevoll und herzlich.
Von ThrillerautorInnen erwartet der Leser natürlich eher das Gegenteil und von SachbuchautorInnen eher harte Fakten. Ziel ist es, eure Leser emotional an eure Marke zu binden und sie zu Multiplikatoren zu machen. Dazu ist auch ein Corporate Design nötig, um einen einheitlichen Markenauftritt zu schaffen. 
Den Originalvortrag, auf dem dieser Artikel beruht, habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2018 gehalten. Nun wünsche ich viel Spaß beim Nachdenken über eure Markenwelt!

Franzi liest: 
Franziska ist 35, wohnt in München, studierte was mit Kommunikation und Wörtern, lebt von Strategien, Organisation und Projekten und tritt auf ihrem Blog und überall im Leben für starke Frauen, Selbstliebe und das Recht auf Glück ein. Was sie gar nicht mag: Sätze die mit “Aber das machen alle so, was sollen die Nachbarn denken, das war schon immer so und wo kämen wir da hin“ anfangen. Genauso reagiert sie auf Unmöglichkeiten, sich wegducken und Menschen, die andere klein halten wollen. Sie liebt Duftkerzen, antiallergene Katzen, Bücher mit starken Frauen und Magie, Nougat, Kuscheldecken, Kleider und ihren Mann – nicht unbedingt in der Reihenfolge.

Franzi trefft ihr online auf: 

Schreiben: do your research!

Beim Lesen von Büchern stelle ich immer wieder fest, dass die Hintergründe nicht gut recherchiert sind. Für mich stellt die Recherche aber ein grundlegendes Element dar, wenn ich meine Bücher schreibe. Es gab schon Bücher, die habe ich nach wenigen Seiten in eine Ecke geworfen, weil ich bei jedem zweiten Satz dachte: das ist so nicht richtig! Ich hatte es bei einem Buch tatsächlich einmal dazu gebracht, eine Liste mit Fehlern zu erstellen. Diese umfasste nach 40 Buchseiten tatsächlich 2 vollgeschriebene A4 Seiten. Sowas regt mich auf. Ich fühle mich als Leserin echt beleidigt, wenn die AutorIn denkt, ich wäre zu blöd, um diese Unstimmigkeiten zu bemerken.

Ich habe durch mein Studium und die Arbeit als Ghostwriter sowie aufgrund von persönlichen Interessen ein ziemlich umfangreiches Wissen in allen möglichen Bereichen aufgebaut – natürlich hängt das vom Thema ab. Es gibt durchaus Bereiche, wo ich nicht den blassesten Schimmer habe, zum Beispiel kann ich nicht nachvollziehen, ob der Hyperraumantrieb der Raumfähre wirklich funktionieren könnte oder nicht. Oder wenn ich Dr. Siri lese, dann verlasse ich mich 100prozentig darauf, dass der Autor mich nicht anlügt, wenn er die sozialen und staatlichen Gegebenheiten in Laos der 1970er Jahre beschreibt. Und natürlich gewähre ich auch jeder AutorIn einen gewissen Grad an künstlerischer Freiheit.

In dem oben erwähnten Buch war zum Beispiel eine Szene, wo eine junge Frau am Nachmittag beobachtet, wie eine Gruppe Männer ihre Hütte anzündet (eine ziemlich große Hütte). Bald sieht sie ihr Heim lichterloh brennen. Am Abend wandert sie aber schon durch die verkohlten Überreste … also, auch wenn ich keinen Cousin in der Freiwilligen Feuerwehr hätte, wüsste ich, dass das schier unmöglich ist. Nicht nur, das so eine Hütte zum Teil mehrere Tage brennen kann, nein, das Mädel scheint auch noch völlig immun gehen die Resthitze zu sein, die zuweilen verdammt hoch sein kann, und scheint auch gegen die Aschepartikel die überall herumschweben völlig resistent. 

In einer weiteren Szene wickelte sie ihr Baby in eine Windel… da ich einmal in einem Geschichtsverein meiner Heimatstadt war, weiß ich, dass „die“ Windeln erst irgendwann im 18. Jh. aufkamen, vorher wurde das Kind wie eine Raupe eingepuppt (heute nennt man das „pucken“), so dass nur noch das Gesicht rausschaute. Das kann man auch schön an den alten Schinken in Museen sehen, wenn dort Normalsterbliche mit ihrem Baby auf dem Arm abgebildet werden. Die Geschichte spielte aber im Mittelalter. Das Buch flog an die mir gegenüberliegende Wand und ich hab es seit dem nicht mehr angefasst.
a little less conversation … 
Ich habe über den Wahrheitsgehalt von Informationen in Büchern einmal eine recht frustrierende Diskussion geführt. Meine Diskussionspartnerin war ausschließlich Leserin (nicht Autorin) und bestand darauf, dass Bücher nicht zum Informationen sammeln oder Lernen da wären, sondern nur zum Entspannen, Wegträumen, Probleme vergessen etc. – also der übliche Kram eben, den auch Leute angeben, die sich jeden Abend eine Flasche Wein hinter die Binde gießen. Deshalb konnte sie auch nicht verstehen, warum ich mich mit der Recherche um meine Elfengeschichte so aufgehalten habe.

Ich hatte ihr erzählt, dass meine Protagonistin in einer Szene ein Jagdgewehr benutzt. Also bin ich in die Bibliothek gegangen und habe Bücher über die Jagd gelesen und so nicht nur herausgefunden, wie man so ein Gewehr hält, sondern ich weiß jetzt auch alles mögliche über nachhaltiges Jagen. Diese  Information wird nur in zwei Sätzen des Buches erwähnt, aber ich wollte den Vorgang so korrekt wie möglich beschreiben. Auch meine geschichtlichen Aspekte, die ich in einflechte, habe ich vorher ziemlich genau recherchiert. Ich denke mir immer, vielleicht liest ja mal ein Geschichtslehrer mit Jagdschein mein Buch und regt sich dann genauso über falsche Informationen auf wie ich. Das möchte ich doch vermeiden. 

