Anja fragt: Christina, kritischste Betaleserin wo gibt

Momentan habe ich wenig Zeit zum Lesen und kann deshalb auch keine Rezensionen schreiben. Aus diesem Grund frage ich andere Leute, die lesen und anderweitig mit Büchern zu tun haben. Meine ersten Fragen durfte ich Christina stellen. Sie ist seit Jahren Betaleserin und dabei oft erste Anlaufstelle für Indie-Autoren und Kleinverlage. Als „Grammatik-Fetischistin“ kontrolliert sie Manuskripte, findet Logikfehler und Plotlöcher. Das macht eine Menge Arbeit. Außerdem hat sie einen Bücherblog, auf dem sie in unregelmäßigen Abständen Bücher vorstellt und auch mal zerreißt. In meinem Interview darf sie ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern – achja, sie hat auch eine Nähmaschine, mit der sie echt tolle Taschen zu Stande bringt.

Das ist Christina 😀
Christina… Du bist (professionelle) Betaleserin. Was genau heißt das und was machst du dabei?
Ob ich professionell bin oder nicht, lasse ich mal unbeantwortet. (Bin ich nicht!!) Im Grunde genommen ist es ziemlich simpel: Man bekommt das Manuskript eines Autoren vor der Veröffentlichung, manchmal nach dem Korrektorat, meistens vorher. Dann liest man das Buch durch, sucht Logikfehler (ich als alter Grammar-Nazi merke auch alle orthographischen Fehler an), prüft die Lesbarkeit, eventuell auch Logikfehler in Bezug auf vorangegangene Teile einer Reihe (z. B. war Charakter XY in Teil eins 25 Jahre alt. Teil zwei spielt 5 Jahre später, XY ist hier aber auf einmal 33 Jahre alt. Oder nur 27.) Dann gibt man dem Autoren Feedback, ob und wie einem das Buch gefallen hat, was gut war, was vielleicht nicht gut war, ob es Stellen/Szenen/Eigenheiten gibt, die einem außenstehenden Leser unklar sind. Der Autor weiß ja viel mehr über seine Geschichte, als er dem Leser mitteilt und dann kann es passieren, dass er etwas nicht erklärt, weil es für ihn absolut logisch ist, der Leser selbst aber steht wie der Ochs vorm Berg und versteht kein Wort. Zusammengefasst ist man also ein kostenloser Lektor/Korrektor. Natürlich bei weitem nicht so perfekt wie ein Profi, aber wenn man viele Augen und viel Wissen von mehreren Betalesern zusammenfasst, kommt doch schon was Ordentliches bei rum.

Du hast sehr viel Erfahrung als Betaleserin, weil du das schon sehr lange machst. Du hast ja auch schon für den Verlag Bookshouse betagelesen. Wie kommt man an dich oder andere Betaleser heran?
Es gibt u.a. auf Facebook eine Menge Gruppen, in denen Autoren Betaleser suchen können, was hauptsächlich unbekannte und unveröffentlichte Autoren nutzen. Die haben noch keine große Fangemeinde (neudeutsch: Fanbase), daher suchen sie da Leute. Bekannte Autoren haben es da einfacher, die posten einen „Ich suche ein Team von Leser/innen, die mir regelmäßig bei neuen Veröffentlichungen helfen wollen“ und dann melden sich in zwei Stunden knapp 300 Leute und die Autoren suchen sich ihre liebsten Leser aus.
Bei Bookshouse läuft es so, dass man einen Text voller Fehler probelesen muss und wenn man die meisten Fehler findet, dann wird man quasi aufgenommen. Dann gibt es ein Forum, in dem die neuen Bücher vorgestellt werden und wer gerade Zeit hat und sich für das Buch interessiert, meldet sich direkt dort im Forum.
Du hast mein Buch „A Fairy Tale“ auch betagelesen und mir dabei sehr geholfen. Ich bin mit deinen Anmerkungen sehr gut zurechtgekommen. Aber du hast mir auch erzählt, dass du einen bestimmten Ruf in der Gemeinde hast. 😀
Äh, ja. Ich bin ein sehr direkter Mensch. Auch im „echten Leben“. Wenn ich was doof finde, sag ich das. Nicht durch die Blume. Sondern: Das ist doof. Außerdem bin ich nicht sehr geduldig. Ich gebe mir wirklich Mühe, meine Kritik (übrigens ist Kritik sowohl positive als auch negative Rückmeldung (Duden.de sagt dazu: „[fachmännisch] prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten“) freundlich zu verpacken, aber manche Texte sind wirklich merkwürdig. Jeder, der schreibt, steckt viel Arbeit in seinen Text, aber einige Leute haben da kein Talent zu. Natürlich möchte jeder gern hören, dass das geschriebene Buch „ach so wundervoll“ ist, aber manche Texte sind einfach nichts. Und ich sag’s dann halt. Du hast also Glück gehabt. Außerdem kennst du mich seit Jahren und das auch noch „in echt“ und weißt mich und meine Äußerungen daher auch zu nehmen.
So sah Christinas erste Bearbeitung meines Manuskripts aus… 

Die Autoren sind in der Regel also gar nicht immer dankbar für deine Hilfe? Hast du dich auch schon mal über einen Autor geärgert, weil er deine Arbeit nicht zu schätzen wusste?
Ja, auch das habe ich. Erst Ende letzten Jahres zum Beispiel. Da habe ich ein Buch gelesen, das war okay. Es war nicht der supi-dupi Bestseller, aber auch nicht mies. Okay halt. Und es kann auch durchaus sein, dass meine Kommentare zum Ende hin etwas schroffer wurden, aber diese Autorin hat mich wahnsinnig gemacht. Anmerkungen wurden gar nicht umgesetzt, selbst, wenn man Fehler anhand Duden.de erklärt hat, wurden sie in Zukunft weiterhin gemacht. Dann wurden etliche Kapitel auf einmal geschickt und nach 2 Wochen wird eine Erinnerung geschrieben (hallo? Vollzeitjob und Privatleben??). Am Ende sollten wir einen Feedback-Bogen ausfüllen. Was hat uns gefallen, was hat uns nicht gefallen, woran lag’s, etc. pp. Eine Frage war: Wenn du ein Printexemplar haben möchtest, trage bitte deine Adresse ein. Habe ich getan, ich finde, ein Buch im Wert von 15 Euro ist kein zu hoher Lohn für monatelange Arbeit. Da ich aber vorher auf die Frage „Wie hat dir das Buch gefallen?“ nur mit „war okay“ geantwortet habe, wurde Frau Autorin patzig und schrieb mir dann eine Mail, wieso ich denn das Taschenbuch haben wollen würde, wenn mir das Buch nicht gefiele. Entschuldigung? Ich hatte eine Menge Arbeit mit deinem Buch und fand es nicht schlecht. Ich fand es halt leider nicht supermegageil, aber kein Buch der Welt kann ALLE Leser glücklich machen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte sein Buch zuhause in der Schublade lassen. Es kam dann noch eine Mail an alle Testleser, dass sie jedem ein Buch zuschickt, Taschenbuch an die mit Adresse und E-Book an die ohne Adresse und dass die Bücher „in der nächsten Woche“ verschickt werden. Das war im November. Mein Exemplar kam bis heute nicht an.
Was erwartest du von den Autoren? Was können sie dir Gutes tun? Worüber freust du dich?
Ich freue mich, wenn sie mir eine unformatierte Text-Datei zukommen lassen. Kein .pdf, kein .epub. Word, OpenOffice, mir total wurscht. Aber ich finde es super, wenn ich beim Lesen direkt Kommata setzen und streichen kann, Tippfehler ausbessere, Kommentare setzen. Oh, ich liebe die Kommentarfunktion. Und der Autor kann alles nachvollziehen, was ich ändere. Jedes Komma, das ich streiche, wird dem Autoren als durchgestrichen angezeigt. Alles, was ich ergänze, ist farblich hervorgehoben. Durch einen einzigen Klick kann er das auch alles verschwinden lassen, wenn er nicht meine Meinung teilt.
Und wenn die Autoren die F7-Taste schon mal gedrückt haben, bevor sie das Buch lustig durchs Netz schicken, ist das auch super. Die Rechtschreibprüfung findet nicht jeden Fehler, aber sie findet schon eine ganze Menge. (Anja, kannst du hier mal F7 für mich drücken, mein Open Office spricht nur Englisch.)
Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob der Betaleser VOR dem Lektor eingesetzt wird oder erst NACHDEM der Lektor den Text bearbeitet hat. Wie arbeitest du am Liebsten?

