Selfpublishing: Vor- und Nachteile des Selbstverlags


Selfpublishing bedeutet einen Berg an Arbeit, dafür aber auch viele Freiheiten.

Viele neue AutorInnen, die ein Buch / Manuskript beendet haben, stehen nun vor der Frage nach der Art der Veröffentlichung. Natürlich möchten wir am liebsten bei einem renommierten Verlag unterkommen, so wie viel Bestseller-AutorInnen. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus. Selbst sehr gute Storys gehen bei Verlagen unter und werden abgelehnt. Dann bleiben also noch Kleinverlage und der Selbstverlag (Selfpublishing) übrig. Ich habe in diesem Post einmal die Vor- und Nachteile des Selfpublishings beleuchtet.

AutorIn im Selfpublishing

Selfpublishing heißt eben übersetzt Selbstverlag. Das heißt, man bringt sein Buch selbst auf den Markt und agiert eben als Verleger. Dies beinhaltet nicht nur die Veröffentlichung des Buches als ebook und Print, sondern auch das Marketing, mit allem was dazu gehört.

Ein Berg an Arbeit:
Allein die Veröffentlichung stellt schon eine Herausforderung dar. Man muss sich selbst mit den Konzepten der zahlreichen Anbieter auseinandersetzen und auswählen, welches Angebot am besten zu einem passt. Man muss sich selbst um Lektorat, Korrektorat, Buchsatz und Cover kümmern, was nicht immer ein leichtes Unterfangen ist. Dienstleister gibt es wie Sand am Meer, aber die Qualität der Leistungen variiert enorm – genauso wie die Preise.

Anders verhält es sich allerdings mit dem Marketing, das quasi einen permanenten Prozess darstellt. Gerade dieser Bereich bereitet vielen AutorInnen Schwierigkeiten oder sie scheuen sich vor dieser Aufgabe. Marketing umfasst wahnsinnig viele Möglichkeiten, gerade die Social Media Kanäle sind nicht mehr wegzudenken. Und gerade AutorInnen, die nichts mit dieser Materie zu tun haben, geben schnell auf. Dennoch muss dieser Bereich abgedeckt werden, denn wer kauft das Buch, wenn niemand von seiner Existenz weiß. Der Marketinganteil ist also ziemlich hoch und umfangreich.

Viele Freiheiten:
Selfpublishing ist eine ziemlich große Aufgabe, insbesondere dann, wenn man mehrere Bücher herausbringen, bewerben und überwachen muss. Da kann einem schon der Gedanke kommen, ob man das alles wohl bewerkstelligen kann. Gerade in Anbetracht von weiteren Büchern, die man veröffentlichen möchte. Die Arbeit wird dadurch nicht weniger …

Jedoch hat man hier den Vorteil, dass man das Buch herausbringen kann, wann man möchte. Es besteht kein Zeitdruck von Seiten des Verlags. Wenn man sich Zeit lassen möchte, wenn man zwischenzeitlich erkrankt, wenn persönliche Umstände dazu zwingen, eben nicht weiterzuschreiben, dann ist das eben so, ohne das man noch zusätzlichen Druck von Außen bekommt.

Außerdem möchte ich auch auf die Wahl des Covers eingehen. Auch hier hat man als AutorIn freie Entscheidungskraft, welche DesignerIn man auswählt. Man kann sich aussuchen, welches Cover einem am besten gefällt oder es sogar selbst machen, wenn man es kann. Dies ist auch beim Lektorat oder Korrektorat so. Hat man eine Freundin, die als Lektorin arbeitet und die einem die erste Geschichte für lau anbietet, kann man das machen. Man kann das Lektorat auch ganz weg lassen, wenn man das möchte – ob das nun gut ist oder schlecht, sei mal dahin gestellt.

Außerdem kann man zwischen den Genres hin und her springen, ohne zusätzlichen Aufwand zu haben. Verlage drucken nicht immer alle Genres ab – insbesondere Kleinverlage haben sich spezialisiert. Wenn man also einen Krimi geschrieben hat und bei Verlag X übernommen wurde, heißt das noch lange nicht, dass dieser Verlag den Fantasy-Roman veröffentlichen kann oder will, womit dann auch die Suche nach einem neuen Verlag ansteht – oder eben der Selbstverlag zu einer Option wird. Im Selfpublishing kann man quasi alle Genres wild durcheinander schreiben, wenn man dazu Lust hat, ohne diesen zusätzlichen Recherche-Aufwand zu haben.

Auch ist es als SelbstverlegerIn möglich, Bücher in unterschiedlichem Umfang zu schreiben, ohne Auflagen. Das heißt, wenn mein erster Roman ein dicker Wälzer war und mich völlig ausgelaugt hat, dann schreibe ich zur Zeit eben viele Kurzgeschichten oder Novellen und veröffentliche diese, bis ich einen neuen dicken Wälzer zusammengeschrieben habe. Das ist beim Verlag nur in begrenztem Maße möglich. Häufig geben die Verlage Auflagen, welche Wortanzahl oder Seitenzahl das nächste Buch haben muss. Häufig werden auch gar keine kurzen Geschichten im Verlagsprogramm aufgenommen, weil sich das für diese Form des Veröffentlichens einfach nicht lohnt.

AutorIn im Verlag

Natürlich wünscht man sich als AutorIn für das eigene Buch einen schicken großen Verlag, der einem sehr viel Arbeit abnimmt. Besonders als AnfängerIn oder DebütautorIn ist man häufig überfordert und verunsichert, ob das nun alles so richtig ist, was man da macht. Die Konsequenzen des eigenen Tuns sind ja noch gar nicht abzusehen. Jedoch ist es mittlerweile arg schwer in einen „großen“ Verlag aufgenommen zu werden, da heute kaum noch nach der Qualität des Manuskripts entschieden wird, sondern nach Verkaufszahlen. Da bieten sich eben die zahlreichen Kleinverlage an.

Weniger Arbeit:
Doch auch hier sollte man sehr genau schauen, welche Leistungen ein Verlag für die AutorInnen überhaupt erbringt und ob das für euch nützlich ist. Es gibt gute Kleinverlage, die bieten ein ordentliches Lektorat, ein passendes Cover und die Veröffentlichung an, außerdem machen sie Basis-Marketing für die AutorIn. Hier braucht die AutorIn dann „nur“ noch das weiterführende Marketing zu betreiben – und das ist ja schon eine ganze Menge. Viele Kleinverlage sind auch auf Messen repräsentat und können die AutorIn in diesem Zusammenhang präsentieren. So hat die AutorIn keine Ausgaben und Aufwand, sich einen Stand zu mieten.
Ein solches Angebot eines Kleinverlages ist schon sehr umfangreich. Man muss bedenken, dass Kleinverlage wirklich das sind, was sie sind: KLEIN. Häufig gibt es nur ein bis zwei Mitarbeiter, die zusätzlich auch noch einen Brotjob haben und den Verlag in der anderen Hälfte des Tages aufbauen. Daher ist ein Verlag, der diese Leistungen für eine AutorIn bringt, schon sehr gut.

Es gibt aber auch Verlage, die bieten lediglich die Veröffentlichung als Dienstleistung an. Das Cover bekommt die AutorIn vorgesetzt und muss es trotzdem selbst bezahlen, auch wenn es nicht gefällt oder völlig unpassend ist. Ebenso verhält es sich mit dem Lektorat. Marketing muss man dann auch noch selbst machen. Wenn man an einen solchen Kleinverlag gerät – ganz ehrlich – kann man auch ruhig Selfpublisher bleiben.

Zudem muss ich an dieser Stelle betonen, dass BoD, Bookrix, Createspace und all die anderen keine Verlage sind, sondern Dienstleistungsunternehmen. Sie bieten eine Plattform zur Veröffentlichung des Buches. Sie nehmen aber nicht Lektorat, Cover und Marketing ab.

mehr Einschränkungen:
Ein guter Verlag ist für eine AutorIn eine enorme Arbeitserleichterung.  Wie bereits oben geschrieben, kann es sein, dass der Verlag einige Vorgaben, Auflagen oder Einschränkungen gibt, an die man sich als AutorIn halten muss.

Dies beginnt schon mit der Lizenz. Man gibt die Rechte an seinem Werk an den Verlag ab. Je nach Vertrag kann der Verlag dann mit dem Buch machen was er will. Wenn die AutorIn dann hinterher feststellt, dass das Konzept nicht aufgeht, dann kann es zu ganz argen Problemen kommen. Häufig muss man sich mit einem Anwalt auseinandersetzen, um aus dem geschlossenen Vertrag herauszukommen. Daher: Vorher genau schauen und Verträge lesen.

Wenn man an einer Buchreihe oder Serie schreibt, dann kann es auch vorkommen, dass man Auflagen für die Fertigstellung des nächsten Buches vom Verlag bekommt. Diese sollte man zwingend einhalten, weil der Verlag mit der Geschichte rechnet und langfristig damit plant. Es gibt immer (Klein)-Verlage, mit denen man bei Verzögerungen reden kann, jedoch ist das nicht immer so.

Ebenso fallen das Cover und andere Dienstleistungen in Verlagshände, ohne dass sich der Autor dagegen wehren kann. Es gibt Verlage, die haben derart hässliche Cover, dass man sich fragt, wie sich diese Bücher überhaupt verkaufen lassen. Der Autor kann sich nicht dagegen wehren. Ebenso verhält es sich bei den anderen Dienstleistungen wie Lektorat und Buchsatz.

Fazit

Selfpublisher haben einen Berg an Arbeit, dafür aber viele Freiheiten. Im Verlag ist es genau anders herum. Wenn man also die Arbeit nicht bringen kann oder möchte, dann bietet sich ein Verlag an. Hier sollte man aber ganz genau schauen, ob man als Team wirklich zusammenpasst – denn die Veröffentlichung und die Pflege eines Buches ist Teamarbeit.

Wenn es auch mit einem Kleinverlag nicht geklappt hat und man sich in den Selbstverlag stürzen möchte, empfehle ich jeder AutorIn einen oder mehrere Kurse an der VHS. Ja, sicher, man kann sich vieles im Netzt anlesen, aber diese Fülle an Informationen kann man kaum in  kurzer Zeit verarbeiten. Deshalb ist es hilfreich, sich mit Leuten zusammenzusetzen, die bereits Erfahrungen haben, die einen Tipps geben können oder von bestimmten Dingen abraten können. Ich habe zum Beispiel über den Kurs „Marketing für Autoren“ in eine bestehende Autorengruppen in meiner Stadt gefunden und treffe mich nun regelmäßig zum intensiven Austausch. So ein Kurs ist also nicht nur zum Informationsammeln da, sondern auch zum Kontakte knüpfen. Es gibt (zumindest in meiner Stadt) auch regelmäßig Kurse zum Veröffentlichen eines Buches im Selbstverlag. Schaut einfach  mal bei eurer VHS rein.

Für tiefergreifende Informationen zu JEDEM Thema. Empfehle ich immer die Self-publisher-Bibel.

Frauen in der Fantasy 1: Ein Grund zu kämpfen

A girl should be two things..

Wenn Männer, die Rache üben, Helden sind, warum sind dann Frauen, die Rache üben, verbitterte Hexen?

In ihrem Buch „The Geek Feminist Revolution“ stellt die Autorin Kameron Hurley fest, dass die Gründe, warum eine ProtagonistIn in den „Kampf“ zieht, vom Geschlecht abhängt. Während sich Männer auf ein Abenteuer begeben, in den Kampf ziehen, Rache üben etc. weil sie jemanden beschützen wollen, ziehen Frauen los, weil ihnen selbst etwas angetan wurde. Ich habe diesen Aspekt einmal näher untersucht und dabei geschaut, wie sich dabei die deutsche Fantasy aufstellt.

Auf in den Kampf!

Männer kämpfen, um ihre Frauen und Kinder zu schützen. Sie rächen sich, weil ihren Frauen oder ihrer Familie etwas angetan wurde. Sie suchen Mörder und Vergewaltiger, weil die ihnen ins Revier gepinkelt haben. Sie verfolgen eigene Ziele, zeitweise setzen diese eine hohe moralische Flexibilität voraus, und tun alles, um sie zu verwirklichen. Sie werden zu Helden, weil sie die Welt retten, weil sie ihre Ziele erreichen, weil sie Heim und Herd beschützen.