In einer Facebook-Gruppe, in der AutorInnen Recherche-Fragen zu allen möglichen Themen stellen können, wird zuweilen heftig diskutiert. Besonders dann, wenn eine AutorIn etwas durchsetzen will, das mit den physikalischen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Welt nicht vereinbar ist. Da geht es bei Krimis um juristische Fragen, wie die Polizeiarbeit ausschaut etc. Dann geht es sehr häufig auch um Verletzungen, wie lange kann ich bluten bis ich sterbe, oder was sind Folgeschäden einer Schussverletzung. In dieser Gruppe weiß man auch nicht alles, dennoch aber sehr viel. Trotzdem gibt es einige AutorInnen, die wollen unbedingt etwas zwingend in ihrem Roman haben, wo der gesamte Plot drauf basiert, und dann diskutieren sie bis aufs Messer. Selbst wenn dabei ganze Gesetze aus den Angeln gehoben werden, wird das als Freiheit des Autors, Fantasie oder sonst was verbucht. Die LeserInnen, heißt es, verzeihen solche Schnitzer, kriegen das meist gar nicht mit, weil sie eh nur zur Entspannung, zum Wegträumen oder aus Flucht vor Problemen lesen würden. Dem ist aber nicht so und ich finde, dass man die LeserInnen ganz schön damit beleidigt.

Rosarot ohne Mehrwert

Es gibt sicher LeserInnen, die Bücher ausschließlich aus dem Grund der Zerstreuung lesen. Aber eben auch nicht alle. Ich habe immer Bücher gelesen und habe mir „etwas daraus mitgenommen.“ So hatte ich einmal ein sehr schlechte Zeit durchgemacht und habe in dieser Phase vermehrt Bücher gelesen, wo es den Protagonisten ähnlich ging wie mir. So habe ich gehofft, neue Wege zur Lösungsfindung zu entdecken. Ich habe neulich erst einer Freundin gesagt, dass ich keine Rosarot-Romane lese, wenn ich Probleme habe, weil ich daraus nichts lernen und mitnehmen kann. Die ProtagonistInnen in solchen Geschichten haben aus meiner Sicht keine „echten“ Probleme und bieten dadurch auch keinen Mehrwert.

Wenn ich also ein Buch lese, dann will ich auch etwas davon haben. Ich suche Lösungen für Probleme, neue Ansichten und Lebensweisen, will Städte und Länder kennen lernen. So etwas findet man durchaus in ganz normalen Romanen, sogar in Fantasy-Geschichten. Deshalb kann ich es nicht leiden, wenn die AutorInnen einfach mal irgendwelche grundlegenden Gesetze aus den Angeln heben oder die Historie umschreiben, weil das besser zu ihrem Plot passt. Da werden ganze Landstriche umgestaltet, Städte versetzt oder Bildungssysteme vernichtet. Es gibt sicher Leute, die interessiert es nicht, ob man vier Stunden nach einem Brand noch in Flammen aufgeht, wenn man durch den Brandherd flaniert. Aber ich gehöre nicht dazu. Wenn eine AutorIn in der Realität schreibt, dann muss diese so genau wie möglich abgebildet werden, sonst wird das unglaubwürdig.

Ganz ehrlich, wenn man als AutorIn Zeit hat, irgendeinen Schmarrn in seine Story zu schreiben und darüber mit anderen zu diskutieren, dann hat man auch Zeit, einmal Google zu fragen, ob das stimmt und die drei Sätze eben umzuschreiben. Es soll ja LeserInnen geben, die Bücher an die Wand schmeißen, wenn sie sich für blöd verkauft fühlen…

Frauen in der Fantasy 5: Lonesome CowGirl

Jeder kennt ihn: den einsamen Wolf, der allein durch die Welt zieht, Frauen und Kinder rettet, Königreiche befreit, und am Ende seines glorreichen Werks weiter zieht bis er auf das nächste Abenteuer trifft. Grundsätzlich ist dieser Charakter männlich. Ich kenne keine Geschichte, in der eine Frau dauerhaft ohne Wohnsitz herumstreift und am Ende immer noch glücklich mit dieser Lebensweise ist. Der Archetyp des einsamen Helden scheint eine typische Männerrolle zu sein. Was sind das für Persönlichkeiten, die da so allein durch die Welt streifen?

Während es also völlig in Ordnung zu sein scheint, einen Mann allein durch das Land streifen zu lassen, ohne Freunde, ohne Geld, meist mit nichts weiter als den Sachen, die am Leibe getragen werden, scheint es für eine Frau undenkbar, so einen Lebensstil zu führen. Meist ist der Held ein emotionales Wrack, rennt vor irgendeiner schlechten Erfahrung oder (Pseudo)-Trauma davon, oder befindet sich auf Most-Wanted-Listen verschiedener Länder. Er hat sich also mehr oder weniger freiwillig in die Einsamkeit begeben, immer auf der Flucht vor irgendetwas. Dies hält den Helden aber nicht davon ab, in jedem Dorf und jeder Stadt eine Reihe von Frauen zu verführen, um sie dann mit gebrochenem Herzen zurückzulassen. 
Die großen Fünf

Ich hab mir mal angeschaut, was für eine Persönlichkeit so ein Mensch haben müsste. Dabei habe ich mich an den Big Five der Psychologie orientiert.  Das Fünf-Faktoren-Modell entstammt der Persönlichkeitspsychologie und beinhalten eben fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit:  Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.
Offenheit (für Erfahrungen) misst das Interesse und das Ausmaß der Beschäftigung mit neuen Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken. Eine Person mit einer schwachen Ausprägung in diesem Faktor neigt zu konventionellem Verhalten und konservativen Ansichten. Sie sind eher vorsichtig und ziehen Bekanntes und Bewährtes dem Neuen vor. Personen die dagegen eine hohe Ausprägung aufweisen haben häufig ein reges Fantasieleben. Sie sind an vielen persönlichen und öffentlichen Vorgängen interessiert und beschreiben sich selbst als wissbegierig, intellektuell, fantasievoll, experimentierfreudig und künstlerisch interessiert. Solche Personen hinterfragen bestehende Normen kritisch und sind eher bereit sich auf neue ethische, soziale und politische Weltvorstellungen einzulassen. (Myers, 2008)
Gewissenhaftigkeit beschreibt den Grad an Selbstkontrolle, Genauigkeit und Zielstrebigkeit einer Person. Menschen mit einer niedrigen Ausprägung handeln oft unbekümmert und nachlässig. Sie sind nicht genügend sorgfältig und unordentlich. Dagegen sind Personen mit einer hohen Ausprägung in diesem Faktor sehr gut organisiert, handeln planend, effektiv und zeigen sich verantwortlich und zuverlässig. (Myers, 2008)
Im Faktor Extraversion wird die Aktivität und das zwischenmenschliche Verhalten gemessen. Personen mit einer niedrigen Ausprägung handeln eher zurückhaltend bei sozialen Interaktionen und sind gern für sich allein. Sie können zwar auch sehr aktiv sein, dafür aber eher unabhängig in weniger Gesellschaft. Dagegen sind Personen mit hohen Messwerten sehr aktiv und gesprächig. Sie sind personenorientiert und werden oft als herzlich, optimistisch und heiter beschrieben. Sie sind sehr empfänglich für Anregungen und Aufregungen, weshalb dieser Faktor auch teilweise Begeisterungsfähigkeit genannt wird. (Myers, 2008)
Verträglichkeit beschreibt das interpersonelle Verhalten. Personen mit niedrigen Werten neigen dazu, streitbar zu sein und werden häufig als egozentrisch beschrieben. Sie sind oft misstrauisch und antagonistisch gegenüber den Absichten anderen Menschen. In der Berufswelt verhalten sie sich oft unkooperativ und neigen zur hoher Wettbewerbsorientierung. Personen mit einer hohen Ausprägung begegnen anderen Menschen mit viel Verständnis und Wohlwollen. Sie sind bemüht, anderen zu helfen und sind davon überzeugt, dass andere Menschen ebenso hilfsbereit sind wie sie selbst. Sie vertrauen schnell und geben schnell nach. In der Berufswelt verhalten sie sich hoch kooperativ. Dieser Faktor wird sehr kritisch gesehen, da es in manchen Situationen erforderlich ist, für die eigenen Interessen zu kämpfen, anstatt auf andere Rücksicht zu nehmen. So zum Beispiel kann eine hohe Verträglichkeit im Gerichtssaal und unerwünschten Nebenwirkungen führen. (Myers, 2008)