Ich glaube nicht, dass ich schon jemals einen Text NACH dem Lektorat hatte. Ich fände ein Korrektorat viel wichtiger. Der Lektor prüft ja nur inhaltlich. Ändert hier und da ein Wort, streicht einen Satz, findet Logikfehler. Mich stören die ganzen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler viel, viel mehr. Aber nach Lektorat und Korrektorat braucht es auch keine Betaleser mehr.
Du bist letztes Jahr Herbst nach England gezogen und hast begonnen, Geschichten ins Deutsche zu übersetzen. Hast du vor, das auszubauen? Dürfen wir dich demnächst mit Übersetzungen belästigen?
Nein. Definitiv nicht. Ich finde Korrekturlesen total toll, bin halt ein Grammar Nazi, aber übersetzen fällt mir wirklich schwer. Ich habe zum Beispiel ein paar Seiten einer Fantasygeschichte übersetzt und die Autorin hat einen sehr blumigen Sprachstil, der zwar zum Buch passt, aber ich bin halt überhaupt nicht blumig und da hatte ich echt Probleme, passende deutsche Wörter zu finden. Man will ja dem Text nicht seine Seele nehmen, also muss man so übersetzen, wie es da steht. Nicht meins.
Du liest unheimlich viel (meiner Meinung nach). Hast du eine/n Lieblingsautor/in? In welchem Genre fühlst du dich am ehesten zu Hause? 

Im deutschen Bloggerranking liege ich wohl ziemlich weit hinten. Wenn ich da sehe, dass einige über 200 Bücher im Jahr lesen, frag ich mich, ob die keinen Job, keine Familie und keine anderen Hobbys haben. Ich lese so zwischen 60 und 80 Bücher im Jahr. (Anm.Anja: Ich schaffe 30 Bücher im Jahr -.-) Ich muss nicht jeden Tag lesen, um zu überleben. Manchmal lese ich tagelang gar nicht. Gerade jetzt, in dem neuen Job, in dem ich 11-Stunden-Schichten habe, habe ich nach der Arbeit einfach keinen Bock mehr. Früher habe ich in jeder Mittagspause gelesen, heute renne ich durch die Stadt, um Essen zu besorgen, da der Arbeitstag einfach so lang ist, dass ich mich mit Brot und Gemüse nicht über Wasser halten kann.
Ich bin ein ziemlich beschränkter Leser. Ich lese eigentlich nur Schnulzen und Fantasy. Einen Lieblingsautoren habe ich nicht. Es gibt viele Autoren, die ich sehr mag und gerne lese: Anja Stephan (schleimen kann ich!), Hannah Siebern, Nora Roberts (die ich gerade lese), Charlaine Harris, Susan Elizabeth Phillips, Kerstin Gier. Viele Frauen, merke ich gerade. Ich schaue gerade meine bisher in diesem Jahr gelesenen Bücher an (23!) und siehe da: alles Frauen.
Ich lese immer deinen Buchblog. Auf dem hast du schon ab und an mal ein Buch zerrissen und wurdest dafür böse beschimpft. Ich mag deine direkte Art, aber die scheint nicht jedem zu gefallen. Einmal hast du sogar einen Shitstorm ausgelöst. Wie war das für dich?
Ganz ehrlich? Total lustig. Ich kann verstehen, dass ein Autor eine schlechte Rezension nicht gut findet, aber wieso andere Leser ausfallend werden? Ich glaube, du meinst das Buch mit den Drachen? Das, wo ich anhand von Textstellen erläutert habe, was mir nicht gefiel und was doof war (Das war doof!)? Solange man sachlich bleibt, finde ich an einer negativen Kritik nichts Schlimmes. Ich lese auch total gern die 1- und 2-Sterne-Rezensionen bei Amazon oder Goodreads. Die sind viel lustiger als die ständigen 5-Sterne-ohhhhhhh-ich-habe-es-geliebt-es-war-einfach-perfekt-Rezensionen. Die mit weniger Sternen sind meist begründet, was einem Autor ja auch helfen kann, sich selbst zu verbessern. Wenn schon nicht in diesem Buch, dann zumindest fürs nächste.
Meist kommen solche Schimpftiraden von Leuten, die das Buch abgöttisch lieben. Ich greife sie doch auch nicht an und nenne sie dumm, weil sie ein derart schlechtes Buch mögen. Man muss auch mal andere Meinungen gelten lassen. Es sei denn, es sind tatsächlich Fakten. Aber Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so!

Ich habe diese Erfahrung auch machen müssen und ich kenne einige Blogger, die das selbst auch schon erlebt haben. Es ist doch jedes Mal eine böse Überraschung, weil man doch einfach nur seine Meinung zu einem Buch äußert. Muss man sich als Buchblogger vor so einer öffentlichen Anfeindung fürchten oder sich einfach ein dickes Fell zulegen? Wie reagiert man am besten in so einer Situation?
Solange ich meine Kritik begründen kann, prallt das an mir ab. Wenn mir jemand sagt „da warst du zu harsch, weil du den Autor beleidigt hast“ und ich es wirklich getan habe, nehme ich mir die Kritik an und ändere meinen Text ab. Aber wenn es sachlich begründete, negative Kritik ist, dann stehe ich dazu. Ich glaube, am besten ist es, wenn man solche Leute ignoriert und nicht ständig Öl ins Feuer gießt. Leben und leben lassen.
Du hast mir auch mal gesagt, dass du ungern Rezensionsexemplare annimmst. Warum nicht? Viele Blogger sind doch gerade hinter solchen Geschenken her. Ist das für dich eine Frage der Ehre?
Ich habe in meiner bisherigen Bloggerkarriere (es gibt mich seit Dezember 2011, also schon über 5 Jahre) erst ein einziges Mal ein Buch angefragt. Und zwar den LYX-Verlag. Ich habe mich so mies dabei gefühlt. Wie ein Schmarotzer. Am liebsten hätte ich in die Mail geschrieben: „Wenn ihr mir das Buch nicht schicken wollt, macht es nichts, dann kaufe ich es.“ Das hätte dann den Sinn dieser E-Mail zerstört und na ja. Es war etwas anderes, wenn ein Autor auf mich zukam und fragte, ob ich sein Buch lesen wollte. Das erste Mal, als ich eine solche Anfrage erhalten habe, habe ich mich so gefreut. Es war für mich beinahe wie eine Ordensverleihung. „Du und dein Blog, ihr seid so wichtig, dass ich, der Autor, deine Meinung hören will.“ Ich war sooooooo unfassbar stolz. Doch irgendwann wurde es mir lästig. Wenn du ein Rezensionsexemplar hast, musst du es zeitnah lesen und rezensieren. Aber zu manchen Büchern habe ich einfach nichts zu sagen. Ich mochte sie mal mehr, mal weniger, aber mir fiel einfach nichts ein, was ich schreiben konnte, ohne, dass es abgedroschen klang. Und manchmal findet man ein Buch wirklich interessant, aber man ist gerade nicht in der Stimmung dafür. Manchmal brauche ich Schnulz und Liebe und manchmal könnte ich kotzen, wenn ich so ein Buch habe. Dann lege ich es an die Seite und lese was anderes. Beim ReziEx (wie wir im Fachjargon sagen. Na ja, eigentlich sind wir nur schreibfaul) hast du die Wahl nicht. Dann kommen auch hier regelmäßig Erinnerungsmails. Das alles hat mich so gestresst. Ich habe auch gemerkt, dass ich beim Lesen gar nicht mehr wirklich abschalten kann, sondern die ganze Zeit überlege, was ich in der Rezension schreiben könnte, welches Zitat gut passt, usw. Jetzt schreibe ich eher selten eine Rezension, dann aber eine, die wirklich von Herzen kommt. Egal, ob 1 Stern oder 5.