Frauen kämpfen, um sich selbst vor einem bösen Mann zu schützen. Sie rächen sich für etwas, dass ihnen selbst persönlich angetan wurde. Sie begeben sich auf die Suche nach Mördern und Vergewaltigern, weil ihnen als Kind selbst etwas Schreckliches angetan wurde. Sie haben keine wirklichen eigenen Ziele, sondern orientieren sich an denen des männlichen Protagonisten. Und wenn, dann sind diese Ziele der Frauen von hoher moralischer Güte, es geht um Kinder, es geht um Gerechtigkeit, zuweilen ist das Ziel der Frau, ein ruhiges Leben mit einem Mann und ihren Kindern zu führen und dafür muss eben ein Abenteuer bestanden werden. Am Ende werden sie nicht zu Heldinnen, sondern zu verbitterten Hexen, Hausfrauen oder eben Bräuten.

Ist das tatsächlich so? Ich muss zugeben, dass ich kaum ein Buch kenne, das diesen Klischees nicht entspricht. Und gerade in der Fantasy werden Frauen selten zu Heldinnen. Der Protagonist ist eh meistens männlich, weil die Heldenrolle doch besser zu einem Mann passt als zu einer Frau – heißt ja auch DER HELD. Wenn Frauen in der Fantasy auftauchen, stellen sie meist die Unterstützung des Helden dar. Sie stellen sicher, dass der Held auch wirklich an sein Ziel kommt. Aber sie selbst werden nicht zu Heldinnen. Nicht zuletzt werden sie in die Opferrolle gedrängt – der Held muss sie retten oder beschützen.

Wer suchet, der findet – oder eben nicht

Spontan ist mir wirklich kein einziges phantastisches Buch eingefallen, das diese Rollenverteilung aufhebt. Erst, nachdem ich lange gesucht habe – in meinen Bücherregalen und auf Amazon – ist mir nur noch Game of Thrones eingefallen. Ich habe die Bücher gelesen, nicht die Serie geschaut, und weiß, dass es dazwischen gravierende Unterschiede gibt. Aber Fakt ist, dass es dort tatsächlich Frauenrollen gibt, die den Klischees widersprechen.

In der deutschen Fantasy sieht es kaum anders aus. Mal abgesehen davon, dass die deutsche Phantastik eh ziemlich schmalbrüstig aufgestellt ist, finde ich im Mainstream nichts passendes. Mir fällt nach langer Suche Feuerjäger von Susanne Pavlovic ein. Die Protagonistin Krona ist eine Kriegerin, die ein Mann sein könnte. Das ist super! Darüber hinaus scheint es jedoch ziemlich dünn. Auch bei den Selfpublishern scheinen die Romantasy-Geschichten mit austauschbaren Charakteren zu überwiegen (Quelle: SelfpublisherVerband). In einigen Kleinverlagen lassen sich dann doch noch einige Exemplare finden, die nicht ganz alltäglich scheinen. So gibt es zum Beispiel in mehren Anthologien Kurzgeschichten, die durchaus vielversprechend und klischeebefreit sind, zum Beispiel die Damen der Geschichte aus dem Art Skript Phantastik Verlag oder Heimchen am Schwert aus dem Ohne Ohren Verlag. Bei der genaueren Recherche ist auch festzustellen, dass viele Kleinverlage offenbar sehr genau auswählen, welche Art Story sie bei sich aufnehmen. So finden sich recht wenig Standard-Romantasy-Geschichten in den Verlagsprogrammen – es sei denn, sie haben sich darauf spezialisiert (z.B. Drachenmond Verlag).

Grundlos Glücklich

Mein Enthusiasmus, Fantasy zu lesen, gerät enorm ins Schwanken, wenn ich mir die gehypten (Jugend)Bücher in diesem Genre so anschaue. Die Mädels sind einzig und allein dafür da, sich für die Ziele ihres Angebeteten einzusetzen und ihre größte Herausforderung besteht darin, sich zwischen zwei (oder mehr) Kerlen zu entscheiden. Einen Grund haben die meisten Protagonistinnen in solchen Geschichten nicht wirklich. Sie sind eben da und müssen mitgeschleift werden. Oder sie gehen mit, damit sie ihrem Angebeteten nahe sind. Dabei stellen sie sich oft so doof an, dass man als Leser das große Fremdschämen kriegt. Das solche Geschichten meist auch noch von Frauen geschrieben werden, schockiert mich zutiefst. Ich muss zugeben, dass ich in letzter Zeit sehr wenig Fantasy gelesen habe. Mittlerweile scheue ich mich direkt davor, weil ich jedes Mal befürchte in eine verkappte Cinderella-BadBoy-Millionärs-Story mit fantastischen Elementen zu geraten. Ich hab auch immer die Befürchtung, dass die Mädels, die sowas lesen, dann wirklich glauben, sie werden zu Heldinnen, wenn sie sich nur schön im Hintergrund halten und den Kerl genügend anhimmeln.

Ein männlicher Held braucht oftmals nicht mal einen Grund, um in ein Abenteuer zu geraten. Wie viele Geschichten gibt es, wo ein Kerl „rein zufällig“ in eine spektakuläre Story hineinstolpert, sich entwickelt und am Ende zum Helden wird. Sowas geht auch mit Frauen. Auch Frauen können Söldner sein und für Geld ein Abenteuer bestehen. Auch Frauen können durch die Gegend wandern, auf der Suche nach … was weiß ich … und sich plötzlich einem Abenteuer wiederfinden. Frauen haben die gleichen Ziele und Wünsche wie Männer, und damit haben sie auch die gleichen Gründe, zu kämpfen. Dementsprechend könnten auch Männer losziehen, um Rache zu üben, für Dinge, die man ihnen persönlich angetan hat – also wirklich ihnen persönlich, nicht nur dabei zuschauen, wie es einer geliebten Person geschieht und dann ein Trauma entwickeln, sondern tatsächlich ihnen selbst.
Ist das denn so unvorstellbar, dass einem Mann genau das gleiche widerfahren könnte wie einer Frau? Und ist es so abwegig, dass sich Frauen für ein Abenteuer entscheiden, eben einfach aus dem Grund, weil sie abenteuerlustig sind? Und sich hinterher, nachdem das Abenteuer bestanden ist, nicht nach einem lauschigen Plätzchen am Herd sehen, sondern nach MEHR Abenteuer? Und warum werden Männer als Helden gefeiert, wenn sie sich gerächt haben, während Frauen nach der Rache als verbitterte Hexen dargestellt werden?

Die Gründe, warum jemand Teil eines Abenteuers wird, können so vielfältig sein. Als AutorIn hat man freie Wahl und braucht sich nicht auf die üblichen Klischees und Standards zu stützen. Ich dichte mal jeder AutorIn genügend Fantasie an, diese Aufgabe zu bewerkstelligen. So schwer sollte das ja nun nicht sein. Man bräuchte theoretisch seinem männlichen Helden einfach nur einen weiblichen Vornamen zu geben und ihn damit zur Frau machen. Einen anderen Unterschied zwischen den Geschlechtern sollte es nicht geben. Und erst recht nicht in der Fantasy.

Habt ihr Bücher, die ihr empfehlen könnt? Dann her damit in den Kommentaren!

Quellen:
Verlag Ohne Ohren
Art Skript Phantastik Verlag
Selfpublisher Verband
Susanne Pavlovic
Phantastik Couch
weitere Kleinverlage

Bücher von John Irving – Autorenvorstellung

Endlich habe ich es geschafft und ein neues Video über Bücher gemacht.

Diesmal geht es nicht nur um die Vorstellung eines einzelnen Buches, sondern um einen Autor. John Irving ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich erzähle euch in diesem Beitrag etwas über ihn und stelle ein paar Werke von ihm vor. Außerdem lese ich euch eine kurze Passage (Seite 99) aus seinem Buch „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ vor.

Ich bin schon am Planen, wie mein nächstes Video ausschaut. Eigentlich wollte ich demnächst ein paar kürzere Videos machen. Mal sehen, ob ich das wohl hinkriege.

… über die Wohnungssuche

Nachdem ich feststellen musste, dass meine schöne, gemütliche Altbau-Wohnung in der Osnabrücker Innenstadt schimmelte, ein Fenster kaputt war und es durch alle Ritzen und Ecken zog, weil sie nicht richtig gedämmt war, musste ich mich notgedrungen auf Wohnungssuche begeben. Wenn ich verheiratet und kinderlos wäre, hätte ich sicher weniger Probleme gehabt, eine passende Bleibe für mich zu finden. Letztendlich habe ich eine Wohnung gefunden, sie ist super und ich bereue nicht, mich aus meinem geliebten Viertel wegbegeben zu haben – auch wenn mich die Sehnsucht trifft, wenn ich in die Nähe komme. Aber bis ich meine Wohnung gefunden hatte, musste ich einige Erfahrungen machen, auf die ich lieber verzichtet hätte.

Insgesamt war ich ein dreiviertel Jahr auf Suche, bis ich den neuen Mietvertrag unterschrieben hatte. Und was mir in der Zeit widerfahren ist, konnte natürlich nur wieder mir passieren – dachte ich. Denn komischer Weise häufen sich die Beschwerden, die Klagen und die Aufreger auf allen möglichen Sozialen Plattformen und sogar … im Reallife! Das bedeutet: es ist tot-ernst, Mädels!

1. Pfui! Kinder!
Ja, Haustiere sind auch ein Killer … aber Kinder, hey, das ist wie Pest und Cholera zusammen. Sobald ich auf eine Anzeige anrief und erwähnte, ich hätte zwei Kinder, durfte ich mit den verschiedensten Reaktionen rechnen. Mehrere potentielle Vermieter haben einfach aufgelegt. Andere hüllten sich eine Zeit lang in Schweigen bevor sie mit einer Absage antworteten. Einige fragten nach den Erziehungsmethoden, auf welche Schule sie gingen und ob sie viele Freunde hätten, die dann zu Besuch kommen und Krach machen würden.  Einer unterstellte mir, ich wäre asozial, weil ich alleinerziehend bin.

„Also, Katzen hätten wir ja noch akzeptiert, aber Kinder möchten wir hier eigentlich nicht haben. Die passen nicht in die Hausgemeinschaft.“



2. Meine Unterwäsche geht dich nichts an!
Ich habe eine Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen geschaltet. Eine Suche nach einer passenden Wohnung für uns, mit Foto von uns dreien, einer netten Beschreibung wer wir so sind und meiner Telefonnummer. Das machen mittlerweile sehr viele Familien. Allerdings erhalten nur wenige Familien Nachrichten von potentiellen Vermietern, in denen nach der Art der Unterwäsche gefragt wird, wo man diese aufhängt und ob man denn Single ist oder einen Freund hat. Dazu werden Fotos von einer Wohnung geschickt, die höchstwahrscheinlich nicht mal existiert. Ich vermute mal stark, dass die Fotos von irgendwelchen Anzeigen zusammengeklaut waren.
Vor allem frage ich mich, was das denn soll! Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von einschlägigen Dating-Plattformen, auf denen du sicher eine zufriedenstellendere Antwort bekommen hättest als von mir. Warum hast du es nötig, völlig desinteressierte Wohnungssuchende zu belästigen? Ein Mädel berichtete bei Facebook, sie wäre sogar direkt nach einschlägigen Gefälligkeiten gefragt worden. Im Gegenzug wollte man ihr einen Teil der Miete erlassen. Seid ihr euch wirklich sicher, dass ihr Mieterinnen haben wollt, die sich auf solche faulen Deals einlassen? Wenn die schon darauf eingehen, wer weiß denn, was die noch so alles machen …

3. Eingrenzung der gewünschten Mieter
Es gibt tatsächlich Vermieter, die schon in der Anzeige genau definieren, welche Art von Mieter sie haben möchten. Ein Ehepaar von 55-65 Jahre, ohne Tiere, ohne Kinder, solvent – für eine 6 Zimmer Wohnung auf 140m², in der locker eine 5-köpfige Familie Platz gehabt hätte. Aber warum sich mit Familien rumschlagen?
Es ist auch völlig irrsinnig, den Beruf des Mietinteressenten zu analysieren und zu prüfen, ob der wohl gut genug ist. Wer sagt euch denn, dass der fesche Staatsanwalt vom Amtsgericht nicht für die nächsten 6 Monate die Zeche prellt, sich gegen euren Willen ein Haustier zulegt und diesen dann auf den Dachboden kacken lässt, weil er zu faul ist, bei Regen das Haus zu verlassen? Und wer sagt euch, dass ihr nicht die ganze Wohnung renovieren lassen könnt, weil das super nette Lehrerehepaar ohne Kinder alles vollgequalmt hat, so dass die Wände gelb geworden sind, und euch nach dem Auszug eine vollgemüllte Wohnung hinterlässt, so dass ihr eine Entrümpelungsfirma engagieren müsst? Asoziales Verhalten hat nichts mit dem Beruf zu tun, sondern mit der Einstellung der Person! +++ Diese Ausführungen beruhen auf wahren Ereignissen.+++

„Können Sie denn überhaupt die Miete bezahlen?“ – „Nee, ich dachte, ich könnte im Gegenzug den Rasen mähen. Natürlich kann ich die Miete bezahlen!“

4. Über die Mietinteressenten lästern
Und das auch noch, wenn die Mietinteressentin direkt daneben steht. Das ist nicht besonders fein. Ich kann zwar kein Russisch, aber bei der nächsten Person könntet ihr vielleicht doch mal ins Fettnäpfchen treten, also seid lieber vorsichtig. Vor allem solltet ihr sowas vermeiden, wenn euer männlicher Ehepartner dazu neigt, sich hinterher auch noch zu verplappern.