Der Faktor Neurotizismus spiegelt die individuellen Unterschiede im Erleben negativer Emotionen wider. Von einigen Wissenschaftlern wird dieser Faktor auch als emotionale Labilität bezeichnet. Personen mit einer niedrigen Ausprägung sind ruhig und ausgeglichen, zeigen sich zufrieden und entspannt. Sie erleben selten negative Gefühle. Personen mit einer hohen Ausprägung haben schnell und häufig Angst, zeigen sich nervös und angespannt. Sie sind schnell traurig, unsicher und verlegen. Diese negativen Emotionen bleiben bei ihnen eher länger bestehen, als bei Personen mit niedriger Ausprägung. Sie haben auch häufig unrealistische Ideen, machen sich ständig Sorgen um ihre Gesundheit und neigen dazu auf Stresssituationen unangemessen zu reagieren. Der Gegenpol ist die emotionale Stabilität, die Ich-Stärke. (Myers, 2008)

der unsympathische Held

Wenn ich mir die einsamen Helden so anschaue, dann kann ich folgendes vermuten: 
Der Held hat eine geringe Ausprägung an Offenheit für neue Erfahrungen. Die Abenteuer, in die er reinrutscht, nimmt er zwar hin, ist aber nicht sehr begeistert davon. Er hilft den Menschen gegen Geld oder weil er seine Ruhe haben will. Ständig ist er von Vorurteilen begleitet und auch, wenn er eines besseren belehrt wird, lernt er daraus nichts. Ebenso kann ich eine sehr niedrige Ausprägung an Gewissenhaftigkeit erkennen. Er zieht umher, kümmert sich um nichts außer sich selbst. Er lebt in den Tag hinein, nimmt was kommt und ist eigentlich ziemlich faul. Auch die Werte bei der Extraversion sind niedrig ausgeprägt. Er will am liebsten für sich sein. Wenn er mit anderen Menschen in Kontakt tritt, dann eher unfreiwillig, weil ihm die Kohle ausgegangen ist und er einen neuen Auftrag braucht oder sonst was. Außerdem ist der Held ein ziemlich unverträglicher Mensch. Die Belange anderer interessieren ihn wenig, Hauptsache, er bekommt, was er will. Er ist unkooperativ, zieht sein eigenes Ding durch und hilft anderen Menschen nur dann, wenn er etwas dafür bekommt (meistens Geld). Beim Neurotizismus bin ich mir allerdings nicht so recht sicher, aber ich glaube, dass hier eine hohe Ausprägung vorherrscht. Der Held lässt sich schnell reizen, neigt zu Jähzorn oder einer Scheiß-Egal-Stimmung. Ständig macht er sich Sorgen, allerdings nur um sich und um seinen Geldbeutel. Er ist übel nachtragend und rennt vor Problemen weg anstatt sie zu lösen. 
Alles in allem ist der Held extrem unsympathisch. Eine umfassende und eindeutigere Analyse würde natürlich ein Test mit dem Neo-FFI ergeben, aber der ist schon schlecht mit fiktiven Personen durchzuführen.
So kann doch nur ein Mann sein
Ganz ehrlich, diese Selbstdarstellung des einsamen Helden kann schon fast als männertypisch bezeichnet werden. Keine Frau würde mit diesem Verhalten durchkommen, geschweige denn, dass sich freiwillig Männer zu ihr ins Bett begeben würden. Dies ist auf der einen Seite verständlich, auf der anderen Seite ziemlich sexistisch. Denn während männliche Helden grundsätzlich als faszinierend beschrieben werden, die jede Frau ins Bett kriegen, jede Schlacht gewinnen und dabei trotzdem einfach Arschlöcher sind, geht das bei Frauen gar nicht. Wenn tatsächlich einmal eine Frau als einsame Heldin dargestellt wird, wird sofort eine psychische Störung vermutet, sie wird als unansehnlich oder gar hässlich beschrieben, als abstoßend bezeichnet und einfach als das dargestellt, was eine Person mit diesen Charakterausprägungen ist: unsympathisch. Also ich würde jedenfalls nicht gern mit so einer Person abends ein Bierchen kippen – egal ob männlich oder weiblich. Dennoch wird der Mann als Held gefeiert, auch wenn er ein Arsch ist.

Ghostwriting: über moralische Flexibilität

Quelle: Pixabay
Um nicht nur mein Autorendasein zu finanzieren, sondern auch den Kühlschrank zu füllen, bin ich als Ghostwriter tätig. Ich schreibe keine Biografien für reiche und berühmte Leute, sonder akademische Texte für Studenten, die das entweder nicht können oder keine Lust haben – oder beides. Das ist kein alltäglicher Beruf und ich hadere selbst ab und an mit mir, wo das wohl noch hinführen soll. Ghostwriting war eigentlich nicht mein primäres Karriereziel, denn eigentlich wollte ich ja was ganz anderes machen.