Dass andere Blogger so gierig sind, kann ich überhaupt nicht verstehen. Schlimm sind Aussagen wie „ich habe mir nur für die gratis Bücher einen Blog angelegt“ oder „Verlag ABC ist voll schei*e, die haben mir ne Absage geschickt, also von denen lese ich nie wieder was.“ Oder auch „ich habe diese Woche 8 Rezensionsexemplare erhalten, voll cool“. Wann liest du die denn? Kann man da noch jedem Buch gerecht werden? Klar, Bücher sind teuer und als Schüler, Student, Arbeitsloser, was auch immer kann man sich vielleicht auch keine zig Bücher im Monat kaufen, aber es gibt Bibliotheken, reBuy, medimops, soziale Kaufhäuser, diverse Bücherverkaufsgruppen im Internet. Auch gebrauchte Bücher kann man lesen. Oder leihen und lesen. Jedes andere Hobby kostet auch Geld (wir beide nähen ja auch gern. Ich heute noch meine (supermegageile) Tasche. Nähmaschine: 480 Euro. Stoff innen: 23 Pfund. Kunstleder außen: 8 Euro. Reißverschluss, Garn, Karabiner, D-Ringe: 10 Euro. Arbeit: 2 Tage). Hobbys sind teuer. Geh mal reiten. Allein deine Bekleidung kostet dich 100 Euro aufwärts. Reithose, Reitkappe, Handschuhe, Stiefel. Dann noch ein Pferd, bzw. eine Mitgliedschaft im Reitverein. Die ist monatlich übrigens teurer als der Jahresbeitrag bei den Pfadfindern. Aber Lesen muss kostenlos sein? Also überall betteln und schmarotzern? Ich kann damit nicht leben. Wenn andere das können, gern.

Christinas supermegageile Tasche

Vielen Dank für das nette Gespräch. 😀

Ja, danke auch. Ich glaube, ich war ein bisschen zu ausschweifend, oder?
Macht nix. 

Ich habe gar kein richtiges Nähkästchen.
Macht auch nix. … Moment … WHAT?!


Leserunde zu "A Fairy Tale"

Liebe Leser und Fantasy Liebhaber,
ich habe bei Lovelybooks eine Leserunde gestartet. Bis 16. April (Sonntag) könnt ihr euch dafür bewerben. Ich verlose 10 ebooks und 4 Printexemplare meines Buches „A Fairy Tale – Die Suche nach dem blauen Herz“.

Link: Lovelybooks Leserunde 

Klappentext:

Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, das ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird – und das Fräulein von Cleve ist schuld daran

Noch sind Plätze frei.
Ich nehme selbst auch an der Leserunde teil und freue mich darauf, mit euch zusammen zu lesen. Ich bin gespannt.

Anja schenkt Lesefreude 2017

Auch in diesem Jahr nehme an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teil. Letztes Jahr habe ich drei Bücher verschiedener Autoren verschenkt, u.a. Alice im Wunderland. Dieses Jahr verschenke ich meinen ersten eigenen Roman, den ich vor kurzem veröffentlicht habe. Ich habe wieder DREI Exemplare, die ich unter euch Lesern verlosen möchte. Schreibt mir oder kommentiert unter dem Beitrag am 23. April 2017 bis zum 01. Mai 2017, warum die Geschichte genau das Richtige für euch ist. Bitte sagt mir auch, ob ihr das Buch als epub/mobi-Datei haben möchtet oder ob ihr ein „richtiges“ Buch bevorzugt.

Jetzt aber zum Buch.
A Fairy Tale – Die Suche nach dem blauen Herz
Seiten im Taschenbuch-Format: 696 Seiten
ISBN: 978-3-7450-5006-6
Print: epubli, printed in Germany
ebook: Bookrix
Zielgruppe: so ab 16+ Jahre
Der Klappentext:
Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, das ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird – und das Fräulein von Cleve ist schuld daran.
Eine Leseprobe gibt es hier: Leseprobe bei Bookrix
Viel Freude beim Lesen.

Anja schreibt: Eine Geschichte, in der Elfen vorkommen

So, nun ist es soweit. Anja hat geschrieben… Heute darf ich euch meinen ersten eigenen Roman präsentieren: A Fairy Tale – Die Suche nach dem blauen Herz ist ein Urban Fantasy Abenteuerroman, der in Paris angesiedelt ist – jetzt dürft ihr einmal raten, warum ich da sooft hingefahren bin. Und jetzt müsste euch auch ein Licht aufgehen, warum ich mich in den letzten Wochen so rar gemacht habe: ich habe mich darum gekümmert, reich und berühmt zu werden… höhöhö

Außerdem suche ich auch Blogger, die gern mein Buch lesen und rezensieren möchten.




Der Klappentext:

Aus ist es mit seinem ruhigen Leben im Quartier Latin in Paris! Als Scott McKenzie seiner Erzfeindin aus Jugendtagen über den Weg läuft, weiß er sofort, dass es das Schicksal nicht gut mit ihm meint. Dabei hat sich der Halbelf aus einst hohem Hause in den letzten hundert Jahren mit einem gut gehenden Antiquariat eine ausgezeichnete Reputation aufgebaut. Aber nun zieht ihn die eigenwillige Gwendolyn von Cleve in ein Abenteuer in die Pariser Unterwelt hinein, das ihn völlig überfordert. Auf der Suche nach dem blauen Herzen muss er sich mit der Vergangenheit der beiden verfeindeten Familien auseinandersetzen und sich gegen einen unbekannten Feind behaupten. Dabei wird ihm bewusst, dass sich sein Leben für immer verändern wird – und das Fräulein von Cleve ist schuld daran.


Ich habe meine Geschichte im Selbstverlag – also als Selfpublisher – veröffentlicht. Dazu habe ich mich für Bookrix als Distributor entschieden und bin damit sehr glücklich. Dort hat man mir sehr viel geholfen. Bookrix stellt ab heute das ebook in allen möglichen Online-Shops zur Verfügung, das heißt, es ist auch bei Amazon erhältlich.
Einführungspreis: 0,99Euro
Normalpreis: 3,99Euro

Über epubli  verbreite ich meine Printausgabe, für Leser, die gern ein „richtiges“ Buch in den Händen halten möchte – schon allein das Cover ist es doch wert, oder? Ich habe mich für das Taschenbuchformat entschieden, weil es für den Leser immer noch am günstigsten ist, auch wenn es so ein dickes Buch geworden ist.
Details:
Taschenbuch: 696 Seiten
ISBN: 9783745050066
Preis: 19,99Euro 
Das gedruckte Buch könnt ihr über die ISBN in jedem Buchladen bestellen.

Links:
Amazon
Bookrix
epubli
ebook.de


Das Cover habe ich bei fiverr.com machen lassen. Die Designerin heißt germancreative und ist wirklich sehr gut und zuverlässig. Sie ändert, was ihr wünscht und – auch wenn sie nur auf Englisch kommuniziert – sie versteht auch Deutsch. Ich kann sie also wärmstens empfehlen, so wie sie mir von anderen Autoren empfohlen worden ist. Über ein kleines Trinkgeld freut sie sich auch!


Meine Lieblingsbuchbloggerin Christina von Christinas Buchwelt hat für mich mehrere Male Beta-gelesen und hat dabei sicher das eine oder andere graue Haar bekommen – zum Glück ist sie blond, da sieht man das nicht so. Sorry. 


Außerdem bin ich im Selfpublisher-Verband eingeschrieben. Dies kann ich wirklich jedem Autor empfehlen, der im Selbstverlag veröffentlicht. Dort sind lauter sehr hilfsbereite und nette Leute, die einen jeder Zeit unterstützen und mit denen man auch noch super gut Kaffee trinken kann. Der Verband ist auch allen Buchmessen vertreten und stellt dort Autoren und Bücher vor. Außerdem tun sie einiges, um die Selfpublisher populärer zu machen: ich mach es selbst.


ICH SUCHE BLOGGER!
Ich suche Büchereulen, Bücherwürmer und Buchblogger, die gern mein Buch lesen und rezensieren möchten. Ich würde euch mein Buch als epub-Datei oder in einem anderen digitalen Format zur Verfügung stellen. Ich bin auf Instagram (mata_hari82), auf lovelybooks (AnjaFrieda) und auf Facebook vertreten. Über irgendeinen dieser Kanäle könnt ihr mich erreichen und die Details mit mir absprechen – oder mir einfach eine e-mail schreiben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch zahlreich bei mir meldet. Eine Printversion kann ich euch zu diesem Zeitpunkt noch nicht geben, da ich selbst noch keine Ausgaben habe.