„Wie viele Personen würden hier denn einziehen?“ – „Drei. Nur die Kinder und ich.“ -„Erwarten Sie kein drittes Kind? Meine Frau fragte vorhin, weil Sie so aussehen.“ – „Nein, ich bin nur dick.“

5. Renovierungsbedürftige Wohnungen anbieten
Also bitte, ja … ich suche eine Wohnung, in die ich einziehen kann, keine, die ich erst entkernen, neu verputzen, mit einem Boden ausstatten sowie komplett tapezieren und streichen muss. Und wenn man nach Beteiligung des Vermieters fragt, erhält man noch eine patzige Antwort. Sorry, Leute. Ich investiere doch nicht mehrere Hundert – wenn nicht sogar Tausend – Euro, um euch eure Wohnung schick herzurichten, nur um ein Jahr später dann wegen Eigenbedarf rausgeschmissen zu werden. Ich bin stark beleidigt, denn ihr müsst mich tatsächlich für ziemlich dämlich halten. Eine Wohnungsgenossenschaft bot mir tatsächlich 400 Euro, die ich dafür nutzen könnte die komplette Wohnung von 80m² mit einem Boden auszustatten und selbige komplett zu tapezieren und zu streichen. Seid ihr euch sicher, dass ihr mir das überlassen wollt? Bei dieser Summe kann man sich ja ausrechnen, wie qualitativ hochwertig der Boden wäre und wie professionell der verlegt worden wäre. Nur so als Denkanstoß.

Anja hat kein Bett mehr: „Ich fühl mich wie ein Student.“

Die Wohnungssuche gestaltet sich immer schwieriger. Hohe Mieten für renovierungsbedürftige Wohnungen. Vermieter, die sich ihre Mieter anhand von fragwürdigen Faktoren aussuchen. Kinder, die nicht erwünscht sind. Viele Leute sind gezwungen aus ihrem Stadtviertel wegzuziehen, weil sie entweder die Mieten dort nicht bezahlen können oder weil es dort keine passenden Wohnungen gibt. Sich in diesen Zeiten auf die Suche nach einer Wohnung zu begeben hat verdammt viel mit Idealismus zu tun. Auf eine Anzeige zur Wohnungssuche, schrieb ein User die Antwort: „Viel Spaß beim Suchen. Wirst du aber hier nicht finden.“ Das ist mittlerweile Realität und es trifft besonders die, die ohnehin schon belastet sind: Familien jeglicher Art und Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Das ist nicht nur moralisch und ethisch verwerflich, sondern spaltet die Gesellschaft noch mehr, fördert Ausgrenzung und „Viertel, in die man lieber nicht gehen sollte“.

Wohnungssuchende müssen sich in Geduld üben. Aber lasst euch nicht alles gefallen. Wollt ihr wirklich bei einem Vermieter einziehen, der über euren dicken Hintern gelästert hat? Oder der sich vorher naserümpfend über eure Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau geäußert hat? Ganz zu schweigen von den unseriösen Angeboten von „Mieten für bestimmte Gegenleistungen“. Sowas dürft ihr dann auch mal getrost an die nächste Polizeidienststelle weiterleiten.

Vielleicht ist es jetzt auch wieder Zeit, sich über alternative Wohnsituationen Gedanken zu machen. Wohngemeinschaften gehen auch gut, wenn man Kinder hat – oder eben keine hat – und auch, wenn man schon aus dem Studium/Ausbildung raus ist. Es muss nicht immer der riesengroße Bauernhof sein, auf dem man in einer Community lebt. Das geht auch in einer Mehr-Zimmer-Wohnung mit Balkon. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einer lieben Mitbewohnerin gemacht, die sich toll mit meinen Kindern verstanden hat. Das geht also auch.

Ein Elefant an der Wand

Weil wir neulich umgezogen sind, haben wir nun die Möglichkeit, die noch weißen Wände frisch und neu zu gestalten. Als ich im Sommer bei meinen Eltern in meiner Heimatstadt Nordhausen zu Besuch war, haben wir einen neuen total schönen Kinderladen in der Oberstadt entdeckt. Im Luna-Kinderzimmer werden individuelle Sachen fürs Kinderzimmer angeboten. Nachdem ich dort über eine Stunde begeistert ´rumgewühlt hatte, sind mir die Tapetentiere von Poppy Studio aufgefallen. Da haben wir uns einen Elefanten mitgenommen. Einhörner kann ja auch jeder.

Das Tapetentier kommt in einer Rolle, die zusätzlich eine Beschreibung, Kleister und Pinsel enthält. Die meisten Tapetentiere bestehen aus mehreren Teilen, weil sie einfach zu groß sind. Ich habe mir in dem Laden auch ein kleines Reh angeschaut, welches im Ganzen aufgeklebt werden kann.

Nun, die Anwendung ist relativ simpel. Wer schon mal tapeziert hat oder irgendwas anderes einmal mit Kleber bestrichen und an die Wand geklatscht hat, weiß auch wie es geht. Das Prinzip ist – jedenfalls für mich – selbsterklärend. Ich habe meinen Konferenztisch im Arbeitszimmer dazu genutzt.

Der Popo wird eingekleistert…

Danach wird das Tier so gerade wie möglich auf die Wand geklebt. Da die Tiere meistens nicht fliegen, brauchen sie einen Erdbezug oder jedenfalls irgendetwas, worauf sie „stehen“ können – ein Bett, ein Bücherregal, der Boden, der Schreibtisch etc.

Das Tapetentier gibt es vielen verschieden wunderbaren Mustern, von sehr romantisch bis Retro. Den Elefanten gibt es auf der Herstellerseite vom Poppy Studio in 76 verschiedenen Mustern. Poppy Studio ist ein niederländisches Unternehmen. Die Gründerin wohnt direkt in Amsterdam. Wir haben hier übrigens den großen Elefanten genommen. Es gibt noch einen Baby-Elefanten, der dann wesentlich kleiner ist.

Das einzige, was mich an diesem Teil stört, ist der Preis. Mann, ich bin gleich ein paar Schritte nach hinten gegangen, als ich mich danach erkundigte. 80Euro kostet der große Elefant, der kleine ist 50Euro. Die Preise spannen sich unterschiedlich, je nach Größe und Anzahl der Tiere. Auch auf der Website des Herstellers werdet ihr diese Preise finden. Da kann man wohl darüber nachdenken, ob es sich nicht doch lohnt, das Tier selbst zu basteln. Aber es muss ja auch noch schick aussehen.

Nun ja, gekauft habe ich es dann trotzdem und die Püppi findet es super. Wir haben noch vor, dort weiße kleine Fotorahmen aufzuhängen, damit sie ihre eigene Fotogalerie bekommt. Das war ihr größter Wunsch.

P.S. Es gibt dort auch Flamingos…

Anja nimmt ab und zu

Ja, was nimmt denn Anja ab und zu? Gewicht!
Dass man zunimmt, merkt man meist erst dann, wenn plötzlich die Hose nicht mehr passt oder die Bluse an der Oberweite spannt. Aufgrund meiner Selbstständigkeit als Schreiberling und der damit verbundenen Neigung, im Sitzen zu arbeiten, habe ich von Februar bis Juni diesen Jahres (also 5 Monate) sage und schreibe 15 Kilo zugenommen. Bis dato halte ich das Gewicht. Ich bin 1,76m groß und bringe zur Zeit 85kg zusammen. Oh mein Gott! So schwer war ich das letzte mal nach der Schwangerschaft. Werde ich jetzt zur Pummelfee? Muss ich auf Diät?

Ich habe den gesamten letzten Winter sehr viel Sport getrieben. Bin jeden Tag eine Stunde lang Laufen gegangen. Gerade im Winter war es wunderschön, wenn man zwischen den Feldern läuft und der gefrorene Raureif auf den Pflanzen glitzert. Wenn der eisige Wind die Wangen kneift und man nicht zu tief einatmen darf, weil sonst die Atemwege durch die eiskalte Luft geschädigt werden könnten, dann fand ich es immer besonders schön. Jeden Tag bin ich gelaufen. Bis Februar.

Beweisfoto: Das war die Anja im November 2016 (mit Sonnenaufgang)

Und ab Februar habe ich gar keinen Sport mehr gemacht. Ich habe mich in die Selbstständigkeit getraut, schreibe wissenschaftliche Texte und belletristische Romane. Ich habe ein Buch veröffentlicht. Ich musste einen Umzug planen, organisieren und durchziehen. Meine Kinder und ich hatten fürchterlich unter meinem alten Vermieter zu leiden und so kam auch noch eine psychische Komponente hinzu. Und jeden Abend habe ich mir vorgenommen, am nächsten Morgen wieder zu laufen. Aber dann kam doch wieder irgendwas dazwischen, was ich erledigen musste. Und weil ich viel unterwegs war, gabs auch keinen Salat zu Mittag, sondern lecker Junkfood zwischendurch. Am Abend dann die Schokolade. Die Basis für 15 Kilogramm war damit gelegt.

Die Anja im Juni 2017 (auf Norderney)

1. Eine derart schnelle Gewichtszunahme ist nicht normal

Das ist wirklich nicht normal! 5 Monate = 15 Kilo? Also bin ich zum Arzt gegangen und hab zunächst mein Blut untersuchen lassen. Es stellte sich aber heraus, dass mit meiner Schilddrüse alles in Ordnung ist. Es hätte ja auch eine Unterfunktion sein können – hätte auch die ständige  Müdigkeit erklärt. Nachdem diese Möglichkeit ausgeschlossen werden konnte, habe ich mich im Netz und im Freundeskreis bei Sportstudenten und Heilpraktikern erkundigt. Es gibt da ein so genanntes Stresshormon, das nennt sich Cortisol. Ja, wusste ich auch schon. Aber dass das sooooo wirkt, das hätte ich nicht gedacht. Tuts aber. Auch psychischer Stress ist eine enorme Belastung für den Körper. Dieser kann durch Sport abgebaut werden. Deshalb wird bei Depressionen auch immer empfohlen, Sport zu treiben. Wenn man aber gerade dann aufhört Sport zu treiben, wenn der Stresspegel am höchsten ist und den Körper nicht nur mit dem neuen Stress konfrontiert, sondern ihn auch noch mit der hart erarbeiteten Verbrennung allein lässt, dann …. 15 Kilogramm.

„Anja, sieh es ein: du brauchst länger, um das wieder runterzukriegen…“ (eine befreundete Heilpraktikerin)

Die Frage ist nur: Will ich das eigentlich wieder alles runterkriegen? Und damit kommen wir zu Punkt 2:

2. Ich fand mich mit 70 Kilo schon fett und hässlich

Ich musste feststellen, dass ich ein ganz verschobenes Bild von mir selbst hatte: Ich habe meinen Kleiderschrank ausgeräumt und Kleider aussortiert, die ich verkaufen möchte. Diese waren teilweise selbstgenäht und so brauchte ich keine neuen Tragefotos machen, sondern konnte auf alte zurückgreifen, die ich stolz gemacht hatte, als das Teilchen fertiggenäht war.
Als ich mir dann aber diese Fotos betrachtete, war ich schockiert. Ich sah so dünn aus auf den Bildern. Dabei wusste ich doch, dass ich mich auch mit diesen 70kg für fett gehalten habe und mich hässlich fand.  Das ist verdammt traurig. Ich war schlank, mein Hintern nur halb so groß wie jetzt, und ich fand mich trotzdem fett? Und ich weiß noch, wie ich bei jedem Stückchen Schokolade ein mieses Gewissen hatte. Und jedes Kompliment von außerhalb schmetterte an mir ab, weil ich das nicht ernst nehmen konnte – weil ich doch so fett war.