Die Jungfrau und das Kind
Ich habe eine Ausbildung, Berufserfahrung und habe studiert. Auch noch in einem Bereich, der allgemein als zukunftssicher gilt und ich eigentlich super Jobaussichten haben sollte. Ich hatte auch recht viele Vorstellungsgespräche, die so ziemlich alle recht gut verliefen. Nur leider kann ich nicht Vollzeit arbeiten. Ich habe zwei Kinder, die noch Fürsorge bedürfen und keinen Partner, der mir dabei helfen könnte. So könnte ich lediglich von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr arbeiten, weil ich dann eben die Kinder um die Ohren habe. Ist so. In diesem Land ist es allerdings absolut nicht wünschenswert, wenn man halbtags arbeiten möchte, weshalb ich unbrauchbar und nach meinem Studium und etlichen Vorstellungsrunden frustriert überlegte, wie ich mich aus meinem hartzigen Dasein befreien könnte. Ich beschloss, mich als Lektorin auf den Markt zu werfen. Ich hatte schon häufig mit Selfpublishern und jungen Autoren gearbeitet und war deshalb zuversichtlich, dass ich, wenn ich diesmal Geld für meine Leistung bekommen würde, dass es wenigstens für ein bisschen mehr Grün statt Rot auf meinem Konto sorgen würde.

Ich hatte mich also gerade als Lektorin selbstständig gemacht und es lief so lala, da bekam ich eine Anfrage von einer Agentur, die eine AutorIn für eine wissenschaftliche Arbeit suchte. Ich dachte erst, das wäre ein Scherz, doch dann entschied ich mich, dort anzurufen und nachzufragen. Bei der Anfrage stand nämlich auch das Honorar dabei und das machte schon Eindruck auf mich. Beim Telefonat stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um Ghostwriting handelte. Ich war völlig überrascht, dass es dafür auch noch Agenturen gibt, und ließ mich auf einen Probeauftrag ein. Und bin deshalb seit 1.5 Jahren Ghostwriter. 
Agentin Barbara
Ich schreibe grundsätzlich über Agenturen. Ich mache das so, weil ich sowohl mich, als auch die KundInnen schützen will. Über die Ghostwriting-Agenturen läuft alles anonym per mail ab. So kennen die KundInnen weder meinen richtigen Namen, noch kenne ich den Namen der KundInnen – mir hat einmal ein Kunde eine Vorlage für seine Abschlussarbeit geschickt, wo Name, Anschrift, Hochschule und Matrikelnummer draufstanden, das war nicht sehr schlau. Auf diese Weise sind wir beide geschützt, ich vor irgendwelchen Hassmails, falls eine Arbeite mal doch nicht so gut gelaufen ist, und die KundInnen vor meinen Rachegelüsten, wenn sie mich geärgert haben – und das kommt ziemlich häufig vor. Es gibt unzählige Ghostwriter-Agenturen, davon sind allerdings nur wenige seriös. Ich bin mittlerweile bei mehreren gelistet, wirklich arbeiten tue ich für zwei.
Es ist so, dass ich von der Agentur eine mail bekomme, die alle anderen AutorInnen ebenso erhalten. Darin stehen alle Eckdaten über die Arbeit, also Thema, manchmal Gliederung, Seitenanzahl, Sprache, Fachgebiet, Abgabedatum, Teillieferungen und natürlich das Honorar. Wenn es was interessantes ist, dann melde ich mich bei der Agentur und mit etwas Glück, bekomme ich dann auch den Auftrag. Wer glaubt, die Aufträge werden an die am besten passende AutorInnen gegeben, irrt sich leider. Es kriegt diejenige den Aufrag, der sich zuerst meldet. Ich könnte jetzt auch theoretisch eine Arbeit in der Physik schreiben, obwohl ich davon keine Ahnung habe.
Wenn ich den Auftrag angenommen habe, dann erhalte ich das Material, wenn es welches gibt, und kann loslegen. Manchmal habe ich noch Kontakt mit den KundInnen via Telefonkonferenz. Ich rufe dann zu einem ausgemachten Termin eine Nummer der Agentur an und bespreche mit dem Kunden, wo die Arbeit hingehen soll. Bei einer Agentur hieß ich Barbara, weil ich meinen echten Namen nicht sagen wollte. Dann schreibe ich, schicke Teillieferungen und übersetze die Änderungswünsche der KundInnen. 
Legalize it! – liebernicht
Es ist legal – zumindest für mich! Es ist tatsächlich so, dass mein Vertrag über eine „Schreibvorlage“ geht, nicht über eine Abschlussarbeit oder Seminararbeit. Den KundInnen ist völlig klar, dass sie den mitgelieferten Text eigentlich nur als Vorlage nutzen dürfen, um ihren eigenen Text zu verfassen. Das dem nicht so ist und die StudentInnen ihr Signum unter die Eigenständigkeitserklärung setzen, ist auch irgendwie jedem klar. 
Ich bekomme verschiedene Anfragen. Am Anfang dachte ich noch, dass sich vielleicht StudentInnen melden, die aufgrund von widrigen Umständen (Unfall, Kind gekriegt, Eltern gestorben etc.) ihre Arbeit nicht schreiben oder fortsetzen können. Leider ist das selten der Fall. Der Großteil ist einfach zu dumm oder zu faul, seine Arbeit selbst zu schreiben – beide Faktoren können auch signifikant korrelieren. Ich habe mal eine Anfrage bekommen, in der stand wortwörtlich: „Ich habe keine Lust auf meine Arbeit und verbringe die Semesterferien lieber am Strand auf den Malediven.“  ähm… ja… Häufig bekomme ich auch Anfragen, die ungefähr so lauten: „Es geht um Marketing. Der Autor möge bitte ein Thema finden und eine Forschungsfrage ausarbeiten. In drei Tagen brauche ich die Gliederung und ein Expose.“ What?! Es ist dann auch ganz besonder erquickend mit solchen KundInnen am Telefon zu sprechen … nicht. Ich arbeite mittlerweile nur noch mit Agenturen zusammen, wo ich KEINEN direkten Kontakt mehr zu den KundInnen habe. Das kostet echt Nerven… 
Fazit und Ausblick