Ein Interview zum Umgang mit Buchbloggern – für Autoren

Ich habe kürzlich einen Artikel für Selfpublisher über den Umgang mit Buchbloggern geschrieben. Viele frischgebackene Autoren sind auf Rezensionen angewiesen, damit ihr Werk in der Welt gesehen wird. Dennoch habe ich erkannt, dass es zwischen Autoren und Buchbloggern Schwierigkeiten gibt. Wie lange dauert eine Rezension? Wann will der Blogger mein Buch lesen? Warum höre ich nichts mehr von der Gegenseite? Warum muss ich mein Buch kostenlos abgeben? Soll ich mich beim Blogger melden? Wie spreche ich einen Blogger an?

Da ich sehr gern junge Autoren und Selfpublisher unterstütze und auch schon sehr gute Lese-Erfahrungen machen durfte, habe ich einen kleinen Leitfaden geschrieben, der die Kommunikation zwischen Autor und Blogger erleichtern soll. Hoffe ich zumindest.

Erin von Erin J. Steen hat mich um ein Interview gebeten. Mein Erstes, wohlgemerkt. Ich hoffe, ich habe mich nicht allzu blöd angestellt.

Hier gehts zum Interview

Wer es gerne etwas genauer und ausführlicher wissen möchte, kann sich auf den Seiten der Selfpublisherbibel umschauen.

Hier geht es zum Artikel in der Selfpublisher-Bibel

Anja liest: Zarah Philips – Lauter Leichen


Die Autorin Zarah Philips habe ich bei Facebook in der Selfpublisher-Gruppe kennengelernt. Ich habe einen Beitrag über den Umgang mit Bloggern geschrieben, woraufhin sie mich anschrieb und sofort die richtigen Worte fand, die mich verleiteten, ihr Buch „Lauter Leichen“ zu kaufen und zu lesen. Die Autorin kommt aus Hamburg, wo auch ihr Debüt-Krimi spielt. Ich war von Anfang an begeistert und kann diese wundervolle Geschichte jedem Krimifan an Herz legen.


„LEB! WEITER! BLÖDES! ARSCHLOCH!“

Dies sind Elli erste Worte in diesem Roman. Sie ist gerade dabei ihrem Exfreund eine Herzdruckmassage nach dem Lied „Staying Alive“ von den BeeGees zu verpassen. Leider vergeblich, denn ihr Ex stirbt. Das ist die erste Leiche in diesem Roman. So gut es geht, versucht Elli ihre  Spuren zu verwischen, doch sie macht ein paar Fehler, die sie durch ein paar unglückliche Zufälle zur Hauptverdächtigen machen. Dabei tauchen nach und nach immer mehr Leichen auf, die allen ein Rätsel aufgeben – oder mehrere Rätsel. Gemeinsam mit Hilfe ihres unerschrockenen Clans deckt sie das Komplott auf.

Der Krimi hat mir von Beginn an gefallen. An vielen Stellen habe ich laut gelacht und gehofft, dass meine Kinder dadurch nicht wach werden. Er ist witzig, charmant und sprüht vor Energie. Die Story ist gut durchdacht und bis zur großen Aufklärung bleibt es wirklich spannend. Mit seinen Irrungen und Wirrungen hat mich der Krimi sehr an Agatha Christies Werke erinnert, die ich sehr verehre. Es gibt viele Leichen, viele Verdächtige und eine sehr gute Geschichte. Es gibt sogar eine Liebesgeschichte. Es bleibt spannend, bis zum Schluss und es werden einem erstaunliche Schlussfolgerungen mitgeteilt. Ganz im Sinne von Hercule Poirot.

Die Charaktere sind allesamt – wirklich ausnahmslos – liebevoll gezeichnet, einmalig und unverwechselbar. Die Autorin hat einen scharfen Sinn und eine herausragende Beobachtungsgabe. Besonders Oma Frieda habe ich ins Herz geschlossen. Sie hat mich an meine Oma erinnert – die auch Frieda hieß – und auf die die Charakterdarstellung hunderprozentig gepasst hätte. Aber auch Ellis Cousine Cheeta Priscilla hat mich völlig umgehauen – ich hab übrigens 116. Ich bin echt froh, dass niemand von den sympathischen Charakteren stirbt.

Der Sprachstil ist herrlich. Die Autorin schreibt in einer klaren Sprache, aber sehr humorvoll und ironisch. Sie ist sehr gewitzt und weiß, wie man mit Sprache umgeht. Ihre Pointen setzt sie genau an der richtigen Stelle und macht dadurch das Lesen zu einem Vergnügen.

Ich hoffe sehr, dass Elli nicht die Finger von Morden lässt und sich bald wieder – in Begleitung ihrer Familie – auf ein neues Abenteuer einlässt.

Diesen Krimi kann ich jedem empfehlen, der auf unkonventionelle Ermittler setzt und eine gute, verzwickte Story mit einigen AHA-Effekten genießen möchte.

Anja liest: Robert J. Sternberg – Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt

Robert J. Sternberg ist eine bekannte Größe in der Psychologie. Er war Professor der Psychologie und Direktor des Center for the Psychology of Abilities, Competencies, and Expertise“ in Boston, außerdem war er Präsident der American Psychological Association. Sternberg forscht auf dem Gebiet der Liebe und hat mehrere Bücher zu psychologischen Theorien darüber verfasst (New Psychology of Love, z.B.). Zu seinen bekanntesten Theorien gehört die „Dreieckstheorie der Liebe“, die Liebe als Ausprägung der drei Komponenten IntimitätLeidenschaft und Bindung darstellt.

Bei dem Buch „Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt – Das verborgene Drehbuch unserer Beziehungen„, handelt es sich um ein eher populärwissenschaftliches Buch, in dem der normalsterblichen Bevölkerung erklärt wird, warum ihre Beziehungen ständig scheitern. Anders als gewöhnliche Beziehungsratgeber, geht Sternberg aber einen gänzlich anderen Weg.

Sternberg geht davon aus, dass jeder Mensch einer „Liebesgeschichte“ anhängt, dass heißt, man hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie eine funktionierende Beziehung für einen persönlich auszusehen hat. Diese Vorstellungen werden durch viele Faktoren und Einflüsse geprägt, z.B. durch bereits erlebte Beziehungen, durch Filme, Musik und Kunst, durch die Eltern und Freunde; man wird quasi durch seine Umwelt beeinflusst. Trifft man auf einen Menschen, der der gleichen Liebesgeschichte anhängt, wie man selbst, hat die Beziehung gute Chancen erfolgreich zu werden. Ist dies nicht so…naja…

Wer hat sich denn noch nicht gefragt, warum sich das perfekte Paar aus dem Freundeskreis trennt, während zwei Streithähne, trotz mehrfachen Anratens einer Scheidung, glücklich und zufrieden verheiratet bleiben? Nach Sternbergs Theorie haben die beiden Streithähne offenbar genau die gleiche Vorstellung davon, wie eine Liebesbeziehung aussehen soll: wie ein Schlachtfeld. 

Mit seinem Team entwickelte er verschiedene Geschichts-Typen und Geschichten.

Asymmetrische Geschichten:
In asymmetrischen Geschichten ist die Grundlage einer funktionierenden Partnerschaft ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern, z. B. Lehrer-Schüler. Es dominieren Machtfragen und Kontrolle. Es gibt sogar Geschichten, in denen ein Partner dem anderen Angst und Schrecken (Horrorkabinett) einjagt. Für manchen unverständlich, für andere die Grundlage des Glücks.
 – Lehrer und Schüler – Ein Partner opfert sich – Regierungssysteme – Unter polizeilicher Aufsicht – Im Bann der Pornographie – Das Horrorkabinett – 

Objektgeschichten:
In diesen Geschichten wird der Partner in einer Beziehung nicht um seiner selbstwillen geschätzt, sondern wegen ihrer Rolle / Funktion, die sie ausfüllen. Der Partner wird wegen seines „Sonderbaren Charakters oder Verhaltens“ geschätzt, oder er erfüllt die Funktion „die Sammlung zu vervollständigen“. Zum Beispiel wird ein Partner allein wegen seines äußeren Erscheinungsbildes ausgewählt (Kunstwerk) oder aber eine Beziehung wird nur eingegangen, um überhaupt einen Partner vorweisen zu können, damit der vorherrschende Lebensstil oder Erwartungen der Gesellschaft erfüllt werden (Sammlung).
– Der Partner als Objekt – Außerirdische und Erdbewohner – Die Sammlung – Das Kunstwerk – Die Beziehung als Objekt – Das traute Heim – Die Heilung – Religion und Religionsersatz – Das Spiel – 