Dies bringt mich zum dritten Punkt:

3. Andere finden mich schön???

Als ich im Sommer in Kur auf Norderney war und der Kurleiterin mein Gewichtsproblem schilderte, war sie beinahe schockiert:

„Frau Stephan, dass Sie mir hier Probleme mit Ihrem Gewicht erzählen, hätte ich jetzt nicht erwartet.“

Was? Wieso nicht? Natürlich. Siehst du denn nicht, dass ich dick bin? Ich dachte zum damaligen Zeitpunkt noch, die sagt das nur, weil in der Kur noch ganz andere Frauen mit „richtigen“ Gewichtsproblemen teilgenommen hatten. Aber dann war ich letzte Woche auf einem Kindergartenfest und traf eine sehr liebe Freundin von mir, die so ziemlich die Hälfte von mir ist, auch in der Höhe. Als ich ihr von meiner enormen Gewichtszunahme erzählte und meinte, ich müsste jetzt dringend auf Diät, war sie ganz überrascht:

„Ich habe jetzt WW gemacht und nur an Busen und Po abgenommen, aber am Bauch ist alles hängen geblieben. Bei dir sieht das immer so toll aus, du hast das alles an den richtigen Stellen. Darum hab ich dich immer beneidet, um deine Kurven.“

Scherz, oder? Nee, sie meinte das ernst. Ehrlich. Und das war mein Aha-Effekt. Ich habe mich zuhause vor meinen großen Spiegel gestellt und mich mal eingehend betrachtet. Und ohne jetzt arrogant zu klingen: sie hat recht! Ich habe echt schicke Kurven. Aber das muss einem jemand erstmal bewusst machen. Woher soll ich denn sowas wissen?
Ich höre doch nur von allen Seiten, dass ich keine kurzen Hosen mehr tragen soll, weil ich mir das nicht mehr leisten kann. Oder dass ich mich mit dem Kakao mit Sahne mal zurückhalten sollte. Wann ich denn mal wieder Rad fahre und dass ich früher ja fitter war. Ständig werde ich mit irgendwelchen abgemagerten Tanten verglichen, deren Gewichtslevel ich nicht erreichen kann, ohne dabei einen physischen Kollaps zu erleiden. Von den gleichen Leuten hört man übrigens auch die Gehässigkeiten, dass die dünnen Modelle ja alle hässlich wären…

4. Muss ich jetzt überhaupt was tun?

Ja, muss ich. Allerdings nur, um meine schönen Kurven zu behalten.
Abends wieder Salat statt Kohlenhydrate. Über den Tag weniger Schokolade. Und ein bisschen Sport. Allerdings nicht zwingend zum Abnehmen, sondern um meine Rückenbeschwerden loszuwerden, meine Kondition zu verbessern und den Muskel im Hintern zu lockern, der mir ständig verspannt. Deshalb habe ich mich auch im Fitnessstudio angemeldet, um dort auf dem Laufband zu rennen… also momentan sieht das eher noch nach schnellem … naja, nach Gehen aus.
Und ich mache wieder Yoga und Pilates. Nach meiner ersten Stunde konnte ich mich kaum bewegen und hatte zwei Tage Muskelkater. Jetzt weiß ich auch, was mir gefehlt hat.


Fazit: Ich bin keine Pummelfee! Ich bin eine kurvige, wunderschöne, extraordinäre Frau.

Anja fragt: Krimiautor Stefan Wollschläger

Friesenauge – der neue Krimi von Stefan Wollschläger
Stefan Wollschläger ist bekannt für seine Friesenkrimis um Diederike Dirks und Oskar Breithammer. Heute darf ich euch zu einem Interview mit ihm einladen. Vor kurzem hat der Autor seinen dritten Roman in dieser Reihe als Selfpublisher veröffentlicht: „Friesenauge“. Das hört sich irgendwie ein bisschen eklig an. Mal sehen, was dahinter steckt.
Zu „Friesenkunst“ und „Friesenklinik“ gab es auf meinem Blog bereits Rezensionen. Das dritte Buch schaffe ich auch noch – versprochen. 

Lieber Stefan,
Vielen Dank, dass du dir für ein paar Fragen Zeit nimmst. Du bist Autor und Selfpublisher aus Osnabrück und hast kürzlich deinen dritten Friesenkrimi herausgebracht. Den nehme ich mit in den Urlaub nach Norderney.
Ich beantworte Dir gerne Deine Fragen und hoffe, das Buch gefällt Dir.

„Friesenauge“ ist nun der dritte Fall für Diederike und Oskar in Ostfriesland. Das klingt tatsächlich ein bisschen gruselig. Worum geht es diesmal?
Einem Toten wurden die Augen entfernt und seine Freundin wird vermisst. Wurde sie auch ermordet oder lebt sie noch? Das klingt zwar gruselig, aber es fließt kein Blut; richtig Angst bekommt man nicht (Anm. Anja: Das sagst DU!), und es gibt immer wieder lustige Szenen. Das Thema bringt einige skurrile Figuren mit sich. Die Geschichte wurde diesmal übrigens von einem wahren Hintergrund inspiriert.
Fährst du selbst gern nach Ostfriesland? Deine Beschreibungen der Landschaften klingen so, als wärst du selbst mit dem Rad übers Land geradelt.
Ja, ich mag dort das Meer und die Weite. Und natürlich den Tee. Das passt perfekt zusammen, sich tagsüber den Wind um die Ohren blasen zu lassen und sich danach an einem Ostfriesentee aufzuwärmen. Wenn man beschließt, über einen Ort zu schreiben, dann nimmt man ihn aber noch einmal auf eine ganz besondere Art wahr.


 

Das ist der Autor

Ich mag die Charaktere Diederike und Oskar sehr gern. Was macht sie für dich so besonders?
Danke JDiederike wirkt nach außen kühl, aber eigentlich ist sie herzlich und emphatisch. Das finde ich wichtig für eine Komissarin, dass sie einerseits professionell ist und man ihr den Job zutraut, aber andererseits ist sie durch ihre Arbeit nicht so sehr verdorben, dass sie dadurch nicht mehr bewegt wird. Dafür ist Diederike allerdings nicht so gut in Beziehungen. Oskar hat im Gegensatz dazu eine warme, naive Art und denkt um die Ecke, das macht beide zu einem guten Team. In diesem Buch lernt man übrigens Diederike persönlicher kennen und erfährt auch etwas über ihre Familie.
Dein erster selbstveröffentlichter Roman war eine Fantasy-Geschichte. Wie bist du dann darauf gekommen, Krimis zu schreiben?
„Das Prinzessinnenspiel“ enthält auch Krimi- und Thrillerelemente und am Ende habe ich gemerkt, dass es mir viel Spaß gemacht hat, diese spannenden Szenen zu schreiben und ein Rätsel in die Geschichte zu integrieren. Später habe ich es mir als persönliche Herausforderung gestellt, einen Krimi zu schreiben. Ich wollte wissen, was es für Kommissare sind, die in mir schlummern und sie kennenlernen.
Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Schreiben von Fantasy und dem von Krimis?
Beim Schreiben von Fantasy hat man scheinbar mehr Freiheiten. Ein Krimi hat ein enges Gerüst dadurch, dass ein Rätsel Schritt für Schritt gelöst werden muss. Plötzlich verlangt die Logik einen weiteren Zeugen, an den man zuvor gar nicht gedacht hat. Allerdings ist man auch bei einer Fantasygeschichte nicht wirklich frei, sondern eine spannende Geschichte braucht nun mal bestimmte Elemente. Geschichten zu schreiben kann man mit Kochen vergleichen: Beim Krimi hat man zehn Zutaten vorgegeben und macht aus acht davon ein Gericht; beim Fantasyroman hast du eine unbegrenzte Auswahl an Zutaten zur Verfügung, aber am Ende darfst du trotzdem nur acht davon verwenden.
Hast du vor, demnächst noch mal das Genre zu wechseln?
Wenn meine Krimis den Leuten nicht mehr schmecken, werde ich mich einer neuen Herausforderung stellen.
Wie war es für dich, als du dein erstes Buch veröffentlichst hast? Hast du dich vor den Rezensionen gefürchtet?
Es ist ein großes Wagnis, ein Buch zu veröffentlichen und gerade das erste Buch enthält viel Persönliches. Entmutigend war es, das Manuskript an Verlage zu schicken und nach einem halben Jahr einen Formbrief als Absage zu bekommen, der von einem Praktikanten unterschrieben wurde. Die Rückmeldungen von Lesern nach der Veröffenlichung waren jedoch meistens positiv und haben mich sehr ermutigt.
Kann man dich auch mal live treffen? Machst du Lesungen oder bist du auf Messen vertreten? Zum Beispiel auf der Frankfurter Buchmesse diesen Herbst?
Im Herbst bin ich wieder auf der Frankfurter Buchmesse. Auf meiner Homepage und auf Facebook stehen dann die Zeiten, wann man mich dort treffen kann.
Dein Buch kostet momentan 99Cent, hat aber knapp 200 Seiten. Fühlt man sich da nicht etwas unter Wert verkauft? Immerhin kosten Bücher von bekannten Autoren weitaus mehr. Wie kannst du dich bei den heutigen Dumpingpreisen für Bücher zum Schreiben motivieren?
99 Cent sind der Einführungspreis, um dem Buch eine möglichst große Plattform zu geben. Als Autor steigert man erst nach und nach seinen Wert. Man muss außerdem die Unternehmerseite und die Künstlerseite voneinander trennen. Der Preis ist eine unternehmerische Entscheidung, als Künstler habe ich jedoch eine ganz eigene Motivation, die gar nicht vom Geld abhängig ist. Die Preise, die man als Künstler erzielt, stehen niemals in einem logischen Zusammenhang zum Aufwand, den man betreibt. Als Autor hat man es da übrigens noch bedeutend besser als ein Tänzer, Fotograf oder Schauspieler.
Gibst du auch Exemplare an Blogger raus, für Rezensionen?
Ja. Wenn du einen Blog hast, kannst du mir einfach eine E-Mail schreiben, ich stelle dir mein Buch gerne als E-Book oder Taschenbuch zur Verfügung.
Hast du Buchempfehlungen für uns?
Ich habe gerade von der australischen Independent Autorin W.R. Gingell „Shards of a broken Sword“ (Englisch) gelesen und fand die ersten beiden Geschichten darin äußerst zauberhaft und originell! Und natürlich „A Fairy Tale“ von Anja Stephan J  (Anm. Anja: höhöhö…)


Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Ich warte dann auf deinen nächsten Krimi.

Danke! Die Idee für das neue Buch habe ich schon.
(Anm. Anja: Du hast aber nicht vor, Blogger umzubringen, oder?)
Hier könnt ihr Stefan Wollschläger finden:

Anja fragt: die romantische Rita Roth

Heute führe ich ein Gespräch mit Rita Roth. Die Osnabrücker Autorin ist bekannt für ihre romantische Ader und Urlaubslektüre. Vor kurzem hat sie ihren vierten Roman als Selfpublisher veröffentlicht: „Sandornküsse und Meer“. Ihre Geschichten spielen alle an beliebten Urlaubsorten, wie dem Algäu, Sylt oder der neue Roman auf der schönen Insel Norderney.

Liebe Rita, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein paar Fragen nimmst.
Du hast gestern deinen (wievielten?) Roman veröffentlicht. Er heißt „Sandornküsse & Meer“. Das klingt sehr romantisch. Worum geht es denn?
Hallo liebe Anja,
herzlichen Dank für dieses Interview zu meinem vierten Roman. Die Zeit dafür nehme ich mir gerne, auch wenn ich momentan bereits in der Vorbereitung von Teil 2 meines Norderneyromans stecke.

Worum es geht? Julie-Marie Sommer, die Protagonistin dieser Geschichte, hat einen ausgeprägten Hang zur Romantik. Ihr Traum von Liebe, Familie und Kindern hat sich in Luft aufgelöst, als ihr Schatz die geplante Hochzeit wenige Wochen vor dem großen Ereignis platzen lässt. Nach dieser Enttäuschung schwört sie sich, niemals wieder ihr Herz zu verschenken und will auf Norderney als Physiotherapeutin ein neues Leben anfangen.
Schreibst du ausschließlich romantische Geschichten oder hast du schon mal darüber nachgedacht, etwas anderes zu schreiben?
Manchmal denke ich darüber nach, ob ich ein wenig kriminell werden sollte. In der Anthologie der Osnabrücker Ersttäter ist auch ein Kurzkrimi von mir enthalten und in meinem ebook „Sommer im Glas“ findet sich ein Gartenzwerg wieder, der es in sich hat.
Was magst du an Liebesgeschichten besonders?
Kann ich gar nicht so genau sagen, was ich daran besonders mag. Das Happy-End vielleicht? Das Knistern, die Gefühle, die in die verschiedensten Richtungen abdriften können und den Verstand mitunter lahmlegen.
Rita auf Recherche am Meer
Du weißt ja, dass ich eigentlich kein Fan von Romanzen bin. Aber du hast mir mal gesagt, dass mich deine Geschichten doch überraschen würden. Warum?