Die staatlichen Organe gehen immer noch davon aus, dass die ProfessorInnen ihre StudentInnen kennen und ein Plagiat sofort auffällt. Dem ist schon lange nicht mehr so. Die Hörsäle sind überfüllt und die StudentInnen nur Matrikelnummern auf der Anwesenheitsliste. Nach meiner Erfahrung, lesen sich heute die ProfessorInnen nicht mal mehr die Arbeit durch, geschweige denn, dass sie sich wirklich damit auseinandersetzen. Die geben dann einfach Pauschal- oder Nasennoten. Da braucht man sich echt nicht zu wundern, wenn es Leute gibt, die diese Lücke ausnutzen.
Es ist nun mal so, dass Ghostwriting zu einem Markt geworden ist. Die KundInnen können eine Dienstleistung ordern und die wird bestmöglich erfüllt. Daran halte ich mich auch fest: ich erbringe eine Dienstleistung. Die Vorteile überwiegen für mich momentan. Ich kann von daheim arbeiten, habe ein gutes Einkommen und kann trotzdem auf die Kinder aufpassen. Zudem finanziere ich damit meine eigenen Veröffentlichungen – das ist teuer! Ich hätte gern etwas anderes gemacht, aber leider ist in der Wirtschaft kein Platz für Alleinerziehende. Mir ist aber klar, dass ich Ghostwriting nicht ewig machen kann. Es ist super anstrengend und es frustriert mich schon manchmal, dass jemand anderes die Lorbeeren dafür einheimst, die ich ihm verdient habe. Auf der anderen Seite gibt es moralisch verwerflichere Berufe, die ich stattdessen ausüben könnte. 

Frauen in der Fantasy 4: Ich hab nichts anzuziehen!

Auf der Suche nach ordentlicher Fantasy lese ich mir sehr viele Leseproben durch und entscheide dann, ob die Story Wert ist, gelesen zu werden – oder eben nicht. Ich stoße dabei immer häufiger auf Geschichten, in  den die AutorIn offenbar sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild der weiblichen Charaktere legen. Da werden die Vampirjägerinnen in enge Lackhosen gezwängt und die Anführerin der Dämonenliga hat natürlich kaum was an, außer eine Art BH mit Stacheln (oder so). Da mag man sich gar nicht vorstellen, wie die Alltagskleidung der Frauschaften so ausschaut, wenn sie schon bauchfrei und auf Highheels auf das Schlachtfeld trippeln.

Frauen auf dem Schlachtfeld haben offenbar nur die eine Funktion: sie sehen hübsch aus, sexy, bieten was fürs Auge. Sie werden nicht durch ihre Taten und den Charakter definiert, sondern durch den Blick von außen. Den Anblick, den ein Kerl am Rande des Schlachtfelds gerne sehen würde: eine halbnackte, gut frisierte Frau steht herum und lässt sich anstarren.
Ich hab nichts anzuziehen
Das mag man bei vielen Protagonistinnen wirklich glauben. Gerade in Filmen und Serien laufen viele in engen Lacklederhosen mit einer Art Oberteil herum, das lediglich die wichtigsten Körperstellen versteckt. In Büchern sieht es oftmals nicht viel besser aus. Die Protagonistin läuft in den engsten Klamotten, in den kürzesten Hosen, den unpraktischsten Schuhen herum – Hauptsache sie sieht super aus, wenn sie einem Dämon den Kopf abschlägt. Ist den AutorInnen eigentlich klar, dass eine Lacklederhose unpraktischer zum Kämpfen ist als Jeans und T-Shirt?  Gerade in der Fantasy ist es weit verbreitet, die Kerle bis an die Zähne zu bewaffnen, ihnen eine schier unzerstörbare Rüstung anzulegen, während Frauen in einer Rüstung herumlaufen, die den Namen nicht verdient. Einen Mann lässt man doch auch nicht halb nackt aufs Schlachtfeld ziehen! Aber eine Frau soll bauchfrei gegen Dämonen kämpfen? Warum müssen Frauen besonders sexy sein, wenn sie sich auf dem Schlachtfeld prügeln? Männer sind das doch auch nicht! Männer sind dreckig, blutverschmiert und adrenalingeladen. Frauen sehen super aus. Das ist im Kampf besonders wichtig, hübsch sein: drei Dämonen vor dem Frühstück geköpft – die Frisur sitzt.
Vor allen Dingen kann das kaum logisch erklärt werden. Man stelle sich ein Volk in einem Krieg vor. Kurz vor der Schlacht bewaffnen sich die Kerle mit allem, was die Waffenkammer zu bieten hat, während die Frau eine Axt in ihre Hand mit den frisch lackierten Fingernägeln nimmt, sie zieht sich ihren BH zurecht und föhnt ihre Haare. Ich habe kürzlich in einem Roman gelesen, dass ich die Protagonistin permanent die Haare flechtet, damit sie schön aussehen. Sie hat offenbar nichts besseren zu tun, bevor es los geht. Kann mir bitte eine AutorIn, die solche Handlungen aufschreibt, die Logik dahinter erklären? Welcher Herrscher lässt die Hälfte seiner Armee halb nackt in den Krieg ziehen? Das entbehrt doch sämtlicher Logik. Es ist natürlich so, dass Frauen grundsätzlich schöner sind als Männer :), und deshalb sehen sie auch in einer ordentlichen Kampfausrüstung toll aus und müssen nicht halbnackt herumrennen. Auch in der Fantasy können Frauen realistisch gekleidet sein. Es kann ja nicht sein, dass ein Volk, eine Armee aufstellt und die Hälfte der Besetzung nicht ausstattet. Welches Volk ist denn bitte so blöde und schickt seine KriegerInnen in Seidentüchern und Stachel-BH los? Das macht doch keiner!

Ein Bild von einer Frau

Ich kenne einige Romane, in denen diese Fehler nicht gemacht werden. Die Frauen haben ordentlich was an und die Kriegerinnen tragen im Prinzip das gleiche wie Männer – eine stattliche Rüstung. Wenn ich mir dann allerdings das Cover dazu anschaue, dreht sich mir häufig der Magen um. Auf dem Bild prangt wieder eine Frau, die nichts anzuziehen hat. Das findet sich tatsächlich relativ selten bei Selfpublishern, dagegen aber sehr häufig bei Verlags-Fantasy, insbesondere bei Serien zu Computerspielen. Das versaut mir als Leser direkt das Bild von der Frau um die es dort geht. Ich stelle mir die Kriegerin sofort in derartigem Outfit vor und mir fällt es verdammt schwer von diesem Bild wegzukommen – selbst dann, wenn die AutorIn explizit eine völlig andere Ausstattung beschreibt als auf dem Cover vorgegeben ist.

Ich freue mich daher fast über den Trend, von Gesichtern und Personen auf Covern abzusehen. Zumindest in der Fantasy sehe ich hauptsächlich Bilder mit Gegenständen, Schnörkeln und Landschaften. Doch selbst wenn auf dem Cover lediglich Silhouetten zu sehen sind, wird deutlich, wer hier die Hosen an hat und wer in einem Kleidchen herumläuft. Wenn es denn zur Story passen würde, wäre das gar kein Problem. Ist aber häufig nicht so.