Koordinationsgeschichten:
In Koordinationsgeschichten geht es darum, die Liebe in einer Beziehung zu entfalten, zu entwickeln. Beide Partner arbeiten gemeinsam daran. Die Liebe kann zum Beispiel als „Reise“ gesehen werden, mit oder ohne festgelegtem Ziel, oder als „Garten“, der sorgsam gepflegt werden muss. Es gibt aber auch Beziehungen die auf der Vorstellung einer „Geschäftsbeziehung“ basieren, in der beide Partner dafür verantwortlich sind, ein gesundes florierendes Unternehmen aufzubauen.
– Auf Reisen – Das Gewebe – Der Garten – Geschäftsleute – Sucht – 

Literarische Geschichten:
Wer Geschichten dieser Kategorie anhängt, glaubt an einen fiktiven oder realen Text, der als Vorlage dient und zeigt, wie eine Beziehung „richtig“ verlaufen sollte. In der Geschichte um „Prinz und Prinzessin“ wird der Partner als wahr gewordene Traumvorstellung gesehen, doch sobald die Oberfläche angekratzt ist, zeigt man sich entsetzt über den „wahren“ Charakter des Partners. Handelt es sich um „Wissenschaftler“, glauben die Partner, dass die Liebe, genau so wie andere Wissenschaften, analysiert und auseinander genommen werden kann. In der Geschichte um das „Kochbuch“ gehen die Partner davon aus, dass es nur die richtigen Zutaten bedarf, um eine glückliche Beziehung zu führen.
– Prinz und Prinzessin – Geschichtsbewusstsein – Die Wissenschaftliche Analyse – Das Kochbuch – 

Genregeschichten:
In diesen Geschichten bestimmt ein fortlaufendes Merkmal die Beziehung. Zum Beispiel der „Kriegszustand“, wo sich beide Partner einen ständigen Streit um jede noch zu kleine Kleinigkeit liefern. Treffen zwei „Schaupieler“ aufeinander, kann es sein, dass die Beziehung wie eine inszenierte „Theateraufführung“ ausschaut, aber offenbar fühlen sich beide damit wohl.
– Im Kriegszustand – Theaterspiel – Humoristen – Das Versteckspiel – 

Zu jedem Geschichtstyp werden zwei Beispiele aufgeführt, um dem Leser zu verdeutlichen, worum es in dieser Geschichte geht und was sie für einen Einfluss auf Partner und Beziehung hat.
Sternberg stützt seine Theorien auf verschiedene Tests, die er mit unterschiedlichen Probanden durchgeführt hat. 
In einem Versuch mit 60 Studenten, zur Hälfte männlich und weiblich, entdeckte er einen geschlechtspezifischen Hang zu bestimmten Geschichten. Bei den männlichen Probanden waren die Geschichten „Sammlung“, „Kunstwerk“ und „Pornographie“ sehr beliebt, während bei den Frauen die „Reise“ einen hohen Wert erreichte.
In einem weiteren Test mit 43 Paaren konnte wieder festgestellt werden, dass Männer eher als Frauen dazu neigen, ihre Partner als Objekte zu sehen (Kunstwerk, pornographisches Objekt) und sich gern als Nutznießer eines Opfers (das die Frau bringt) sehen. Die getesteten Paare hatten alle ein ähnliches Profil in ihren Geschichten, so dass man davon ausgehen kann, dass sie einigermaßen kompatibel miteinander waren.
In einer weiteren Paar-Studie, diesmal mit 55 Paaren, versuchte man die Geschichten auf zwei breite Kategorien festzulegen: ausgewogene und unausgewogene Machtverteilung. Beginnt man mit einer Beziehung, sollte man von Beginn an die Regeln für die Machtverteilung aufstellen, denn es ist viel schwerer im Nachhinein noch etwas daran zu ändern. 
Aus diesen Studien wurde geschlossen, dass das Konzept der „Liebe als Geschichte“ eine Erklärung dafür liefern kann, warum manche Beziehungen andauern und manche scheitern. Auch Beziehungen, die von außen betrachtet unglücklich scheinen, können gut funktionieren, wenn die Geschichten der beiden Partner kompatibel miteinander sind und wie gut die Partner ihre Rollen in der jeweiligen Geschichte ausfüllen.


Natürlich gibt es keine Zauberformel für die perfekte Beziehung. Standardmäßige Ratgeber zur Verbesserung Beziehungen vergessen leider, dass sich Menschen unterscheiden und nicht für jeden das Konzept des „Kochbuches“ in Frage kommt, wo man nur „dies“ oder „das“ zur Beziehung hinzufügen muss, damit alles super läuft. In diesem Buch, das ich nicht wirklich als Beziehungsratgeber sehe, wird die Liebe als Bestandteil einer Beziehung dargestellt, nicht als Allheilmittel. Die Liebe ist zwar ein wichtiger Teil dessen, was zum Erfolg führt, jedoch nicht nicht alles. Ich denke, es ist ein gutes Buch für Personen, die sich fragen, warum sie immer wieder an die gleiche Art Partner geraten, obwohl sie schon vorher wissen, dass die Beziehung wahrscheinlich wieder einmal scheitern wird. Das Buch gibt alternative Denkansätze, um herauszufinden, welcher Geschichte man selbst anhängt. Dann kann man auch verstehen, warum man so handelt, wie man es tut. Und wenn einem das nicht gefällt, ist man dann in der Lage etwas daran zu ändern. Zum Beispiel, wenn man immer wieder von Personen fasziniert ist, die einen zerstörerischen Charakter haben, man selbst aber immens darunter leidet. Es ist oftmals nicht leicht, alte Geschichten abzulegen, aber es ist einfacher, wenn man sich seiner Geschichte bewusst wird. Denn ist nur natürlich, dass sich Geschichten entwickeln und verändern. Das wird deutlich, wenn man überlegt, welcher Geschichten man mit 20 angehangen hat, und welche Geschichte heute zu einen passen. Das, was vor 10 Jahren als die perfekte Geschichte gegolten hat, kann heute eine Katastrophe sein.

Fazit: Wer die gleiche Macke hat, wie du, der passt auch zu dir.

Anja liest: Miriam Rademacher – Tanz des Mörders

Die Osnabrücker Autorin, Miriam Rademacher, habe ich auf einem „Heimatabend“ in der Lagerhalle e.V. kennengelernt, wo sie, neben anderen Autoren, ihre Bücher vorstellte. Mir gefiel die Art, wie die vorlas – denn das will wohl gekonnt sein. Zudem las sie ihre Krimis mit so viel Witz, dass ich unbedingt ein Exemplar erwerben musste. Ich nahm dann auch gleich beide Bände mit. 



Colin Duffot ist ein Tanzlehrer, der sich aus gesundheitlichen Gründen von London aufs Land zurückgezogen hat. Dort erhofft er sich eine ruhige Zeit und seinen Lendenwirbel viel Erholung. In dem kleinen Dorf hat er recht schnell Anschluss gefunden und in dem Pfarrer Jasper Johnson einen guten Freund. Nur leider verliert er grundsätzlich beim Dart gegen ihn – und sie spielen nicht um Geld, sondern um Gefälligkeiten. Colin schuldet dem Pfarrer also schon eine Menge. Diesmal soll er eine alte Dame besuchen. Agatha Summers wohnt in einem Cottage auf dem Hügel und ist unglücklich gestürzt, sodass Colin ihr Gesellschaft leisten soll. Schon kurz nach seiner Ankunft stellt er fest, dass die alte Dame die verhassteste Dorfbewohnerin überhaupt ist. Sie selbst hasst alles und jeden und schnüffelt in den Leben der anderen Leute herum.

„Hier hockte diese alte Spinne und starrte durch die Linsen ihres Fernglases direkt in das Leben anderer Leute hinein. Colin versuchte, sich statt in Ärger in Mitgefühl hineinzusteigern. Mitgefühl für eine Frau, deren eigenes Leben so langweilig war, dass sie ihre Aufmerksamkeit ganz auf ihre Nachbarn gelegt hatte. Sein sich ständig beschleunigender Puls machte ihm klar, dass es ihm nicht gelingen würde.“

Es kommt, wie es kommen muss: Als Colin sie am nächsten Tag besuchen will / muss, findet er ihre Leiche… WER WAR´S?