Ja, habe ich das gesagt? Nun, weil meine Protagonisten durchaus mitten unter uns leben könnten. Meine Romane spielen bisher alle in Deutschland und die Figuren (natürlich nicht alle) haben ihre Eigenarten und Macken, wie jeder von uns.

Deine Geschichten spielen immer an schönen Urlaubsorten. Du hast schon eine Romanze im Allgäu und auf Sylt spielen lassen. Dadurch hast du sogar eine super Platzierung bei Amazon in der Kategorie „Reiseführer“ bekommen. Wie kannst du dir das denn erklären? Machst du Schleichwerbung für Wanderstrecken?
Da bringst du mich auf eine Idee!
Die neue Geschichte spielt auf Norderney, deine Lieblingsinsel. Was macht Norderney für dich so liebenswert?
Was es genau ist, kann ich gar nicht sagen. Mir gefällt es, dass man absolut seine Ruhe haben kann, aber andererseits auch Unterhaltung, Kultur und wenn man es mag, auch Nachtleben. Entweder man liebt die Insel und wird zum Wiederholungstäter oder eben nicht. Norderney hat einen traumhaften weiten Strand, aber auch ein Wäldchen und sogar Rehe und Hirsche und jede Menge Kaninchen. Ein schnuckeliges Kino, eine imposante Leihbücherei im Conversationshaus, ein Thalassobad vom Feinsten, außerdem gibt es lecker Frieseneis und viele nette Lokale und sympathische Menschen, mit denen man auch als Alleinreisender schnell ins Gespräch kommt.
Hast du Ausflugtipps?
Nein, nicht wirklich. Für mich gehört die Besteigung des Leuchtturms (trotz Höhenangst) zum Pflichtprogramm, wenn ich auf einer Insel bin. Das muss ich aber nicht nur in jedem Urlaub wiederholen. Einmal bis zum Wrack am Ostende der Insel zu laufen, ist auch sehr reizvoll, dauert aber auch mehrere Stunden. Das Wetter sollte für so einen Ausflug allerdings beständig sein.
Ich mache dieses Jahr auch Urlaub auf Norderney. Kann ich dein Buch lesen und dann den Liebesschlössern nachgehen? Gibt es die wirklich?
Die Liebesschlösser gibt es tatsächlich. Die Geschichten dazu sind allerdings frei erfunden. Fast täglich kommen neue Liebesschlösser hinzu, was an einigen Stellen, z.B. an Denkmälern gar nicht gern gesehen wird. Die werden dann sehr schnell übergesiedelt, sodass die Namen nicht mehr lesbar sind.
  
Die Liebesschlösser gibt es auf Norderney überall
Du hast mir erzählt, dass du recht spät damit begonnen hast, Bücher zu schreiben. Wie bist du auf die Idee gekommen, es dann doch zu probieren?
Mit dem Gedankten hatte ich schon längere Zeit gespielt und die Geschichte entwickelte sich immer mehr in meinem Kopf. Als ich dann im Herbst 2012 in der Zeitschrift TextArt einen Artikel über den NaNoWriMo gelesen habe, stand mein Entschluss fest, allerdings hatte ich nicht vorgehabt, jemals etwas zu veröffentlichen. Bis Ende 2013 hat es dann aber doch noch gedauert, bis ich das Wort ENDE unter den Roman – Mirabella – gesetzt habe.
Anschließend bin ich ziemlich blauäugig auf Verlagssuche gegangen und habe lauter Absagen bekommen, bis ein Kleinverlag den Roman ins Programm für 2015 aufgenommen hat. Den Verlag gibt es nicht mehr, die Rechte sind an mich zurückgefallen und seit 2016 bin ich Selfpublisherin.
Hast du einen Rat, den du neuen Autoren mitgeben möchtest?
Schreiben! Schreiben! Schreiben! Und sich mit anderen ‚Schreiberlingen‘ treffen und austauschen, sich also vernetzen. Toleranz anderen Genre gegenüber haben und Missgunst und Neid aus seinem Autorenleben verbannen.
Du veröffentlichst als Selfpublisher. Hat man es als Selfie wirklich immer schwerer als Verlagsautoren oder gibt es auch Vorteile?
Das sehe ich nicht so, dass man es als Selfpublisher immer schwerer hat, als Verlagsautoren. Allerdings bin ich für alles selbst zuständig, das kostet Geld und viel Zeit, die wir Autoren ja lieber zum Schreiben nutzen würden.
Vorteile:
Kein Termindruck!
Das Cover wird nach meinen Wünschen entworfen.
Monatliche Abrechnung der E-Books
Vernetzung im Selfpublisherverband ist möglich
Selfies sind ja immer noch ein Streitthema in der Leserschaft. Viele verbinden damit mangelnde Qualität, weil es doch immer noch viele gibt, die ihre Tagebucheinträge veröffentlichen. Wie stellst du sicher, dass du als Autorin ernst genommen werden kannst? (Ich spiele hier auf Lektor, Cover, Kurse etc. an)
Also, das Schreiben an sich, ist ganz viel Übungssache. Da gibt es noch ganz viel für mich zu lernen. Seit einigen Jahren nehme ich an Fortbildungen im Bereich Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung (BA) in Wolfenbüttel teil und absolviere dort gerade die Reihe der Basiskurse. Außerdem belege ich VHS-Kurse und war über mehrere Jahre in einer Schreibgruppe.
Für mich ist klar, dass ein Buch, das mit viel Herzblut geschrieben ist und das ich in die weite Bücherwelt schicken will, vorher lektoriert und korrigiert wird und ein professionell erstelltes Cover bekommt.
Gibst du auch Rezensionsexemplare raus? Dürfen dich Blogger kontaktieren?
Blogger dürfen mich sehr gern kontaktieren und über Rezensionsexemplare können wir auch reden.
Möchtest du noch etwas loswerden? Oder habe ich dich etwas Wichtiges nicht gefragt?
Ob ich noch etwas loswerden möchte? Vielleicht das, dass jeder Autor sich über ein Feedback (Rezension) seiner Bücher freut. Aber bitte mit Anstand und Respekt. Auch Kritik kann man so anbringen, dass man nicht verletzend wird.
Vielen Dank, liebe Rita, für das tolle Gespräch.

Herzlichen Dank, liebe Anja, für das Interview. Die Fragen waren gar nicht mal so leicht zu beantworten. Und lass es mich wissen, wenn du auch zu den Norderneyfans gehörst. 


Bücher von Ritha Roth gibt es hier:
Wer Rita mag, kann sie hier treffen:




Anja liest: den IKEA-Küchenkatalog

Ich will mir ja nicht vorwerfen lassen, ich würde gar nichts lesen, nur weil ich mich immer noch im Umzug befinde, zwischen Kisten lebe, ständig Sachen suchen muss, mir das Bett mit einer Liegefläche von 1,40m mit zwei Kindern teile und arbeite wie blöd, damit ich mir neue Möbel kaufen kann, weil ich weder Bett, Tisch noch Stuhl habe. Ich lese sehr viel. Nur liegen gerade „Mord im Zeppelin“, „Der Prophet“ und „Der Galgen von Ty“ auf einer Bücherkiste neben meinem Bett und ich habe keine Nerven für auch nur eines davon. Ich lese momentan eben andere Sachen. Und ein besonderes Schriftstück wird zur Zeit sehr akribisch studiert: Der IKEA-Katalog.

Da stehe ich mit einem Maßband vor meiner FAKTUM-Küche und vergleiche die Zentimeter mit METOD und muss erschrocken feststellen, dass sich nicht nur der Name des Küchenprogramms geändert hat. Wieso ist das an mir vorbeigegangen? Und das beste daran ist, dass ich noch bis Januar diesen Jahres Ersatzschränke von FAKTUM hätte bekommen können – wenn ich denn im Januar schon gewusst hätte, dass ich im Juni umziehe. Also gut. Aber da Nahrungsaufnahme nun mal essentiell ist und ich nicht über einer offenen Feuerstelle kochen darf,  beschloss ich, eine neue Küche zu besorgen. Nur die Schränke, die Einbaugeräte kann ich noch behalten.

Und dann stehe ich so vor all den schönen, glänzenden Fronten in der IKEA-Küchenabteilung… und mir fallen ganz plötzlich all die Freundinnen ein, die mit ihrer Küche prahlen. Marmorarbeitsplatte, hochglänzende Fronten, Stein-Keramik-wasweißich-Spüle, versilberte High-End-Mischbatterie. Und ich frage mich, wieso ich so viel Geld in eine Küche investieren sollte, wo ich dafür schon einen guten Kleinwagen bekommen könnte.

Die Küche als Statussymbol.

Bei mir wär´s ja eher der Kleiderschrank. Es ist doch eigentlich schon ganz schön sexistisch, gerade als Frau auf eine Küche als Statussymbol zu bestehen, wo es doch auch ein Auto, eine Stereoanlage, ein Kleiderschrank oder sonst was sein könnte. Vor allem, weil ich so gut und viel koche… hüstel hüstel. Ich gebe dafür ständig mit meinem Auto an.

Dann stehe ich wieder daheim in meiner Küche. Die ist krumm und schief, weil mein Exmann keine Hilfe beim Aufbau zulassen wollte. Die Arbeitsplatte passt da auch nicht so richtig drauf, weil es keine IKEA-Platte ist, sondern aus einem Baumarkt stammt, weil der Exmann meinte, es wäre billiger. Farblich gesehen passt das auch eigentlich gar nicht, aber dem Exmann war es wurscht. Ich stehe also in meiner Küche, über die sich jeder ordentliche Handwerker schlapplachen würde. Ich habe meinen Esstisch und die Stühle verkauft, nirgends ist Platz zum Hinsetzen.

Und da muss ich es einsehen:

Die Küche ist nicht nur ein Ort zum Kochen, sondern zum Zuhause sein. So wie sich die Höhlenmenschen schon um die Feuerstelle versammelt haben, sitzen meine Freundinnen heute an meinem Küchentisch. Ich kann mich an legendäre Küchenpartys erinnern, an Kochabende, an die Weihnachtsbäckerei und an tiefschürfende Gespräche bis Mitternacht. Es kommt nicht aufs Kochen an. Das ist doch nur ein netter Nebeneffekt einer Küche. Es geht ums Lebensgefühl, darum, nach Hause zu kommen, sich hinzusetzen und zu verschnaufen. An der Feuerstelle. In der Küche. Und so wird beschlossen:
Ich will eine schöne Küche haben.
Der Grund, warum ich mit meinem Auto angeben kann.
Fliehkraft ist übrigens etwas, was nicht unterschätzt werden sollte…

Anja liest: Facebook-Posts und regt sich auf

In Sozialen Medien unterwegs zu sein, ist teilweise eine Gratwanderung. Man muss extrem aufpassen, was man schreibt oder wie man seine Meinung äußert, denn Satire und Ironie kann man schriftlich nicht filtern. Auf den Post einer Freundin reagierte ich mit einer satirischen Darstellung wurde sofort beschimpft, beleidigt und als Männerhasserin abgestempelt. Mmh. Dabei ging es doch in dem Post meiner Freundin  gerade darum, dass ein Mann die Frauen mal eben pauschal zutiefst beleidigt hatte. Ich bin mir also keiner Schuld bewusst, denn Satire ist schließlich dazu da, um anderen Menschen mal den Spiegel vorzuhalten.