Fazit
Ich finde schon, dass man als AutorIn versuchen kann, der Protagonistin eine vernünftige und sinnbringende Kleidung zu verpassen. Vor allen Dingen dann, wenn es wirklich starke Frauen sein sollen. Keine starke Frau zieht sich so für den Kampf an. Eine starke Frau weiß, dass sie einen Ghul oder Dämon nicht mit einem tiefen Ausschnitt und möglichst viel Bein verjagen und töten kann. In der realen Armee laufen Soldatinnen auch nicht in Miniröckchen über das Minenfeld.

Schreiben: Sind Männer Schweine oder nur Bad Boys?

Ich lese in letzter Zeit immer wieder dieselbe Story: Eine Tussi, die ihr Leben nicht auf die Kette kriegt begegnet einem reichen Kerl, der noch mehr Chaos in ihr Leben bringt. Der Kerl behandelt sie schlecht, aber sie liebt ihn natürlich über alles. Sie weiß, er ist der Eine, der einzig Wahre. Deshalb lässt sie alles über sich ergehen und weil er sie mit Geschenken überschüttet, verzeiht sie ihm natürlich. Am Ende sind sie ein glückliches Paar. Diese Geschichten kommen in allen möglichen Formen daher, bleiben aber immer die gleichen. Ich kann sie nicht mehr sehen, die Fußballer, Cowboys, Firmenchefs,  Rockstars, Multimillionäre oder Bad Boys. Gehandelt werden solche Geschichten als „Romance“, doch sind das wirklich Liebesgeschichten, die da beschrieben werden? Ich habe einmal versucht, das genauer zu betrachten und wissenschaftlich zu belegen. 

What is Love?
Als Leserin mit einem Auge für Ästhetik dreht sich mir schon der Magen um, wenn ich mir allein die Cover anschaue: halbnackte Kerle, in Pose gesetzt, in Kombination mit einer grenzdebil dreinblickenden Tante, am besten in Schwarz-Weiß mit greller Schrift. Das ist das Markenzeichen der modernen Cinderella-Story. Ich lese grundsätzlich ungern reine Liebesgeschichten, weil beinahe alle nach demselben Muster gestrickt sind. Selbst in der Fantasy macht es sich breit, mit dem Unterschied, dass es hier reiche Vampire, reiche Gestaltwandler oder reiche Magier sind. Ich möchte das ja kaum als Fantasy bezeichnen. 
Ich habe letztes Jahr das Buch „Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt – Das verborgene Drehbuch unserer Beziehungen“ gelesen. Geschrieben hat es Robert J. Sternberg ein anerkannter Wissenschaftler in der Psychologie, der auf dem Gebiet der Liebe forscht. Laut Sternberg leben wir unsere eigenen Liebesgeschichten. Diese sind geprägt von der Umwelt und unseren eigenen Erfahrungen. Das heißt, dass was wir selbst erlebt haben hat einen genauso großen Einfluss auf unser Liebesleben wie der Film im Kino oder das Buch im Regal, nicht zu vergessen die Gesellschaft. Sternberg hat in seinem Buch mehrere verschiedene Arten von Liebesgeschichten gefiltert:
  • Asymmetrische Geschichten (z.B. Lehrer Schüler)
  • Objektgeschichten (z.B. Der Partner als Objekt)
  • Koordinationsgeschichten (z.B. Der Garten)
  • Literarische Geschichten (z.B. Prinz und Prinzessin)
  • Genregeschichten (z.B. Im Kriegszustand)
Ich versuche einmal herauszufiltern, welche Art von Liebesgeschichte wohl diese Romance dargestellt. 
Asymmetrie
Ich vermute zuerst eine asymmetrische Geschichte. Hier basiert die Beziehung auf ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern. Es dominieren Machtfragen, Überwachung und Unterwerfung. Eine Art asymmetrische Liebesgeschichte ist das Regierungssystem. In einer autokratischen Beziehung übt quasi ein Partner allein die gesamte Macht aus, er trifft alle Entscheidungen und entscheidet auch, wer dies tut und wann es geschieht. Solche Beziehungen haben nicht nur religöse Gründe, sonder können schlichtweg am übersteigerten Machtbedürfnis des einen Partners liegen. Ich dachte deshalb auch an diese passende Art Liebesgeschichte, da hierunter auch Überwachung und Tyrannei fällt. Dabei ist das Horrorkabinett die schlimmste Form der asymmetrischen Geschichten, wo ein Partner dem anderen regelrecht Angst einflößen kann. Hier gibt der Partner an, er liebe derben Sex, verliebe sich eben nur in Menschen die „dies genauso wollen“. Es geht um Überwachung, Dominanz und sogar körperliche Verletzungen.
Nicht selten üben die Männer in den Cinderella-Storys ihre Macht darüber aus, dass sie ihre Partnerin kontrollieren. Es wird verboten, dass die Frau Kontakt zu anderen Männern hat. Es wird ihr neue Kleidung gekauft, damit er kontrollieren kann, was sie anzieht. Häufig werden die  Frauen in den Geschichten überwacht oder sie muss sich rechtfertigen, warum dieses oder jenes getan oder nicht getan hat. Er behandelt die Partnerin schlecht und entschuldigt sich hinterher mit materiellen Geschenken. Damit lässt er sich bestätigen, dass die Partnerin dies ja genauso wolle. Die Partnerinnen werden irgendwo angekettet oder gegen ihren Willen am Strand mit Sonnenuntergangskulisse angefallen. Aber es ist natürlich so, dass ER genau weiß, was SIE will und sie will es natürlich genauso wie ER es ihr vorschreibt. Ein schlechtes Gewissen hat er nicht, denn ER ist ja schließlich normal und weiß, dass SIE es genauso haben will. Sonst wäre sie ja schließlich nicht mit ihm zusammen.
von der wundersamen Heilung
Als nächstes vermute ich die Liebesgeschichte der Heilung, die in die Kategorie der Objektgeschichten gehört. Hier dreht sich alles um Überleben. Einer der Partner hat ein Trauma erfahren (Sucht, Misshandlung, Haft, Krieg, scheiß Kindheit, etc.) und sucht in einer Beziehung nach Heilung. Das Ziel solcher Beziehungen ist es, etwas in dem anderen Partner finden zu können, was man bei sich selbst nicht finden kann. Daraus entsteht für den Partner eine Co-Abhängigkeit. Auf der einen Seite versucht die Person, ihre Vergangenheit zu überwinden, auf der anderen Seite ist sie doch ein wichtiger Bestandteil der Beziehung. Ein Problem dabei besteht darin, dass sich der Partner ändern will, es aber nicht schafft. Der Co-Abhängige läuft daher Gefahr, in eine unendliche Geschichte verwickelt zu werden. Eine echte Heilung wird nie erreicht. Problematisch ist es auch, wenn der Co-Abhängige das Gefühl braucht, einem einem anderen Menschen zu helfen, weil er sich sonst minderwertig fühlt. Eine Beziehung auf so eine Basis zu stellen ist mehr als ungünstig.
Ich bin der Meinung, dass diese Romance-Storys zum Teil auch Heilungs-Geschichten sind, weil viele der beschriebenen Männer mehr oder minder traumatische Erlebnisse haben, aus der sie die eine Partnerin befreien soll. Meist besteht das schlimme Erlebnis, dass diesen Mann zum Arschloch gemacht hat, natürlich in der furchtbaren Kindheit, als Abkömmling reicher Menschen. Denn alle reichen Menschen sind schließlich schlechte Eltern und vernachlässigen ihre Kinder (alle armen Menschen übrigens auch). Aber hey, der Kerl hat ja jetzt eine „normale“ Freundin, die ihn von den Drogen oder einem frivolen Lebensstil wegholt und ihn auf den Boden der Tatsachen bringt. Ohne sie schafft er es nicht. Und weil sie das weiß, wird sie sich niemals von ihm trennen. Selbst dann nicht, wenn die Beziehung asymmetrisch wird.