Gemeinsam mit dem Pfarrer Jasper und der Krankenschwester Norma macht sich Colin auf die Suche nach dem Mörder. Dabei entpuppt sich der Pfarrer als abenteuerlustiges Schlitzohr, Norma als furchtlose Einbrecherin und Colin… als Tanzlehrer.


Miriam Rademacher erzählt den Krimi spannend und mit viel Witz. Es gab einige Passagen bei denen ich herzlich gelacht habe. Dabei zeichnet sie ihre Charaktere so liebevoll und stimmig, dass sie einem auf unbedingt sympathisch sein müssen, oder man hasst sie eben. Die Autorin hat anscheinend ein sehr gutes Auge für die Gewohnheiten und die Charakterzüge ihrer Mitmenschen, so ist es ihr möglich, all die unterschiedlichen Personen in ihrem Buch sehr detailreich und glaubwürdig zu präsentieren. 

Die Kapitel des Romans sind allesamt nach Tanzrichtungen benannt, die gut zum Thema oder zur Entwicklung passen: Hustle – eins führt zum anderen; Quickstep – wenn der Rhythmus dich jagt; zum Beispiel. Das macht die Sache nicht nur sympathischer, sondern lässt auch gleich erahnen, was man in dem jeweiligen Kapitel zu erwarten hat.

Die Geschichte ist wirklich spannend. Nach und nach werden Leser Häppchen zugeworfen, die zur Lösung des Falls beitragen KÖNNTEN. Man selbst ist fleißig dabei mit zuraten, obwohl man sehr oft auf die falsche Spur gerät. Der Mörder findet sich dann schon beinahe zufällig. Das Ende ist wirklich spannend, es gibt sogar eine wilde Verfolgungsjagd (Quickstep). Auf die Lösung, wer der Mörder sein könnte, bin ich auch erst kurz vorher gekommen – als leidenschaftliche Krimileserin bin ich ja schon sehr erprobt im Finden des Mörders, aber hier hatte ich wirklich bis zum Schluss nur den Hauch eines Verdachts.

Ein sehr sympathischer Krimi, der einem Spaß macht. Wer außergewöhnliche Ermittler mag und einen leicht schwarzen Humor hat, der wird mit dem Tanzlehrer auf jeden Fall seine Freude haben. Ich habe den zweiten Band bereits gelesen und hoffe, dass der dritte Band bald erscheint.

Zu guter Letzt, möchte ich noch unbedingt auf die außergewöhnlichen Cover aufmerksam machen, von einem sehr talentierten Künstler entworfen wurden:


Anja liest: keine Liebesromane

Ich bin dafür bekannt, dass ich Liebesromane grundsätzlich nicht lese. Von Zeit zu Zeit löse ich damit heftige Diskussionen aus und frage mich oft selbst: „Warum eigentlich nicht?“ Ist es mir zu unrealistisch? Vielleicht bin ich einfach nicht romantisch? Oder aber ich bin eifersüchtig, weil ich selbst keinen Mann habe? Dabei mag ich Liebesgeschichten eigentlich recht gern. Nur nicht eben die Sorte, die beim Buchhändler im Bestsellerregal für Urlaubslektüre für Frauen steht. Aber warum nicht? Auf einer Lesung habe ich eine mögliche plausible Erklärung gefunden.



Letztes Wochenende war ich auf einer Lesung, auf der sich 10 Autoren mit ihren Büchern vorgestellt haben. Darunter waren viele Krimis, aber auch ein bestimmter Liebesroman, der mir endlich klar gemacht, warum ich an dieses Genre einfach nicht richtig rankomme.

In dem Roman ging es um eine Frau, die aufgrund eines BurnOut in Kur geschickt wird. Sie hat einen fiesen Freund, der sie ständig niedermacht. Während der Kur, in diesem Buch geht es eben darum, lernt sie dann einen Kurschatten kennen. Mehr Inhalt gab es nicht. Reichte auch völlig aus für mich, um schon zu wissen, dass dieses Buch definitiv nicht in meinem Regal stehen wird. In der Szene, die vorgelesen wurde, ging es darum, dass die Frau gerade gestärkt aus einer therapeutischen Sitzung kam, daraufhin jedoch von ihrem Freund am Telefon klein gemacht wurde und sich nun zum Trost mit einer Freundin in die nächstbeste Dorfkneipe zurückzieht. Dort werden Cocktails ausprobiert. Man meint ja, es würde ein Gelage unter Freundinnen geben, aber im Prinzip trinken sie nur einen einzigen Cocktail zusammen, dann erscheint der Besitzer der Bar und mixt ihnen ein pervers klingendes Getränk. Nach einigem hin und her ist die Freundin verschwunden, die Frau mit dem Mann allein und sie heult sich erstmal aus. Der Barbesitzer muntert sie auf. Erzählt ihr, wie schick er sie findet. Ihre Beine sind der Hammer und die Füße erst… Sie solle sich sexier anziehen, denn sie hätte ja so viel zu bieten. Und genau deshalb sollte sie sich von niemandem niedermachen lassen.

Da war er! Der Moment! Am liebsten hätte ich mich übergeben!

Nicht, dass der Mann versucht hätte, sie auf ihre mentalen Stärken hinzuweisen, auf die Erfolge, die sie in ihrem Leben erzielt hatte (immerhin hatte die Frau einen BurnOut, sodass ich mal davon ausgehe, dass sie zu viel und zu hart gearbeitet hat), nein, er beschränkt sich lediglich auf ihr Äußeres. Denn das scheint wohl das wichtigste zu sein: das eine Frau sexy ist. Intelligenz? Egal! Humor? Wurscht! Persönlichkeit? Ach, komm, geh weg! Da kann man das Charakterschwein vorm Herrn sein, aber wenn man heiße Beine hat, kommt man überall durch!

Was für eine sexistische Kackscheiße ist das denn? 

Ich habe mich sofort auf Recherche begeben und meinen Lieblingsbuchhandel aufgesucht. Dort habe ich mich vor das Regal mit den besagten Frauenromanen gestellt und musste erschreckendes feststellen. Beim durchlesen der Klappentexte und kurzen Inhalte entdeckte ich, dass sich so ziemlich alle Romane dieser Art um dieses Thema drehen.

Es kann doch wirklich nicht der Ernst der Autoren solcher und ähnlicher Geschichten sein, eine Frau derart zu reduzieren und dass auch noch in aller Öffentlichkeit – nämlich in einem Buch. Leute! Das liest vielleicht jemand, der das glaubt! Das lesen auch Frauen, die sich hinterher scheiße fühlen, weil sie keine heißen Beine haben und dann vielleicht glauben, sie kriegen aus diesem Grunde niemals einen Mann ab.
Und selbst dann, wenn es in den Romanen um starke Frauen geht, die Karriere machen, sehnen sich die Protagonistinnen grundsätzlich alle nach einem starken Mann, der ihnen zeigt, wie sie es richtig machen. Im Laufe der Geschichten geraten sie in schwierige Situationen und können ausschließlich von diesem einen Mann gerettet werden – und begeben sich dann willig in seine Arme, auf dass sie in Zukunft von ihm getragen werden. Denn das ist genau das, was alle Frauen wollen.

Und ganz schlimm ist das, wenn eine Frau für Frauen schreibt und dabei Rollenbilder bedient, die vor 70 Jahren von Männern eingeführt wurden. Da schämt man sich glatt fremd!

Wieso kann eine starke Frau nicht auch innerhalb einer Beziehung stark bleiben? Wieso gibt es kaum Bücher, wo der Mann nicht im Superheldenkostüm um die Ecke kommt und die heiße Braut aus dem Büro heiratet? Wieso gibt es keine Romane, in denen eine selbstbewusste Frau mit leichtem Übergewicht einen Mann aus einer misslichen Lage befreit. Nein. Solche Geschichten werden grundsätzlich als Komödien geschrieben oder der männliche Part ist ein Looser, weil ECHTEN Männern sowas natürlich nicht passiert.