Meine Freundin postete eines Tages einen Post, in dem sie schilderte, von einem Mann gesperrt worden zu sein, der sich extrem beleidigend Frauen gegenüber geäußert hätte. Der Mann soll geschrieben haben: 

„Frauen ab 50+ müssten sich entscheiden zwischen Botox oder Burka.“
Daraufhin hatte sie ihn zurechtgewiesen, dass so eine Aussage ja wohl gar nicht geht, ihm dann mit Entfreundung gedroht und war daraufhin von dem Mann selbst gesperrt wurden. Dass sich meine Freundin darüber aufregte, ist wohl für Frauen verständlich. Sie erhielt viel Zuspruch von Frauen, von den Männern, die diesen Post lasen, erntete sie jedoch völliges Unverständnis. 
„Warum lasst ihr Frauen euch eigentlich immer so runtermachen?“

„Nehmt das Ganze doch nicht so ernst.“

Ein anderer schob es auf die „Opferrolle“ der Frau.
Ein anderer verwies sogar darauf: „Ihr solltet euren Meinungsfilter mal überdenken. Durch Entfreundung haltet ihr eurer Umfeld zu kritikfrei und macht es euch zu kuschelig.“
Aha… Interessant.
Weil ich meine Klappe mal wieder nicht halten konnte, postete ich Folgendes und fand, dass man die Satire daraus schon gut herausfiltern konnte:
„Vor allem, wenn ich mir Männer ab 50+ so anschaue, hab ich schon echt Angst überhaupt zu altern … sollten die ihre Wohlstandswampe mal lieber unter einem weiten Kaftan verstecken und ihre Halbglatze unter einem Turban verdecken. Wenn die das machen, brauche ich mir auch nicht mehr den Anblick von hässlichen, behaarten Beinen in Sommershorts oder kleinkarierten Hemden, rosa Poloshirts und hochgeschnittenen Bluejeans mit pseudo-destroyed-Look (weil man sich ja noch so jung fühlt) zu geben.“
Und… Tadaaaaa: die Männerwelt fühlte sich beleidigt… Ach neee….
Im Duden steht unter Satire Folgendes:Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt

Es hagelte Kritik, vor allem von einem bestimmten Herren. Der fand meinen Kommentar besonders herablassend und total sexistisch. Einem anderen erklärte ich, dass ich lediglich den Spiegel vorgehalten habe, jedoch verstand er das nicht. Nein, die Männer fühlten sich ganz arg beschimpft.
Einer erklärte mir, ich wäre eine Männerhasserin und hätte ihn beleidigt, weil ich pauschal über alle Männer geschrieben hätte. Ein anderer jammerte umher, dass er an einer Krankheit leide und für seine Figur ja nichts könne. Wiederum ein anderer hielt mir vor, ich wäre ja noch viel zu jung, wieso ich mich überhaupt von dem Post beleidigt fühlen würde und dass ich in meinem Alter ja wohl noch gar kein Recht hätte, überhaupt was zu sagen. Ein anderer wüsste nicht, dass es sowas wie eine „Vorschussbeleidigung“ gäbe (weil ich mich erst beleidigt fühlen darf, wenn ich in dem besagten Alter bin). Dann „beschimpfte“ man mich als „Psychologin“ –  ähm … ich bin tatsächlich Psychologin. Eigentlich habe ich nur noch darauf gewartet, als dick, doof und hässlich betitelt zu werden. Zu guter Letzt wurde auch noch meine Freundin angegriffen, weil sie meinen Text mit einem Like versehen hatte. Wie schockiert Mann doch darüber war.
Meine lieben Kerle … Wenn es also darum geht, dass Frauen pauschal aufs Tiefste beleidigt werden, ist das völlig in Ordnung, weil (s.o.) man das ja nicht so ernst nehmen sollte. Wenn es aber um euer Geschlecht geht, dann ist das übelster Sexismus und alle Frauen, die sich so äußern, sind Männerhasserinnen. Mmmh… Interessante Sichtweise! Meint Ihr nicht, dass Ihr euch durch sowas euer Umfeld zu kritikfrei haltet? Ihr solltet vielleicht mal euren Meinugnsfilter überdenken. Und überhaupt: Warum lasst ihr euch denn so runter machen? Habt ihr kein Selbstbewusstsein?
Zum einen fühle ich mich tatsächlich beleidigt, wenn ein Mann sowas über Frauen ab 50+ schreibt. Denn… Achtung: Ich bin auch eine Frau! Und weil ich mal – so Gott will – auch in diesem Alter sein werde, finde ich das ganz schön verletzend. Außerdem befinden sich viele meiner Freundinnen in diesem Alter und weil ich mich ohnehin solidarisch mit meinem Geschlecht zeige, fühlte ich mich von diesem Post angesprochen und beleidigt. Sich derart über das andere Geschlecht zu äußern geht ja mal gar nicht. Was für ein oberflächliches A****loch! Aber dann zusätzlich vorgeworfen zu kriegen, man sei zu empfindlich und ein bisschen Kritik schadet ja schließlich nicht, ist das Allerletzte. Was ist daran bitte „Kritik“? Daran ist NICHTS kritisch! Daran ist ALLES beleidigend! Er schreibt quasi, dass man als Frau ab 50 hässlich ist, somit nichts mehr wert und sich im Prinzip verstecken sollte, damit man den Herren der Schöpfung seinen eigenen Anblick erspare. Habt ihr mal in den Spiegel geschaut? Offenbar nicht. Denn dann hättet ihr mit einem Seitenblick in euren Kleiderschrank wohl festgestellt, dass ich mit meiner Aussage durchaus Recht haben könnte!
Natürlich rennen nicht alle Männer ab 50 mit Halbglatze und rosa Poloshirts rum. Und natürlich haben nicht alle eine Wohlstandswampe. Es sind aber auch nicht alle Frauen in diesem Alter hässlich. Und vor allem liegt Schönheit im Auge des Betrachters und dafür gibt es keine allgemeine Definition! Aber nein, ihr Männer wehrt euch sofort, jammert herum, weil ihr ja für nichts was könnt. Wir Frauen können auch nichts für unser Aussehen. Das ist genetisch bedingt! Was für euch gilt, gilt für Frauen nicht. Wir sollen mal schön unsere Fresse halten und solche Beleidigungen über uns ergehen lassen. Und wenn wir uns das tatsächlich mal nicht gefallen lassen, dann sind wir sofort Männerhasserinnen oder ganz schlimm Feministinnen. Oh welch ein Graus!
Man warf mir vor, ich würde mich auf das gleiche Niveau herablassen, wie der Mann, der sich so beleidigend geäußert hatte. Damit wäre ich nicht besser als er. Doch, bin ich. Denn anders als er, habe ich einen satirischen Text gepostet und keine Beleidigung. Und außerdem hebe ich für mich nicht den Anspruch an, dass ich besser bin als ein Mann. Ich bin genauso gut und schlecht wir ihr. Und wenn ich mich auf so eine Art und Weise äußere, dann bin ich nicht schlechter, sondern genauso gut wie ihr. Nur weil ich eine Frau bin, heißt das noch lange nicht, dass ich mich fein zurückhalten muss, meine Meinung nicht kundtun darf, weil sich das nicht schickt. Eine Frau ist nicht schlechter, nur weil sie ganz genau das Gleiche tut, wie ihre männlichen Artgenossen.
Ihr solltet euch schämen! Denn mit eurer Reaktion auf meine Aussage habt ihr genau das bewiesen: Ihr nehmt euch Rechte raus, die ihr Frauen verwehrt. Und hier geht es lediglich um das Recht, beleidigt sein zu dürfen. 

Anja fragt: Zarah Philips, hat lauter Leichen im Keller

Das ist Zarah

Heute frage ich eine ganz besondere Person, die ich nicht nur für ihr Schreibtalent bewundere, sondern auch für ihren Humor: Zarah Philips, die Autorin von „Lauter Leichen“.

Zarah hat ihr Buch im Januar 2017 im Selbstverlag veröffentlicht. Es ist ein sehr schwarzhumoriger Krimi um eine schrullig-liebenswürdige Familie, die sprichwörtlich lauter Leichen im Keller hat. Ich habe das Buch gelesen (Link zur Rezension) und ich muss euch sagen; Wenn ihr das nicht lest, geht die Welt unter. Hier möchte ich Autorin einmal näher vorstellen.

Liebe Zarah, vielen Dank, dass du dir für ein Gespräch Zeit nimmst. Du hast im Januar 2017 deinen Debüt-Roman veröffentlicht. „Lauter Leichen“ ist ein Krimi der besonderen Art. Worum geht es?

Um die Frauen der Hamburger Familie Gint, die ihr Leben auf eine recht drastische Art selbst in die Hand nehmen: Obwohl sie zumindest zum Rand der „feinen“ Gesellschaft gehören, sind sie sich selbst für nichts zu „fein“, solange es der Gerechtigkeit dient. Außerdem ist der Buchtitel Programm: Es gibt tatsächlich lauter Leichen. Und die tauchen an den unmöglichsten Orten auf und sind weiß Gott nicht immer frisch. Dennoch ist der Krimi nicht blutrünstig oder in den Schilderungen drastisch. Insofern kann man ihn getrost auch gemütlich mit einem Kakao im Bett lesen, ohne nach dem Zuklappen der Buchdeckel mit bis zur Nase hochgezogener Decke auf den herbeifantasierten Blumentopf-Killer zu warten.
Ich habe dein Buch gelesen und war schwer begeistert, habe stellenweise laut gelacht und dabei war es auch noch spannend. Wie bist du darauf gekommen, in so einer schwarzhumorigen Art zu schreiben? War das von Anfang an „dein Ding“ oder war es ein langer Weg bist du dieses Talent entdeckt hast?

Es war ein langer Weg! Aber der hat weniger mit dem Schreiben und mehr mit dem Leben zu tun. Ich habe drei Kinder allein großgezogen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem frau sich entscheiden muss: Verkriechst du dich mit Taschentüchern und Prosecco vor dem Fernseher und erträumst dir ein Rosamunde-Pilcher-Leben, oder krempelst du die Ärmel hoch und amüsierst dich mit dem Leben, wie es ist?

Dabei stell ich es mir eigentlich sehr amüsant vor, mit dir einen Prosecco zu trinken.
Hast du ein paar Anekdötchen zur Geschichte? Ist mal irgendwas schief gelaufen? Oder war ein Charakter ganz anders geplant? Gibt es vielleicht sogar etwas Wahres in deinem Buch?

Ich bin ein friedfertiger Mensch – mit einer Ausnahme. Wenn ich Auto fahre – was berufsbedingt mehr oder weniger zum Hobby geworden ist – und ich auf Verkehrsteilnehmer stoße, die sich die Straße ohne Rücksicht so nehmen, wie sie wollen, bekomme ich Fangzähne. Gern hätte ich in diesen Momenten ein James-Bond-Auto mit eingebautem Raketenwerfer. Wenn man so will, habe ich irgendwann Elenor Gint in mir entdeckt, die sich nicht auf Phantasien beschränkt, sondern zur Tat schreitet. Schief gelaufen – das ist eine Frage der Betrachtung. Insgesamt habe ich wohl dreimal soviel geschrieben, wie das, was veröffentlicht ist. Aber die Extraseiten waren auch sehr lehrreich, denn das Schreiben ist ja nicht nur ein Talent, sondern auch Handwerk. Und da macht die Übung den Meister.  (Anm. Anja: Ein schlauer Mensch hat mal zu mir gesagt: Schreiben heißt in erster Linie überarbeiten.)

Zarah und ihr Lama … äh eine Hirschkuh.

Ich muss gestehen, dass ich ein großer Fan von „Oma Frieda“ bin. Aber du hast nicht nur bei ihr, sondern auch bei allen anderen Charakteren eine ganz feine Art, die Besonderheiten herauszustellen, wenn ich zum Beispiel an Cheetah denke – mit der kann ich mich übrigens sehr gut identifizieren. Nimmst du diese Charaktere aus deiner Umwelt? Gibt es diese wirklich? Vielleicht beschreibst du deine Arbeitskollegin oder Nachbarin?

Meine Oma hieß auch Frieda, und sie war eine Chemikerin. Das war in den 20-er Jahren schon etwas Besonderes. Die pragmatische, zupackende Art von Oma Frieda habe ich mir bei ihr abgeguckt. Meine Oma hat zwei Weltkriege überlebt. Da lernt man, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wenn das Leben wieder friedlich und vorhersehbar wird. Diese Einstellung hat meine Roman-Oma auch, doch anders als meine echte Oma hat die Roman-Oma zusätzlich noch die drastische Art der Problembeseitigung mit aus dem Krieg gebracht.
Was Cheetah anbelangt, so glaube ich, dass ein Stück von ihr in jeder selbstbewussten Frau steckt. Cheetah ist – wie alle Frauen im Roman – emanzipiert, dabei aber nicht bitter oder zornig, sondern einfach mit sich im Reinen. Und dazu gehört auch, den eigenen fülligen Körper zu lieben und aus ihm das Beste zu machen, was Cheetah perfekt beherrscht.
Die anderen Charaktere sind ein Potpourri aus vielen Menschen. Meist sind es kleine, zufällige Begegnungen, die in meinem Kopf wie ein Samen aufgehen und etwas wachsen lassen, das am Ende zu einer Idee, einer Szene, einer Figur wird.
Du hast mir mal gesagt, dass die Story eigentlich noch anders verlaufen wäre, wenn deine Lektorin dich nicht auf bessere Lösungen gebracht hätte. Wie war es für dich, mit ihr zusammenzuarbeiten? Viele Autoren fürchten sich davor, sich an einen Lektor/Lektorin zu wenden, weil sie befürchten, ihr Werk würde verhunzt werden. Und es gibt ja auch tatsächlich Leute, die über solche Erlebnisse berichten. Was hast du für Erfahrungen gemacht?