Objekt vs. Subjekt

Sternberg führte mehrere Studien durch. Dabei stellte sich heraus, dass die männlichen Probanden überwiegend auf Objektgeschichten fixiert sind. Sie hängen Liebesgeschichten an, in denen die Partnerin ein „Kunstwerk“ darstellt, „die Sammlung“ vervollständigt. Die weiblichen Probanden dagegen erreichten überwiegend hohe  Werte bei der Liebesgeschichte der „Reise“. In einem Test mit Paaren (n=43) stellte sich heraus, dass Männer ihre Partnerin als Objekt sehen und sich gern als Nutznießer eines Opfers, das von der Frau erbracht wird.

In Objektgeschichten werden die Partner nicht um ihrer selbst willen geliebt, sondern in ihrer Funktion als Objekt. Solange die Parterin also ihre Funktion erfüllt, ist alles gut. Wird die PartnerIn also zum Beispiel wegen seines äußeren Erscheinungsbildes geschätzt, funktioniert die Partnerschaft so lange die PartnerIn schön genug ist. Dann wirds kritisch. Es wird sich für eine PartnerIn entschieden, weil sie eben in die Sammlung passt, ähnlich eines gesammelten Gegenstands. So entscheidet sich eine Person häufig für eine PartnerIn einfach aus dem Grund, dass es nun mal an der Zeit ist, sich zu binden. Eine PartnerIn würde gerade die perfekte Ergänzung zum Lebensstil sein.

Baby, don´t hurt me, don´t hurt me,  no more…
Ich habe die anderen Geschichten auch abgeprüft, aber meines Erachtens passen diese beiden Varianten am Besten. Wenn man sich einmal diese Art von Paar in einer längeren Beziehung vorstellt, wird schnell klar, dass das gar nicht funktionieren kann. Die Frau würde in einem Horror-Szenario feststecken, das sie vollkommen abhängig von ihrem Partner werden lässt, bis sie sich nicht mehr traut die schlechte Beziehung zu beenden. Ich frage mich ernsthaft, wie AutorInnen ihre eigenen Protagonisten in eine solche Beziehung laufen lassen können. 
Aber soweit denkt man bei einer Liebesgeschichte gar nicht. Es geht einzig und allein um das „Sich-Finden“. Der Soziologe Francesco Alberoni nennt das den „Entstehungszustand“ und bezeichnet die Zeit, in der das Paar sich  neu gefunden hat und sehr verliebt ist. Es wird daher immer schwieriger, seine Rolle als Prinz oder Prinzessin aufrecht zu erhalten, je näher der Partner einen kennt. (Sternberg, 2002) Dennoch gibt es diesen Zuneigungshunger aus der Verliebtheit heraus, der eine sehr starke Wirkung ausübt. Wenn er die Phase des Verliebt-Seins überdauert, kann er das Urteilsvermögen beeinträchtigen, die Entschlossenheit und Willenskraft zerstören und damit eine Person zwingen, in einer Beziehung zu bleiben, die eigentlich schlecht für sie ist.  Durch den Zuneigungshunger wird die Abhängigkeit in einer Beziehung am Leben gehalten. (Halpern, 2015) Das ist nicht gesund, Mädels!

Wenn ich mir den Beziehungsverlauf der beiden Protagonisten so vorstelle, dann muss ich erschreckende Parallelen der Charaktereigenschaften der dargestellten Kerle, zu denen eines gewissen amerikanischen Präsidenten mit schlechter Frisur feststellen. Die Kerle sind aufbrausend, bockig, teilweise ziemlich dumm, kontrollsüchtig, bestechen alle möglichen Leute mit Geld, keiner mag sie richtig und sie haben ein übersteigertes Geltungsbedürfnis. Mal abgesehen davon, dass sie ihre Freundinnen / Frauen schlecht behandeln. Liebe AutorInnen und LeserInnen, möchtet ihr wirklich mit so einem zusammen sein?

Fazit
Ein Kerl, der Frauen schlecht behandelt ist ein Arschloch und bleibt dies, auch wenn er sich danach Liebe mit teuren Geschenken erkaufen will. Eine Rose zum Valentinstag entschuldigt kein blaues Auge! In den Büchern werden üble Geschichten beschrieben und als normal und „wünschenswert“ für die Frau dargestellt. Sollte man nicht lieber Bücher darüber schreiben, wie man sich aus solchen Beziehungen befreien kann, nicht wie man in sie hineinrennt? Aus solchem Stoff sind Thriller gemacht, keine Liebesgeschichten!

  … Immer, ja wirklich immer, haben Typen wie du was auf die Fresse verdient… 
(Die Ärzte, Lied: Manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern)
Quellen
Robert J. Sterberg (2002). Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt – Das verborgene Drehbuch unserer Beziehungen. Knaur.
Howard M. Halpern (2015). Liebe und Abhängigkeit. inkopress. Auch Online

Schreiben: Wer hat dazu schon Zeit?