Dabei gibt es in der Realität so viele Beispiele, deren man sich bedienen kann, um einen guten Liebesroman zu schreiben, ohne das man Geschlechter beleidigt. Wer hat denn keine alleinerziehende Freundin, die sich wie eine Löwin durch den Alltag mit Kindern und Arbeit kämpft? Oder eine politisch engagierte Frau, die sich für ein bestimmtes Thema stark macht, ohne dabei ins Lächerliche gezerrt zu werden? Es gibt so viele gute Beispiele von starken, intelligenten Frauen, die ihre Probleme selbst regeln und sich in der Welt behaupten können. Komischer Weise gibt es über solche Frauen kaum Liebesromane. Warum eigentlich nicht? Auch solche Frauen haben die Liebe ihres Lebens verdient! Nur machen sie sich nicht davon abhängig.

Anja liest: Stefan Wollschläger – Friesenklinik


Der Osnabrücker Autor Stefan Wollschläger hat einen weiteren Ostfriesenkrimi herausgebracht. Darauf habe ich mich schon gefreut.


Diesmal hält der Fall für Diederike Dirks und Oskar Breithammer einige Verwirrungen bereit. Das ist der zweite Fall der beiden Ermittler in Ostfriesland und wieder geht es durch die ganze Gegend, um den Täter zu finden.


Die Leiche der jungen Journalistin Bente Bleeker wird auf einem Containerplatz gefunden. Schnell wird klar, dass das Mädchen mit K.O-Tropfen umgebracht wurde und es wird von einem Unfall ausgegangen. Es wird vermutet, dass der Täter Anfänger war und sich in der Dosis geirrt hatte. 

Gleichzeitig erfährt man von Jorina Rewerts, die einen Albtraum in der Kinderwunschklinik erfährt. Ihre Eizellen, die sie vor 10 Jahren hat einfrieren lassen, sind plötzlich verschwunden. Aber nicht nur die, sondern auch ihre gesamten Unterlagen, die sie über den Eingriff hat, sind nicht mehr auffindbar. Hat sie sich den Klinikaufenthalt etwa nur eingebildet? Ist sie jetzt völlig schwachsinnig geworden?

Dann kommen die Ermittler mit Hilfe des Bruders des Opfers, der auch bei der Tageszeitung arbeitet, auf eine Story, die Bente verfolgt zu haben schien. Alles läuft nach Plan, absolut schlüssig und logisch, und auch der Täter ist schnell gefasst. Party! 


Moment! Das Buch ist doch erst zur Hälfte durch… Was denn jetzt noch? 

Es wird weiter ermittelt. Diederike (den Namen finde ich übrigens total genial!) glaubt nicht an ihre eigenen Ergebnisse und rollt den Fall weiter auf. Nach und nach kommen Einzelheiten hervor, die einen erschrecken und fesseln. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe sogar noch beim Essen gelesen.


Der Fall strickt sich kompliziert, aber es verwirrt nicht so sehr, dass man nicht mehr mitkommt. Der Höhepunkt des Buches ist so spannend geschrieben, dass ich währenddessen eine ganze Tüte m&ms weggeknabbert habe. Durch dieses Buch bin ich dick geworden! Gut, dass es auch irgendwann mal ein Ende hat. Jetzt gibt´s wieder Diät.

Das Ermittlerduo ist mir absolut sympathisch. Sie ergänzen sich super und ich mag Diederikes Humor. Es gab einige Passagen bei denen ich herzlich lachen musste. Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Jeder hat eine eigene Seele, sie sind nicht austauschbar und man mag sogar den komischen Kollegen mit dem Flachwitz. 

Das Ende war etwas abrupt, aber da alle Einzelheiten aufgeklärt waren, gab es auch nichts weiter zu erleben. Am besten hat mir tatsächlich gefallen, dass der Täter am Ende sein Fett wegkriegt. Yeah! „Da siehst du, Kind: Verbrechen zahlt sich eben doch nicht aus.“, hätte meine Oma jetzt gesagt.

Mir hat der Nachfolge-Krimi von Stefan Wollschläger sehr gefallen. Der Autor hat eine klare, unmissverständliche Sprache und baut auch Lokalkolorit mit ein. Da ich sehr gern in Ostfriesland unterwegs bin, habe ich einige Orte wiedererkannt und mich darüber sehr gefreut. Es gibt sogar wieder Ostfriesentee, diesmal allerdings in etwas anderer Form, als üblich. Die Story ist, trotz der Irrungen und Wirrungen, sehr deutlich und geradlinig. Die Handlungen und Erkenntnisse der Ermittler leuchten ein und sind logisch. Zwischendrin dachte ich auch mal, dass es jetzt ein bisschen zu abgehoben wird, aber auch das wird ganz einleuchtend erklärt und ist deshalb nachvollziehbar. Klar, warum kann das denn nicht in Ostfriesland passieren? Ein logistisch und strategisch idealer Ort. Einwandfrei gemacht.

Alles in allem ein gelungenes Werk und sehr spannend. Ich würde mich freuen, noch mehr davon zu lesen.


Reisen: Autobahn vs. Landstraße

Auf dem Weg in die Ferien lotste mich mein Navi über die Autobahnen – klar: der schnellste Weg. Wir waren auf dem Weg in den Norden, wollten an Hamburg vorbei Richtung Lübeck, und wir waren bis dahin super durchgekommen. Das Navi zeigte uns nur noch 1 h bis zum Ziel an. Yeah! Und dann kam der Stau. Ich fuhr die nächste Ausfahrt ab und landete in einer Baustelle. NEIIIIN! Wie wild tippte ich auf dem Navi herum, auf der Suche nach einer neuen Route. Und so fuhren wir über die Landstraße…




Zunächst war ich froh, dass ich erstmal aus dem Stau heraus war, dann warf ich einen Blick auf mein Navi und schlug mit dem Kopf auf mein Lenkrad: 2 h 30 min bis zum Ziel. Na super! Das war ja mal die beste Idee, die ich je hatte. 

Während ich noch vor mich hin grummelte, fuhren wir über die Dörfer mit alten Bauernhäusern, Blumenkübeln vor der Einfahrt und Hühnern auf den Höfen. Wir fuhren durch schattige Alleen. Ich kurbelte die Fenster herunter, fuhr die vorgeschriebenen 70kmh – manchmal auch weniger – und betrachtete die Felder, die Blumen am Straßenrand und die Kühe auf den Wiesen. Das Radio spielte Lieder aus den 90ern, zu denen ich mitsingen konnte. Die Kindern hörten auf zu meckern, ihnen wäre heiß, und entdecken an jeder Ecke etwas neues. Ich erzählte Geschichten aus meiner Kindheit auf dem Dorf meiner Großeltern. In den Parkbuchten und den Höfen wurden Eier, Honig und Marmeladen verschiedenster Sorten angeboten. 

Wir kamen mit knapp 2 h Verspätung am Ziel an. Aber wen störte das denn? Wir hatten keinen Termin, einchecken konnten wir zu jeder Zeit. Und dass wir ab und an mal einen Trecker vor uns hatten, störte uns nicht im Geringsten. Dafür waren wir entspannt und gut gelaunt, als wir ankamen. Außerdem wir hatten genug Eier für Pfannkuchen am Abend eingekauft.

Wäre die Autobahn frei gewesen, wären wir mit Sicherheit 2 Stunden eher dort angekommen. Jedoch wären wir durchgebraten und schlecht gelaunt gewesen. Mein Auto hat keine Klimaanlage und auf der Autobahn brennt mir die Sonne direkt aufs Dach, so dass ich mich nach relativ kurzer Zeit fühle, wie ein Brathähnchen. Dazu kommt der Stresspegel der Kinder, die nach frischer Luft jammern, mehr zu trinken, und an den ungünstigsten Stellen dringendst auf die Toilette müssen, gerade dann, wenn der nächste Rastplatz noch 10km entfernt ist. Auch Kinder haben eine Frustrationsgrenze und die wird bei langen Autobahnfahrten hart strapaziert. Irgendwann fangen sie an sich gegenseitig zu ärgern und dann hört man nur noch ein heftiges Gekeife aus Richtung der Rücksitze. Das dies nicht unbedingt zu einer entspannten Atmosphäre beiträgt, leuchtet wohl ein.

Ich frage mich, warum ich mir das ausgerechnet im Urlaub antun muss. Während ich gemütlich über die Landstraßen tuckern könnte, schlage ich mich über die Autobahnen durch und lass mir von Raser, LKWs, Baustellen, Staus und jammernde Kinder die Laune verderben. Gerade im Urlaub sollte ich doch eigentlich entspannt und gemütlich sein und mich diesem Stress nicht aussetzen. Ist doch egal, wann wir am Ziel ankommen – uns hetzt doch niemand. Wir haben schließlich Urlaub. Vielleicht sollte ich demnächst einfach mal über die Landstraße fahren, dafür aber eine längere Pause einplanen. Dann könnte es auch endlich mit einem Ziel weiter entfernt als 4 h Umkreis klappen. Der Weg ist das Ziel, heißt es doch.