Ausschließlich gute Erfahrungen, was wohl aber auch daran liegt, dass ich mir meine Lektorin sehr gründlich ausgesucht habe und bereit war, sie anständig zu bezahlen. Lektoren tun ihren Job, und der hat nichts mit Köpfchen streicheln und ganz viel loben zu tun, sondern damit, aus einem mittelmäßigen Werk ein gutes Werk zu machen oder aus einem guten Werk ein hervorragendes. Das geht nicht, wenn sie nur alle drei Seiten drei Wörter korrigieren. Ich habe auch nicht alle gewünschten Streichungen meiner Lektorin übernommen, aber immerhin rund neunzig Prozent. Sehr hilfreich war ihr kluger Blick auf die Handlung, die sich über einen Zeitraum von achtzig Jahren spannt und insofern einen gut organisierten Plot benötigt. Als Autor, der ständig in der Geschichte steckt, verliert man mitunter den Blick für den roten Faden.
Kannst du anderen Selfpublishern Ratschläge geben, worauf man bei der Wahl des Lektors achten muss? Oder hast du Tipps für eine bessere Zusammenarbeit?

Demut! Aber das gilt für jegliche Zusammenarbeit, nicht nur für die mit Lektoren. Außerdem Liebe für das, was man tut, und zum Beruf des Schriftstellers gehört eben nicht nur das freie Phantasieren, sondern auch das manchmal recht unkreative Korrigieren und Verbessern. Ich habe mich auf jede Mail meiner Lektorin gefreut und mir ihre Anmerkungen immer sehr gespannt angeschaut. Sie ist ein Profi und weiß, was sie tut. Daher hat sie auch nie in meine Sprache eingegriffen, sondern immer nur das korrigiert, was auch in meinen Augen korrekturwürdig war. Als Autor kann ich mir eine narzisstische Kränkung nicht leisten, wenn ich lernen und besser werden will.
„Lauter Leichen“ erhält eigentlich grundsätzlich Best-Bewertungen. Darauf bist du bestimmt stolz. Wie war es für dich, dein Buch in die Welt zu „werfen“? Hattest du Angst vor schlechten Bewertungen?

Nein – ich war einfach nur gespannt, wie das Buch ankommen würde. Als dann aus der Leserunde bei Lovelybooks so viele Top-Bewertungen kamen, war ich sehr überrascht. Nicht deswegen, weil ich meinen Roman selbst eher kritisch sehe, sondern deswegen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass so viele Leser die Geschichte ähnlich lustig/spannend/anregend finden wie ich. Auch Bücher haben viel mit persönlichem Geschmack zu tun.
Gibst du Rezensionsexemplare an Buchblogger heraus?

Ja! Und auf Wunsch male ich sogar etwas Kleines in das Buch, denn Elenor Gint und ich malen beide gern.
An die Blogger!!! Hier anfragen: Zarah auf Facebook
Ich habe ja mal einen Artikel über die Zusammenarbeit von Bloggern und Autoren geschrieben. Dabei gibt es immer wieder Probleme oder Missverständnisse. Wie ist die Bloggersuche bei dir verlaufen?

Ich habe mich nicht in größerem Umfang auf die Bloggersuche begeben, sondern immer nur reagiert, wenn ich zufällig einen Blogger entdeckte, der mir gefiel. Ich habe auch sonst kein Marketing gemacht. Das Schreiben fällt mir leicht, Marketing hingegen ist nicht meine Welt. Im Moment gibt es zwei Verlage, die Interesse an „Lauter Leichen“ und dem zweiten Teil haben, und so beschäftige ich mich eher damit, einen professionellen Partner zu finden. Was die von dir angesprochenen Missverständnisse anbelangt: Das hat meistens mit der eigenen Erwartungshaltung zu tun. Als Autor darf ich nicht erwarten, dass ich von Bloggern sofort gelesen werde, dass mein Werk so gewürdigt wird, wie ich es mir wünsche, dass der Blogger es liebt. Einige Blogger schreiben, dass sie nur das lesen, was sie interessiert. Das halte ich für sehr sinnvoll. Denn ein Krimi-Blogger wird sich für einen Chick-Lit-Roman wohl eher nicht erwärmen können, und die Rezension wird vermutlich eher verhalten ausfallen.
Was würdest du dir als Autor von den Bloggern wünschen?

Geht mehr weg von den Mainstream-Büchern, die sowieso hunderte von Rezensionen erhalten, und mehr hin zu den versteckten Rohdiamanten. Natürlich ist dieser Weg beschwerlicher, aber wer das Lesen liebt, ungewöhnliche Geschichten und Charaktere mag und bereit ist, sich auf Texte einzulassen, die eben eher Rohdiamant als geschliffener Diamant sind, wird in sich vielleicht auch Neues entdecken. Wer neue Wege geht, wird Neues entdecken, wer auf den bequemen alten Pfaden bleibt, verpasst das Abenteuer.
Hast du generell einen schwarzhumorigen Blick auf die Welt?

Nicht unbedingt schwarzhumorig, aber schon humorig. In unserem Teil der Welt passiert selten etwas, das ein echtes Drama wäre. Wir haben (fast) alle ein Dach über dem Kopf, einen gefüllten Kühlschrank und zwei gesunde Beine und Hände. Natürlich gibt es viel soziale Ungerechtigkeit, auch in unseren Breitengraden. Und einige Menschen haben sich durch echtes Leid zu kämpfen. Aber wenn man sich auf das fokussiert, was nicht funktioniert, wird man bitter. Die meisten Menschen wollen gesund und glücklich sein, und wir hier in den meisten Teilen Europas haben gute Voraussetzungen, beide Wünsche zu erfüllen. Dem, was nicht klappt, begegne ich gern mit Humor. Das gibt Energie für das, was zu tun ist.
Ich hoffe, es kommt noch ein Nachfolger deines Krimis. Arbeitest du auch noch an einem neuen Abenteuer für Elli und Oma Frieda?
Ja! Denn es macht richtig viel Spaß, mich im Leben der Gints auszutoben. Wenn ich diese Geschichten schreibe, vergesse ich die Zeit und habe gute Laune.

Ich bin gespannt! Möchtest du noch irgendwas mitteilen, was ich vergessen habe, dich zu fragen?

Ja – meine Leseempfehlungen! Ich habe gerade „Der Club“ von Takis Würger als Hörbuch genießen dürfen. Der Krimi ist nicht nur Krimi, sondern auch die Geschichte eines Jungen, der sich mit den Fäusten und dem Herzen seinen Weg erkämpft. Außerdem „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric E. Schmitt. Auch dieser Roman handelt von einem Jungen, dessen Lebensbasis nicht die Beste ist, der aber nach vorn guckt und das Beste daraus macht.

Oh ja, Monsieur Ibrahim kann ich auch empfehlen. Eine wunderschöne Geschichte.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Es war mir eine Freude. Jetzt geh wieder schreiben!




Anja fragt: Christina, kritischste Betaleserin wo gibt

Momentan habe ich wenig Zeit zum Lesen und kann deshalb auch keine Rezensionen schreiben. Aus diesem Grund frage ich andere Leute, die lesen und anderweitig mit Büchern zu tun haben. Meine ersten Fragen durfte ich Christina stellen. Sie ist seit Jahren Betaleserin und dabei oft erste Anlaufstelle für Indie-Autoren und Kleinverlage. Als „Grammatik-Fetischistin“ kontrolliert sie Manuskripte, findet Logikfehler und Plotlöcher. Das macht eine Menge Arbeit. Außerdem hat sie einen Bücherblog, auf dem sie in unregelmäßigen Abständen Bücher vorstellt und auch mal zerreißt. In meinem Interview darf sie ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern – achja, sie hat auch eine Nähmaschine, mit der sie echt tolle Taschen zu Stande bringt.

Das ist Christina 😀
Christina… Du bist (professionelle) Betaleserin. Was genau heißt das und was machst du dabei?
Ob ich professionell bin oder nicht, lasse ich mal unbeantwortet. (Bin ich nicht!!) Im Grunde genommen ist es ziemlich simpel: Man bekommt das Manuskript eines Autoren vor der Veröffentlichung, manchmal nach dem Korrektorat, meistens vorher. Dann liest man das Buch durch, sucht Logikfehler (ich als alter Grammar-Nazi merke auch alle orthographischen Fehler an), prüft die Lesbarkeit, eventuell auch Logikfehler in Bezug auf vorangegangene Teile einer Reihe (z. B. war Charakter XY in Teil eins 25 Jahre alt. Teil zwei spielt 5 Jahre später, XY ist hier aber auf einmal 33 Jahre alt. Oder nur 27.) Dann gibt man dem Autoren Feedback, ob und wie einem das Buch gefallen hat, was gut war, was vielleicht nicht gut war, ob es Stellen/Szenen/Eigenheiten gibt, die einem außenstehenden Leser unklar sind. Der Autor weiß ja viel mehr über seine Geschichte, als er dem Leser mitteilt und dann kann es passieren, dass er etwas nicht erklärt, weil es für ihn absolut logisch ist, der Leser selbst aber steht wie der Ochs vorm Berg und versteht kein Wort. Zusammengefasst ist man also ein kostenloser Lektor/Korrektor. Natürlich bei weitem nicht so perfekt wie ein Profi, aber wenn man viele Augen und viel Wissen von mehreren Betalesern zusammenfasst, kommt doch schon was Ordentliches bei rum.

Du hast sehr viel Erfahrung als Betaleserin, weil du das schon sehr lange machst. Du hast ja auch schon für den Verlag Bookshouse betagelesen. Wie kommt man an dich oder andere Betaleser heran?
Es gibt u.a. auf Facebook eine Menge Gruppen, in denen Autoren Betaleser suchen können, was hauptsächlich unbekannte und unveröffentlichte Autoren nutzen. Die haben noch keine große Fangemeinde (neudeutsch: Fanbase), daher suchen sie da Leute. Bekannte Autoren haben es da einfacher, die posten einen „Ich suche ein Team von Leser/innen, die mir regelmäßig bei neuen Veröffentlichungen helfen wollen“ und dann melden sich in zwei Stunden knapp 300 Leute und die Autoren suchen sich ihre liebsten Leser aus.
Bei Bookshouse läuft es so, dass man einen Text voller Fehler probelesen muss und wenn man die meisten Fehler findet, dann wird man quasi aufgenommen. Dann gibt es ein Forum, in dem die neuen Bücher vorgestellt werden und wer gerade Zeit hat und sich für das Buch interessiert, meldet sich direkt dort im Forum.
Du hast mein Buch „A Fairy Tale“ auch betagelesen und mir dabei sehr geholfen. Ich bin mit deinen Anmerkungen sehr gut zurechtgekommen. Aber du hast mir auch erzählt, dass du einen bestimmten Ruf in der Gemeinde hast. 😀
Äh, ja. Ich bin ein sehr direkter Mensch. Auch im „echten Leben“. Wenn ich was doof finde, sag ich das. Nicht durch die Blume. Sondern: Das ist doof. Außerdem bin ich nicht sehr geduldig. Ich gebe mir wirklich Mühe, meine Kritik (übrigens ist Kritik sowohl positive als auch negative Rückmeldung (Duden.de sagt dazu: „[fachmännisch] prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten“) freundlich zu verpacken, aber manche Texte sind wirklich merkwürdig. Jeder, der schreibt, steckt viel Arbeit in seinen Text, aber einige Leute haben da kein Talent zu. Natürlich möchte jeder gern hören, dass das geschriebene Buch „ach so wundervoll“ ist, aber manche Texte sind einfach nichts. Und ich sag’s dann halt. Du hast also Glück gehabt. Außerdem kennst du mich seit Jahren und das auch noch „in echt“ und weißt mich und meine Äußerungen daher auch zu nehmen.
So sah Christinas erste Bearbeitung meines Manuskripts aus… 