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Viele AutorInnen haben neben ihrem AutorInnenleben auch noch zusätzlich einen Brotjob, mit dem sie ihr Dasein und die Schreiberei finanzieren. Das ist harte Arbeit, besonders wenn das Schreiben nicht nur eine Art Hobby sein, sondern auf lange Sicht gesehen zum Erfolg führen soll. Ein Buch zu schreiben, dauert eben lange, gerade wenn man eigentlich keine Zeit dazu hat. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass so viele so wenige Bücher im Jahr schreiben. Zeit ist Gold.

Ich war neulich auf einer Lesung. Es waren sechs Selfpublisher geladen, die zehn Minuten lang aus ihrem aktuellen Buch vorgelesen haben. Es war sehr schön und mir hat besonders eine Fantasy-Geschichte gut gefallen, bis der Autor erzählt hat, wie diese entstanden ist:
Er selbst ist selbstständig mit einer eigenen Praxis (Ich glaube, er war Heilpraktiker), seine Frau arbeitete und sie hatten  zusammen drei Kinder. Der Mann erzählte dann wie die Geschichte so lange in ihm geschlummert hätte, jahrelang – klar, kennen wir fast alle mit unseren Herzensprojekten. Und dann hatte er eine Krise und wollte zwingend diese Geschichte zu Papier bringen – ja, kennen wir auch alle, irgendwie. Unser einer setzt sich dann neben dem Job und dem ganzen zusätzlichen Kladderadatsch hin und fängt endlich mit der Schreiberei an. Dieser Mensch machte es anders. Er erzählte wie selbstverständlich, dass ja jeder wüsste, dass man nicht schreiben könne, wenn Kinder im Haus leben würden. Deshalb hätte er sich für zwei Monate zu Freunden nach Südafrika in die Wildnis eingeladen und dort innerhalb von zwei Monaten das Buch zustande gebracht. Ehrlich jetzt? Kerl, du lässt deine Frau und deine Kinder allein in Deutschland zurück, um ein Buch zu schreiben, weil du sonst nicht in der Lage dazu bist? Ist das wirklich dein Ernst? Ja, war es. Ab diesem Moment fand ich die Geschichte kacke.
Die Zeitmaschine
Die meisten Selfpublisher haben einen Brotjob neben ihrem AutorInnenleben. Insbesondere Anfänger, die noch nicht vom Schreiben leben können. Das haben sogar viele VerlagsautorInnen. Es ist eben so, dass man schon sehr viel schreiben muss, um wirklich davon leben zu können und das dauert eben ein bisschen länger. Wir kämpfen nun so ziemlich alle damit, dass wir einen Job haben, der Zeit raubt, und – ohmeinGott – die meisten haben auch noch Familie, die ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt, dazu der ganze Kram mit Haushalt, Termine, Verwaltungskram und und und. Und trotzdem kriegen wir es auf die Kette, Bücher zu schreiben. 
Klar bringe ich dann nicht jedes Jahr fünf dicke Romane zustande, aber ein bis zwei Bücher werden das schon. Ich überlege gerade, was wohl passieren würde, wenn ich plötzlich auf die Idee käme, mich zwei Monate auf eine einsame Insel zu verziehen, nur um eine Geschichte aufzuschreiben? Ich glaube, meine Umwelt wäre nicht sonderlich begeistert davon – besonders nicht meine Kinder und meine Mutter, die dann auf die Pokémonster aufpassen müsste.
Ich empfinde es als grobe Beleidigung, wenn mir einer erzählen will, er könne nicht schreiben, weil er Kinder hätte. Auf sowas kann doch nur ein Kerl kommen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ganz besonders geistreich finde ich auch Kommentare, die mich darauf hinweisen, doch etwas schneller zu schreiben oder mehr zu veröffentlichen – klar, wenn du meine Kinder nimmst, meine Arbeit für mich erledigst und ich zwei Monate nach Südafrika verschwinden kann, mach ich das glatt. 
Erst neulich berichtete mir eine befreundete Autorin, dass sie ständig von anderen AutorInnen angesprochen und gedrängt wird, doch endlich ihren Roman zu veröffentlichen. Sie war ganz verzweifelt, weil sie noch so viel zu tun war, und fragte mich, wann sie denn jetzt bitte auch noch DAS erledigen soll. Eine andere Autorin und Lektorin berichtete mir, sie werde ständig gemaßregelt, sie hätte keine Struktur und müsse sich besser organisieren. Dabei hätte sie doch noch einen Vollzeitjob und wäre abends häufig einfach so platt, dass sie gar nichts mehr schaffe. Auch eine andere Kollegin, berichtet mir von solchen geistlosen Verbalattacken. Sie hat einen Job, einen Kleinverlag, ein Cover-Design und schreibt unter Pseudonym.
Besonders kommen solche Ratschläge von Leuten, die entweder keinen Job haben, einen reichen Partner, noch bei den Eltern wohnen oder bereits im Rentenstatus sind. Also Leuten, die sich kaum noch um zeit- und nervenaufreibende Jobs und anderen Kram kümmern müssen, sondern lediglich für sich selbst Verantwortung tragen brauchen. 
Qualität vs. Quantität
Die erfolgreichen AutorInnen, die wirklich viele Bücher im Jahr schreiben, haben sich das auch nicht von heut auf morgen aufgebaut, sondern Jahrelang daran gearbeitet. Ich kenne AutorInnen, die haben erst mit der Rente mit dem Schreiben begonnen, weil vorher einfach keine Zeit dazu war. Wenn man einen Job hat und auch noch etwas Privatleben leben möchte, dann geht das nicht innerhalb von ein paar Tagen. Dann braucht man Zeit und die kann man sich ruhig nehmen. Man möchte ja schließlich, dass es ein gutes Buch wird – zumindest ist das die Regel. 
Ich war neulich nämlich ziemlich enttäuscht. Es gibt eine Autorin, die ich sehr für ihren Ehrgeiz und Fleiß bewundert habe. Sie veröffentlicht mehrmals im Jahr und ist sehr erfolgreich als Autorin. Dann habe ich mir aber tatsächlich angesehen, was sie da schreibt und war ziemlich niedergeschlagen. Die Sprache war niveaulos und bei der Story hab ich schon auf der ersten Seite das Kopfschütteln gekriegt. Die Fakten waren nicht gut recherchiert und die Dialoge wirkten aufgesetzt und realitätsfern. Ich gehe mal davon aus, dass die Autorin ihre eigenen Bücher gut findet und sie hat ja auch eine breite Leserschaft und große Fangemeinde. Aber bevor ich etwas veröffentliche, das ich völlig kacke finde, nur um zu beweisen, wie fleißig ich wäre, bleibe ich lieber arm und werde erst in ein paar Jahren reich und berühmt.