Reisen mit Kindern: Camping bei der Erlebnisbahn Ratzeburg


Unsere Ferien verbrachten wir dieses Jahr in einem Eisenbahnwaggon. Bei der Erlebnisbahn Ratzeburg dreht sich alles um Züge und Waggons. Man kann hier nicht nur Ausflüge mit der Draisine machen und Fahrradtouren, sondern auch in einem ausgebauten Waggon schlafen. Wir haben für 5 Nächte in so einem Waggon genächtigt und fanden es sehr spannend. Es war wie Camping.




Die Erlebnisbahn liegt irgendwo zwischen Mölln und Ratzeburg, das liegt wiederum im Lübecker Dunstkreis. Ich bin ja immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten und durch eine Freundin auf die Erlebnisbahn gestoßen. 

Der Platz:

Die Erlebnisbahn ist zum einen ein Ausflugsziel für Familien und größere Gruppen. Dort kann man mit der Draisine fahren, sich Team-Räder ausleihen, Kanu fahren und andere Sachen machen, die man in einer Gruppe machen kann. Für uns gestaltete sich das etwas schwierig, weil ich allein mit den Kindern kaum eine Draisine 9km lang fahren kann. Wir hatten aber Glück und konnten uns mit einer anderen Familie zusammentun.

Der Platz an sich ist unerwartet groß gewesen. Überall stehen Waggons, die als Schlafmöglichkeit ausgebaut sind, oder als Spielplatz für Kinder gelten.

Eingang mit 6Team-Bikes – Räder für 6 Personen

Die Schlafwaggons mit Essplätzen

Die Draisinen

Schlafwaggon für 30 Personen in 10 Abteilen

Unser Essplatz


Es gibt auch einen großes Essplatz mit einem enormen Grill, an dem sich große Gruppen platzieren können.
Außerdem gibt es viele Spielmöglichkeiten für Kinder.




Unser Waggon:


Wir haben einen kleinen, einfach ausgestatteten Waggon gewählt. Dort passen bis zu 4 Personen hinein. Das große Bett war unter dem gewölbten Dach untergebracht und wir mussten immer eine Leiter hochklettern. Das war aber nicht so schlimm und es war auch sehr kuschelig, auch wenn es für mich etwas sehr niedrig war zum Sitzen. Für die Kinder war es absolut ok. Allerdings hat es mich extrem verunsichert, dass kein Rausfallgitter oder ähnliches angebracht war. Ich habe die erste Nacht kaum geschlafen, weil ich mit den Händen ständig nach den Kindern getastet habe, ob sie auch nicht zu nah am Rand liegen und hinunterfallen könnten. Nach ein paar Nächten hatte ich mich daran gewöhnt. Es ist auch nichts passiert. 

Außerdem hatten wir eine kleine Kochnische mit Kühlschrank in unserem Waggon, die mit dem nötigsten ausgestattet war. Teller, Töpfe, Besteck, Gläser, Tassen. Allerdings hat mir ein Wasserkocher gefehlt, den mir aber eine super nette Mitarbeiterin dann rübergebracht hat. Hauptsache ich kann meinen Tee trinken. 

Die Mitarbeiterin sagte mir auch, dass wir einen der einfachsten Waggons gebucht haben. So hatten wir zum Beispiel nicht wirklich fließend Wasser und mussten immer Behälter mit Wasser füllen, damit etwas aus dem Wasserhahn kam. Zum Glück lag die Pumpe dazu direkt vor unserem Waggon. Es gibt aber auch Waggons die größer sind und mit Dusche und Toilette ausgestattet sind, während wir auf die Toilettenwaggons und Duschen zurückgreifen mussten, wofür wir über den ganzen Platz laufen mussten. Uns hat das zwar so gar nichts ausgemacht, aber es gibt eben auch Leute, die lieber ihre eigene Toilette haben. Diese sollten dann lieber nach einem größeren Waggon fragen. Für uns war das eben Camping, nur ohne Zelt, sondern im Waggon. Die Sanitären Anlagen waren aber auch super sauber und in vollem Umfang funktionsfähig.
Eine Waschmaschine steht dort allerdings nicht zur Verfügung. Im Ort Mölln gibt einen Waschsalon, den man im Notfall nutzen kann. Handtücher sind, zum Beispiel, sehr schnell verbraucht – besonders wenn man oft baden geht. 

Lobenswert muss ich unbedingt erwähnen, dass wir eine Klimaanlage in unserem Waggon hatten. Das war auch bitter nötig, denn bei heißem Wetter steht dort die Luft drin, bis man sie schneiden kann. Aber mit Klimaanlage kann man nachts wunderbar schlafen. Tagsüber geht´s auch mit Fenster und Türen auf.






Was man hier so machen kann:

Baden im Schulsee:

Bei der Erlebnisbahn kann man schon einiges machen und sich die Zeit vertreiben. Wir haben in diesen Tagen aber lieber am See gelegen. Der Schulsee ist ein schöner Ort zum Entspannen. Der Badebereich ist abgegrenzt, so dass man als Schwimmer nicht mit den Booten kollidiert. Der Nichtschwimmerbereich ist schön groß und mit Rutschen ausgestattet. Schwimmreifen und Matten gibt es vor Ort und kann jeder benutzen. Außerdem wird alles vom DLRG überwacht. Im Hintergrund die schöne Kulisse von Mölln. 

Es gibt auch einen Wiesenbereich, auf dem man sich hinlegen kann. Außerdem gibt es hier ein großes Trampolin und viele Spielmöglichkeiten für Kinder. Außerdem gibt es – natürlich – einen Kiosk, an dem man sich das Wichtigste besorgen kann: Eis und Pommes.


Höfe besuchen:

Die Erlebnisbahn liegt in Schmilau, einem kleinen unscheinbaren Dörfchen. Hier gibt es weder Einkaufsmöglichkeiten, noch irgendwas anderes Spannendes. Allerdings gibt es hier eine Menge Höfe und Felder. Man kann hier selbst Himbeeren pflücken, Erdbeeren ernten und Reiten. Es gibt mehrere Reiterhöfe und große Ställe hier und man muss einfach mal höflich fragen, ob auch Urlaubskinder dort willkommen sind. Und während man so durch das Dörfchen schlendert, kann man sich die schönen alten Häuser anschauen.

beim Himbeeren pflücken

Mölln:

Mölln ist ein wunderschönes Städtchen mit vielen gotischen Bauten und einer niedlichen kleinen Altstadt. Nicht zu vergessen der idyllische See. Von Schmilau aus braucht man ungefähr 10 min mit dem Auto.

Die St. Nikolai-Kirche. Auch von Innen wunderschön

Mölln ist durchaus ein Spaziergang wert. Wir waren Eis essen, ein bisschen einkaufen und haben uns den Kurpark angeschaut.



Tipps:

Bringt genügend Handtücher mit.
Fragt bei der Reservierung, wie euer Waggon ausgestattet ist und bringt die fehlenden Sachen selbst mit – z.B. Wasserkocher oder Thermomix 😀
Ohne Auto kommt man hier nicht weit.
Einen Waschsalon gibt es in Mölln.
Einkaufen kann man auch in Mölln.
Die Mitarbeiter sind allesamt sehr nett und helfen euch jeder Zeit weiter – nur 17 Uhr ist kaum noch einer dort. Probleme sollten dann am besten vorher auftreten.
WLan ist nur begrenzt möglich. Wer zwingend auf Internet angewiesen ist, muss ich halt nen Stick mitbringen. Ansonsten geht das Leben eben analog weiter.

Tipp für Backpacker und Reisende mit kleinem Budget:
Die Erlebnisbahn bietet Reisenden mit kleinem Budget Logis gegen Arbeit an. Pro Person wird 1 Stunde Arbeit pro Tag berechnet, dann habt ihr ein Bett frei.

Seiten:

Website Erlebnisbahn Ratzeburg
Kirche Mölln, St. Nikolai
Badesee Schulsee
Adresse Waschsalon Mölln