Die Autoren sind in der Regel also gar nicht immer dankbar für deine Hilfe? Hast du dich auch schon mal über einen Autor geärgert, weil er deine Arbeit nicht zu schätzen wusste?
Ja, auch das habe ich. Erst Ende letzten Jahres zum Beispiel. Da habe ich ein Buch gelesen, das war okay. Es war nicht der supi-dupi Bestseller, aber auch nicht mies. Okay halt. Und es kann auch durchaus sein, dass meine Kommentare zum Ende hin etwas schroffer wurden, aber diese Autorin hat mich wahnsinnig gemacht. Anmerkungen wurden gar nicht umgesetzt, selbst, wenn man Fehler anhand Duden.de erklärt hat, wurden sie in Zukunft weiterhin gemacht. Dann wurden etliche Kapitel auf einmal geschickt und nach 2 Wochen wird eine Erinnerung geschrieben (hallo? Vollzeitjob und Privatleben??). Am Ende sollten wir einen Feedback-Bogen ausfüllen. Was hat uns gefallen, was hat uns nicht gefallen, woran lag’s, etc. pp. Eine Frage war: Wenn du ein Printexemplar haben möchtest, trage bitte deine Adresse ein. Habe ich getan, ich finde, ein Buch im Wert von 15 Euro ist kein zu hoher Lohn für monatelange Arbeit. Da ich aber vorher auf die Frage „Wie hat dir das Buch gefallen?“ nur mit „war okay“ geantwortet habe, wurde Frau Autorin patzig und schrieb mir dann eine Mail, wieso ich denn das Taschenbuch haben wollen würde, wenn mir das Buch nicht gefiele. Entschuldigung? Ich hatte eine Menge Arbeit mit deinem Buch und fand es nicht schlecht. Ich fand es halt leider nicht supermegageil, aber kein Buch der Welt kann ALLE Leser glücklich machen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte sein Buch zuhause in der Schublade lassen. Es kam dann noch eine Mail an alle Testleser, dass sie jedem ein Buch zuschickt, Taschenbuch an die mit Adresse und E-Book an die ohne Adresse und dass die Bücher „in der nächsten Woche“ verschickt werden. Das war im November. Mein Exemplar kam bis heute nicht an.
Was erwartest du von den Autoren? Was können sie dir Gutes tun? Worüber freust du dich?
Ich freue mich, wenn sie mir eine unformatierte Text-Datei zukommen lassen. Kein .pdf, kein .epub. Word, OpenOffice, mir total wurscht. Aber ich finde es super, wenn ich beim Lesen direkt Kommata setzen und streichen kann, Tippfehler ausbessere, Kommentare setzen. Oh, ich liebe die Kommentarfunktion. Und der Autor kann alles nachvollziehen, was ich ändere. Jedes Komma, das ich streiche, wird dem Autoren als durchgestrichen angezeigt. Alles, was ich ergänze, ist farblich hervorgehoben. Durch einen einzigen Klick kann er das auch alles verschwinden lassen, wenn er nicht meine Meinung teilt.
Und wenn die Autoren die F7-Taste schon mal gedrückt haben, bevor sie das Buch lustig durchs Netz schicken, ist das auch super. Die Rechtschreibprüfung findet nicht jeden Fehler, aber sie findet schon eine ganze Menge. (Anja, kannst du hier mal F7 für mich drücken, mein Open Office spricht nur Englisch.)
Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Betaleser VOR dem Lektor eingesetzt wird oder erst NACHDEM der Lektor den Text bearbeitet hat. Wie arbeitest du am Liebsten?

Ich glaube nicht, dass ich schon jemals einen Text NACH dem Lektorat hatte. Ich fände ein Korrektorat viel wichtiger. Der Lektor prüft ja nur inhaltlich. Ändert hier und da ein Wort, streicht einen Satz, findet Logikfehler. Mich stören die ganzen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler viel, viel mehr. Aber nach Lektorat und Korrektorat braucht es auch keine Betaleser mehr.
Du bist letztes Jahr Herbst nach England gezogen und hast begonnen, Geschichten ins Deutsche zu übersetzen. Hast du vor, das auszubauen? Dürfen wir dich demnächst mit Übersetzungen belästigen?
Nein. Definitiv nicht. Ich finde Korrekturlesen total toll, bin halt ein Grammar Nazi, aber übersetzen fällt mir wirklich schwer. Ich habe zum Beispiel ein paar Seiten einer Fantasygeschichte übersetzt und die Autorin hat einen sehr blumigen Sprachstil, der zwar zum Buch passt, aber ich bin halt überhaupt nicht blumig und da hatte ich echt Probleme, passende deutsche Wörter zu finden. Man will ja dem Text nicht seine Seele nehmen, also muss man so übersetzen, wie es da steht. Nicht meins.
Du liest unheimlich viel (meiner Meinung nach). Hast du eine/n Lieblingsautor/in? In welchem Genre fühlst du dich am ehesten zu Hause? 

Im deutschen Bloggerranking liege ich wohl ziemlich weit hinten. Wenn ich da sehe, dass einige über 200 Bücher im Jahr lesen, frag ich mich, ob die keinen Job, keine Familie und keine anderen Hobbys haben. Ich lese so zwischen 60 und 80 Bücher im Jahr. (Anm.Anja: Ich schaffe 30 Bücher im Jahr -.-) Ich muss nicht jeden Tag lesen, um zu überleben. Manchmal lese ich tagelang gar nicht. Gerade jetzt, in dem neuen Job, in dem ich 11-Stunden-Schichten habe, habe ich nach der Arbeit einfach keinen Bock mehr. Früher habe ich in jeder Mittagspause gelesen, heute renne ich durch die Stadt, um Essen zu besorgen, da der Arbeitstag einfach so lang ist, dass ich mich mit Brot und Gemüse nicht über Wasser halten kann.
Ich bin ein ziemlich beschränkter Leser. Ich lese eigentlich nur Schnulzen und Fantasy. Einen Lieblingsautoren habe ich nicht. Es gibt viele Autoren, die ich sehr mag und gerne lese: Anja Stephan (schleimen kann ich!), Hannah Siebern, Nora Roberts (die ich gerade lese), Charlaine Harris, Susan Elizabeth Phillips, Kerstin Gier. Viele Frauen, merke ich gerade. Ich schaue gerade meine bisher in diesem Jahr gelesenen Bücher an (23!) und siehe da: alles Frauen.
Ich lese immer deinen Buchblog. Auf dem hast du schon ab und an mal ein Buch zerrissen und wurdest dafür böse beschimpft. Ich mag deine direkte Art, aber die scheint nicht jedem zu gefallen. Einmal hast du sogar einen Shitstorm ausgelöst. Wie war das für dich?
Ganz ehrlich? Total lustig. Ich kann verstehen, dass ein Autor eine schlechte Rezension nicht gut findet, aber wieso andere Leser ausfallend werden? Ich glaube, du meinst das Buch mit den Drachen? Das, wo ich anhand von Textstellen erläutert habe, was mir nicht gefiel und was doof war (Das war doof!)? Solange man sachlich bleibt, finde ich an einer negativen Kritik nichts Schlimmes. Ich lese auch total gern die 1- und 2-Sterne-Rezensionen bei Amazon oder Goodreads. Die sind viel lustiger als die ständigen 5-Sterne-ohhhhhhh-ich-habe-es-geliebt-es-war-einfach-perfekt-Rezensionen. Die mit weniger Sternen sind meist begründet, was einem Autor ja auch helfen kann, sich selbst zu verbessern. Wenn schon nicht in diesem Buch, dann zumindest fürs nächste.
Meist kommen solche Schimpftiraden von Leuten, die das Buch abgöttisch lieben. Ich greife sie doch auch nicht an und nenne sie dumm, weil sie ein derart schlechtes Buch mögen. Man muss auch mal andere Meinungen gelten lassen. Es sei denn, es sind tatsächlich Fakten. Aber Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so!

Ich habe diese Erfahrung auch machen müssen und ich kenne einige Blogger, die das selbst auch schon erlebt haben. Es ist doch jedes Mal eine böse Überraschung, weil man doch einfach nur seine Meinung zu einem Buch äußert. Muss man sich als Buchblogger vor so einer öffentlichen Anfeindung fürchten oder sich einfach ein dickes Fell zulegen? Wie reagiert man am besten in so einer Situation?
Solange ich meine Kritik begründen kann, prallt das an mir ab. Wenn mir jemand sagt „da warst du zu harsch, weil du den Autor beleidigt hast“ und ich es wirklich getan habe, nehme ich mir die Kritik an und ändere meinen Text ab. Aber wenn es sachlich begründete, negative Kritik ist, dann stehe ich dazu. Ich glaube, am besten ist es, wenn man solche Leute ignoriert und nicht ständig Öl ins Feuer gießt. Leben und leben lassen.
Du hast mir auch mal gesagt, dass du ungern Rezensionsexemplare annimmst. Warum nicht? Viele Blogger sind doch gerade hinter solchen Geschenken her. Ist das für dich eine Frage der Ehre?
Ich habe in meiner bisherigen Bloggerkarriere (es gibt mich seit Dezember 2011, also schon über 5 Jahre) erst ein einziges Mal ein Buch angefragt. Und zwar den LYX-Verlag. Ich habe mich so mies dabei gefühlt. Wie ein Schmarotzer. Am liebsten hätte ich in die Mail geschrieben: „Wenn ihr mir das Buch nicht schicken wollt, macht es nichts, dann kaufe ich es.“ Das hätte dann den Sinn dieser E-Mail zerstört und na ja. Es war etwas anderes, wenn ein Autor auf mich zukam und fragte, ob ich sein Buch lesen wollte. Das erste Mal, als ich eine solche Anfrage erhalten habe, habe ich mich so gefreut. Es war für mich beinahe wie eine Ordensverleihung. „Du und dein Blog, ihr seid so wichtig, dass ich, der Autor, deine Meinung hören will.“ Ich war sooooooo unfassbar stolz. Doch irgendwann wurde es mir lästig. Wenn du ein Rezensionsexemplar hast, musst du es zeitnah lesen und rezensieren. Aber zu manchen Büchern habe ich einfach nichts zu sagen. Ich mochte sie mal mehr, mal weniger, aber mir fiel einfach nichts ein, was ich schreiben konnte, ohne, dass es abgedroschen klang. Und manchmal findet man ein Buch wirklich interessant, aber man ist gerade nicht in der Stimmung dafür. Manchmal brauche ich Schnulz und Liebe und manchmal könnte ich kotzen, wenn ich so ein Buch habe. Dann lege ich es an die Seite und lese was anderes. Beim ReziEx (wie wir im Fachjargon sagen. Na ja, eigentlich sind wir nur schreibfaul) hast du die Wahl nicht. Dann kommen auch hier regelmäßig Erinnerungsmails. Das alles hat mich so gestresst. Ich habe auch gemerkt, dass ich beim Lesen gar nicht mehr wirklich abschalten kann, sondern die ganze Zeit überlege, was ich in der Rezension schreiben könnte, welches Zitat gut passt, usw. Jetzt schreibe ich eher selten eine Rezension, dann aber eine, die wirklich von Herzen kommt. Egal, ob 1 Stern oder 5.

Dass andere Blogger so gierig sind, kann ich überhaupt nicht verstehen. Schlimm sind Aussagen wie „ich habe mir nur für die gratis Bücher einen Blog angelegt“ oder „Verlag ABC ist voll schei*e, die haben mir ne Absage geschickt, also von denen lese ich nie wieder was.“ Oder auch „ich habe diese Woche 8 Rezensionsexemplare erhalten, voll cool“. Wann liest du die denn? Kann man da noch jedem Buch gerecht werden? Klar, Bücher sind teuer und als Schüler, Student, Arbeitsloser, was auch immer kann man sich vielleicht auch keine zig Bücher im Monat kaufen, aber es gibt Bibliotheken, reBuy, medimops, soziale Kaufhäuser, diverse Bücherverkaufsgruppen im Internet. Auch gebrauchte Bücher kann man lesen. Oder leihen und lesen. Jedes andere Hobby kostet auch Geld (wir beide nähen ja auch gern. Ich heute noch meine (supermegageile) Tasche. Nähmaschine: 480 Euro. Stoff innen: 23 Pfund. Kunstleder außen: 8 Euro. Reißverschluss, Garn, Karabiner, D-Ringe: 10 Euro. Arbeit: 2 Tage). Hobbys sind teuer. Geh mal reiten. Allein deine Bekleidung kostet dich 100 Euro aufwärts. Reithose, Reitkappe, Handschuhe, Stiefel. Dann noch ein Pferd, bzw. eine Mitgliedschaft im Reitverein. Die ist monatlich übrigens teurer als der Jahresbeitrag bei den Pfadfindern. Aber Lesen muss kostenlos sein? Also überall betteln und schmarotzern? Ich kann damit nicht leben. Wenn andere das können, gern.

Christinas supermegageile Tasche

Vielen Dank für das nette Gespräch. 😀

Ja, danke auch. Ich glaube, ich war ein bisschen zu ausschweifend, oder?
Macht nix. 

Ich habe gar kein richtiges Nähkästchen.
Macht auch nix. … Moment … WHAT?!